Nach einem fehlgeschlagenen Militäreinsatz wurden mehrere strategisch wichtige Stellungen aufgegeben. Zurück blieben Flaggenmasten, vereinzelte Vorräte – und offenbar auch einige hastig angelegte Notdepots.
Mittlerweile haben mehrere Gruppen, Fraktionen und einzelne Überlebende davon erfahren.
Und damit beginnt der Kampf um die Kontrolle. Diesmal gibt es nicht nur einen Hügel: Wenn es die Zeit zulässt, erwarten euch insgesamt drei Runden.
Jede Runde beginnt an einer neuen Stellung. Jede Runde kann unabhängig von den vorherigen gewonnen oder besucht werden.
Wer in Runde 1 fällt, muss also noch lange nicht Feierabend machen. 😉
🧭 Ablauf
🕣 20:30 Uhr: Eine erste Servermeldung verrät euch, in welchem Gebiet sich die erste strategisch wichtige Stellung befindet.
Beispielsweise:
Norden
Süden
Osten
Westen
🕘 21:00 Uhr: Der genaue Ort der ersten Stellung wird über Servernachricht bekanntgegeben.
Vor Ort befindet sich:
• ein Flaggenmast • eine gesenkte Flagge • ein durch Fässer markierter Kontrollbereich
Ab diesem Moment ist die Stellung freigegeben.
Nach Abschluss einer Runde wird die nächste Stellung bekanntgegeben.
Wenn es zeitlich passt, spielen wir bis zu drei Runden.
🚩 Wie gewinnt man eine Runde?
Im Umkreis von etwa 10 Metern um die Fahne befindet sich der markierte Kontrollbereich.
Solange sich mindestens ein Spieler innerhalb dieses Bereiches befindet, schreitet die Einnahme der Fahne voran.
Verlassen alle Spieler den Kontrollbereich oder werden getötet, wird die Einnahme unterbrochen und die Fahne sinkt wieder.
Das vollständige Hissen der Fahne dauert etwa 15 Minuten.
Sobald die Flagge vollständig gehisst wurde, gilt die Stellung als eingenommen. Die Lootbox erscheint.
Dann heißt es:
Loot sichern.
Überleben.
Und möglichst heil wieder verschwinden.
🔫 Gar nicht oder Schlecht ausgerüstet?
Dann solltet ihr die Augen offen halten! Beim Rückzug wurden offenbar nicht nur die Stellungen aufgegeben.
Im Umfeld können sich versteckte Waffen- und Munitionsdepots befinden.
Vielleicht findet ihr eine Waffe. Vielleicht ein Magazin. Vielleicht genau das, was euch fehlt, um den Kampf um die Fahne noch einmal aufzunehmen.
Die Depots sind ausdrücklich für alle da.
Wer etwas findet, darf es benutzen – und natürlich behalten, sofern er damit wieder vom Schlachtfeld herunterkommt. 😉
Das bedeutet auch:
In Runde 1 gestorben?
Dann kommt zurück! Ihr müsst nicht erst wieder vollständig ausgerüstet sein, um in der nächsten Runde eine Chance zu haben.
🪖 Allein oder nur zu zweit unterwegs?
Kein Grund, zu Hause zu bleiben.
Ihr müsst die Stellung nicht als Erste erreichen. Ihr müsst auch nicht frontal gegen eine komplette Gruppe antreten.
Beobachtet.
Sucht nach Ausrüstung.
Lasst andere um die Fahne kämpfen.
Wartet auf euren Moment.
Denn wenn sich zwei große Gruppen gerade gegenseitig zerlegt haben, freut sich der Dritte, oder der Vierte... 😉
⚠️ Regeln – Haltet die Fahne
Die allgemeinen GDZ-Regeln gelten selbstverständlich weiterhin. Combat Logging, Cheating und Exploits bleiben verboten.
Gruppen sind erlaubt. Ihr dürft allein, als Duo, Gruppe oder komplette Fraktion teilnehmen.
PvP ist ausdrücklich Teil des Events. Wer den Hügel halten möchte, muss ihn verteidigen.
Die Fahne wird nur gewertet, solange sich mindestens ein Spieler der einnehmenden Partei innerhalb des markierten Kontrollbereiches befindet.
Der Radius für die Auswertung der Kill-Logs beträgt jeweils 3 km um die jeweilige Fahne.
Gefundene Ausrüstung sowie Fässer und Kisten aus den Notdepots dürfen verwendet und behalten werden.
Der Loot der eingenommenen Stellung gehört den Überlebenden. Wer ihn sichern kann, darf ihn behalten.
Jede Runde steht für sich. Wer eine Runde verliert oder stirbt, darf selbstverständlich in der nächsten wieder antreten.
🏆 Was gibt es zu gewinnen?
Loot aus den eroberten Stellungen (Baumaterialien, Waffen, Fässer, Kisten, seltene Items, die sonst nicht so spawnen...)
Diverse Südfrüste zum Sammeln für die Trophäe "Fruit of the Doom", Auswertung folgt am Ende der Season!
Auswertung: Schützenkönig
Der Spieler mit den meisten Kills im Eventgebiet über den gesamten Abend wird zum Schützenkönig gekürt und erhält die Event-Trophäe „Deathmatch-Sieger“ in Bronze. Eine "Beschützer" Trophäe wird es dieses Mal nicht geben.
Versteckte Waffen, Munition und Ausrüstung sowie natürlich die sichergestellte Ausrüstung eurer Gegner 😅
Ruhm und Ehre
Und hoffentlich eine Geschichte, die man noch etwas länger erzählt.
💡 Noch ein Tipp
Drei Runden bedeuten drei neue Chancen. Vielleicht gehört euch die erste Fahne. Vielleicht verliert ihr dort alles. Aber vielleicht findet ihr auf dem Weg zur zweiten Stellung irgendwo eine zurückgelassene Waffe. Und vielleicht steht am Ende ausgerechnet derjenige an der dritten Fahne, den nach Runde 1 schon niemand mehr auf der Rechnung hatte.
Also:
Packt ein, was ihr entbehren könnt.
Kommt allein.
Kommt zu zweit.
Kommt mit eurer ganzen Truppe.
Oder kommt mit einer IJ-70, euren Fäusten und ohne Plan.
Inhalte von externen Seiten werden ohne Ihre Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.
BisSonntag um Mitternacht habt ihr noch Zeit, für euren "Clip of the Month August 2026" abzustimmen. Zeigt durch Reaktionen hier im Forum, welche Clips euch gefallen haben
🎯 Weiteste Kills: 1. ASSAULTxHDx → Blitzo mit DMR aus 85.4m 2. Blitzo → [501st]Zwie8el mit KA-M aus 25.4m 3. ASSAULTxHDx → Whiskey mit KA-101 aus 13.3m 4. Siuuuuu → Nici mit M4-A1 aus 12.9m 5. ASSAULTxHDx → LootGoblin mit KA-101 aus 11.7m
Glückwunsch zur "Deathmatch-Sieger Trophäe in Bronze an ASSAULTxHDx
Inhalte von externen Seiten werden ohne Ihre Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.
Ein experimentelles Sonderformat für alle, die schon immer wissen wollten, was passiert, wenn Informationen plötzlich zur Waffe werden... Denn diesmal gilt: Der Stream IST Teil des Spiels.
Ja, richtig gelesen! Streamsniping ist beim ersten Teil des Events, der Verfolgungsjagd, ausdrücklich erlaubt und Teil der Mechanik. Wer meinen Event-Stream auf Youtube schaut und Wissen nutzt, schummelt nicht. Er nutzt nur alle zur Verfügung stehenden Kanäle.
Das Event ist bewusst chaotisch und experimentell gehalten. Improvisation, Panik und schlechte Entscheidungen gehören ausdrücklich dazu. Und genau deshalb wird das hier vermutlich komplett eskalieren. 🤣
🏳️ Das Ziel des Events
Finde die Position des ersten Zielobjekts mithilfe des Streams und Hinweisen aus dem Chat.
Eliminierte das Zielobjekt und sichere den "Roten Rucksack".
Finde die Hinweise auf das Zielgebiet und bringe den Rucksack dorthin.
Öffne dort das Zahlenschloss des kleinen Stützpunktes und sichere dir die Versorgungsgüter (aka "Loot").
Entkomme mit deinem Loot und bring dich in Sicherheit.
Achja und natürlich gibt es wieder die Kill-Logs, wer wen wann womit erschossen hat und man kann wieder Schützenkönig werden.
Man munkelt, es gibt auch wieder Südfruchte und seltene Items zu sichern...
📋 Ablauf
Ein bewaffneter Trupp ist unterwegs nach Chernarus. Sie führen einen roten Rucksack mit sich, in dem sich wertvolle Zugangscodes befinden. Diese benötigt man, um an Versorgzungsgüter (aka "Loot") im Zielgebiet zu gelangen. Hinweise auf das Zielgebiet befinden sich ebenfalls im Rucksack.
Im Vorfeld der Runde sichert eine Zielperson sich den Rucksack. Sie versucht nun das Zielgebiet zu erreichen und sich die Versorgungsgüter zu sichern. Es wird eine Richtung vorgegeben, der Stream startet. Die anderen Mitspieler versuchen nun die Zielperson unterwegs abzufangen und zu eliminieren und den Rucksack zu sichern. Dann machen sie sich selbst auf den Weg zum Zielort.
Aber: Wer den roten Rucksack trägt, wird automatisch zum Zielobjekt! Wird der Rucksack abgelegt, bleibt die Kamera unter Umständen auf der Person, die ihn zuletzt getragen hat. Und wenn jemand anderes den Rucksack dann aufnimmt - Zack, neues Ziel!
Klingt einfach?
Dann warte mal ab, bis plötzlich halb Chernarus deinen Standort kennt. 👀 Die Stream-Kamera wird nämlich immer wieder auf den Rucksackträger schwenken...
20:30 Uhr --> 1. Adminnachricht zum Event
20:40 Uhr --> 2. Adminnachricht zum Event
20:45 Uhr --> 3. Adminnachricht zum Event
21:00 Uhr --> 4. Adminnachricht zum Start des Events: Kurs des Zielobjekts wird bekanntgegeben
21:25 Uhr --> 5. Adminnachricht: Ort des Zielobjekts wird bekanntgegeben mit Kurs. Stream startet. Die Jagd beginnt...
Das Event wird live begleitet. Die Kamera wechselt bleibt in der Regel beim Rucksackträger, gönnt ihm aber auch mal eine Verschnaufpause. Der Chat darf kommentieren und "mitmischen".
Wird der Rucksack abgelegt, bleibt die Kamera unter Umständen auf der Person, die ihn zuletzt getragen hat. Und wenn jemand anderes den Rucksack dann aufnimmt - Zack, neues Ziel!
Der Stream ist Teil der Spielmechanik; Informationen aus dem Stream dürfen genutzt werden
Streamsniping ist im ersten Teil, der Verfolgungsjagd ausdrücklich erlaubt. Beim zweiten Teil (Kampf im Zielgebiet) wird die Kamera sich zurückhalten, um den Ablauf der Gefechte nicht zu gefährden.
Die Kamera ist Teil des Events: Das Event wird live begleitet. Die Kamera kann das Zielobjekt verfolgen, Kämpfe beobachten und Positionen sichtbar machen Es besteht kein Anspruch auf vollständige Unsichtbarkeit aber auch nicht auf vollständige Sichtbarkeit
⚠️ Regeln zum META-EVENT
Streamsniping ist im ersten Teil ausdrücklich erlaubt.
Der Träger des roten Rucksacks darf keine Fahrzeuge nutzen. Das gilt für: Autos, LKW und Boote
PvP ist ausdrücklich erwünscht, Teamplay ist möglich
Der Inhalt des Rucksacks muss "intakt" und beim Träger bleiben. Das heißt, nichts "entsorgen", "verstecken" oder "verändern" (Hinweise, Zugangscode...)
Wird das Zielobjekt getötet und der Rucksack übernommen, geht die Rolle automatisch auf den neuen Träger über.
Ein ruinierter Rucksack wird nicht ersetzt. Er kann dann abgelegt werden, aber dann läuft er Gefahr zu despawnen...
Die Kiste mit dem Loot kann in der Versorgungsbasis erst gesichert werden, wenn der Rucksackträger am Zielort eingetroffen ist! Nicht vorher.
Informationen erfolgen ausschließlich über: Chatmeldungen, Signale, den Stream und natürlich andere (Mit-) Spieler
Der- oder Diejenige mit den meisten Kills im Eventgebiet wird zum "Schützenkönig" ernannt und erhält für dieses Event die Forentrophäe "Deathmatch-Sieger" in Bronze.
Überraschungsloot, seltene Gegenstände und Südfruchte Schnappt sie euch alle!
Ruhm und Ehre
Und hoffentlich eine Geschichte, die man noch lange erzählt.
Die Samariter von Chernarus melden sich auch wieder zurück!
Willkommen in der Hölle!
Von links nach rechts: janinesta (Selina), s-tlk, Azubine .chantal2000 (sieht wie immer gut aus!), Black Lion, Herz-Aus-Gold , Pinky, Jammet und vorne reanimiert gerade The_GraveDigger unser Ersetzbares Crewmitglied. Zwar kein Samariter, aber sie hat sich aufs Bild geschlichen... Lina, die Dame in Blau fehlt leider. Die hatte gerade andere Dinge zu tun und durchstöberte die örtlichen Krankenhäuser auf der Suche nach medizinischen Versorgungsgütern
Wie ich schon zu einem anderen Kommentator sagte, ich kann leider immer nur wiedergeben, was mir erzählt wurde und oft ist das ein heilloses Durcheinander 😅
Gerade bei dem Vorfall habe ich nun gefühlt vier verschiedene Berichte vorliegen. Aber das macht es ja spannend.
Mir ist es aber lieber, ihr schreibt mir das privat, um den Lesefluss hier im Thema nicht zu stören. Es sei denn es ist im RP-Stil gehalten und fügt sich hier nahtlos ein. Hier soll nämlich nicht aus meinen Berichten eine Diskussion um die „Wahrheit“ entstehen.
Ich habe beschlossen, den Beitrag nicht nochmals anzupassen, weil er den Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Erstellung spiegelt. Ich werde deine Anregungen allerdings in einem kommenden Beitrag, der diesen Tag behandelt, aufgreifen und darauf eingehen. Ich hoffe das ist in deinem Sinn und wie gesagt: Korrekturen und Anmerkungen sind sehr willkommen. Versteht mich da nicht falsch. Nur halt entweder im RP-Stil oder privat per Nachricht. Danke
Hmm ja der Betrunkene sieht mir von der Körperhaltung auch leicht... gefesselt aus Oo Ich hab ja schon von euren Begrüßungsritualen auf der Insel gehört, aber dass ihr in Chernarus so eskaliert... Mann, hoffen wir schnell dass DeerIsle bald wiederkommt!
Sonntag, 23.08.2026 – Tag 010 – Was wir glauben, bevor wir wissen (Teil II)
────────────── 💛 ──────────────
Hallo nochmal ihr Lieben,
manchmal ist es nicht der erste Schuss, der einen Konflikt auslöst, sondern der Augenblick, in dem niemand mehr bereit ist, an einen Irrtum zu glauben. Dann genügt ein fremdes Gesicht vor einer Mauer, eine bekannte Stimme am falschen Ort oder eine Bewegung, die nur deshalb verdächtig erscheint, weil wir längst mit dem Schlimmsten rechnen. Aus einzelnen Beobachtungen werden Zusammenhänge, aus Zusammenhängen entstehen Überzeugungen und irgendwann verteidigen wir nicht mehr nur unser Leben, sondern auch eine Geschichte, von der wir noch gar nicht wissen, ob sie wahr ist.
Vielleicht ist es deshalb so schwer, in Chernarus besonnen zu bleiben. Nicht, weil wir zu wenig sehen, sondern weil wir viel zu oft gezwungen sind, aus dem Wenigen, das wir sehen, innerhalb weniger Atemzüge eine Entscheidung zu treffen.
────────────── 💛 ──────────────
🏢Ein Fremder vor der falschen Mauer
Kaum hatte ich mir eingeredet, dass wir uns zunächst um die einfachen Dinge kümmern mussten – Nahrung anbauen, das Camp versorgen und die "Raidsperre" (Vielen Dank an NiggoB für die tatkräftige Hilfe bei den Bauarbeiten!) in der Leitstelle errichten –, meldete sich Cypress mit der nächsten beunruhigenden Nachricht.
Felixwert100 und er sahen auf dem Dach einen Fremden mit einem Baseballschläger. Kein schwer bewaffneter Angreifer, kein Mann mit Plattenweste und Sturmgewehr, sondern jemand, der auf den ersten Blick kaum mehr als ein etwas zu selbstbewusstes Bambi zu sein schien. Cypress sprach ihn an, und der Fremde behauptete, nichts bei sich zu tragen und bat darum, nicht erschossen zu werden. Damit hätte die Sache erledigt sein können.
Nur dann trat Jannnik auf den Plan, weil er Reifen für den Sarka holen wollte, sah die Situation und schoss den Mann von hinten nieder. Man könne schließlich nie wissen, sagte man hinterher...
Und ja, das stimmt. Man kann nie wissen. Genau darin liegt inzwischen unser größtes Problem. War es denn wirklich nötig gewesen, den fast Unbewaffneten zu erschießen? War das die Botschaft, die man setzen wollte?
Später wurde die Stimme des Fremden erkannt, und damit wissen wir zumindest, dass es sich nicht um irgendeinen namenlosen Neuankömmling gehandelt hatte. Es war Kallele und er gehörte zu CHAOS. Was er an der im Süden wollte, weshalb er dort mit einem Baseballschläger auftauchte und ob sein Besuch tatsächlich harmlos gewesen wäre, wissen wir dagegen bis heute nicht. Vielleicht wollte er nur beobachten, vielleicht provozieren, vielleicht etwas vorbereiten, von dem wir erst später erfahren werden.
Nichts davon ist bewiesen, und ich möchte natürlich nicht aus einer erkannten Stimme keine fertige Anklage bauen. Dennoch hinterlässt der Gedanke ein ungutes Gefühl, denn CHAOS verirrt sich selten zufällig an einen Ort, und ein Mann mit Baseballschläger ist nicht automatisch ungefährlich, nur weil seine Waffe bescheidener aussieht als die der Menschen, die ihn beobachten.
Kurz darauf fielen weitere Schüsse, laut und ungedämpft, und als Cypress wieder das Dach bestieg, entdeckte er rund um die Basis drei tote Schafe. Drei reglose Tierkadaver im Gras, die vielleicht bloß das Ergebnis einer Jagd waren und dennoch wie eine Botschaft wirkten, deren Sprache wir noch nicht verstanden. Niemand da, der sie abtransportierte oder briet. Das erinnerte uns an das Trio um Olli, Franzi und den Dritten im Bunde, die in der Nähe Hammel gegrillt hatten, bevor sie beschlossen hatten, die Basis ohne Einwilligung der Besitzer zu besichtigen. War das auch wieder die "Hammelbande" gewesen, wie ich sie inzwischen in Ermangelung eines offiziellen Namens intern nannte.
Die Nachricht genügte jedenfalls, um die I.K.E.A. zu mobilisieren.
Zwei schwer ausgerüstete Überlebende wurden in Richtung Prigorodki gemeldet, doch ihre Spur verlor sich zunächst. Später hieß es, sie seien am Camp gewesen, und wenig später kam es an der Tankstelle von Chernogorsk zu einem Gefecht.. naja ein Schusswechsel. WhiskeyMixer sah zwei Schwerbewaffnete Überlebende und erwischte sie vom legendären "Liebesnest" aus. Cypress eilte hinzu und gemeinsam konnten sie die Angreifer überwältigen. In deren Taschen fand sich eine auffällige Menge Hammelfleisch, was den drei toten Schafen rückblickend eine mögliche Bedeutung verlieh.
Vielleicht war es auch die "Hammelbande" gewesen... Vielleicht war es einfach nur Chernarus, das wieder einmal zufällige Dinge so ordentlich nebeneinanderlegte, dass sie wie eine Absicht aussahen.
Während WhiskeyMixer und Cypress noch versuchten, die Lage zu überblicken, erschienen zwei weitere Gestalten mit Armbrüsten an der Tankstelle. Sie trugen keine Armbinden, zielten jedoch in ihre Richtung, und nach allem, was unmittelbar zuvor geschehen war, hielten WhiskeyMixer und Cypress sie für Verstärkung der Angreifer. Also schossen sie. Erst später stellte sich heraus, dass es Cala-j und sein neuer Zögling "Solid Secondhand" gewesen waren.
Beide hatten bis auf ihre Armbrüste und einige Pistolen kaum etwas bei sich und waren keineswegs gekommen, um gemeinsam mit den anderen einen Angriff zu führen. Cypress wurde sehr still, als Cala-j davon erzählte, denn plötzlich lag vor ihm nicht mehr die erfolgreiche Abwehr einer weiteren Bedrohung, sondern die Erkenntnis, dass man in der Unruhe die Falschen erwischt hatte.
Er entschuldigte sich aufrichtig.
Cala-j nahm es erstaunlich gelassen, vielleicht weil er wusste, wie schnell in diesen Tagen ein falscher Winkel, eine erhobene Waffe oder eine Sekunde des Zögerns darüber entscheiden konnten, welche Geschichte am Ende erzählt wurde. Trotzdem blieb der bittere Nachgeschmack. Nicht jeder, der zur falschen Zeit mit einer Waffe in der Hand auftaucht, gehört zu den Menschen, vor denen man sich gerade fürchtet.
