💌 Herzensgrüße vom 15.05.2026 (Freitag) – Zwischen allen Fronten: Raid in Prigorodki, Taxifahrten und Angriffe
Hallo ihr Lieben,
es gibt Tage, an denen man glaubt, genau zu wissen, warum man Samariter geworden ist.
Und dann gibt es Tage wie heute....
Tage, an denen man versucht zu helfen, Brücken zu bauen und Streit zu schlichten und am Ende trotzdem zwischen allen Fronten steht.
Vielleicht gehört genau das zu unserem Weg. Vielleicht kann man Menschen helfen, ohne dass sie einen dafür verstehen.
Heute jedenfalls fühlte sich dieser Weg ermüdend und steinig an.
🪓 Ein aufgebrochener Turm
Der Morgen begann mit einem Anblick, den ich inzwischen leider nur allzu gut kenne.
Jemand hatte sich in der Nacht am Camp in Prigorodki zu schaffen gemacht. Der Turm war aufgebrochen worden, ein Zaun fehlte, aus unserem Auto war der Kühler ausgebaut worden und selbst am Fahnentor hatte sich jemand zu schaffen gemacht, als wolle er unbedingt bis zur Fahne vordringen. Drei Vorschlaghämmer waren dabei ruiniert worden. Zurückgelassen worden war lediglich eine Armbrust.
Absicht? Zufall? Eine Botschaft? Ich wusste es nicht.
Während Rio, Pinky und ich den Schaden begutachteten, tauchte plötzlich ein Fremder am Camp auf. Er antwortete weder auf Zurufe noch auf Fragen und verschwand ebenso schnell wieder, wie er erschienen war. Es wirkte beinahe, als hätte er Angst vor uns oder davor, erkannt zu werden.
Noch wusste niemand, dass dies nicht unsere letzte Begegnung mit ihm sein würde.
🤝 Ein neuer Reisender
Etwas später kam ein junger Überlebender zu uns. Er stellte sich als Artur vor, die meisten nannten ihn einfach "Arti", wie er mir sagte.
Er erzählte, ein anderer Überlebender mit einem ausgesprochen langen Namen habe ihm geraten, nach Prigorodki zu kommen. Zu den Samaritern. Zu Herz-Aus-Gold. Zu mir.
Solche Sätze gehen mir jedes Mal nahe.
Nicht, weil sie meinem Ego schmeicheln würden, sondern weil sie zeigen, dass Menschen anderen von unserem Camp erzählen. Dass Hoffnung weitergegeben wird wie eine kleine Flamme.
Arti stattete sich mit dem Nötigsten aus, wir wechselten ein paar Worte und schließlich zog er weiter.
Genau so wünsche ich mir unser Camp: Ein Ort, an dem Menschen ankommen dürfen. Ein Ort, den sie irgendwann wieder in Frieden verlassen können, um ihren Weg in Chernarus zu bestreiten. Wie auch immer er aussehen mag...
⚡ Wenn Vertrauen missbraucht wird
Doch die Ruhe hielt nicht lange.
Der schweigende Unbekannte kehrte zurück.
Wieder kein Wort. Wieder keine Reaktion.
Dieses Mal eröffneten Rio und Pinky das Feuer und konnten ihn schließlich gezeilt überwältigen. Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 fesselte ihn, doch der Unbekannte wählte er den Freitod, noch ehe wir Antworten auf unsere Fragen erhalten konnten. Eine traurige Geschichte, die damit eigentlich hätte enden können.
Doch wenig später erschien erneut ein Bambi.
Er spielte über sein Funkgerät ein russisches Lied ab, worin auf Russisch geflucht wurde und das die Drohung erhielt, man würde unser Zuhause zerstören.
Diesmal griffen wir entschlossen ein.
@Ersetzabares Crewmitglied Nr. 371 überwältigte ihn erneut mit Gummigeschossen, setzte ihn fest und versuchte immer wieder, mit ihm zu reden. Doch jedes Mal spielte er einfach weiter dieses Lied ab. Selbst mit einem Sack über dem Kopf. Selbst geknebelt ließ er nicht davon ab.
Irgendwann blieb kein anderer Ausweg mehr; der Gnadenschuss fiel.
Erst später erfuhren wir, wen wir dort vor uns gehabt hatten: Es war Ghaethanothoa, Nyarlathotheps Junge gewesen.
Ausgerechnet "Toah". Der Junge, den wir noch vor wenigen Tagen unter Einsatz unseres eigenen Lebens aus dem Militärgebiet in Tisy gerettet hatten. Für den wir quer durchs Land gefahren waren. Dem wir Medikamente gegeben und die Knochen geschient hatten.
Ich konnte es kaum glauben. Für mich brach eine Welt zusammen.
Wieder einmal hatten wir geholfen, nur um jetzt vor den Trümmern des missbrauchten Vertrauens zu sehen. Wie so oft. Und wie damals mit ItsSniper55.
Warum? Ein Racheakt, weil Arndts Basis zuvor von I.K.E.A. geraided worden war?
Diese Frage konnte selbst er später nicht zufriedenstellend beantworten.
Doch wir sprachen. Ruhig. Am Lagerfeuer. Er habe einfach etwas Neues versuchen wollen. Die Gelegenheit witterte. Er versprach, den Schaden wiedergutmachen zu wollen und beteuerte, dass so etwas nie wieder geschehen werde. Und doch blieb ein ungutes Gefühl.