Manchmal gehört er nur zu den Menschen, die genauso viel Angst haben.
────────────── 💛 ──────────────
🐺Von Wölfen, Stimmen und schlechten Entscheidungen
Mauersegler (Lehmi) kehrte unterdessen von seiner Rundreise zurück und berichtete, dass ihm nicht ein einziges Tier begegnet war. Angesichts dreier toter Schafe vor einer Basis erschien selbst das beinahe verdächtig, doch vermutlich hatte Chernarus seine Tiere an diesem Tag lediglich wieder dort verteilt, wo sie den Überlebenden am besten aus dem Weg gehen konnten.
Vezir erlebte währenddessen seine eigene merkwürdige Begegnung. Bei Arsenovo entdeckte er einen Überlebenden im grünen Ghillie, der mit einem Zombie kämpfte. Vezir schoss mit seiner SK auf ihn, woraufhin der Mann plötzlich in die Luft flog. Was genau passiert war und ob von dem Ghillie überhaupt noch etwas übrig blieb, konnte Vezir nicht sagen, denn er tat anschließend das Vernünftigste, was man in einer solchen Situation tun konnte: Er rannte davon und versteckte sich.
Am Rohbau in Prigorodki wurde später ein totes Bambi neben einem grünen Zelt gefunden. Cypress brachte das Zelt zu uns, während Jannnik nach Aussage von Interception (Tim) bei Kamyshovo seinen nächsten Autounfall hatte. Er wechselte den Kühler und setzte seine Fahrt anschließend mit drei Reifen fort, was vermutlich weniger über die Fahrtüchtigkeit des Wagens aussagte als über Jannniks Bereitschaft, sich von physikalischen Einwänden aufhalten zu lassen.
Interception (Tim) wiederum schloss sich in Chernogorsk ein und nutzte die Funkanlage, um Mitteilungen bezüglich der vermeintlichen Sperrzone I.K.E.A.s zu verbreiten. Ich warnte ihn noch davor, sein Glück nicht herauszufordern, aber er zog seinen Plan durch. Zum Glück lief es friedlich ab und die I.K.E.A. stürmte seine Funkzentrale nicht. Eine seiner Stimmen habe ihm aufgetragen, das zu tun, erklärte er später. Inzwischen wusste ich manchmal nicht mehr, was mir größere Sorgen bereitete: diese Stimmen, von denen Interception (Tim) immer mehr erzählte oder die Tatsache, dass einige dieser Stimmen offenbar einen erstaunlich guten Überblick über die politische Lage besaßen und genau wussten, wie man sich und andere am besten in Schwierigkeiten brachte.
Doch hinter all diesen Merkwürdigkeiten lag eine Anspannung, die längst nicht mehr belustigend war. Zu viele Menschen hielten Waffen in den Händen, zu viele Gruppen glaubten, dass irgendwo jemand gegen sie plante, und zu viele harmlose Begegnungen begannen bereits mit dem Gedanken daran, wie sie tödlich enden könnten. Und ich war unterdessen in unserer Leitstelle und versuchte weiter Wände zu setzen. janinesta (Selina) und Pinky hatten hervorragende Arbeit geleistet, aber nun wollte ich auch etwas beitragen.
────────────── 💛 ──────────────
🔫Und täglich grüßt das Murmeltier...
Pinky, janinesta (Selina), .chantal2000 und Jammet waren später mit dem roten Gunter von The_GraveDigger unterwegs, als bei Elektrozavodsk plötzlich auf sie geschossen wurde. Niemand wusste, wer der Angreifer war oder weshalb er das Feuer eröffnet hatte. Es geschah einfach, so wie es inzwischen erschreckend viele Dinge in diesem Land taten: ohne Vorwarnung, ohne Erklärung und ohne Gelegenheit, sich darauf vorzubereiten.
janinesta (Selina) brachte den Wagen schnellstmöglich zurück zur Leitstelle. „Wir sidn beschossen worden! Kümmer dich um Chantal..“, rief sie zu, ehe sie mit Pinky und Jammet ausrückte, um vielleicht den Täter noch zu finden.
Mehr musste sie nicht sagen.
Ich sah .chantal2000 im Wagen liegen und wusste bereits, bevor ich sie berührte, dass jede Hilfe zu spät kam. Trotzdem rief ich nach ihr, als könnte ihre Stimme irgendwo unter all der Stille verborgen sein, als müsste ich nur laut genug werden, um sie zurückzuholen. „Chantal … Chantal, sag was... Chantal...nicht schon wieder.“
Ich schrie ihren Namen, dann weinte ich, während meine Hände trotzdem taten, was sie gelernt hatten. Ich hob ihren Körper aus dem Wagen, legte ihn vorsichtig ab und sicherte ihre Sachen, weil selbst Trauer in Chernarus selten das Recht bekommt, einfach nur Trauer sein zu dürfen. Irgendjemand muss sich um die Ausrüstung kümmern, um das, was zurückbleibt, und um jene kleinen Gegenstände, die für andere vielleicht nur Besitz bedeuten, für uns aber einen Menschen erzählen.
Zumindest sah sie noch immer gut aus....
Es war ein vollkommen törichter Gedanke, und dennoch war er da. Vielleicht sucht man in solchen Augenblicken verzweifelt nach etwas, das weniger weh tut als der Tod. Nach einer letzten Ordnung, einer letzten Würde oder wenigstens einem vertrauten Bild, das man mitnehmen kann, wenn der Mensch selbst schon wieder fort ist.
Jammet entdeckte später beim "Split-Level-Haus" einen Fremden, der dort grillte und gleichzeitig unser Camp beobachtete. Als er bemerkte, dass er gesehen worden war, verschwand er in Richtung des Jägerstandes. Ob dieser Mann etwas mit den Schüssen auf den Gunter zu tun hatte, ließ sich nicht feststellen. Vielleicht war er nur hungrig. Vielleicht wartete er. Vielleicht beobachtete er tatsächlich etwas, das ihn nichts anging.
janinesta (Selina) baute später weiter an ihrem Turm in der Leitstelle.
Ich glaube, jeder Mensch hat seine eigene Art, mit Verlust umzugehen. Manche reden, manche weinen und manche nehmen Hammer und Nägel in die Hand und andere räumen einfach auf, was übrig ist.
────────────── 💛 ──────────────
⛲Eine bekannte Stimme am Brunnen
Am Brunnen traf Interception (Tim) wenig später auf eine Überlebende, die sich darüber empörte, dass Cypress vom Rohbau aus auf sie zielte. Interception (Tim) versuchte ihr zu erklären, weshalb wir im Augenblick vorsichtig waren, doch sie begegnete ihm mit einer Schärfe, die kaum zu überhören war. Später am Camp fiel ihr auf, dass keine Bandagen mehr im Camp waren. Mal wieder.
„Ach, hahaha...ihr könnt ja nicht nach Chernogorsk, weil I.K.E.A. dort die Sperrzone eingerichtet hat!“, sagte sie den Berichten zufolge ausgesprochen...gehässig. Ja, so nannte es janinesta(Selina) später. Als würde sie sich über unsere missliche Lage freuen. Dennoch: Sie spendete Blut der Gruppe Null negativ, doch selbst Interceptions (Tims) Dank beantwortete sie nur mit einem kühlen: „Oh, toll!“ als würde sie ihn nachäffen oder gerade mit einem Kleinkind reden und ihm seinen Dank kleinreden. Oder aber ihre Tat... So ganz wurden weder er noch janinesta (Selina) schlau daraus.
Doch inzwischen war janinesta (Selina) klar geworden: Das war ninja2.00926 (UltrA) und wir alle gingen davon aus, dass sie genau wusste dass wir sie erkannt hatten, als sie nach Interceptions (Tims) namen frage. "Bist du dieser Interception?" und dann nicht weiter auf seine Antwort einging.
Ich wusste nicht, weshalb sie so auftrat. Vielleicht ärgerte sie sich über das, was nach dem Auftauchen meines Doppelgängers geschrieben und gesprochen worden war. Vielleicht empfand sie das alles als ungerechtfertigte Anschuldigung. Vielleicht war sie wütend wegen des Raids auf die Chicks, wegen des Protokolleintrags der I.K.E.A. oder wegen der Gerüchte, nach denen sich die I.K.E.A. und CHAOS heimlich gegen sie verbündet hätten. Vielleicht war in ihr all das zugleich, miteinander vermischt und längst nicht mehr voneinander zu trennen.
Ich hatte sie um Frieden gebeten. Um Abstand. Nicht um Freundschaft, nicht um Erklärungen, die sie mir nicht geben wollte, sondern lediglich darum, mich und die Samariter nicht in weitere Konflikte hineinzuziehen. Deshalb traf mich ihre Schärfe mehr, als ich es mir eingestehen wollte. Ein gehässiger Satz zeigt, wie weit Menschen sich bereits voneinander entfernt haben. Früher hätten wir vielleicht miteinander gesprochen. Nun stand sie am Camp, ließ ihr Blut als Spende da und trotzdem wog ihr Auftreten wie eine wie eine kleine Klinge zwischen ihr und den anderen.
Vielleicht sah ninja2.00926 (UltrA) in uns oder dem Camp längst nur noch eine weitere Partei, die sich gegen die Chicks stellte. Vielleicht konnte sie nicht erkennen, dass ich noch immer versuchte, zwischen all den Behauptungen hindurch einen Weg zu finden, auf dem nicht jede Frage bereits als Angriff verstanden wurde.
Ich weiß es nicht. Und vielleicht ist gerade dieses Nichtwissen das Einzige, das ich mir an dieser Stelle ehrlich eingestehen kann.
────────────── 💛 ──────────────
🎭Die Maske und die orangefarbenen Hüte
Später erschien ein weiteres Bambi am Camp. Es trug eine rote Karnevalsmaske und eine Jeansjacke, sagte kaum etwas und bewegte sich mit jener schwer greifbaren Ruhe, die einen Menschen weder eindeutig harmlos noch offen bedrohlich erscheinen lässt.
Zur gleichen Zeit etwa kam auch PropaGandalf vorbei,a ber die beiden wechselten kein Wort. Vielleicht kannten sie sich, vielleicht nicht.
Vielleicht lag es an der Maske, vielleicht an der Jeansjacke oder einfach daran, dass in diesen Tagen zu viele stumme Gestalten auftauchten, kurz bevor irgendwo etwas geschah. Es tat nichts, das einen unmittelbaren Verdacht gerechtfertigt hätte, und doch hatte ich das Gefühl, dass wir uns nicht zum letzten Mal begegnet waren.
Manche Menschen betreten eine Geschichte nicht mit einem Namen, sondern nur mit einem Bild.
Und manchmal versteht man erst sehr viel später, weshalb man sich ausgerechnet daran erinnert.
────────────── 💛 ──────────────
🛢️Die kleinen Dinge, die trotzdem bleiben
Beim meiner Rückkehr vom Fischen standen plötzlich zwei Fässer im Camp vor unserem Tor, eines blau und eines gelb, offenbar von einem unbekannten Spender dort abgestellt. Jammet würde sich über das gelbe freuen, und das blaue war für The_GraveDigger bestimmt, dessen Tower in Berezino bei dem Angriff schwer beschädigt worden war. Besonders Jammet würde sich freuen, denn er hatte nun nicht mehr nur ein halbes Fass, das er sich mit s-tlk teilte. Beide konnten nun ihr eigenes Fass nutzen.
Wer auch immer sie gebracht hatte, hinterließ keinen Namen, aber die Spende ist angekommen und wir gut verwendet. Vielen Dank!
Später kam Der Bert kam mit seiner weißen Olga zum Camp. Auf dem Rückweg übergab ich ihm eine Spitzhacke und endlich die versprochene weiße Fahne. Den Schleifstein warf ich derart ungeschickt über unser Tor, dass er einfach in einer Mauer verschwand, was vermutlich Chernarus’ Art war, mich daran zu erinnern, dass selbst Hilfsbereitschaft hier manchma schlichtweg an der Physik scheitern kann.
Das war mitunter eine der schönsten Gesten dieses Tages. Zwischen all den Gruppen, Anschuldigungen und Gerüchten gab es noch immer jemanden, der zwei Fässer an ein Camp stellte und weiterging, ohne Dank oder Anerkennung zu verlangen.
────────────── 💛 ──────────────
🎩Ein Rückkehrer und sein Freund
Zwei weitere Überlebende mit auffälligen orangefarbenen Fischerhüten kamen ebenfalls am Camp an: Acidsquirt bzw. Supdude und sein Freund Wiseperson. Die beiden wirkten wesentlich zugänglicher, bekamen Fisch und einen Bergsteigerrucksack von mir und zogen schließlich weiter. Ich erinnerte mich an die letzten Seasons. Acidquirt war von Chaos-Mitgliedern, damals noch die SIlberfische, heimgesucht worden, wenn ich mich recht erinnere. Er hatte dann sein Auto am Camp mit Sprengstoff hinterlassen für den, der es haben wollte, denn sie hattden den Sprengstoff damals nicht in seinem Heim gefunden.
Eine seltsame Geste, aber sie blieb mir im Gedächtnis.
Nun wollte er allein bzw. mit seinem Freund durch die Gegend ziehen. Keine Basis, kein Eigenheim. Dennoch war er zurück und suchte Anschluss. Ich hoffe, den fand er schließlich auch.
────────────── 💛 ──────────────
💊Tims fürsorgliche Hand
Interception (Tim) hatte während meiner Abwesenheit sämtliche medizinischen Vorräte aufgefüllt, wofür ich ihm sehr dankbar war. Olli hatte unterdessen laut Aussage von WhiskeyMixer im Funk endlich einen blauen Gunter gefunden und ihn beinahe augenblicklich an einen Wassergraben verloren. WhiskeyMixer hatte Mitleid... das war sein erstes Auto gewesen. Er vermittelte ihm daraufhin die Position einer Olga im Wald und versprach, dass er andernfalls einen ihrer Sarkas bekommen würde.
Olli erschien mir vernünftig, und ich hoffte, dass wenigstens die Olga länger überlebte als seine erste Begegnung mit dem Gunter.
Am Abend fuhr ich noch einmal nach Berezino. The_GraveDiggers Tower stand weiterhin, doch in der Wand klaffte noch immer das große Loch, das der Angriff hinterlassen hatte. Ich räumte die Unterstände ein, sortierte beschädigte Dinge aus und legte das wenige Essen, das ich noch bei mir trug, in den dafür vorgesehenen Unterstand.
Es war nicht viel.
Doch manchmal ist Fürsorge nicht die Menge dessen, was man geben kann, sondern die Entscheidung, das Wenige nicht für sich selbst zu behalten.
Auf der Rückfahrt besuchte ich Bert in Solnichniy und überließ ihm einen Rucksack, einen neuen Schleifstein, den ich in Nizhnoye gefunden hatte, sowie fünf Wellbleche. Bert bedankte sich und begann damit, seinen Fahnenmast weiterzubauen.
Später entdeckte ich beim Zugevent nahe Three Valleys noch eine Seemannskiste, die ich sicher nach Prigorodki brachte. Für einen Augenblick fühlte sich die Fahrt beinahe friedlich an, als bestünde Chernarus nur aus einer dunklen Straße, dem gleichmäßigen Geräusch des Motors und der Hoffnung, wenigstens eine einzige Sache unbeschadet nach Hause zu bringen.
────────────── 💛 ──────────────
📢Was CHAOS zu sagen hatte
Am Ende des Tages las ich den CHAOS-Kurier und später auch Davus’ öffentliche Klarstellung im Funkkanal. Darin bekannte sich CHAOS ausdrücklich zum Raid auf die Basis der Chicks in Action und widersprach ebenso deutlich der Behauptung, die I.K.E.A. habe dabei in irgend einer Form geholfen.
„Wir haben kein Bündnis mit I.K.E.A. [...] Wie kommt man überhaupt auf sowas... “, schrieb Davus.
Nach seiner Darstellung, die er mir auch später privat zukommen ließ, war der Angriff keine gemeinsame Operation und auch kein von der I.K.E.A. unterstützter Gegenschlag, sondern die Antwort von CHAOS auf den vorherigen Überfall auf die eigene Basis. CHAOS ging davon aus, dass zum Zeitpunkt jenes ersten Raids ein großer Teil der Chicks im Land gewesen sei, und sah im schnellen Abtransport von fünf Fahrzeugen und einem LKW einen Hinweis darauf, dass dort keineswegs nur zufällig verlassene oder im Wald gefundene Dinge eingesammelt worden waren.
Bei dem späteren Gegenangriff habe CHAOS vier ihrer verschwundenen Fahrzeuge in der Basis der Chicks wiedergefunden; ein fünftes Fahrzeug sei bereits zuvor zurückerobert worden, während der LKW weiterhin fehlte. Auch die Menge des benötigten Sprengstoffs sei nach Davus Darstellung ohne fremde Hilfe zusammengetragen worden. CHAOS verfüge nicht nur über acht Mitglieder, sondern auch über "heimliche Verehrer", die Waffen, Munition und Sprengmittel beisteuerten. Die I.K.E.A. war damit meines Wissens nach jedoch nicht gemeint.
Fünf Mitglieder von CHAOS seien schließlich mit einem voll beladenen Humvee angerückt und hätten die Basis innerhalb von ungefähr eineinhalb Stunden geöffnet. Dabei, so betonte Davus, sei trotz anwesender Verteidiger niemand von ihnen verletzt worden. Kein Wunder, wenn man wusste, dass die Chicks derzeit vor allem Neulinge anlernten, die sich das erste Mal in unserem Chernarus bewegten.
Ob jede Zahl exakt stimmt und ob alle Beteiligten dieselben Stunden auf dieselbe Weise erlebt haben, kann ich nicht beurteilen. Es ist seine Sicht auf die Ereignisse, doch sie erklärt, weshalb ihn das Gerücht über ein Bündnis mit I.K.E.A. so wütend machte.
Für CHAOS lag das eigentliche Problem offenbar nicht darin, dass ihre Basis angegriffen worden war. Sie spielen selbst offensiv genug, um einen Raid nicht grundsätzlich zu verurteilen. Der Vorwurf bestand vielmehr darin, dass man ihrer Ansicht nach bewusst einen Zeitpunkt ohne ausreichende Gegenwehr gewählt, anschließend Fahrzeuge fortgeschafft und danach nicht offen zu den eigenen Handlungen gestanden hatte. Wenn man es genau betrachtete war das nicht grundlegend anders von ihrer eigenen Handlungsweise und dennoch schien es Unterschiede zu geben.
Vor allem aber wurde Begriff „Community-Projekt“ Davus infrage gestellt, weil sich nach seiner Wahrnehmung ungefähr dreizehn Fahrzeuge hinter den verschlossenen Mauern der Chicks befanden. Was für die eine Seite ein gemeinschaftliches Vorhaben sein mochte, sah für die andere wie ein kaum zugängliches Lager aus, in dem auch ihr Eigentum verschwunden war. Das ist eine harte Sichtweise, und sie wird von den Chicks vermutlich ganz anders erzählt werden. Dennoch gehört sie zu dieser Geschichte, denn Wahrheit entsteht nicht dadurch, dass wir nur den Menschen zuhören, deren Worte uns am wenigsten wehtun.
Davus beschrieb das Verhältnis zwischen CHAOS und I.K.E.A. übrigens bewusst nicht als Bündnis, sondern als „sportliche Rivalität“. Beide Gruppen seien zu gegensätzlich, um gemeinsame Sache zu machen, hätten sich bei ihren Auseinandersetzungen jedoch meist darum bemüht, der jeweils anderen Seite einen fairen Kampf zu ermöglichen. Davon konnte ich ein Lied singen...
Damit war zumindest ein Punkt deutlich geklärt: I.K.E.A. hatte CHAOS weder den Sprengstoff geliefert noch bei dem Angriff auf die Chicks unterstützt. Ob man dieser Darstellung glaubt, ist natürlich jedem selbst überlassen. Aber ich traue zumindest den Leitungen der beiden Fraktionen soweit, dass ich das für das realistischte Szenario halte. Der Verdacht war aus einer auffälligen Abfolge entstanden – Der Raid, das Ende der Zusammenarbeit mit den Chicks lagen sehr eng beieinander, doch eine zeitliche Nähe ist noch kein Beweis für ein gemeinsames Vorgehen.
Ich verstand, weshalb PropaGandalf und jayphiiyo misstrauisch geworden waren. Ich verstand aber ebenso, weshalb Davus sich durch diese Vermutung angegriffen fühlte. Wenn zwei Ereignisse gut genug ineinanderpassen, entsteht daraus schnell eine Geschichte, und sobald diese Geschichte oft genug ausgesprochen wird, muss sich irgendwann jemand gegen etwas verteidigen, das vielleicht niemals geschehen ist.
Manchmal kommt die Wahrheit nicht mit einem großen Knall. Manchmal erscheint sie spät am Abend in Form einer kurzen Nachricht von jemandem, der noch immer wütend ist und trotzdem versucht, seine Seite zu erklären.
────────────── 💛 ──────────────
🌅Gedanken zum Schluss
Wenn ich auf diesen Tag zurückblicke, sehe ich überall Menschen, die glauben, etwas beschützen zu müssen.