Zu viele Kleinigkeiten passten nicht zusammen. Er schien erstaunlich genau zu wissen, wie man Hindernisse überwindet. Wie man sich Hintertüren offen hält. Vielleicht hatte jemand seine Hand im Spiel. Vielleicht auch nicht. Ich weiß es bis heute nicht, aber wir beschlossen ihm nochmals eine Chance zu geben. Seine Wiedergutmachungsangebote lehnten wir ab. Wir wollten nur, dass er unsere Camps und vor allem unsere Arbeit hier in Zukunft respektierte.
🚕 Wenn Neutralität plötzlich unmöglich wird
Währenddessen tobte im Westen bereits der nächste Konflikt: I.K.E.A. gegen CHAOS.
Bei einem Raid benötigten mehrere Gruppen Transporte zwischen Küste und Einsatzort.
Also machten wir das, was Samariter eben tun: Wir fuhren.
Nicht für eine Seite, sondern für Menschen.
autisticdeer (TruboTommy), Mora und Punisher01212 (Andy) brachten wir zunächst Richtung Zelenogorsk.
Zur gleichen Zeit sammelte Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 bei Kamyshovo einen - auf den ersten Blick - völlig unbeteiligten Neuankömmling auf und brachte ihn nach Prigorodki.
Doch genau in diesem Moment eskalierte die Situation. Immer mehr Bambis strömten zum Camp. Einige wollten lediglich mitfahren, andere gehörten offensichtlich zu den beiden beteiligten Gruppen.
NiggoB und dreizehnzwoelf (Max) waren ebenfalls vor Ort. Kurz darauf wurde Max vor dem Camp niedergeschlagen und verlor wenig später sein Leben. NiggoB wurde mit einer Gartenharke verfolgt und voN CHAOS attackiert. Pinky griff schließlich ein und fuhr mit seinem Fahrzeug durch die Angreifer, um Schlimmeres zu verhindern.
Für Davus war damit klar: Die Samariter seien parteiisch! Sie würden I.K.E.A. bevorzugen.
Dabei wusste er nicht, wie viele Diskussionen diesem Taxisystem vorausgegangen waren. Wie lange wir überlegt hatten, wie man möglichst allen helfen konnte, ohne selbst Partei zu ergreifen.
Am Ende hatten beide Seiten dieselbe Anzahl an Fahrten erhalten. Doch manchmal zählen Zahlen nicht. Manchmal zählt nur das eigene Gefühl. Und das war an diesem Tag auf beiden Seiten verletzt.
Deshalb trafen wir schließlich eine Entscheidung: Die Taxifahrten werden von nun an eingestellt. Nicht, weil wir nicht helfen wollen. Aber wir merken, dass jede weitere Fahrt den Streit nur weiter anheizt.
🌱 Vertrauen verdient eine zweite Chance
Als wäre all das noch nicht genug gewesen, hatten sich währenddessen zwei weitere Bambis heimlich im roten Gunter versteckt. Sie stellten sich als Nr. 244 und Kip vor. Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 führte sie durchs Camp, erklärte unsere Regeln und ließ sie schließlich wieder ziehen. Kurz darauf versuchte einer der beiden allerdings plötzlich, sie zu fesseln.
Nur ihrer schnellen Reaktion war es zu verdanken, dass stattdessen dessen Freund festgesetzt werden konnte. Als der zweite später zurückkehrte, entschied sich Nr. 371 dennoch gegen Vergeltung.
Sie erklärte beiden stattdessen verhältnismäßig ruhig, dass ein solches Verhalten am Camp keinen Platz habe. Dann ließ sie sie gehen.
Vielleicht war genau das ihr Fehler.
Denn wenig später gelang es beiden auf unerklärliche Weise, Black Lion und Jammet im Nordwald von Prigorodki aufzuspüren. Black Lion wurde getötet, seine Waffe gestohlen und kurz darauf verlor auch Jammet sein Leben. Wir rappelten uns wieder auf, doch der Schaden war längst entstanden. Es schmerzt besonders, wenn Menschen das Vertrauen missbrauchen, das man ihnen gerade erst geschenkt hat.
In der Nacht bracht Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 noch zu Crippsy77s Tower auf und beobachtete, wie im Morgengrauen eine Olga gestohlen wurde. Offenbar war CHAOS am Werk... das Auto war weg und ihre Schießkünste reichten nicht, um den Fahrer zu stoppen. Zähneknirschend kehrte sie zum Camp zurück. Was für ein ausgesprochen "beschissener" Tag für sie.
🌙 Gedanken zum Schluss
Als die Dunkelheit über Prigorodki hereinbrach, bauten Blitzo und Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 gemeinsam die beschädigten Wände unseres Turms wieder auf.
Bretter lassen sich ersetzen. Nägel findet man irgendwann wieder. Selbst ein zerstörter Zaun kann neu errichtet werden.
Schwieriger ist etwas anderes.
Neutral zu bleiben, wenn beide Seiten überzeugt sind, dass man gegen sie arbeitet. Heute wurde uns vorgeworfen, wir würden die einen bevorzugen. Morgen werden vielleicht die anderen denselben Vorwurf erheben.Doch Neutralität bedeutet nicht, dass alle mit unseren Entscheidungen zufrieden sein werden. Neutralität bedeutet, jedem Menschen dieselbe Chance zu geben. Dieselben Regeln anzuwenden. Dieselben Grenzen zu ziehen.
Und manchmal bedeutet sie auch, sich den Vorwurf gefallen zu lassen, nicht genug für die eine oder die andere Seite getan zu haben.
Vielleicht ist genau das der Preis dafür, Samariter zu sein. Und wenn das so ist, dann bin ich bereit, ihn auch morgen wieder zu bezahlen.
In diesem Sinne: Passt auf euch auf und bleibt am Leben.
gez.
Herz-Aus-Gold 💛