Cypress und NiggoB schützen eine Basis und erschießen dabei beinahe zwangsläufig die Falschen. Jannnik sieht einen Fremden auf einem Dach und entscheidet, dass Vorsicht wichtiger ist als eine weitere Frage. Interception (Tim) versucht, die Situation durch eine kleine Schelmerei aufzulockern und riskiert dabei sein Leben. janinesta (Selina) bringt den roten Gunter heim, obwohl .chantal2000 darin bereits nicht mehr zu retten ist, und zieht dann los auf die Suche nach dem Schützen. Den haben wir leider trotz intensiver Bemühungen nicht gefunden.
CHAOS schützt den eigenen Stolz und das, was sie als ihr Eigentum betrachten. Die Chicks schützen ihre Darstellung der Ereignisse und vielleicht auch das Bild, das sie in der Öffentlichkeit abgeben und das, was sie vielleicht von sich selbst hatten. I.K.E.A. schützt sein Gleichgewicht, seine Leute und den Anspruch, nicht noch einmal zu denen zu gehören, die am Boden liegen, während andere über sie hinweggehen. ninja2.00926 (UltrA) schützt sich vielleicht vor dem Gefühl, von allen Seiten verurteilt zu werden, und lässt ihre Worte deshalb schärfer werden, als sie sein müssten.
Und ich versuche, zwischen all diesen Wahrheiten einen Ort zu bewahren, an dem ein Mensch noch ankommen darf, ohne vorher erklären zu müssen, auf wessen Seite er eigentlich steht.
Doch auch ich merke, wie schwer das inzwischen wird. Ich höre eine bekannte Stimme nahe Cypress und Felixwert100 und frage mich sofort, was CHAOS dort wollte. Ich sehe eine Maske und eine Jeansjacke und spüre bereits den Verdacht, obwohl der Mensch darunter noch gar nichts getan hat. Ich höre von ninja2.00926 (UltrA)s Spott und suche darin nach einer Absicht, weil zwischen uns zu viele ungeklärte Dinge liegen. Vielleicht ist mein Unbehagen berechtigt und vielleicht bereitet sich tatsächlich etwas vor. Vielleicht begegnen wir dem maskierten Bambi bald wieder und verstehen dann, weshalb es mir im Gedächtnis blieb.
Aber vielleicht ist genau das die Prüfung, vor der wir alle stehen: aufmerksam zu bleiben, ohne aus jeder Ahnung bereits ein Urteil zu formen. Zweifel können uns schützen, wenn sie uns dazu bringen, genauer hinzusehen. Sie werden gefährlich, sobald wir mit ihnen wie mit Bolzen auf andere Menschen zielen.
Was mir an diesem Tag jedoch beinahe noch mehr wehtut als all die offenen Fragen, ist das, was zwischen den Gruppen verloren geht. Denn hinter den Namen stehen Menschen, mit denen wir gelacht, gehandelt, gebaut, geredet und manchmal gemeinsam um ein Feuer gesessen haben. Es schmerzt mich, wenn aus früheren Weggefährten plötzlich nur noch mögliche Angreifer werden, wenn jede zufällige Begegnung wie eine Ermittlung beginnt und wenn selbst eine ausgestreckte Hand zunächst darauf geprüft wird, ob sie nicht vielleicht doch irgendwo eine Waffe verbirgt.
Es tut mir um I.K.E.A. leid, weil ihr Vertrauen verletzt wurde und sie nun in jedem fremden Gesicht nach jenem Menschen suchen müssen, der ihnen erneut etwas nehmen könnte. Es tut mir um die Chicks leid, weil aus ihrer Rückkehr, die eigentlich ein neuer Anfang sein sollte, binnen weniger Tage wieder genau jene Spirale aus Verdacht, Provokation und Gegenschlag entstanden ist, der sie vielleicht entkommen wollten. Und - ob man es glaubt oder nicht - es tut mir auch um CHAOS leid, weil sie zwar gern die Rolle der Bösen annehmen, hinter allem Lärm aber ebenso den Wunsch tragen, ernst genommen, sportlich herausgefordert und nicht durch Geschichten verurteilt zu werden, in denen sie sich selbst nicht wiedererkennen.
Vielleicht klingt das zu nachsichtig. Vielleicht erwartet man inzwischen, dass ich mich für eine Seite entscheide, mit dem Finger in eine Richtung zeige und erkläre, dort säßen nun die Schuldigen, während alle anderen nur auf das reagierten, was ihnen angetan wurde.
Aber so einfach ist es nicht.
Ich habe viele Jahre vieles hier gesehen und erlebt. Und eines liegt den Konflikten meist zu Grunde:
Am Ende ähnelt sich das Verhalten der Gruppen und Fraktionen mehr, als es ihnen lieb sein dürfte. Fast jeder möchte sich Behaupten in Gefechten und seine Stärke zeigen, solange die Schlachten unter Bedingungen stattfinden, die der eigenen Seite gerecht erscheinen. Der Angriff, den man selbst führt, ist eine notwendige Antwort, ein sportlicher Gegenschlag oder die Wiederherstellung von Gleichgewicht. Der Angriff, den man erleidet, ist feige, hinterhältig oder unfair. Die eigene Vorbereitung gilt als gute Planung, während dieselbe Vorbereitung beim Gegner als Beweis dafür herhalten muss, dass mehrere Leute sich gegen einen verbündet haben.
Jeder möchte überleben, doch möglichst zu den eigenen Bedingungen. Jeder fordert Rückgrat, Ehrlichkeit und Fairness, aber diese Begriffe verändern ihre Bedeutung erstaunlich schnell, sobald die eigenen Mauern fallen, die eigenen Fahrzeuge verschwinden oder die eigenen Leute an der Küste erwachen. Und natürlich: Niemand möchte gerne belogen werden. Zeitgleich finden aber auch immer wieder sogenannte "taktische Lügen" ihren Weg in unsere Kommunikation.
Dabei frage ich mich immer häufiger, wer in diesen Momenten noch darüber nachdenkt, was für die Gemeinschaft als Ganzes gut wäre. Damit meine ich nicht, dass niemand mehr raiden, kämpfen oder Konflikte austragen darf. Chernarus lebt von diesen Geschichten, von Rivalitäten, Risiken und Entscheidungen, die Folgen haben. Eine Welt, in der alle nur friedlich Zucchini anbauen und sich gegenseitig Schleifsteine schenken, wäre vermutlich sicherer und für mich wesentlich entspannter, aber irgendwann auch erschreckend...still.
Doch zwischen einem lebendigen Konflikt und einer Spirale, die alles um sich herum mit hinabzieht, liegt ein gewaltiger Unterschied.
Wer für die Gemeinschaft handelt, muss sich nicht immer gegen die eigenen Leute stellen, aber er muss zumindest bereit sein, die eigenen Beweggründe zu hinterfragen. Er muss sich fragen können, ob es wirklich um Gerechtigkeit geht oder vielleicht doch um verletzten Stolz, um Beute, um Kontrolle oder schlicht um den Wunsch, die andere Seite verlieren zu sehen. Und er braucht den Mut, einem Freund auch einmal zu sagen, dass eine Idee falsch ist, selbst wenn sie Erfolg verspricht und selbst wenn man sich damit in den eigenen Reihen unbeliebt macht.
Genau dieses Rückgrat fehlt meiner Erfahrung über die Jahre hinweg an den entscheidenden Stellen zu oft.
Nicht der Mut, mit Waffen vor eine fremde Basis zu ziehen, denn davon besitzen wir reichlich. Es fehlt der leisere Mut, innezuhalten, wenn die eigene Seite bereits überzeugt ist, im Recht zu sein. Es fehlt der Mut, die eigenen Fehler genauso deutlich auszusprechen wie die des Gegners, und notfalls zu sagen: Ja, wir haben das getan, weil wir es wollten. Wir tragen dafür die Verantwortung und wir leben mit den Folgen.
Stattdessen werden Erklärungen gesucht, die das eigene Handeln "sauberer" erscheinen lassen. Man beruft sich auf Gemeinschaft, Gleichgewicht, Vergeltung, Fairness oder Schutz, und manchmal sind diese Gründe sogar ehrlich gemeint. Doch auch ein ehrliches Motiv bleibt ein eigenes Motiv, und es wird nicht automatisch zum Wohl aller, nur weil wir ihm einen schönen Namen geben.
Es ist leicht, jetzt auf die Chicks zu zeigen. Ebenso leicht wäre es, auf CHAOS oder I.K.E.A. zu zeigen und aus einzelnen Entscheidungen ein abschließendes Urteil über eine ganze Gruppe zu formen. Doch wenn wir ehrlich sind, stehen sie alle an verschiedenen Punkten desselben Kreises. Eine Gruppe sammelt Macht, eine andere fühlt sich bedroht, eine dritte schlägt zu, die erste antwortet, und am Ende besitzt jede Seite eine Geschichte, in der sie selbst nur getan hat, was getan werden musste.
Die Namen wechseln. Die Armbinden wechseln. Manchmal wechseln sogar die Menschen innerhalb der Gruppen.
Aber das Muster bleibt.
Und selbst wenn eine dieser Gemeinschaften irgendwann zerbricht, verschwindet oder das Land verlässt, wird über kurz oder lang eine neue an ihre Stelle treten. Sie wird vielleicht mit freundlicheren Worten beginnen, andere Farben tragen und versprechen, es besser zu machen. Doch sobald sie groß genug wird, genug besitzt und genug zu verlieren hat, wird auch sie vor derselben Frage stehen: Nutzt sie ihre Stärke nur für sich selbst, oder erinnert sie sich daran, dass sie Teil einer Welt ist, die nach ihr weiterbestehen soll?
Vielleicht liegt darin die eigentliche Verantwortung einer starken Gruppe. Nicht darin, niemals anzugreifen, sondern darin, sich selbst Grenzen zu setzen, bevor andere es mit Gewalt tun müssen.
Davus’ spätere Worte ändern nicht alles, was geschehen ist und sie lösen bei Weitem die Spannungen zwischen den Gruppen nicht auf. Doch sie schließen eine Lücke, in der zuvor ein Gerücht wachsen konnte. I.K.E.A. und CHAOS hatten kein Bündnis. Der Angriff war nach CHAOS’ Darstellung ihre eigene Antwort auf das, was zuvor mit ihrer Basis und ihren Fahrzeugen geschehen war.
Diese Klarstellung erleichtert mich, weil dadurch wenigstens ein möglicher Krieg nicht auf einer falschen Voraussetzung beginnen muss. Gleichzeitig zeigt sie, wie schnell eine zeitliche Abfolge zur vermeintlichen Gewissheit werden kann, wenn Misstrauen bereits den Boden vorbereitet hat.
Trotzdem sind Leute wie .chantal2000, Cala-j und sein neuer Schützling Solid Secondhand gestorben.
Es bleiben die Menschen, die an diesem Tag aufgrund von Annahmen aufeinander schießen, und die Geschichten, die am Ende so verschieden klingen, dass man kaum glauben möchte, sie handelten vom selben Augenblick. Es bleiben ein maskiertes Bambi, eine gehässige Stimme am Camp und ein Mann mit einem Baseballschläger, dessen Absichten wir weiterhin nicht kennen. Es bleiben geleerte Camps, aufgegebene Hilfsprojekte und Neuankömmlinge, denen bereits an der Küste erklärt wird, welche Stadt sie besser meiden sollen.
Vielleicht können wir nicht verhindern, dass Angst und Misstrauen in Chernarus immer mit am Tisch sitzen. Doch wir können ihnen verweigern, jedes Gespräch für uns zu führen. Wir können nachfragen, uns korrigieren und eine andere Sicht anhören, ohne sie sofort zu unserer eigenen machen zu müssen. Und wir können eingestehen, dass ein Verdacht verständlich gewesen sein mag, ohne deshalb richtig gewesen zu sein.
Vor allem aber können wir aufhören, so zu tun, als läge das Problem immer nur auf der anderen Seite.
Denn solange jede Gruppe nur darauf wartet, dass die Gegenseite endlich ihre Fehler erkennt, während sie die eigenen zu notwendigen Entscheidungen erklärt, wird sich nichts ändern. Dann drehen wir uns weiter im selben Kreis, bis niemand mehr weiß, wer ursprünglich geschossen hat, aber jeder noch ganz genau erklären kann, weshalb der nächste Schuss unvermeidlich war. Vielleicht ist es kein großer Sieg, einen Irrtum einzugestehen, den eigenen Leuten zu widersprechen oder auf einen möglichen Vorteil zu verzichten, weil er der Gemeinschaft mehr schadet als nützt.
Aber bei uns, wo jeder ein Gewehr tragen kann, ist Rückgrat manchmal gerade die Entscheidung, es nicht sofort zu benutzen.
In diesem Sinne: Passt auf euch auf, prüft stets eure Motive und bleibt am Leben.
OOC: Danke für deine OOC-Klarstellung, Davus. Aber das ist mein persönliches Tagebuch und ich möchte da keine OOC-Diskussion zwischen meinen beiden Teilen haben, um den Lesefluss nicht zu stören. Ich habe mich bewusst entschieden, den Tag in zwei Teile zu splitten, da einfach so viel passiert ist und eine Erkenntnis die nächste jagte.
Jeder hat das Recht darauf, seine eigene Story innerhalb unserer Richtlinien zu erzählen. Gesteht mir deshalb bitte auch zu, selbst zu entscheiden, was in meinem Tagebuch einen Platz findet und was nicht.
Ich bin gerade noch unterwegs, aber es wird noch geschaut in welchem Rahmen und in welcher Form das einen Platz in den Storys findet. Versteh das also bitte nicht als Zensur, sondern der Ort und möglicherweise die Art und Weise passen hier aktuell einfach nicht rein. Der Beitrag ist nicht weg. Nur ausgeblendet.
Und ich verstehe deinen Frust, aber meine Tagebücher und Berichte sollen bewusst kein Ort sein, wo Frust abgeladen und über Sachverhalte diskutiert wird. Danke
Sonntag, 23.08.2026 – Tag 010 – Was wir glauben, bevor wir wissen (Teil I)
────────────── 💛 ──────────────
Hallo ihr Lieben,
manchmal braucht es keine Lüge, um Unfrieden zu säen, denn oft genügt bereits eine halbe Wahrheit, die zur falschen Zeit den richtigen Zweifel trifft.
Ein Satz wandert von einem Menschen zum nächsten, verliert unterwegs ein paar seiner leisen Zwischentöne und bekommt dafür neue "Gewissheiten" hinzu. Aus einer Warnung wird eine Behauptung, aus einer Vermutung eine Anschuldigung, und irgendwann weiß niemand mehr genau, wo die Geschichte eigentlich begonnen hat. Trotzdem wird sie weitererzählt, weil sie zu dem passt, was man ohnehin schon befürchtet.
Vielleicht liegt darin die eigentliche Gefahr eines Gerüchts: nicht darin, dass es vollständig erfunden ist, sondern darin, dass immer gerade genug Wahrheit darin steckt, um glaubwürdig zu wirken.
Gerade in unserem Chernarus fällt es uns leicht, solche Geschichten zu glauben. Wir alle tragen Erinnerungen mit uns herum, die uns vorsichtig gemacht haben. Menschen, denen wir vertrauten, haben uns enttäuscht. Camps, die wir mit viel Geduld errichteten, wurden geplündert oder niedergerissen. Aus ausgestreckten Händen wurden manchmal erhobene Waffen, und manche von uns bezahlten ihre Bereitschaft zu reden mit ihrem Leben.
Wer all das oft genug erlebt, hört in einer unklaren Nachricht irgendwann keine Möglichkeit mehr, sondern die Bestätigung einer längst vorhandenen Angst.
Dann fragt man nicht mehr: "Könnte das wirklich so gewesen sein?" Nein, man denkt nur noch: "Ich habe es doch gewusst!"
Und während wir uns an diesem Tag gegenseitig erzählten, wer angeblich was gesagt, getan oder unterstützt hatte, versuchten andere noch immer, etwas aufzubauen, das länger halten sollte als die Dinge, die gerade zwischen uns standen.
────────────── 💛 ──────────────
🏗️ Selina im Alleingang...
Nach den katastrophalen Ereignissen des Vortags hatte ich erstmal einige Zeit benötigt, um wieder etwas zu regenerieren. janinesta (Selina) hatte jedoch bereits schon am frühen Morgen am Krankenhaus von Chernogorsk im Alleingang drei Unterstände aus Zeltplane errichtet. Sie war regelrecht wie ein Orkan durch das Gelände gefegt und hatte alles an Stöcken zsuammengesammelt, um das zu ermöglichen.
Es waren keine gewaltigen Bauwerke und keine Festung, die einem Angriff hätte standhalten können. Ein paar Stangen, Planen, Seile und die Hoffnung, dass das, was man darunter ablegte, im richtigen Augenblick von dem richtigen Menschen gefunden wurde.
Doch manchmal ist genau das genug.
Hilfe braucht nicht immer hohe Mauern oder ein verschlossenes Tor. Manchmal beginnt sie mit einer sterilen Bandage, einer Dose Nahrung oder einem Medikament, das jemand zurücklässt, obwohl er nicht weiß, wer es später benötigen wird. Ein Unterstand am Krankenhaus bedeutet vielleicht nur einen kleinen Schatten zwischen all den grauen Gebäuden, doch für einen verwundeten Menschen kann er der Unterschied zwischen Weitergehen und Aufgeben sein.
Während viele von uns noch darüber sprachen, was fehlte und was in der nacht in Berezino geschehen war, hatte janinesta (Selina) einfach begonnen.
Vielleicht ist das eine ihrer besonderen Stärken: Wenn andere vor einem Problem stehen und versuchen, sein ganzes Ausmaß zu erfassen, nimmt sie eine Axt, verschwindet zwischen den Bäumen und kehrt mit Holz zurück. Nicht, weil sie die Schwierigkeiten nicht sieht, sondern weil sie weiß, dass ein Anfang oft genügt, um etwas zu verändern.
Auch in Prigorodki entstand später ein neues, sichtbares Zeichen. NiggoB half janinesta (Selina) beim Bau des Fahnenmastes, schleppte Steine und Stämme mit einer Geduld heran, obwohl seine Basis selbst die Materialien gut gebrauchen konnte. Vorerst wehte daran am Ende eine Bambifahne. Ganz wie in alten Zeiten... wir würden sie später mit einer REFUGE-Fahne ersetzen, das Zeichen unserer Camps. Aber für den Moment sagte sie: Hier ist ein Bambi-Camp. Hier sind die Samariter von Chernarus und ihre Freunde. Hier sind wir.
Und nach dem Angriff auf den Berezino-Tower von The_GraveDigger fühlte sich dieses kleine Stück Stoff enorm bedeutsam für uns alle an.
Der Turm hatte Schaden genommen. @The_GraveDiggers Ordnung war gewaltsam durcheinandergebracht worden, sein LKW beinahe verloren gegangen, und vieles, was mit Geduld zusammengetragen worden war, hatte innerhalb weniger Augenblicke in Trümmern gelegen oder war verschwunden. Umso wichtiger erschien es mir, an einem anderen Ort etwas wachsen zu sehen.
Eine Fahne schützt niemanden vor Kugeln. Sie hält keinen Raider auf, repariert keine durchbrochene Wand und füllt keinen leeren Vorratsunterstand. Aber sie sagt jedem, der an ihr vorbeikommt:
Hier ist noch jemand. Hier hat noch jemand nicht aufgegeben.
Man kann unsere Mauern beschädigen und unsere Vorräte nehmen, doch solange irgendwo wieder ein Pfosten aufgerichtet, ein Seil gespannt oder eine Plane über ein paar Äste gezogen wird, ist noch nicht alles verloren.
Ich wollte daran glauben.
Vielleicht musste ich es sogar....
────────────── 💛 ──────────────
🧰 Wenn aus einer guten Idee ein leerer Unterstand wird
Während in Prigorodki gebaut wurde, erreichte mich eine Nachricht von Der Bert Bert aus Solnichniy. Seine Worte waren ruhig, beinahe sachlich, doch zwischen ihnen lag jene besondere Form der Enttäuschung, die entsteht, wenn nicht nur Dinge gestohlen werden, sondern auch ein Stück des Glaubens an eine gemeinsame Idee.
Am Vormittag waren dort drei Planenunterstände abgebaut und das gesamte Autoteilelager ausgeräumt worden. Vier LKW-Doppelreifen, fünf Kühler und vier vollständig geladene Autobatterien waren verschwunden.
Der Bert hatte diese Teile nicht gesammelt, um einen eigenen Fuhrpark aufzubauen oder anderen seinen Besitz vorzuführen. Sie sollten für Notfälle bereitliegen: ein Kühler für denjenigen, dessen Fahrzeug am Straßenrand zu dampfen begann, eine Batterie für jemanden, der nach langer Suche endlich einen Wagen gefunden hatte, oder ein Reifen, damit eine mühsame Reise nicht an einem einzigen fehlenden Teil scheiterte.
Es war als gemeinschaftlicher Vorrat gedacht: Jeder sollte nehmen dürfen, was er wirklich benötigte, und vielleicht etwas zurückbringen, wenn er später selbst mehr fand, als er tragen konnte. Keine große Verpflichtung, keine Buchführung, keine Gegenleistung. Nur das stille Vertrauen darauf, dass Menschen zwischen brauchen und haben wollen unterscheiden konnten.
Jemand hatte auch nicht einen Reifen oder eine Batterie für einen liegen gebliebenen Wagen gebraucht.
Das Lager war vollständig geleert worden, frei nach dem verbreiteten Motto "Haben ist besser als brauchen."
Der Bert Bert begann deshalb damit, auch die übrigen Planenunterstände rund um die Fahrzeuge abzubauen. Er wolle dieses Projekt nicht weiterführen, schrieb er. Er gehe nicht für andere looten, nur damit Plünderer am Ende einen ordentlich sortierten Vorrat vorfänden, den sie ohne Mühe mitnehmen konnten. Er hatte geglaubt, jeder würde sich im Notfall das nehmen, was er benötigte. Stattdessen hatte er offenbar ein kostenloses Autoteilelager für Menschen errichtet, die Gemeinschaft mit Selbstbedienung verwechselten.
Es tat mir weh, seine Nachricht zu lesen, weil ich genau wusste, wie sich diese Enttäuschung anfühlte. Nicht wegen der Gegenstände allein, denn Reifen, Batterien und Kühler ließen sich wiederfinden. Es war der Gedanke dahinter, der verloren ging. Man beginnt ein solches Projekt nicht, weil man zu viel Zeit und Material besitzt. Man tut es, weil man daran glaubt, dass ein Ort besser wird, wenn jemand den ersten Schritt macht. Wenn dieses Vertrauen ausgenutzt wird, verliert man deshalb nicht nur Vorräte. Man verliert einen Teil der Bereitschaft, am nächsten Tag noch einmal loszuziehen und alles von vorn zu sammeln.
Ich schrieb Der Bert, dass ich seine Entscheidung traurig fand, aber verstand.
In Prigorodki erlebten wir gerade etwas Ähnliches: Fast täglich wurden die medizinischen Vorräte aufgefüllt, und kurze Zeit später waren sämtliche Bandagen wieder verschwunden. Vielleicht kamen viele Bambis vorbei und nahmen jeweils nur eine mit. Vielleicht gab es einen einzelnen Menschen, der regelmäßig alles einpackte. Vielleicht errichtete irgendwo tatsächlich jemand mit unseren Vorräten ein geheimes Krankenhaus, wie ich es schon in früheren Zeiten halb scherzhaft vermutet hatte. Kurz: Wir wussten es einfach nicht.
Das Ergebnis blieb jedoch dasselbe: Wenn später jemand blutend am Camp ankam, lag ausgerechnet das nicht mehr im Unterstand, was ihm hätte helfen können. Die gereichte Hand war leer, weil zuvor jemand sich mit beiden Händen bedient hatte.
Zumindest die medizinische Versorgung in Solnichniy konnte Der Bert einigermaßen stabil halten. Er hatte inzwischen einen kleinen Vorrat angelegt, aus dem er die öffentlich zugänglichen Bestände wieder auffüllte.
Auch das sagte viel über ihn aus.
Obwohl man ihn enttäuscht hatte, gab er die Hilfe nicht vollständig auf. Er zog lediglich eine Grenze dort, wo seine Gutmütigkeit zu bequem ausgenutzt wurde.
Vielleicht bedeutet Menschlichkeit nicht, immer weiterzugeben, bis nichts mehr von einem selbst übrig ist. Vielleicht gehört auch dazu, zu erkennen, wann eine gute Idee geschützt werden muss, damit sie nicht an denjenigen zerbricht, denen sie gleichgültig ist. Ich war froh, dass er sich trotzdem noch um das dortige Camp kümmern wollte, auch wenn aus dem Plan des Autoteile-Lagers nun nichts geworden war.
────────────── 💛 ──────────────
🌫️ Zwischen Zugehörigkeit und Neutralität
Der Bert Bert beschäftigten jedoch nicht nur die verschwundenen Autoteile. Er bekam natürlich mit, welche Vorwürfe derzeit gegen seine Gruppe, die Chicks in Action im Raum standen, und spürte zunehmend, dass er zwischen den verschiedenen Seiten landete. Das Lager in Solnichniy führte er unabhängig von den Chicks. Trotzdem wurde er von vielen automatisch ihnen zugerechnet.
„Für die anderen bin ich nun einmal ein Chick“, sagte er mir.
An Zugehörigkeit war zunächst nichts Falsches. In unserem Chernarus, in dem Menschen plötzlich verschwanden und Verbindungen schnell abrissen, konnte es tröstlich sein, Teil von etwas zu sein. Schwierig wurde es erst dann, wenn nicht mehr der einzelne Mensch gesehen wurde, sondern nur noch die Taten Einzelner in der Gruppe.
Dann wurde jede Handlung eines Einzelnen allen zugeschrieben – und jeder Konflikt der Gruppe traf auch jene, die an ihm überhaupt nicht beteiligt waren. Versteht mich nicht falsch. Ich bin der festen Überzeugung, auch eine Gruppe sollte Verantwortung übernehmen für die Taten eines Einzelnen. Aber Verantwortung übernehmen heißt manchmal auch klar Stellung zu beziehen und sich notfalls zu distanzieren.
Der Bert meinte darum, er müsse lernen neutraler mit seinen Informationen umzugehen. Einer Gruppe Bambis hatte er geraten, in Chernogorsk aufzupassen, weil dort momentan schneller geschossen als gesprochen wurde. Selbst die Chicks hätten sich anmelden müssen, wenn sie die Stadt betraten.
Nach allem, was in den vergangenen Tagen geschehen war, war diese Warnung nicht vollständig aus der Luft gegriffen. .chantal2000 war erst vorgestern dort beschossen worden. jayphiiyo hatte gestern am Camp wehmütig davon gesprochen, dass früher nicht auf Bambis geschossen worden sei. Doch aus Der Bert s gutgemeinter Warnung war auf ihrem Weg offenbar eine andere Aussage geworden: Plötzlich hieß es, er habe erzählt, in Chernogorsk würden grundsätzlich alle Bambis von I.K.E.A. erschossen.
Das Widersprach aber natürlich den Prinzipien von I.K.E.A. NiggoB hatte die Chicks darauf angesprochen, doch hinter diesem kleinen Missverständnis verbarg sich ein sehr viel größeres.
Weitergetragen wurde eine pauschale Anschuldigung.
Zwischen diesen beiden Aussagen lagen nur wenige veränderte Worte, inzwischen jedoch ein ganzer Abgrund.
Ich schrieb ihm, dass keine Gruppe gerne als Ansammlung schlechter Menschen dargestellt wurde. Weder die I.K.E.A. noch die Chicks wollten auf die schlimmsten Geschichten reduziert werden, die man über sie erzählte. Jede Seite kannte ihre eigenen Gründe, ihre eigenen Verluste und all die kleinen Entscheidungen, die zu einer Handlung geführt hatten.
Von außen sah man jedoch meist nur das Ergebnis.
Man sah den Schuss, aber nicht die Angst davor. Man sah die geschlossene Stadt, aber nicht die Angriffe auf die Menschen darin. Man sah den Raid, aber nicht die Geschichte, mit der er gerechtfertigt wurde. Vielleicht war das der Kern vieler Konflikte: Jeder kannte die Erzählung, in der er selbst nur reagierte, während er bei den anderen lediglich sah, dass sie handelten.
────────────── 💛 ──────────────
🚕 Mysteriöse Taxis und andere Wandernde Wahrheiten
Es blieb nicht bei der Geschichte über Chernogorsk. Dieselben Bambis hatten offenbar von Der Bert gehört, Fahrzeuge seien ausschließlich an der Küste zu finden und im Norden überhaupt nicht.
Ich hatte mit NiggoB bereits darüber gesprochen und die Aussage auch in meinen Berichten festgehalten – nicht, weil ich sie für wahr hielt, sondern weil falsche Informationen nicht harmlos blieben, sobald Menschen begannen, ihr Verhalten daran auszurichten. Der Bert reagierte ebenso verwundert wie ich als ich ihn darauf ansprach.
Natürlich gab es Fahrzeuge auch im Norden!
Er sagte mir, diese Gruppe an Bambis hatte ihm wiederum von besonderen "Tagesfahrzeugen" berichtet, die wie Taxis aussähen, vierundzwanzig Stunden lang benutzt werden könnten und danach einfach verschwänden.
Unser Chernarus besaß viele merkwürdige Eigenheiten. Fahrzeuge konnten an winzigen Wurzeln beinahe zerschellen, Reifen lösten sich in den ungünstigsten Augenblicken von ihren Achsen, und manche Gegenstände verschwanden in Mauern, als hätten die Gebäude selbst beschlossen, nun einen kleinen Vorrat anzulegen. Man durfte nicht alles glauben, was andere erzählten. Erst letzte Season hatte ein Bambi am Camp gegenüber janinesta (Selina) steif und fest behauptet, ich hätte ihm gezeigt, wie man Fahrzeuge aus einem Terminal "abrufen" konnte. Früher einmal... Also er dann noch sagte, ich heiße "Naddel", war mir klar wie es um seinen Geisteszustand bestellt war...
Wie dem auch sei... ein geheimer Taxidienst mit zeitlich begrenzter Nutzung war mir allerdings neu, das passte eher zum anderen Chernarus.
So absurd manche dieser Geschichten wirkten, machten sie mir dennoch Sorgen. Mehrfach war inzwischen von drei Bambis mit blauen Armbinden berichtet worden, die sich in Solnichniy und Berezino aufgehalten haben sollten. Vielleicht hatten sie selbst nur etwas falsch verstanden. Vielleicht erzählten sie weiter, was andere ihnen gesagt hatten. Vielleicht wollten sie sich wichtigmachen.
Oder vielleicht versuchte tatsächlich jemand, gezielt Unruhe zwischen den Camps zu stiften und sie hatten sogar etwas mit dem Raid auf Berezino zu tun. Beweisen konnten wir nichts davon.
Deshalb wollte ich aus diesen drei Menschen keine Schuldigen machen, nur weil die Farbe ihrer Armbinden schlecht gewählt gewesen war. Die Möglichkeit einer Intrige war noch lange kein Beweis. Gerade wir sollten inzwischen wissen, welchen Schaden es anrichtete, wenn aus einer Beobachtung zu schnell eine Gewissheit wurde.
Trotzdem ließ mich der Gedanke nicht los.
Was, wenn man gar keinen Sprengstoff brauchte, um Camps zu zerstören?
Was, wenn es genügte, an mehreren Orten unterschiedliche Geschichten zu erzählen, jeder Gruppe genau den Zweifel zu geben, der zu ihren Ängsten passte, und anschließend abzuwarten, wer zuerst die Waffe hob?
Misstrauen ist ein ausgesprochen wirksamer Sprengstoff. Es braucht weder Zünder noch Plastiksprengstoff, lässt sich nahezu unbegrenzt weitergeben und hinterlässt nach seiner Explosion keine eindeutige Spur zu demjenigen, der sie ursprünglich vorbereitet hat.
Vielleicht waren die Geschichten nur das unbeholfene Gerede unerfahrener Überlebender.
Vielleicht steckte mehr dahinter.
Ich wusste es nicht. Und genau dieses Nichtwissen war inzwischen schwerer auszuhalten als manche Wahrheit...
────────────── 💛 ──────────────
⚖️ Operation „Gleichgewicht“
Inmitten all dieser Gerüchte veröffentlichte die I.K.E.A. die siebzehnte Ausgabe ihres Protokolls zur Stabilisierung von Chernarus. Es trug den Namen Operation „Gleichgewicht“ und begann mit einem Satz, der seltsam gut zu allem passte, worüber ich an diesem Tag nachdachte: „Man erkennt einen Angriff nicht immer daran, dass jemand den ersten Schuss abgibt. Manchmal erkennt man ihn daran, dass die Geschichte danach nicht mehr zusammenpasst.“
Ich dachte lange über den Satz nach. Vielleicht, weil so viel Wahrheit darin lag. Vielleicht aber auch, weil ich inzwischen wusste, wie gefährlich es sein konnte, eine Lücke in einer Geschichte mit dem auszufüllen, was man selbst für wahrscheinlich hielt.
Das Protokoll zeichnete die Ereignisse der vergangenen Tage aus Sicht von der I.K.E.A. nach. Am 16. August waren Ikarus_98 (Pascal) und Jannnik während einer Loot-Tour im Norden getötet worden. Gemeinsam mit ihnen war ein LKW verschwunden, den ein unbekannter Überlebender während des Gefechts übernommen hatte.
In den ersten Tagen nach einem Wipe war ein solcher Überfall zunächst nichts vollkommen Ungewöhnliches. Fahrzeuge waren selten, gute Waffen noch seltener, und ein beladener LKW zog Aufmerksamkeit an wie ein Lagerfeuer in einer dunklen Nacht. Dennoch schmerzte sein Verlust, denn ein LKW war nicht nur ein Fahrzeug. Er bedeutete Reichweite, Baumaterial, gemeinsame Fahrten und unzählige Möglichkeiten, anderen zu helfen.
Vor allem aber waren mit Ikarus_98 (Pascal) und Jannnik zwei Menschen an der Küste gelandet.
Am folgenden Tag fand jayphiiyo den verlorenen LKW in einem Waldstück wieder. Das Fahrzeug war also nicht verschwunden, sondern lediglich abseits der Straße abgestellt worden. Sie bot der I.K.E.A. an, die Koordinaten zu nennen, doch dort lehnte man ab. Nicht, weil ihnen der Verlust plötzlich gleichgültig gewesen wäre, sondern weil die entscheidende Frage weiterhin offenblieb: Wie war dieser LKW überhaupt in den Wald gelangt?
Zwei Tage später, so berichtete das Protokoll, wurde der I.K.E.A. Bildmaterial zugespielt, das den ursprünglichen Überfall in einem anderen Licht erscheinen ließ. Darauf war eine Person zu sehen, deren Erscheinungsbild auffällige Ähnlichkeiten mit dem unbekannten Angreifer aufwies: ein schwarzer Cowboyhut, eine grüne Armbinde, eine Pantomimenmaske und eine AK, die jener Waffe zu gleichen schien, die Jannik am Tag seines Todes bei sich getragen hatte.
Eine Übereinstimmung konnte Zufall sein. Auch zwei mochten noch erklärbar sein. Doch irgendwann wurden es so viele, dass I.K.E.A. selbst trocken bemerkte, man habe bereits darüber nachgedacht, einen Lottoschein auszufüllen. Die Frage, ob Angehörige der Chicks in Actionikarus (Pascal) und Jannnik aus dem LKW geschossen hatten, war von den Chicks verneint worden. Damit standen zwei Geschichten nebeneinander, die sich nicht ohne Weiteres miteinander versöhnen ließen.
Auf der einen Seite befanden sich Bilder, Gegenstände und ein wiedergefundener LKW, deren Zusammenhang zumindest verdächtig wirkte. Auf der anderen Seite stand eine klare Verneinung.
Ich wusste nicht, wer auf den Aufnahmen tatsächlich zu sehen war. Ich wusste nicht, wie eindeutig sich eine Waffe nach einem Gefecht noch einem bestimmten Menschen zuordnen ließ, und ich wusste ebenso wenig, durch wie viele Hände sie inzwischen gegangen sein konnte. Doch ich verstand, weshalb I.K.E.A. Fragen stellte.
Ikarus_98 (Pascal) und Jannnik waren nicht wegen eines verlorenen Fahrzeugs misstrauisch geworden. Sie waren gestorben, und später waren Dinge aufgetaucht, die scheinbar zu ihrem Tod zurückführten. Wer Freunde verloren hatte, konnte solche Spuren nicht einfach ignorieren.
Das Protokoll ging jedoch noch weiter.
Am Morgen des 21. August hatte ein Mitglied von I.K.E.A. die Basis von CHAOS untersucht und sie vollständig ausgeräumt vorgefunden. Der Angriff hatte offenbar stattgefunden, während niemand von CHAOS dort gewesen war. Gleichzeitig befanden sich Angehörige der Chicks nachweislich bereits seit mehreren Stunden im Land.
Auch daraus entstand ein Verdacht, der im Protokoll nicht als erwiesene Tatsache bezeichnet wurde, aber dennoch deutlich zwischen den Zeilen stand. I.K.E.A. störte sich dabei weniger an der Existenz eines Raids als an den Umständen. Sie hatte nie behauptet, Konflikte grundsätzlich abzulehnen. Im Gegenteil, die Männer der I.K.E.A. hatten oft genug bewiesen, dass sie Auseinandersetzungen weder scheuten noch besonders weiträumig umgingen. Doch sie beriefen sich auf das "Gleichgewicht".
Auf Fairness. Auf Kontrolle.
Und auf die Überzeugung, selbst aus Menschen entstanden zu sein, die irgendwann am Boden gelegen, Verrat erlebt und erfahren hatten, wie schnell Macht gegen jene eingesetzt wurde, die gerade weniger davon besaßen.
Es waren große Worte für eine Welt, in der Menschen noch immer wegen eines Reifens, einer Waffe oder einer unbedachten Bewegung starben. Vielleicht brauchte man aber gerade deshalb große Worte. Manchmal erschafft sich eine Gruppe ein Ideal nicht, weil sie ihm bereits in jedem Augenblick entspricht, sondern weil sie etwas benötigt, woran sie ihre eigenen Entscheidungen messen kann.
Die I.K.E.A. zog aus den vergangenen Ereignissen jedenfalls weitreichende Konsequenzen.
Der Informationsaustausch mit den Chicks in Action wurde beendet. Bewegungen und Erkenntnisse sollten künftig nicht mehr freiwillig weitergegeben werden. Auch die freundschaftliche Zusammenarbeit galt als beendet. Eine offene Feindschaft wollte die I.K.E.A. zwar nicht ohne weiteren Anlass suchen, doch man würde ihr ebenso wenig ausweichen, sollte die eigene Gruppe erneut zum Ziel werden.
Zugleich stellte das Protokoll ausdrücklich klar, dass kein Bündnis mit irgendeiner Fraktion bestand – weder mit CHAOS noch mit einer anderen größeren oder kleineren Gemeinschaft.
Dieser Punkt sollte noch bedeutsam werden.
Als ich die Schlussbemerkung las, wurde mir schwer ums Herz. Die I.K.E.A. schrieb, man hätte lieber weiter miteinander gelacht, Informationen ausgetauscht und sich begegnet, ohne bei jeder Armbinde überlegen zu müssen, was sich hinter ihr verbarg. „Freundschaft kann nicht einseitig verwaltet werden.“ Auch darin lag eine Wahrheit, gegen die ich kaum etwas einwenden konnte.
Doch Freundschaft ließ sich ebenso wenig durch ein Protokoll beenden, ohne dass etwas davon zurückblieb: Gemeinsame Fahrten, Hilfeleistungen, Gespräche am Feuer und all jene Augenblicke, in denen man einander vertraut hatte, verschwanden nicht einfach, nur weil jemand ihre Beendigung in nummerierten Punkten festhielt.
Vielleicht war genau das so traurig daran.
Das Protokoll las sich kontrolliert, geordnet und beinahe nüchtern. Doch zwischen seinen Abschnitten lag der Verlust von etwas, das einmal leicht gewesen war. Menschen, die sich früher selbstverständlich geholfen hatten, begannen nun, Bilder abzugleichen, Bewegungen zu protokollieren und jede Geste daraufhin zu prüfen, ob sie Teil eines größeren Spiels sein könnte.
Aus Nähe war Beobachtung geworden und aus Vertrauen Vorsicht. Aus Freunden wurden Gruppierungen, deren Verhältnis zueinander offiziell neu bewertet werden musste.
────────────── 💛 ──────────────
💥 Erst das Protokoll, dann die Trümmer
jayphiiyobefand sich zu diesem Zeitpunkt nicht im Land. Wenig später wurde die Basis der Chicks in Action geraidet.
Damit erhielt der ohnehin schon angespannte Tag eine weitere Wendung. jayphiiyo meldete sich, nachdem sie von dem Angriff erfahren hatte, und hielt es für kaum vorstellbar, dass vier Angehörige von CHAOS allein genügend Kraft und Sprengstoff für einen solchen Raid aufgebracht hatten.
Fast zwangsläufig richtete sich der Verdacht auf die I.K.E.A.
Hatten sie CHAOS unterstützt? Vielleicht hatten sie sogar Sprengstoff weitergegeben? War der Raid die tatsächliche Konsequenz hinter den Worten von Gleichgewicht und Gegenschlag?
Voiid und PropaGandalf kamen nach Prigorodki, und PropaGandalf war deutlich anzumerken, wie sehr ihn der Angriff getroffen hatte. Seine sonst so lockere Art war einer kühlen Wut gewichen, die kaum unter der Oberfläche blieb. Für ihn schien festzustehen, dass die I.K.E.A. entweder unmittelbar beteiligt gewesen war oder CHAOS zumindest mit den notwendigen Mitteln versorgt hatte.
Ich verstand, weshalb dieser Gedanke entstand. Das Protokoll war erschienen. Darin war die Freundschaft mit den Chicks offiziell beendet und angekündigt worden, auf weitere Angriffe entsprechend zu reagieren. Nun lag ihre Basis in Trümmern. Die zeitliche Nähe ließ beides wie Ursache und Wirkung erscheinen.
Doch ich glaubte trotzdem nicht daran. Haltet mich für naiv, aber das ist meine Überzeugung.
Die I.K.E.A. hatte in demselben Protokoll ausdrücklich erklärt, kein Bündnis mit irgendeiner Fraktion zu besitzen. Besonders ein Bündnis mit CHAOS war für NiggoB, janinesta (Selina) und WhiskeyMixer keine Option und ich vertraute ihnen in diesem Punkt. Dieses Vertrauen bedeutete nicht, dass ich jede Entscheidung von der I.K.E.A. richtig fand. Ich hatte mich über WhiskeyMixers erste Reaktion nach den Schüssen auf .chantal2000 geärgert und würde auch weiterhin widersprechen, wenn aus dem Schutz einer Basis der Anspruch auf eine ganze Stadt entstand.
Vertrauen bedeutete für mich nicht, die Fehler eines Menschen zu übersehen oder jedes seiner Worte ungeprüft zu übernehmen. Es bedeutete, ihm nicht ohne Beweise einen weiteren Fehler anzulasten, nur weil er gerade so gut in die Geschichte passte.
Es gab also eine Erklärung für den Raid, die ohne heimliche Unterstützung durch die I.K.E.A. auskam. Doch Erklärungen haben es schwer, wenn Menschen vor den Trümmern eines Ortes stehen, der ihnen etwas bedeutet hat.
Und für jayphiiyo lagen in diesen Trümmern offenbar noch ganz andere Dinge. Nachricht um Nachricht erreichte sie. Menschen aus ihrer Gruppe waren wütend, enttäuscht oder wollten am liebsten alles hinwerfen. Und je länger wir miteinander sprachen, desto deutlicher wurde mir, dass sie längst nicht mehr nur über diesen einen Raid sprach.
Für sie war in den vergangenen Tagen ein Bild entstanden, in dem die Chicks in Action zunehmend auf der falschen Seite jeder Geschichte standen. Wenn andere raideten, gehörte es "zum Spiel". Wenn sie es taten, schien daraus immer eine Charakterfrage zu werden. Wenn andere schossen, gab es Gründe und Erklärungen. Wenn Angehörige ihrer Gruppe in einen Konflikt gerieten, hatte @Jayphiyo das Gefühl, dass schon bald irgendwo darüber gesprochen, geschrieben oder geurteilt wurde.
Sie erzählte mir von den Toten in Cherno, von Auseinandersetzungen mit der I.K.E.A. und davon, wie sehr es sie getroffen hatte, dass einstiges Vertrauen offenbar schon zerbrochen gewesen war, während die Chicks selbst noch davon ausgegangen waren, es bestünde. Besonders die Vorwürfe, man habe gelogen, trafen sie.
Beim verschwundenen LKW, sagte sie, sei sie selbst zu NiggoB gegangen und habe gemeinsam mit ihm nach den Toten und dem Fahrzeug gesucht. Nun las sie ein Protokoll, in dem ausgerechnet dieser Fund Teil einer Kette von Indizien geworden war, die Zweifel an ihrer Darstellung weckte.
Ich konnte verstehen, weshalb sich das aus ihrer Perspektive bitter anfühlen musste. Das bedeutete nicht, dass damit alle Fragen der I.K.E.A. beantwortet waren.
Aber vielleicht war genau das unser Problem.
Dieselben Ereignisse erzählten inzwischen vollkommen unterschiedliche Geschichten, je nachdem, von welcher Seite man sie betrachtete.
Für die I.K.E.A. war der wiedergefundene LKW ein weiteres Puzzleteil in einer Geschichte voller Ungereimtheiten.
Für jayphiiyo war derselbe LKW ein Beispiel dafür, dass selbst ihre Hilfe im Nachhinein gegen sie ausgelegt wurde. Und auch die zerstörte Burg bedeutete für sie mehr, als ich zunächst gewusst hatte. Sie erzählte mir erst jetzt, dass dort etwas für die Gemeinschaft entstehen sollte. Zelte, Beleuchtung, verschiedene Bereiche und ein Treffpunkt waren geplant gewesen – Vorbereitungen für ein späteres Event.
Davon hatte ich nichts gewusst.
Vermutlich hatten es viele nicht gewusst.
In der vergangenen Season war beispielsweise der Boxring als Gemeinschaftsprojekt angekündigt worden. Wer davon wusste, konnte ihn auch als solchen behandeln. Eine Idee dagegen, die nur in den Köpfen ihrer Erbauer existierte, war für Außenstehende zunächst nichts weiter als eine große Basis. Das machte zwar den Verlust an diesem Abend nicht weniger schmerzhaft für sie und alle Beteiligten. Aber es erklärte, weshalb andere in den Trümmern möglicherweise etwas anderes sahen als jayphiiyo.
Sie sagte schließlich etwas, das mich mehr beschäftigte als alle Vermutungen über Sprengstoff und Bündnisse: Es fühle sich an, als stünde niemand mehr zu ihnen.
Als würden die I.K.E.A. und CHAOS trotz allem weiterhin akzeptiert, unterstützt und selbstverständlich Teil dieser Gemeinschaft bleiben, während bei den Chicks inzwischen jeder nur darauf warte, den nächsten Fehler zu finden. Ich widersprach ihr. Nicht darin, dass sie dieses Gefühl hatte. Das konnte ich ihr nicht nehmen.
Aber in dem Gedanken, Chernarus bestünde inzwischen aus den Chicks auf der einen und "allen anderen" auf der anderen Seite. Dafür lebten hier viel zu viele Menschen, die von unserem ganzen Durcheinander vermutlich kaum etwas wussten. Menschen, die keine Protokolle studierten, keine Armbinden miteinander verglichen und denen vollkommen gleichgültig war, wer wem vor drei Tagen einen LKW, ein Auto oder eine Kiste Sprengstoff genommen hatte.
Vielleicht war es eines der gefährlichsten Dinge an einem Konflikt, dass er irgendwann den Blick verengte. Wer lange genug glaubte, von allen Seiten beobachtet zu werden, sah irgendwann überall Beobachter. Wer oft genug enttäuscht worden war, erwartete irgendwann bereits die nächste Enttäuschung. Und wer sich deshalb zurückzog, begegnete immer weniger jenen Menschen, die dieses Bild vielleicht hätten widerlegen können. Ich kannte diese Muster nur zu gut aus meiner eigenen Erfahrung.
Ich wollte nicht gegen die Chicks stehen. Aber ich wollte deshalb ebenso wenig gegen die I.K.E.A. oder sogar CHAOS stehen.
Vielleicht verstanden jayphiiyo und ich unter dem Begriff „zu jemandem stehen“ ohnehin etwas Unterschiedliches. Für mich bedeutete Freundschaft nicht, jede Sichtweise eines Menschen zu übernehmen. Sie bedeutete, noch da zu sein, wenn man widersprach. Eine Basis ist niemals nur die Summe ihrer Tore und Wände. In ihr liegen gemeinsame Nächte, gefundene Fahrzeuge, kleine Geschenke und all jene beiläufigen Momente, in denen man glaubte, wenigstens für eine Weile einen sicheren Ort geschaffen zu haben.
Wenn ein solcher Ort fällt, verliert man mehr als Besitz. Vielleicht verliert man auch die Vorstellung davon, dass etwas bleiben kann.
Ich konnte PropaGandalf deshalb nicht vorwerfen, dass er wütend war. Ich wollte jayphiiyo iyo nicht das Recht nehmen, um das zu trauern, was die Chicks aufgebaut hatten. Die Sache mit dem Protokoll machte eine Beteiligung der I.K.E.A. möglich, aber noch lange nicht wahr. PropaGandalf und jayphiiyo waren überzeugt, die I.K.E.A. habe ein Monster erschaffen, das nun nicht mehr unter ihrer unmittelbaren Kontrolle stand.
Ich sprach meinen Gedanken nicht aus, doch er blieb in mir zurück: War dieses Monster jemals wirklich unter der Kontrolle eines einzelnen Menschen gewesen?
Vielleicht bestand das eigentliche Monster nicht aus CHAOS, der I.K.E.A. oder den Chicks. Vielleicht war es längst zwischen uns allen entstanden – aus alten Verletzungen, gegenseitigen Provokationen und der Gewissheit jeder Seite, lediglich auf das Verhalten der anderen zu reagieren.
Jeder Gegenschlag besaß eine Vorgeschichte.
Jede Provokation war angeblich nur eine Antwort auf eine frühere.
Jeder Angriff ließ sich mit einem anderen Angriff erklären.
Und irgendwann konnte niemand mehr sagen, wo die erste Grenze überschritten worden war, weil alle nur noch auf die letzte Überschreitung zeigten.
Im Protokoll hatte gestanden, dass man einen Angriff manchmal daran erkenne, dass die Geschichte danach nicht mehr zusammenpasste. Vielleicht galt aber auch das Gegenteil: Manchmal wurde eine Geschichte gerade dann gefährlich, wenn plötzlich alles zu gut zusammenzupassen schien.
Wir brauchten Tatsachen.
Doch Tatsachen waren noch nicht verfügbar, während Angst, Wut und Enttäuschung längst ihre eigenen Urteile gefällt hatten.
Momentan können wir nichts tun.
Priorität hat: Essen anbauen, Camps versorgen und eine sogenannte "Raidsperre" in die Leitstelle bauen.
Samstag, 22.08.2026 – Tag 009 – Als Angst und Zorn mich leiteten
────────────── 💛 ──────────────
Hallo ihr Lieben,
Angst kündigt sich nur selten mit zitternden Händen und einem offen ausgesprochenen „Ich fürchte mich“ an. Manchmal nennt sie sich Vorsicht, Erfahrung oder...Pflichtgefühl. Sie flüstert uns ins Ohr; erinnert uns an all jene Augenblicke, in denen wir zu langsam waren, zu lange gesprochen oder einem Menschen einmal zu oft vertraut haben. Dann beschwört sie uns, dass wir dieses Mal schneller sein müssen, entschlossener und bereit, das zu tun, was wir beim letzten Mal nicht getan haben.
Das macht sie so gefährlich, denn Angst kann uns tatsächlich schützen. Sie schärft unsere Sinne, lässt uns Motorengeräusche in der Ferne hören und Bewegungen wahrnehmen, die wir sonst übersehen hätten. Aber wenn wir ihr lange genug zuhören, beginnt sie irgendwann, unsere Entscheidungen für uns zu treffen. Dann halten wir Entschlossenheit für Klarheit und merken erst später, dass wir in Wahrheit längst nicht mehr wussten, was richtig war.
An diesem Tag habe ich verteidigt, was mir anvertraut worden war. Ich habe einen Lastwagen gerettet, für den The_GraveDigger lange gearbeitet hatte, und mich zwischen unser Lager und Menschen gestellt, die es ausräumen wollten. Gleichzeitig habe ich auf einen Mann geschossen, der die Hände erhoben hatte, und später mit einer Brechstange auf ein Bambi eingeschlagen, als er mir unbewaffnet an der Küste begegnete und ich ihn für den Täter hielt.
Ich kann erklären, wie es dazu kam. Aber eine Erklärung macht noch keine Entschuldigung.
────────────── 💛 ──────────────
📻 "Herz hat uns geschickt!"
Ich erwachte, weil Cypress mich anfunkte. Es war viel zu spät, als hätte mein Körper beschlossen, wenigstens für einige Stunden so zu tun, als gäbe es außerhalb des Schlafes keine Probleme.
„Herz, hast du jemanden zu uns geschickt, der uns irgendetwas überbringen sollte?“ Beinahe gleichzeitig meldete sich WhiskeyMixer mit einer ähnlichen Frage. Er wollte wissen, wer die Männer vom Vorabend gewesen waren, denn offenbar standen sie erneut vor der Basis und behaupteten, ich hätte sie geschickt.
Ich hatte niemanden geschickt.
Die vermeintlichen Besucher waren mindestens zu zweit und hatten wenig später auf die Reifen des roten Ada von Felixwert100 und Cypress geschossen. Zum Glück hatten die beiden bereits gewusst, dass ich mich zur Ruhe gelegt hatte. Außerdem wussten sie, dass ich ihnen Bescheid gegeben hätte, wenn tatsächlich jemand in meinem Auftrag zu ihnen unterwegs gewesen wäre. Sie ließen sich deshalb nicht überrumpeln, schlugen die Angreifer in die Flucht und hatten vermutlich einen von ihnen getroffen.
Ich dachte an Olli und Franzi, die ich am Vortag kennengelernt hatte, konnte mir jedoch kaum vorstellen, dass ausgerechnet sie hinter dieser Geschichte steckten. Das hätte zu unserem Gespräch und zu dem Eindruck, den sie bei mir hinterlassen hatten, nicht gepasst. Sicher wissen konnte ich es natürlich nicht.
WhiskeyMixer hatte eine andere Theorie: Er vermutete alte Bekannte. Mit diesen Leuten hatte es bereits in der Vergangenheit Schwierigkeiten gegeben, und sie hatten darum gebeten, nicht mehr in meinen Berichten aufzutauchen. Daran hatte ich mich gehalten. Ebenso deutlich hatte ich ihnen jedoch gesagt, dass man zwangsläufig wieder Teil unserer Geschichte wird, wenn man unsere Camps, meine Leute oder meinen Namen hineinzieht. Sollten tatsächlich Menschen unterwegs sein, die behaupteten, in meinem Auftrag Autoreifen zu zerschießen, musste ich das richtigstellen.
Damals waren sie wieder verschwunden, aber einen der Männer glaubte WhiskeyMixer nun erkannt zu haben. Doch ich selbst hatte keinen von ihnen gesehen und konnte seine Vermutung deshalb weder bestätigen noch widerlegen. Vielleicht hatte all das nichts miteinander zu tun. Vielleicht war es Zufall, dass diese Männer kurz nach meinen Berichten über das falsche Herz auftauchten und nun ebenfalls meinen Namen benutzten. Doch jemand versuchte offenbar, Misstrauen zu säen, und hätte Cypress mich nicht sofort gefragt, wäre am Ende womöglich die Geschichte geblieben, Herz-Aus-Gold schicke bewaffnete Männer zu den Garagen anderer Überlebender, damit sie dort die Reifen zerschießen.
Allein dieser Gedanke machte mich unruhig.
────────────── 💛 ──────────────
🚤 Eine Flucht über das Wasser
Eine Weile später schien sich die Lage wieder beruhigt zu haben, bis Jannnik in der Basis unserer Freunde plötzlich erschossen wurde. Der Angreifer trug eine Presseweste und wirkte auf den ersten Blick wie ein besser ausgerüstetes Bambi, ein Bambi+. Bevor Jannnik fiel, soll der Fremde noch darüber geschimpft haben, wie feige es sei, zu zweit gegen einen vorzugehen.
I.K.E.A. rückte umgehend aus, und auch Cypress und Felixwert100 machten sich bereit. Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 fuhr gemeinsam mit WhiskeyMixer in einem Boot die Küste entlang, als ihr bei Kamyshovo eine Ansammlung von Infizierten auffiel. Zu dieser Uhrzeit war dort ungewöhnlich viel Bewegung. Sie beobachtete das sumpfige Gelände von einem Boot aus und entdeckte schließlich einen Überlebenden mit Plattenweste und guten Waffen, der mit großer Eile an der Küstenstraße entlanglief.
Sie gab seine Position durch und nahm die Verfolgung auf, verlor ihn jedoch zunächst zwischen Wasser, Schilf und den Gebäuden aus den Augen. Erst als sie ein Motorengeräusch hörte, verstand sie, wohin er verschwunden war. Von der kleinen Insel aus sah sie ein blaues Boot, mit dem der Flüchtende offenbar davonkommen wollte.
Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 eröffnete das Feuer. Ihre ersten Schüsse trafen mehr Wasser als Boot, was sie in ihrer eigenen Zusammenfassung vermutlich entweder als "Warnschüsse" oder als taktische Einschüchterung des Chernarussischen Meeres bezeichnen würde. Der Fremde wich aus, doch irgendwann traf eine Kugel den Motor des Boots. Der Fahrer sprang ins Wasser, während von mehreren Seiten geschossen wurde. Schließlich wurde er getroffen, sein beschädigtes Boot versank und er ertrank.
Es war kein besonders rühmliches Ende. Jannnik erhielt zumindest einen Teil seiner Ausrüstung zurück, doch wer der Angreifer gewesen war, wussten wir weiterhin nicht. Gegen WhiskeyMixers erste Theorie sprach, dass unsere alten Bekannten nach einem Gefecht vermutlich kaum offen und schwer bewaffnet an der Küste entlanggelaufen wären. Zumindest hätten wir ihnen mehr Vorsicht zugetraut.
Damit blieb auch dieser Vorfall ohne eindeutige Antwort.
Zwischen all diesen Meldungen ging das gewöhnliche Leben in den Camps weiter, soweit man in Chernarus überhaupt noch von gewöhnlichem Leben sprechen kann. Vezir fand Überreste des Loots vom Helikopterabsturz und tauschte mit Kallele von CHAOS eine Fahne, die er dringend benötigte. Vezir sprach von seiner "Wolfsbande" und "seinem Rudel", und erste Ideen nahmen langsam Gestalt an. CHAOS wollte er sich jedoch nicht anschließen. Vorerst zog es ihn allein durch das Land, auf der Suche nach Rudelmitgliedern.
Interception (Tim) brachte uns dreistellige Zahlenschlösser, Nägel, Sägen und Äxte und spendete alles dem Camp. Gerade an einem Tag, an dem so vieles auseinanderzufallen drohte, war es gut, zwischendurch auch Menschen zu begegnen, die etwas brachten, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten.
NiggoB und Ikarus_98 (Pascal) trafen in Berezino auf zwei Bambis mit blauen Armbinden. Diese berichteten von einem Gespräch in Solnichniy und erzählten weiter, Autos finde man nicht im Norden, sondern an der Küste. Außerdem werde man in Chernogorsk sofort erschossen. NiggoB hielt das für falsche Informationen, und ganz richtig war diese Darstellung sicherlich nicht. Trotzdem musste ich zugeben, dass in den vergangenen Tagen durchaus dieser Eindruck entstanden sein konnte. Wer nur einzelne Schüsse hörte und nie die ganze Geschichte erfuhr, musste Chernogorsk inzwischen für eine Stadt halten, in der Wegweiser überflüssig waren, weil ohnehin jede Straße in den Tod führte. Das sagte ich NiggoB auch und nahm Der Bert gewissermaßen in Schutz, von dem die drei Bambis die INformationen erhalten haben wollen. Der Bert stellte auch klar, dass er das mit den Autos so nie gesagt habe. Allerdings hatten die drei Bambis ihm gegenüber behauptet, dass es Autos gab, die wie Taxis aussahen und nur einen Tag überdauern würden... Das alles klang mir mehr nach Geschichten aus dem anderen Chernarus. Ob die drei da etwas verwechselt hatten? Wir hatten ja auch kürzlich ein Bambi am Camp, das felsenfest gegenüber janinesta (Selina) behauptet hatte, ich hätte ihnen gezeigt, wie man Autos aus einem Terminal holen und spawnen lassen konnte und mein Name sei Naddel... Man sollte nicht alles glauben, was Bambis so erzählen.
Blitzo meldete unterdessen, dass das blaue Zelt an der Rostigen Axt abgebaut worden war. Es ging also wieder los... Interception (Tim) fand zwei Leichen mit einem Messer am Camp, ohne dass wir wussten, was dort zuvor geschehen war. Dazu erreichten mich Grüße von "Jeremy White", deren Zusammenhang mir ebenfalls nicht ganz klar wurde. An manchen Tagen bestand mein Leben zu einem erstaunlich großen Teil daraus, Nachrichten entgegenzunehmen, deren Anfang oder Ende offenbar irgendwo dazwischen verloren gegangen war.
────────────── 💛 ──────────────
🩺 Zweimal Irina, ein Keks und ein Mann in Feuerwehrkleidung
I.K.E.A. traf auf ein Bambi, das sich bei der Feststellung seiner Personalien als "Irina" vorstellte. Der Name weckte Erinnerungen und sorgte deshalb zunächst für Unruhe, doch die Frau verhielt sich kooperativ und durfte weiterziehen.
Später führte eine Überlebende, die sich ebenfalls "Irina" nannte, eine andere Frau namens ZuzuCookie, kurz "Cookie" genannt, von Elektrozavodsk bis zu unserem Camp. Nonverbal. Nur mit Gesten und... Vertrauen? Ob es dieselbe Irina war oder Chernarus plötzlich beschlossen hatte, Irinas ebenso großzügig zu verteilen wie Tims, Toms, Tommys, Kevins, Janniks und Maxe, wusste ich nicht. Solange beide friedlich blieben, war mir das allerdings wesentlich lieber als eine weitere Person, die meinen Namen zur Täuschung verwendete.
Dann wurden wir von mehreren Seiten vor einem Überlebenden in Feuerwehruniform gewarnt, der bei Nacht unterwegs war. Er würde auf die Regeln hier pfeifen und war nur darauf aus "Stress" zu machen. Wir räumten das Camp vorsorglich geordnet und brachten die Menschen fort, die sich dort aufhielten. Der Mann zog schließlich weiter, ohne jemanden anzugreifen. Später erfuhren wir, dass Vezir im Funk beruhigend auf ihn eingeredet und ihn offenbar davon abgehalten hatte, etwas Dummes zu tun. Danke! Das war gut. Einen neuen Toah brauchten wir hier wirklich nicht...
────────────── 💛 ──────────────
🥒 Eine Lektion in Anstand
Auch Mischa kam an diesem Tag zu uns. Nein, nicht die Gruppe aus Tschechen und Slowaken namens MISA unter @(MISA) RO. Dieser Überlebende hier namens Mischa war neu in Chernarus, sprach in einer Jugendsprache, bei der Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 vermutlich kurz überlegte, ob sie inzwischen zu alt oder die Welt endgültig zu jung geworden war, und aß eine erstaunliche Menge Zucchini. Wenigstens hungern musste er danach ganz sicher nicht mehr.
Bei seiner Verabschiedung zeigte er Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 allerdings den Stinkefinger. Sie schimpfte mit ihm, woraufhin er erklärte, er müsse noch viel lernen, schließlich sei er zum ersten Mal in Chernarus.
„Jau, fang bei den Manieren an!“, gab sie ihm mit auf den Weg.
Mischa lachte, zeigte ihr erneut den Stinkefinger und ging.
Er verlor das Bewusstsein. Sie wollte ihn fesseln und zur Rede stellen, doch bevor es dazu kam, wählte er den Freitod. Damit endete eine Begegnung, die mit gespendeten Zucchini begonnen hatte, mit einem Toten vor dem Camp. Es war wieder eine jener Situationen, bei denen man sich hinterher fragen musste, wann genau aus einer Unverschämtheit eine Gefahr geworden war und warum der Griff zur Waffe inzwischen so viel schneller geschah als ein weiteres Wort.
Damit hätte der Tag vorbei sein können. Doch ich hatte The_GraveDigger versprochen, während seines Urlaubs nach dem Camp in Berezino zu sehen. NiggoB hatte außerdem von einem Trio mit blauen Armbinden berichtet, das dort unterwegs gewesen war, und deshalb wollte ich vor Einbruch der Nacht wenigstens noch eine Runde um den Turm machen und schauen, ob noch alles in Ordnung war.
Am Vormittag hatte ich das Lager mit Zucchini und Nägeln versorgt. Ich war durch die Unterstände gegangen, hatte The_GraveDiggers Ordnung bewundert und mich über den Lastwagen gefreut, den er mit so viel Mühe fahrbereit gemacht hatte. In diesem Turm steckte noch nicht viel Material, verglichen mit den gewaltigen Festungen anderer Gruppen, aber dafür umso mehr Arbeit und Herzblut. The_GraveDigger hatte dort etwas begonnen, das einmal ein weiterer sicherer Ort für Überlebende werden sollte.
Kaum hatte ich am Abend das Haus in der Nähe des Camps erreicht, hörte ich einen Motor aufheulen.
Ich kannte dieses Geräusch.
Der Lastwagen.
Jemand versuchte, ihn zu stehlen!
Ich nahm die Pioneer, die The_GraveDigger mir anvertraut hatte, und rannte zum Camp. Der Motor heulte auf, Reifen drehten durch, und gleich darauf krachte der LKW gegen eine Wand des Bere-Towers. Zwischen dem Fahrzeug und den Gebäuden sah ich einen ausgerüsteten Überlebenden.
„Lass das und verschwinde von hier!“, rief ich ihm zu.
Der Mann sah mich an und hob die Hände.
Er rannte nicht fort. Er ging auch nicht langsam zurück oder versuchte, Abstand zu gewinnen. Er stand einfach da und sah mich an. Hinter ihm röhrte weiterhin der Motor des Lastwagens, der gegen die Wand gedrückt wurde. Spätestens da wusste ich, dass er nicht allein war. Irgendwo saß oder stand mindestens ein zweiter Mann, der noch immer versuchte, den LKW aus dem Camp zu bekommen. Ich kletterte auf ein abgestelltes Auto, um einen besseren Überblick zu bekommen, richtete die Pioneer auf ihn und rief noch einmal, dieses Mal so laut und deutlich, wie ich konnte:
„Verschwinde von hier! Letzte Warnung!“
Der Fremde lief langsam auf mich zu.
Ja, der Überlebende vor mir hatte die Hände erhoben. Das ist die Wahrheit, und ich werde sie nicht kleiner machen, nur weil sie schwer auf mir liegt. Vielleicht hörte er meine Aufforderung wegen des Motors oder der Entfernung nicht. Vielleicht verstand er nicht, was ich von ihm wollte. Vielleicht hatte er Angst, ein Weglaufen könne mich erst recht zum Schießen bringen. Vielleicht wartete er lediglich darauf, dass sein Begleiter eine bessere Position erreichte.
Ich wusste es nicht.
Über seiner Schulter hing ein länglicher Gegenstand, den ich in diesem Augenblick für eine Waffe hielt. Erst bei einer späteren Betrachtung erkannte ich darin ein Dreibeinstativ. Doch dort, zwischen dem beschädigten LKW und den Trümmern des Turms, sah ich nur etwas, das wie eine Langwaffe aussah, und einen Mann, der trotz meiner Warnungen nicht ging, sondern auf mich zukam.
Ich dachte an The_GraveDigger. An seine Freude über den Lastwagen, an die Nägel, die Zucchini und die sauberen Unterstände. Ich sah vor mir, was aus dem Camp werden sollte, und gleichzeitig hörte ich Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 beinahe in meinem Kopf: „Du redest zu viel, Herz!“
Ich dachte an Toah. An all jene Male, in denen Menschen ihre Hände gehoben und anschließend doch zur Waffe gegriffen hatten. An die drei Gespräche, nach denen Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 in der vergangenen Season erschossen worden war. Ich dachte daran, dass ich in diesem Augenblick die einzige Person war, die noch zwischen den Raidern und The_GraveDiggers Lastwagen stand. Wenn ich sie nicht aufhielt, wer dann?
Die Angst flüsterte mir zu, dass ich keine weitere Gelegenheit bekommen würde.
Also schoss ich.
Der Mann sackte leblos zusammen.
Für einen Moment war außer dem verhallenden Schuss nichts mehr zu hören. Dann rannte ich los, suchte Deckung und kletterte auf das Dach des Krankenhauses, um den zweiten Angreifer zu finden. Ich sah niemanden. Der LKW stand jedoch noch immer im Camp, und mir kam eine Idee, die wenigstens Zeit gewinnen würde: Ich schoss auf einen der Vorderreifen.
Danach umrundete ich das Gebäude, weil ich nach dem Mann sehen wollte, den ich erschossen hatte. Dabei entdeckte ich den zweiten Raider. Wieder suchte ich die erhöhte Position auf dem Dach und rief auch ihm zu, er solle verschwinden.
Er ging nicht.
Diesmal schoss ich nicht sofort. Ich hätte es gekonnt. Aber ich tat es nicht. Ich schimpfte auf die Raider, auf die Situation und darüber, dass ich das alles gar nicht wollte. Doch der Mann hob seine Mlock und zielte hinter einem Zaun hervor auf mich. Sein Schuss streifte mich nur, traf jedoch dabei den Gaskanister in meiner Jacke, mit dem ich eigentlich eine Lampe für das Camp hatte betreiben wollen. Licht in der Dunkelheit...
Ein greller Blitz. Dunkeltheit um gab mich.
Es gab einen ohrenbetäubenden Knall, und die Welt verschwand.
Während ich bewusstlos dalag, traf mich wohl noch ein weiterer Schuss.
Man sagt hier "Karma regelt".
Tut es.
Immer.
────────────── 💛 ──────────────
🔧 Blinde Wut
Als ich wieder zu mir kam, lag ich in Nizhnoye. Ich suchte das dortige Camp auf, doch auch dieses wirkte verlassen. Kein Essen, keine Bandagen... nichts. Am Brunnen trank ich, bis mein Körper sich wenigstens wieder halbwegs lebendig anfühlte.
Dort sah ich ein Bambi, das mit Infizierten kämpfte. Eigentlich wollte ich helfen. Ich ging mit meiner Brechstange dazwischen und traf den Fremden dabei zweimal. Wirklich versehentlich. Er rannte daraufhin schnurstracks in Richtung Berezino.
Ich folgte ihm eine Weile, machte jedoch noch einen Abstecher zum Lebensmittelladen, weil ich dringend etwas zu essen brauchte. Leider fand ich nichts.
Später trafen wir uns in der Nähe einer Scheune und eines Hauses erneut. Die Route, die er nahm und die Eile, die er an den Tag legte... Es ergab nun alles Sinn. Das musste er sein; der Mann, den ich am Turm erschossen hatte.
Scham stieg in mir auf, doch gleichzeitig war da noch immer dieser Zorn. Warum waren sie nicht gegangen? Warum hatte er mit erhobenen Händen vor mir gestanden und nicht auf meine Aufforderung reagiert? Warum hatte sein Begleiter weiter versucht, den LKW zu stehlen? Warum hatten sie mich in eine Lage gebracht, in der jede Entscheidung falsch wirkte?
Heute weiß ich, wie bequem diese Fragen für mich waren. Sie machten ihn zum Verantwortlichen für das, was ich tat. Dabei hielt nicht er in diesem Augenblick die Brechstange.
Nein.
Ich hielt sie.
Ich war nicht mehr Herrin meiner Gedanken. Alles fühlte sich an wie ein Fiebertraum, als hätte die Reise an die Küste nicht nur meine Ausrüstung, sondern für einen Moment sogar mein Aussehen und den Menschen darunter verändert. Ich wollte nur zurück nach Berezino. Wollte den Lastwagen retten, den Turm halten und meinen Fehler mit dem Gaskanister irgendwie dadurch ungeschehen machen, dass ich wenigstens die Aufgabe erfüllte, an der ich zuvor gescheitert war.
Also schlug ich nach ihm.
Dieses Mal geschah es nicht versehentlich.
Er wehrte sich, doch am Ende lag er vor mir. Als ich ihn dort sah, wurde mir übel. Mit dem Schutz des Camps hatte dieser Angriff nichts mehr zu tun. Er war kein ausgestatteter Raider mehr, kein Mann mit einem vermeintlichen Gewehr über der Schulter und kein Teil einer Gruppe, die gerade einen Lastwagen stahl. Er war ein Bambi, und ich hatte aus Wut, Scham und Angst auf ihn eingeschlagen.
Auch diese Wahrheit werde ich nicht kleiner machen.
────────────── 💛 ──────────────
🍎 Der schlechteste Rat ist immer der eigene...
Trotzdem trieb mich nur ein Gedanke weiter: zurück nach Berezino.
Ich sage anderen immer, sie sollen nach einem Erwachen an der Küste nicht blind zum Ort ihres Todes zurückrennen. Sie sollen zuerst trinken, etwas essen und sich wenigstens so weit ausrüsten, dass sie nicht beim ersten Infizierten erneut zusammenbrechen. Es ist ein guter Rat.
Ich selbst schlug ihn an diesem Abend in den Wind.
Als ich Berezino endlich erreichte, war ich halb verhungert und kaum noch bei Kräften. Damit war ich niemandem eine Hilfe und vermutlich ging mein Gejammere den anderen im Funkkanal auf die Nerven. Ich war eine weitere Person, um die man sich im schlimmsten Fall hätte kümmern müssen, während am Turm noch immer mindestens ein bewaffneter Angreifer lauerte.
I.K.E.A. war inzwischen mit WhiskeyMixer und dreizehnzwoelf (Max) unterwegs nach Berezino. Auch vor ihrer eigenen Basis hatte es erneut Schwierigkeiten mit einem Bambi gegeben, doch trotzdem kamen sie. Die Apfelbäume am Rand des Feldes waren für mich zum Greifen nah, aber irgendwo in der Nähe des Turms schien der Schütze noch immer auf seine Gelegenheit zu warten.
So saß ich hinter einem Heuballen, hungrig, erschöpft und beinahe bewegungsunfähig. Ich konnte nicht vorwärts, ohne über das offene Feld zu müssen, und jeder weitere Schritt fühlte sich an, als würde mein Körper darüber abstimmen, ob er mich noch ein paar Meter tragen wollte.
Mühsam arbeitete ich mich bis zu den nächsten Obstbäumen vor und fand schließlich eine getrocknete Birne.
Es war die beste Birne, die ich je gegessen hatte.
Vermutlich war sie trocken, zäh und kaum der Rede wert. In diesem Augenblick schmeckte sie nach einem weiteren Versuch.
WhiskeyMixer, dreizehnzwoelf, Jannnik und sogar Mauersegler (Lehmi), Interception (Tim) und Cypress. Sie alle rückten auf den Turm vor. Schüsse hallten zwischen den Gebäuden wider, während ich noch immer versuchte, genug Kraft zu sammeln, um wenigstens nicht auf dem Feld umzufallen.
WhiskeyMixer wurde unglücklich am Kopf getroffen und verlor das Bewusstsein. Jannnik starb und fand sich wieder an der Küste. Auch Interception (Tim) setzte sein Leben aufs Spiel, damit die anderen vorankamen. Schließlich gelang es WhiskeyMixer, den verbliebenen Schützen zu erwischen.
Danach wurde es langsam ruhiger.
Wir atmeten durch, obwohl kaum jemand von uns wirklich unverletzt war. I.K.E.A. sicherte das Lager, während ich versuchte, den Lastwagen aus seiner verkeilten Position zu befreien. Mauersegler (Lehmi) und Cypress brachten mir einen Ersatzreifen, obwohl sie selbst aussahen, als könnten sie jeden Augenblick umfallen.
Gemeinsam schafften wir es, den LKW wieder flottzumachen. Ich verlud, was wir retten konnten, verschloss den beschädigten Turm und setzte mich schließlich hinter das Steuer. Der Motor sprang an. Langsam fuhr ich aus Berezino hinaus und folgte der Küstenstraße bis nach Prigorodki, wo der Lastwagen vorerst unterkommen sollte, bis The_GraveDigger wieder zurück war.
Als der Berezino-Tower im Rückspiegel kleiner wurde, wurde mein Herz schwer. Wir hatten das Fahrzeug gerettet, aber der Turm war beschädigt, Menschen waren gestorben und etwas von der Zuversicht, mit der The_GraveDigger dort zu bauen begonnen hatte, blieb zwischen den Trümmern zurück.
Im Augenblick fehlten uns die Mittel, um jedes Camp gleichzeitig zu halten. Das bedeutete jedoch nicht, dass wir Berezino aufgaben.
────────────── 💛 ──────────────
🐺 Ein ruhigeres Ende in Solnichniy
Wenigstens aus Solnichniy kamen bessere Nachrichten. Der Bert Bert ging es gut, und er hatte viel Besuch an seinem Camp empfangen. Es seien vor allem jüngere Leute gewesen, erzählte er. Eine Gruppe passte auf die Beschreibung von Franzi, Olli und vermutlich Stumpfi.
Ich nickte. Diesen Eindruck hatte ich ebenfalls gewonnen, als ich Franzi und Olli getroffen hatte.
Für den Moment waren wir in Prigorodki in Sicherheit. Trotzdem ließ mich das Gefühl nicht los, dass die fremden Raider weitermachen würden. Vielleicht hatten sie sogar etwas mit den Leuten aus Elektrozavodsk zu tun. Sie waren erstaunlich beharrlich gewesen. Vielleicht waren es aber auch voneinander völlig unabhängige Gruppen, und wir versuchten nur, aus zu vielen losen Fäden ein einziges Muster zu knüpfen. Ich wusste es nicht.
────────────── 💛 ──────────────
🌅Gedanken zum Schluss
An diesem Tag wurden in meinem Namen Reifen zerschossen, Jannnik wurde in seiner Basis getötet und ein Mann ertrank bei seiner Flucht vor Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 und I.K.E.A. Im Camp begegneten uns zwei Frauen namens "Irina" und ZuzuCookie , ein Mann in Feuerwehrkleidung ließ sich von Vezir beruhigen, und Mischa lernte auf denkbar harte Weise, dass Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 den ausgestreckten Mittelfinger nicht als landestypische Grußformel anerkennt.
Am Ende führte mich der Tag nach Berezino, wo ich The_GraveDiggers Turm und den Lastwagen verteidigen wollte. Ein Mann hob vor mir die Hände, und ich erschoss ihn trotzdem. Sein Begleiter tötete mich, und als ich dem ersten später als Bambi wiederbegegnete, griff ich ihn mit einer Brechstange an. Danach kehrte ich halb verhungert zum Turm zurück, während andere ihr Leben riskierten, um den verbliebenen Angreifer zu stoppen. Gemeinsam retteten wir schließlich den LKW und brachten ihn nach Prigorodki.
Ich habe dafür Kritik bekommen, und ich muss sie mir gefallen lassen. Warum habe ich auf einen Menschen geschossen, dessen Hände erhoben waren? Warum habe ich nicht länger gewartet? Warum bin ich nach meiner Niederlage sofort zurückgelaufen, obwohl ich es jedem anderen verbieten würde? Und wie konnte ich schließlich auf einen Menschen einschlagen, der mir an der Küste ohne seine Ausrüstung gegenüberstand?
Auf manche dieser Fragen habe ich keine gute Antwort.
Der Mann hat meine Aufforderung vielleicht nicht gehört. Vielleicht hatte er Angst. Vielleicht wollte er Zeit für seinen Begleiter gewinnen. Ich werde vermutlich nie erfahren, was in diesem Augenblick in ihm vorging. Ich weiß nur, was in mir vorging: Ich sah einen bewaffneten Raider, obwohl über seiner Schulter lediglich ein Dreibeinstativ hing. Ich hörte den Motor des Lastwagens, sah The_GraveDiggers Arbeit in Trümmern und glaubte, die einzige Person zu sein, die noch etwas retten konnte.
Das erklärt meinen Schuss. Es macht ihn nicht richtig.
Noch schwerer wiegt der Angriff mit der Brechstange. Dort kann ich mich auf keinen vermeintlichen Gegenstand über seiner Schulter und keinen röhrenden Lastwagen berufen. Ich war wütend, beschämt und überzeugt, sofort nach Berezino zurückkehren zu müssen. Ich machte den anderen dafür verantwortlich, mich in diese Lage gebracht zu haben, obwohl ich selbst entschied, die Brechstange zu heben.
Auch Menschen, die helfen wollen, können Unrecht tun. Vielleicht müssen gerade wir uns dieser Möglichkeit besonders offen stellen, weil gute Absichten so leicht zu einer bequemen Rechtfertigung werden. Ich möchte nicht eines Tages behaupten, alles sei erlaubt gewesen, nur weil ich ein Camp verteidigte oder das Eigentum eines Freundes schützen wollte.
Trotzdem kann ich nicht versprechen, künftig niemals wieder zu schießen. Wenn meine Freunde, unsere Schutzbefohlenen oder unsere Camps unmittelbar bedroht werden, werde ich sie weiterhin verteidigen. "Samariter schaden nicht ohne Grund", so habe ich es im Eid geschworen. Aber ich muss lernen, den Augenblick zu erkennen, in dem Schutz in Vergeltung übergeht und Angst nicht mehr warnt, sondern befiehlt.
Der gerettete Lastwagen steht nun in Prigorodki. Wenn ich ihn ansehe, freue ich mich, dass The_GraveDigger ihn nicht verloren hat. Gleichzeitig weiß ich, welchen Preis dieser Erfolg hatte.
Vielleicht besteht Verantwortung nicht darin, jede Entscheidung im Nachhinein zu verteidigen. Vielleicht beginnt sie dort, wo man aufhört, vor den unangenehmen Fragen davonzulaufen.
Diesen Fragen stelle ich mich.
In diesem Sinne: Passt auf euch auf und bleibt am Leben.
Freitag, 21.08.2026 – Tag 008 – Eine Frage der Perspektive
────────────── 💛 ──────────────
Hallo ihr Lieben,
wir bauen Mauern, weil wir Angst vor dem haben, was von außen kommen könnte. Wir verschließen Tore, bewachen Zufahrten und lernen irgendwann, bei jedem fremden Motorengeräusch aufzusehen. Das ist verständlich in einer Welt, in der ein einziger unachtsamer Augenblick genügt, um alles zu verlieren, was man sich über Tage aufgebaut hat.
Doch wie ich schon in meinen letzten Beiträgen sagte, besitzt Angst die unangenehme Eigenschaft, den Bereich, den sie schützen möchte, immer weiter auszudehnen. Zuerst gehört einem nur das Haus hinter der Mauer, bald darauf die Straße davor und irgendwann vielleicht ein ganzes Viertel oder eine ganze Stadt... Wer sich nicht ankündigt, wird zur möglichen Bedrohung, und wer im falschen Augenblick den falschen Weg nimmt, gerät zwischen Fronten, von denen er womöglich nichts wusste.
So ist es bereits mehrmals passiert und gerade passiert es wieder. An diesem Tag habe ich mehrfach erlebt, wie verschieden ein und dieselbe Situation aussehen kann. Für die einen war es notwendige Verteidigung, für die anderen ein Angriff aus dem Nichts. Dazwischen standen Menschen, die nur helfen, grillen, nach Hause gehen oder einen Freund aus der Schusslinie holen wollten.
Vielleicht war das Schwierigste daran, dass vermutlich jeder von ihnen nur seinen Teil der Geschichte kannte...
────────────── 💛 ──────────────
🏚️ Frühe Nachrichten und ein Beinaheunfall
WhiskeyMixer berichtete mir am Morgen, dass die Basis von CHAOS in den frühen Stunden vollständig geraidet worden war. Wer dafür verantwortlich war, wusste ich nicht. Es wurde vermutet, dass Menschen aus dem Umfeld der C.I.A. dahinterstecken könnten, doch eine Vermutung blieb auch an diesem Morgen eine Vermutung. Für mich hätte es genausogut jeder andere gewesen sein können, denn während all das passierte, war ich noch im Land der Träume unterwegs. Ich hatte also weder gesehen, wer dort gewesen war, noch wusste ich, was genau geschehen war. Die großen Gruppen und Fraktionen hatten auch noch keine Stellungnahme veröffentlicht und so blieb es erst einmal bei diesen äußerst beunruhigenden Gerüchten aus dem Norden. Während anderswo Zäune fielen, errichtete ich mit @Vezirs Hilfe einen Unterstand. Es war eine wohltuend einfache Arbeit: Äste sammeln, Material zusammentragen und etwas schaffen, das einem Menschen später Schutz vor Regen und Kälte bieten konnte. Für eine Weile bestand die Welt nur aus dem nächsten Arbeitsschritt.
Interception (Tim) brachte kurz darauf allerdings wieder Bewegung in die Ruhe. Er erzählte in der Runde, ein Humvee hatte ihn beinahe überfahren. Ob der Fahrer ihn nicht gesehen hatte oder ihm lediglich zeigen wollte, wie knapp man in Chernarus an einem Menschen vorbeifahren kann, wusste Interception (Tim) wohl selbst nicht genau.
Immerhin stand er noch vor mir und konnte davon erzählen.
Also alles gut?
────────────── 💛 ──────────────
🚁 Der Kampf um das Sahnehäubchen
Bei Zelenogorsk war im Rahmen eines "Events" ein Helikopter abgestürzt, und wie zu erwarten verwandelte sich das Gebiet rasch in einen Treffpunkt für alle, die sich für seltene Ausrüstung interessierten und bereit waren, diese Begeisterung mit Waffengewalt zu unterstreichen.
I.K.E.A., die CIA, zwei Leute von CHAOS und mehrere Einzelspieler lieferten sich dort ein Gefecht um die Beute. Am Ende sicherte sich I.K.E.A. wohl die Sahnehäubchen, während andere mit weniger, mit leeren Händen oder erneut an der Küste erwachten.
Cala-j zog später noch gemeinsam mit Solid zu dem abgestürzten Helikopter. Beide fanden dort die verbliebenen Teile der Beute und konnten sie ohne weitere Schwierigkeiten sichern. Es war beinahe beruhigend zu hören, dass man einen solchen Ort offenbar auch besuchen konnte, ohne zwangsläufig erschossen zu werden. Man musste nur warten, bis alle anderen ihre ... Meinungsverschiedenheiten beendet hatten.
Weniger Glück hatte Mauersegler (Lehmi) bei Kamyshovo. Er wurde im Bahnhof von einem vollständig ausgerüsteten Überlebenden erschossen. Warum jemand mit voller Montur an der Küste Jagd auf Menschen machte, die dort gerade erst wieder zu sich gekommen waren, konnte mir niemand sagen. Vielleicht gab es eine Vorgeschichte. Vielleicht auch nicht. Gerade an der Küste ist der Unterschied von außen kaum zu erkennen.
────────────── 💛 ──────────────
🏙️ Ich möchte nicht um Einlass bitten müssen
Während rund um den abgestürzten Helikopter bei Zelenogorsk um Waffen und Ausrüstung gekämpft wurde, gerieten auch .chantal2000 und Interception (Tim) in Chernogorsk in eine Schusslinie, von der sie nichts gewusst hatten. Die beiden waren gemeinsam unterwegs, als plötzlich auf .chantal2000 geschossen wurde. Wer genau den Abzug betätigte, konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht mit Sicherheit sagen; offenbar wurde I.K.E.A. an diesem Abend wieder in der Stadt belagert, und zwischen denen, die eine Stellung verteidigen, und jenen, die bloß zur falschen Zeit eine Straße betreten, bleibt manchmal nur ein viel zu schmaler Unterschied.
.chantal2000 überlebte, aber war vor Schmerz und Schock so gelähmt, dass sie erst einmal regungslos liegen blieb. Interception (Tim) kam zurück, als er das bemerkte und schrie sie an, ihr zu folgen, sich zu verstecken, wobei er aber auch beschossen wurde. Das hatte sie beide gebraucht und sie schafften es, sich in ein Haus zu retten. Als ich davon erfuhr, machte ich mich auf den Weg, um die beiden aus der Stadt zu holen. Unterwegs traf ich auf WhiskeyMixer, von dem ich mir wenigstens eine Erklärung erhoffte. Stattdessen rief er nur: „Herz, sie haben sich halt nicht angemeldet...“
Vielleicht war dieser Satz weniger gleichgültig gemeint, als er in diesem Augenblick bei mir ankam. Vielleicht war WhiskeyMixer selbst noch zu sehr in der Anspannung der vergangenen Kämpfe gefangen. Trotzdem machte er mich wütend, denn in mir waren sofort die Erinnerungen an jenen ersten Tag nach einem früheren Wipe zurück, als in Chernogorsk von Freunden auf Black Lion, Jammet und Pinky geschossen worden war. Wieder war da dieses befremdliche Gefühl, jemand könnte eine ganze Stadt für sich beanspruchen und von allen anderen erwarten, vorher höflich um Erlaubnis zu bitten, nur um sie betreten zu dürfen. Eine Stadt, die zu unserer Heimat gehörte.
Ich verstehe, dass I.K.E.A. sein Zuhause verteidigen muss, besonders wenn ringsum Scharfschützen lauern und niemand mehr sicher sagen kann, wer lediglich vorbeikommt und wer eine Schwachstelle sucht. Vielleicht müssen wir unseren Samaritern und vor allem unserer Azubine .chantal2000 künftig deutlicher sagen, dass Chernogorsk an solchen Abenden ein Risikogebiet ist. Dennoch weigere ich mich, um Einlass in eine Stadt zu bitten, die auch für mich ein Stück Heimat ist, in der das Krankenhaus steht und in der ich regelmäßig die "Rostige Axt" aufsuche.
Zumindest hatten beide überlebt und kamen mit dem Schrecken davon. Interception (Tim) erzählte mir später, dass in ihm zunächst alles danach gedrängt hatte, sie zu beschützen. Als er sie fallen sah, war er jedoch davongerannt. Er schämte sich beinahe dafür, doch ich konnte ihm keinen Vorwurf machen. Manche Menschen bleiben in einer solchen Lage stehen, andere greifen zur Waffe, und wieder andere rennen, bevor der Kopf überhaupt verstanden hat, was geschehen ist.
Entscheidend war, dass Tim .chantal2000 nicht wirklich zurückließ. Aus sicherer Entfernung hielt er über Funk Kontakt zu ihr, gab ihr klare Anweisungen und half ihr damit, sich aus ihrer Schockstarre zu lösen. Vielleicht hat er sie auf diese Weise vor weit Schlimmerem bewahrt. Mut sieht nicht immer so aus, wie wir ihn uns vorher ausmalen. Manchmal besteht er nicht darin, unter Beschuss neben jemandem stehen zu bleiben, sondern darin, trotz der eigenen Angst eine Stimme zu sein, an der sich ein anderer Mensch festhalten kann.
Am Ende gelang es mir, beide aus Chernogorsk herauszubringen. Zurück blieb jedoch ein bitteres Gefühl, denn niemand von uns hätte dort um sein Leben rennen müssen, nur weil er vergessen hatte, sich für das Betreten einer Stadt anzumelden.
────────────── 💛 ──────────────
🍐 Eine Entschuldigung mit Stiel
Später begegnete WhiskeyMixer einem Cypress mit gelber Armbinde. Nach den Vorfällen an der I.K.E.A.-Basis war er verständlicherweise vorsichtig, doch im Gespräch stellte sich zumindest heraus, dass diese Leute nach eigener Aussage in der letzten Zeit nicht vor der Basis gewesen waren. Ob damit alle Fragen geklärt waren, wusste ich nicht, aber immerhin wurde gesprochen, bevor jemand schoss. Und wir wussten nun, dass es noch mindestens eine andere Gruppierung mit gelben Armbinden geben musste.
WhiskeyMixer suchte schließlich auch .chantal2000 auf und entschuldigte sich bei ihr. Als Zeichen des Friedens brachte er eine "Birne der Versöhnung" mit. Eine Friedensbirne also....
Vielleicht war sie nicht ganz so feierlich wie ein weißes Tuch und vermutlich auch weniger lange haltbar, aber auch wenn die Geste komisch wirkte, kannte ich WhiskeyMixer inzwischen gut genug um zu wissen, dass er es ernst damit meinte. .chantal2000 nahm die Entschuldigung an, und ich war froh darüber. WhiskeyMixer hatte die Lage aus der Perspektive eines Belagerten gesehen, .chantal2000 aus der einer Unbeteiligten, die plötzlich beschossen wurde. Beides war real und eine einzelne Birne löste diesen Widerspruch nicht. Die Geste und die Entschuldigung an sich waren jedoch ein Anfang.
────────────── 💛 ──────────────
🩸 Eine bittere Erkenntnis
In Solnichniy war jayphiiyo mit einem Humvee unterwegs gewesen, als zwei vollständig ausgerüstete Überlebende auf sie schossen. Später kam sie erneut am Camp an, wo sich auch Cypress, Interception (Tim), .chantal2000 und Mauersegler (Lehmi) aufhielten. Dabei wurde jayphiiyomal wieder zunächst für einen Mann gehalten, was sie vermutlich weniger störte als der Umstand, zuvor samt Humvee unter Beschuss geraten zu sein...
Am Camp lag außerdem Wolfsfleisch verteilt. Schließlich stellte sich heraus, dass Interception (Tim) es dort abgelegt hatte. Offenbar war ihm nicht bewusst gewesen, dass bei diesem Fleisch ein wenig Vorsicht angebracht war. Chernarus besitzt viele Möglichkeiten, Menschen zu töten; es wäre beinahe beleidigend gewesen, hätte ausgerechnet ein gut gemeintes Abendessen nicht ebenfalls dazugehört. Und daher war seit einiger Zeit Wolfs- und Bärenfleisch dafür bekannt, Krankheiten zu übertragen. Warum sie Interception (Tim) nicht betroffen hatten, der munter von dem Fleisch gegessen hatte, war uns ein Rätsel.
jayphiiyos Verhalten am Camp gab uns auch Rätsel auf. Sie verletzte sich und wollte ausbluten und sich das Leben nehmen. Mitten im Camp unter Freunden... Als ZUreden und Verbinden nichts half, versuchte ich, sie mit meiner R12 und Gummigeschossen aufzuhalten. Ich traf sie schließlich, doch gerade als wir sie am Boden liegend bandagieren wollten, entschied sie sich dennoch für den Freitod.
„Chernarus ist nicht mehr das, was es einmal war“, sagte sie zuvor bedeutungsschwer und fast wehmütig. „Früher wurde nicht auf Bambis geschossen....“
Wir beide wussten, dass sich die Zeiten verändert hatten. Vielleicht war es früher tatsächlich anders gewesen, vielleicht erinnerte man sich im Rückblick auch deutlicher an die guten Begegnungen als an all jene, die schon damals an der Küste geendet hatten. Doch ich verstand, was sie meinte. Etwas war rauer geworden. Die Menschen erwarteten Gefahr früher, und wer Gefahr erwartete, begann irgendwann, sie überall zu sehen.
Ich hatte versucht, jayphiiyo aufzuhalten, obwohl zwischen uns vieles ungeklärt war. In diesem Augenblick spielte das keine Rolle. Man muss einem Menschen nicht vollkommen vertrauen, um nicht tatenlos dabei zuzusehen, wie er sich aufgibt. Ich konnte ihre Entscheidung trotzdem nicht verhindern.
────────────── 💛 ──────────────
🌃 Die Schüsse aus Elektro
In der Nacht hielt Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 Wache am Camp, als sie aus Richtung Westen Schüsse und Explosionen hörte. Sie zog los und entdeckte bei unseren neuen Freunden mehrere Menschen mit orangefarbenen Armbinden. Zunächst fürchteten wir, es sei I.K.E.A., die nun doch die Leute mit den gelben Armbinden "befragen" wollten. Doch eine Nachfrage bei I.K.E.A. ergab, dass die Gruppe nicht zu ihnen gehörte. Wer auch immer es war, sie hatten wohl auch vor den roten Sarka der Jungs zu stehlen. Ein Auto, das in unserem Chernarus eine bemerkenswerte Geschichte hinter sich hat. Kein Wunder, das Sueda "rot" sah... im wahrsten Sinne des Wortes.
WhiskeyMixer brach dann sogar mit seinem roten Gunter auf und bezog ebenfalls Stellung. Der Kampf verlagerte sich in die örtliche Schule. Es fielen einige Warnschüsse seitens Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 (sie kann hervorragend daneben schießen, wenn es drauf ankommt...) , die offenbar erwidert wurden, bevor es ihm gelang, alle drei Fremden zu erwischen. Wie genau er das geschafft hatte, konnte ich nur seinem späteren Bericht entnehmen, doch selbst Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 sprach von einem bemerkenswerten Manöver, und aus ihrem Mund ist das beinahe ein Ritterschlag.
Sie rückte nach und sicherte die Ausrüstung, während WhiskeyMixer den Wagen startklar machte und die benachbarte Basis überprüfte. Nach allem, was sie erkennen konnten, waren die Fremden offenbar nicht in die Basis unserer Freunde hineingelangt.
Gerade als beide damit begannen, die vermeintlich gerettete Beute einzuladen, kehrten zwei Bambis zurück. WhiskeyMixer behielt die Nerven und versuchte zunächst, mit ihnen zu sprechen, doch einer der Fremden nahm eine Waffe aus dem Fahrzeug. Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 ging in Stellung, hatte allerdings nur eine AK in den Händen, die sie kurz zuvor vom Boden aufgehoben hatte, um sie wegzubringen. zum Wechseln der Waffe zu ihrer geliebten DMR blieb keine Zeit mehr.
Der Bewaffnete stürmte ins Gebäude und versuchte, auf sie zu schießen. Sueda eröffnete das Feuer, doch der Gegner wich aus. Von draußen glaubte sie noch etwas wie „Such bitches“ zu hören, bevor eine Frauenstimme wiederholt rief: „Friendly, friendly! Don’t shoot!“
Die Mischung aus einer Beleidigung, dem Griff zur gestohlenen Waffe und der anschließenden Versicherung vollkommener Friedfertigkeit trug verständlicherweise wenig dazu bei, unser bereits gestresstes Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 zu beruhigen. „Jaja, friendly, don’t shoot. You tried to raid us!“, grummelte sie.
Warum sie in diesem Augenblick von „uns“ sprach, konnte sie später selbst nicht genau erklären. Es war nicht ihre Basis. Nicht ihr Auto. Doch sie hatte die Wache übernommen und glaubte, gerade das Eigentum unserer neuen Freunde zu verteidigen. In diesem Moment genügte ihr das offenbar, um sich verantwortlich zu fühlen.
Draußen wechselte jemand unvermittelt ins Deutsche. „Oh, ein Deutscher? Hey, what’s up?“ Kurz darauf spazierte eine Überlebende einfach in das Gebäude hinein.
Daraufhin stürmte wieder ihr Begleiter mit einer KA-101 herein und versuchte nochmals, Ersetzbares CrewmitgliedNr. 371 zu töten. Sie forderte auch ihn auf, die Hände zu heben, doch er schoss und verfehlte sie. Sueda erwiderte das Feuer, traf ihn zunächst nur leicht und zwang ihn zum Rückzug. Als er erneut angriff, traf sie besser, und der Mann brach zusammen.
„Mensch, Leute, ihr solltet hier nicht raiden! Das ist nicht euers!“, fauchte sie wieder wie eine wildgewordene Katze.
Als der Bewusstlose sich wieder zu bewegen begann, schoss sie noch einmal. Erst hinterher kam ihr der Gedanke, dass sie ihn besser gefesselt und befragt hätte. Doch da war das Adrenalin längst schneller gewesen als jede vernünftige Überlegung. Hinzu kam eine fremde AK, die sie eigentlich nur hatte wegtragen wollen und mit der sie sich nun gegen mehrere Angreifer verteidigte. Es waren keine guten Voraussetzungen für besonnene Gesprächsführung, die ohnehin nicht ihr Fall war...
WhiskeyMixer und Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 luden schließlich die Ausrüstung in den Wagen. Sie gingen davon aus, dass sie den Opfern des Raids gehörte und man besprech, wie man die Dinge zurückführen konnte. Anschließend verließen sie den Ort.
So wurde mir diese Nacht zunächst erzählt. Aber wie so oft, gibt es zweit Seiten einer Geschichte...
────────────── 💛 ──────────────
🎣 Die andere Seite der Geschichte
Später ging ich in Prigorodki angeln und traf auf dem Weg ins Industriegebiet Neuzgang Olli und seine bessere Hälfte Franzi. Beide hatten bereits von unseren Camps gehört, und während unseres Gesprächs stellte sich heraus, dass ausgerechnet sie zu den Menschen gehörten, die in Elektrozavodsk erschossen worden waren.
Und was soll ich sagen? Ihre Geschichte klang...anders.
Sie erzählten, sie hätten in der Schule gegrillt. Dies bestätigte ein Lagerfeuer und zahlreiches Fleisch, das gefunden worden war. Dabei hätten sie etwas später eine Basis entdeckt und sich diese einfach einmal angesehen. Sie seien nur auf der Suche nach einem Auto gewesen. Dann sei auf sie geschossen worden, weshalb auch sie ihre Waffen gezogen hätten und natürlich das Feuer erwiderten. Sie hatten sogar noch versucht zu reden. Am Ende waren sie gestorben.
Ich hörte ihnen zu und dachte an all die Dinge, die in ihrer Erzählung offenblieben: die Schüsse und Explosionen zu einer unchristlichen Uhrzeit, die orangefarbenen Armbinden, den Griff nach der Waffe im Fahrzeug und die wiederholten Angriffe auf Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371. Vielleicht ließ sich manches davon erklären. Vielleicht hatten Missverständnisse und Warnschüsse eine Situation geschaffen, die anschließend auf beiden Seiten nur noch wie ein Angriff aussehen konnte. Ich wusste es nicht.
Olli und Franzi standen nun jedenfalls ruhig vor mir und wirkten nicht wie jene gesichtslosen Raider, die WhiskeyMixer und @Ersetzbares Nr. 371 in dieser Nacht vor sich gesehen hatten. Das machte ihre Geschichte nicht automatisch zur einzigen Wahrheit. Es erinnerte mich lediglich daran, dass hinter den Silhouetten, auf die nachts geschossen wird, am nächsten Tag Menschen mit Namen und einer eigenen Erinnerung an das Geschehen stehen können.
Ich versprach, mit ihnen in Kontakt zu bleiben und ihnen ein Auto zu vermitteln, wenn ich eines finden sollte. Damit sprach ich niemanden von etwas frei und erklärte auch Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 nicht zur Schuldigen. Sie hatte in einer Situation gehandelt, in der ein Mensch nach einer Waffe griff, auf sie schoss und ihre Aufforderungen ignoriert wurden. Dass sie sich verteidigte, konnte ich nach all dem, was sie bereits erlebt hatte sogar verstehen. Auch wenn es komisch klingt...
Ob der letzte Schuss auf den Bewusstlosen noch notwendig gewesen war, darüber würde sie vermutlich selbst länger nachdenken müssen.
────────────── 💛 ──────────────
🛠️ Ein paar weitere Bretter
Anschließend kehrte ich zur Leitstelle zurück und baute weiter. Holz, Nägel und die nächste Wand waren an diesem Abend leichter zu verstehen als die Menschen.
Eine Wand steht dort, wo man sie errichtet. Bei ihr weiß man, welche Seite innen und welche außen liegt. Menschen wechseln diese Perspektive manchmal innerhalb weniger Augenblicke, ohne es selbst zu bemerken.
────────────── 💛 ──────────────
🌅Gedanken zum Schluss
Dieser Tag hatte mit der Nachricht über eine vollständig geraidete Basis begonnen und führte weiter zu einem umkämpften Helikopterabsturz, einem erschossenen Mauersegler(Lehmi) an der Küste und Schüssen mitten in Chernogorsk. Ich hatte .chantal2000 und Interception (Tim) aus der Stadt geholt, während alte Erinnerungen in mir aufstiegen und ich mich gegen den Gedanken wehrte, für den Besuch einer ganzen Stadt um Erlaubnis bitten zu müssen. Später entschuldigte sich WhiskeyMixer bei .chantal2000 mit einer Friedensbirne, jayphiiyo sprach von den veränderten Zeiten und wählte trotz meines Versuchs, sie aufzuhalten, erneut den Weg an die Küste.
In der Nacht verteidigten WhiskeyMixer und Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 eine fremde Garage gegen Menschen, die sie für Angreifer hielten. Am folgenden Tag erklärten mir zwei der Getöteten, sie hätten dort nur gegrillt und sich umgesehen. Zur falschen Zeit, am falschen Ort.
Nun sitze ich wieder in der Leitstelle und weiß noch immer nicht, wo genau die Wahrheit dieser Nacht liegt. Olli und Franzi mögen ihre Gründe gehabt haben, das Gelände zu betreten und nach den ersten Schüssen selbst zu den Waffen zu greifen. Gleichzeitig weiß ich, dass Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 trotz ihres Temperaments und losen Mundwerks nicht ohne Anlass feuert. Ein Mann hatte eine Waffe aus dem Fahrzeug genommen, auf sie gezielt und auch Aufforderungen, die Hände zu heben, beendeten die Gefahr nicht.
Vielleicht war zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr entscheidend, mit welcher Absicht jemand ursprünglich gekommen war. Nachdem die ersten Schüsse gefallen waren, sah jede Seite in der anderen nur noch den Beweis für die eigene Angst.
Ich verstehe den Wunsch, das Eigene zu beschützen. Unsere Camps wurden angegriffen, ausgeräumt und mit Fallen versehen. Ich kenne das Geräusch von Schüssen vor einer vertrauten Mauer und weiß, wie schnell sich der Gedanke festsetzt, dass diesmal niemand entkommen darf. Trotzdem bereitet mir Sorge, wie rasch Schutz zu Besitzanspruch wird und wie leicht aus einem unbekannten Menschen ein Feind entsteht. Auch ich bin davor nicht geschützt.
Chernogorsk gehört nicht nur I.K.E.A. und Prigorodki gehört nicht nur den Samaritern. Aber wir dürfen unsere Lager verteidigen. Doch ich wünsche mir, dass die Straßen, Häuser und Städte dazwischen Orte bleiben, an denen Fremde einander zunächst als Menschen begegnen können. Wer allerdings eine fremde Waffe an sich nimmt, Aufforderungen ignoriert und angreift, darf sich nicht darauf verlassen, dass ein gerufenes „Friendly“ alles Vorherige ungeschehen macht.
Vielleicht war die Friedensbirne deshalb wichtiger, als sie zunächst wirkte. Sie erklärte nicht, wer recht gehabt hatte, und machte keinen Schuss ungeschehen. Sie sagte lediglich: Ich erkenne an, dass dir etwas geschehen ist, auch wenn ich diesen Augenblick anders erlebt habe.
Davon könnten wir im Augenblick mehr gebrauchen.
In diesem Sinne: Passt auf euch auf und bleibt am Leben.
🎯 Weiteste Kills: 1. R*diger Rammel → Survivor (3) mit Vikhr aus 7.0m 2. R*diger Rammel → GraveWalker mit LAR aus 4.8m 3. 1312_radical → Error-404 mit KA-74 aus 3.8m 4. Survivor (3) → [I.K.E.A.] NiggoB mit M4-A1 aus 2.8m 5. Siuuuuu → $pa@ueBeldiCht! mit AUR A1 aus 2.6m
Donnerstag, 20.08.2026 – Tag 007 – Was mir auch eine Niederlage nicht nimmt
Hallo ihr Lieben,
manchmal trägt man einen kleinen Ärger länger mit sich herum, als es von außen vernünftig erscheint. Für andere ging es vielleicht nur um einen Reifen, der kurz von einem Auto genommen und anschließend wieder angebracht worden war. Für mich steckte darin jedoch mehr, denn ich hatte in diesem Augenblick Hilfe angeboten und musste zusehen, wie ausgerechnet diese ausgestreckte Hand zum Anlass für den nächsten Scherz wurde. Außerdem stand ich mitten auf einer offenen Straße und wäre jedem Schützen ausgeliefert gewesen, während PropaGandalf an meinem Wagen herumschraubte.
Der Reifen war aufgrund von jayphiiyos beherztem Eingreifen schnell wieder dort, wo er hingehörte. Das Gefühl, das Gandalfs Verhalten bei mir hinterlassen hatte, blieb.
Vielleicht hätte ein weiteres Gespräch genügt. Wir hatten allerdings schon gesprochen, in der Vergangenheit und ich hatte ihm damals deutlich gesagt, dass seine Streiche irgendwann Folgen haben würden. Wenn Worte mehrfach ausgesprochen werden und trotzdem nichts verändern, verlieren sie allmählich ihr Gewicht. Ich wollte nicht, dass das auch mit meinen geschah.
Deshalb sollte es einen Boxkampf geben. Eine begrenzte, sportliche Auseinandersetzung, bei der wir beide wussten, worauf wir uns einließen und nach der die Sache erledigt sein konnte. Dass ich diesen Kampf verlieren würde, wusste ich zu Beginn des Tages noch nicht. Dass ich mich danach trotzdem ruhiger fühlen würde, ebenfalls nicht.
Zunächst verlief der Tag ohnehin sehr viel friedlicher.
────────────── 💛 ──────────────
🏳️ Fahnen für ihre künftigen Besitzer
The_GraveDigger befand sich im wohlverdienten Urlaub, was ich ihm von Herzen gönnte (Anmerkung von Nr. 371: Haha...). Nach allem, was er seit dem Wipe in Berezino und Prigorodki aufgebaut, geschleppt und organisiert hatte, durfte auch er sich einmal eine Weile von Brettern, Nägeln und unserer kaum überschaubaren Baustellenplanung entfernen.
Dafür kamen Bitwanted und LadyBitStorm nach Prigorodki und brachten mir drei Fahnen mit. Ich bedankte mich und war zuversichtlich, für jede von ihnen die richtigen Menschen zu finden. Fahnen sind schließlich nicht bloß Stoff, den man an einem Mast befestigt. Sie zeigen Zugehörigkeit, erzählen etwas über ihre Besitzer und verwandeln einen zufälligen Ort manchmal erst in einen Platz, an den jemand zurückkehren möchte.
Solid lief ebenfalls am Camp vorbei, doch ich sah ihn nur aus einiger Entfernung und konnte ihn nicht mehr ansprechen. Zwei Neuankömmliche: Micha und Flo blieben etwas länger, wobei Flo vor allem die Wärme suchte. Dafür war unser Feuer da, und ich mochte diesen einfachen Gedanken: dass niemand eine lange Erklärung braucht, wenn er friert und sich für eine Weile zu uns setzen möchte.
Ein fremdes Bambi sah das offenbar anders. Es rannte am Camp vorbei, als wäre der Leibhaftige hinter ihm her, trug einen roten Rucksack und ließ sich auch durch meine Rufe nicht aufhalten. Vielleicht hatte es Angst, vielleicht hatte es ein dringendes Ziel oder vielleicht war es in dieser Welt einfach klüger geworden, nicht jedem freundlichen Ruf zu vertrauen. Ich wusste es nicht und ließ es ziehen.
────────────── 💛 ──────────────
🔥 Nachrichten am nächtlichen Feuer
In der Nacht saß ich mit .chantal2000 und Pinky am Lagerfeuer und wir grillten, als Browney zu uns kam. Er war wieder an der Küste gelandet, und das offenbar sehr oft in der letzten Zeit. Seinem Bericht nach hatte CHAOS seine Leute überfallen, weil sie in deren Nähe gebaut hatten. Wie genau es dazu gekommen war, wusste ich nicht, doch ich hörte ihm an, dass diese Wiederholungen an ihm zehrten. Es ist schwer, an einem Ort heimisch zu werden, wenn man ständig an der Küste erwacht und erneut beginnen muss und es dann nichts mehr gibt, wohin man zurückkehren könnte.
Auch von I.K.E.A. erreichten mich beunruhigende Nachrichten. Man wollte sich mit den Besitzern der gelben Armbinden „unterhalten“, nachdem Jannnik an ihrer Basis angeschossen und eine Blendgranate über die Mauer geworfen worden war.
WhiskeyMixer formulierte es auf seine Weise: „Die Jungs waren heute nämlich ganz schön frech!“
Ob die angekündigte Unterhaltung tatsächlich bei Worten bleiben würde, konnte ich nicht einschätzen. Ich hoffte es, auch wenn die Erfahrung zeigt, dass Gespräche in Chernarus schnell eine beträchtliche Reichweite und ein gefülltes Magazin entwickeln können. Was mich aber mehr besorgte war die Tatsache, dass ich solch ein Verhalten CypR3ss und Felixwert100 gar nicht zugetraut hätte. Sie hatten auch gar keinen Grund, aktiv nach Streit zu suchen. Sie waren vom Pech verfolgt gewesen und der Streit hatte sie ohnehin immer gefunden. Gab es möglicherweise noch andere Leute, die eine gelbe Armbinde trugen?
Daneben hörte ich aus mehreren Richtungen, Greeny_29 sei wieder im Land. Persönlich gesprochen hatte ich ihn noch nicht, weshalb ich auch darüber nicht mehr sagen konnte. Im Augenblick kehrten viele alte Namen zurück, manchmal zunächst nur als Gerücht und erst später als Mensch, der tatsächlich vor einem stand. Bis dahin wollte ich abwarten.
────────────── 💛 ──────────────
🚙 Eine abendliche Kontrolle
Ich war gerade damit beschäftigt, einige Baumstämme zu fällen, als eine weinrote Olga vor dem Camp hielt. Zwei Überlebende mit grünen Armbinden stiegen aus, und kurz darauf hörte ich jayphiiyos vertraute Stimme.
„C.I.A. Wir dachten, wir machen mal eine abendliche Kontrolle. Ob die Uniform und die Schühchen richtig sitzen...“, sprach sie in gespieltem Ton. „Bei dir scheint ja alles zu sitzen“, erwiderte ich ruhig.
PropaGandalf war ebenfalls dabei. Trotz unserer noch offenen Angelegenheit lud ich beide zum Event am folgenden Abend ein. Sie hatten ein Auto gefunden, benötigten allerdings eine Zündkerze, bevor daraus mehr als ein stehendes Wrack werden konnte.
Wir setzten uns in der Dunkelheit ans Lagerfeuer, während PropaGandalf sein Fleisch grillte. Die Szene war beinahe gewöhnlich: Holz knackte in den Flammen, jemand kümmerte sich um sein Essen und zwischendurch wurde darüber gesprochen, welche Farbe man künftig am Arm tragen wollte. Gerade diese gewöhnlichen Augenblicke hatte ich vermisst.
Ich fragte, ob die grünen Armbinden nun offiziell seien. jayphiiyo erklärte, dass sie diese lediglich trugen, weil sie zuvor am Airfield gewesen waren. Eigentlich gehörte Grün nicht zu ihnen. Schwarz hätte ihnen gefallen, doch diese Farbe war bereits von I.K.E.A. besetzt, weshalb die Chicks offenbar noch überlegten, wie sie künftig auftreten wollten. Vermutlich mit einer "Chicks"-Fahne.
Aus dem Nachbarort waren einige Schüsse zu hören gewesen, denen jayphiiyo und PropaGandalf nachgegangen waren. Der Bert und Voiid hatten dort ebenfalls einen Überlebenden gesehen und mussten schließlich feststellen, dass jemand ihre Fahne entwendete. Voiid kämpfte mit dem Fremden und brachte ihn schließlich zur Strecke. Dann meldete sich Cable98 (Tom) sich bei Jay meldete. „Ah, ihr seid doch aktiv“, schrieb er.
Manchmal genügt in Chernarus offenbar schon eine gestohlene Fahne, um die Rückkehr einer ganzen Gruppe offiziell zu bestätigen. Aber ganz ehrlich? Das hätte man auch ohne Fahne schon gemerkt, wenn man nur einigermaßen aufmerksam durch die Lande streifte.
Von den Überlebenden mit Pantomimemasken, die immer mal wieder in der Nähe des Camps gesehen wurden, wussten jayphiiyo und PropaGandalf Gandalf nichts. Vielleicht war Stimmuuung wieder im Land, wurde vermutet, doch sicher war sich niemand. Ich erzählte von den Bambis, die mit solchen Masken gesehen worden waren. Mehr als einzelne Beobachtungen hatten wir allerdings nicht, und eine Maske verrät wenig über das Gesicht darunter.
PropaGandalf erkundigte sich außerdem nach einem Bambi, das in Solotar erschossen worden war. Für diesen Menschen hatte er eine Nachricht: „Arbeite an deinen Augen!“
Ich nahm sie zur Kenntnis, ohne zu versprechen, künftig als Überbringerin von PropaGandalf s pädagogischen Empfehlungen durch Chernarus zu reisen. Dafür hatte ich nämlich noch meine eigene an ihn...
────────────── 💛 ──────────────
🎭 Eine Maske und eine Fahrt zum Airfield
WhiskeyMixer hatte derweil Taxi gespielt und war zum nordwestlichen Airfield gefahren, nachdem jayphiiyo dort erschossen worden war. Gemeinsam hatten sie sich anschließend auf die Lauer gelegt, doch niemand kam zurück. Stattdessen gerieten sie in eine Gaszone und zogen sich eine Vergiftung zu. PropaGandalf rettete den Tag schließlich mit Blut der Gruppe 0 negativ.
Das war eine jener Geschichten, die gut zu ihm passten. Zuerst brachte er einen Menschen beinahe dazu, ihn wegen eines abgeschraubten Reifens zu erschießen, wenig später rettete er mit seinem eigenen Blut andere vor dem Tod. Vielleicht war gerade das ein Grund, weshalb ich ihm trotz allem nicht dauerhaft böse sein konnte. Seine guten Seiten waren ebenso wirklich wie der Unsinn, den er mit erstaunlicher Zuverlässigkeit und nennen wir es mal "zielstrebigkeit" veranstaltete.
WhiskeyMixer kam später ebenfalls ans Camp und hatte eine Pantomimemaske bei sich. Er hatte sie bereits zwei Tage zuvor einem Bambi abgenommen.
„Das war auch ganz schön frech“, erklärte er.
Worin genau die Frechheit bestanden hatte, blieb dabei fast ebenso unklar wie die Frage, warum überhaupt so viele dieser Masken auftauchten. Wir hatten nun eine zum Ansehen, aber noch immer keine Antwort.
────────────── 💛 ──────────────
🥊 Was noch zwischen uns stand
Irgendwann sprach PropaGandalf den Boxkampf an, den ich für den folgenden Abend angesetzt hatte. Danach sollte noch „Lass krachen in...“-Event stattfinden, weshalb er fragte, ob wir unseren Kampf vielleicht verschieben könnten.
„Kein Problem“, sagte ich. „Ich kann dir auch jetzt auf's Maul geben.“
Das betroffene Schweigen der Umsitzenden war beinahe lauter als jeder Kommentar. Offenbar hatte niemand damit gerechnet, diesen Satz ausgerechnet von mir zu hören. Ganz sicher war ich selbst nicht, ob ich damit gerechnet hatte. Aber da war er nun.
Er war ausgesprochen, und kurz darauf standen PropaGandalf und ich einander gegenüber. WhiskeyMixer übernahm den Posten des Schiedsrichters und wurde zugleich mein persönlicher Trainer, während jayphiiyo ihrerseits PropaGandalf anleitete.
Vor Beginn erklärte ich noch einmal, worum es ging. Sollte PropaGandalfgewinnen, durfte er mich die ganze Season damit aufziehen.
Das änderte jedoch nichts daran, dass meine Reifen künftig an meinem Auto blieben. Sollte ich gewinnen, würde ich mir eine Wiedergutmachung aussuchen.
PropaGandalf kämpfte zunächst sehr defensiv. Er hielt Abstand, wartete ab und zwang mich dazu, auf ihn zuzugehen. Bald traf mich sein erster Schlag und ich begann zu bluten. Von diesem Augenblick an wusste ich, dass mir nicht unbegrenzt Zeit blieb, also griff ich entschlossener an.
Ich wollte nicht aufgeben. Ich kam durch seine Deckung, landete selbst einige Treffer und sah schließlich auch bei ihm Blut. Dabei spürte ich, wie etwas von dem angestauten Ärger aus mir wich. Es war kein Hass und auch keine Freude daran, ihm Schmerzen zuzufügen. Es war eher die Erleichterung darüber, dass ich nicht erneut lächelnd über etwas hinwegging, das mich verletzt hatte.
WhiskeyMixer erinnerte mich immer wieder an meine Deckung. Ich hörte ihn, doch meine Kraft ließ schneller nach, als mir lieb war, und mit der Erschöpfung wurde ich unvorsichtig. PropaGandalf fand seine Gelegenheit und traf mich so hart, dass der Kampf für mich endete.
Als ich wieder zu mir kam, lag die Küste vor mir.
WhiskeyMixer erzählte mir später, dass auch bei PropaGandalf nicht mehr viel gefehlt hatte. Womöglich wäre er nach einem weiteren Treffer ebenfalls zusammengebrochen. Es änderte nichts am Ausgang, doch es tröstete mich ein wenig. Ich hatte verloren, aber ich hatte es ihm nicht leicht gemacht.
jayphiiyomeldete sich über Funk und lobte meinen Einsatz. Meine Chancen seien allerdings von Anfang an gering gewesen, erklärte sie, schließlich habe PropaGandalf ja sie als Trainerin gehabt. Ich entgegnete, dass WhiskeyMixer mich betreut hatte und immerhin das "Two-To-Tango-Turnier" der letzten Season gewonnen hatte.
„Ja“, konterte Jay. „Weil ich nicht mitgemacht habe.“
Ich zuckte mit den Schultern. „Die Entscheidung lag bei dir.“
„Ja“, erwiderte sie grinsend. „Ich habe halt die Season ausgesetzt. Aber nun sind wir wieder am Start.“
Das waren sie tatsächlich. Welche Folgen ihre Rückkehr noch haben würde, wusste ich nicht. Für diesen Abend genügte mir, dass wir wieder gemeinsam an einem Feuer gesessen, miteinander gescherzt und einen alten Streit offen ausgetragen hatten.
Auch PropaGandalf Gandalf gratulierte mir mit einem "GG". Er gestand, vor dem Kampf großen Respekt gehabt zu haben, weil er fest davon überzeugt gewesen war, ich würde ihn in Grund und Boden stampfen. Ich musste über diese Vorstellung lächeln. Ausgerechnet ich. Offenbar wirkte ich auf andere gelegentlich gefährlicher, als ich mich selbst empfand.
Sein Sieg gab ihm nun das Recht, mich damit aufzuziehen. Das störte mich nicht. Wichtiger war mir, dass er meine Grenze verstanden hatte und nun wusste, dass ich bereit war, für sie einzustehen, selbst wenn ich damit scheiterte. Meine Reifen blieben von nun an hoffentlich an meinem Auto.
Sollte er sie noch einmal anfassen, würde ich ihn allerdings direkt erschießen. Das ersparte uns beiden einen weiteren Boxtermin und war als Versprechen gemeint, was WhiskeyMixer den beiden dann auch lachend ausrichtete.
────────────── 💛 ──────────────
🚶 Der Weg nach Hause
Ein Taxi zurück nach Prigorodki lehnte ich ab. Ich wollte meinen Heimweg selbst antreten, vielleicht aus Stolz, vielleicht weil ich nach diesem Kampf eine Weile allein sein musste. Also schlug ich mich durch Chernogorsk und suchte unterwegs das Krankenhaus auf, wo ich einige Hilfsgüter für das Camp einsammelte.
Erst kurz vor Prigorodki nahm WhiskeyMixer mich in seinem Ada mit und setzte mich freundlicherweise am Camp ab.
Es tat gut, wieder etwas Vertrautes zu tun. Medikamente und Verbände einzupacken war einfacher, als darüber nachzudenken, ob ich richtig gehandelt hatte. Ich konnte weiterhin nicht sagen, ob ein Faustkampf wirklich die beste Lösung gewesen war. Ich wusste nur, dass PropaGandalf und ich nun beide verstanden hatten, was zuvor zwischen uns gestanden hatte.
Während ich nach Prigorodki zurückkehrte, fuhren die Chicks weiter nach Solnichniy zu Der Bert. Ihm hatte ich noch eine weiße Fahne versprochen, doch im Augenblick brauchte er dringendere Hilfe. Er litt an einer Lebensmittelvergiftung und benötigte Medikamente, die jayphiiyo und PropaGandalf ihm vorbeibrachten.
So wurde aus dem Mann, der mich kurz zuvor an die Küste geschickt hatte, wieder jemand, der einem Kranken half. Daran musste ich auf meinem Rückweg öfter denken. Menschen lassen sich nicht auf ihre schlechteste oder beste Tat reduzieren. Man kann sich über jemanden ärgern, ihm misstrauen und dennoch wissen, dass auch etwas Gutes in ihm liegt.
Vielleicht gilt das ebenso für mich.
────────────── 💛 ──────────────
🌅Gedanken zum Schluss
Dieser Tag hatte mit Besuchern, geschenkten Fahnen und einem Platz am warmen Feuer begonnen. Später waren Berichte über Überfälle, Schüsse und fremde Armbinden hinzugekommen, während sich die Chicks in Action mit einer weinroten Olga und noch ungeklärter Farbe an den Armen zurückmeldeten. Am Ende hatte ich gegen PropaGandalf gekämpft, verloren und mich anschließend zu Fuß von der Küste zurück nach Prigorodki geschlagen. Währenddessen hatten ausgerechnet jayphiiyo und PropaGandalf Gandalf Medikamente zu Der Bert gebracht.
Nun sitze ich wieder im Camp und merke jeden Treffer, sobald ich mich bewege. Aber ich glaube, meinem Kontrahenten geht es ebenso. Der Kampf ist vorbei, und trotzdem beschäftigt mich weniger die Frage, wer am Ende noch stand. Ich frage mich vielmehr, weshalb ich diesen Kampf brauchte und warum es mir so wichtig war, nicht noch einmal nur zu lächeln und weiterzumachen.
Ich möchte meine Hilfsbereitschaft nicht verlieren. Sie gehört zu mir, auch wenn andere sie gelegentlich mit Schwäche verwechseln oder ausprobieren, wie weit sie gehen können. Gleichzeitig darf sie nicht bedeuten, dass ich alles hinnehme. Eine ausgestreckte Hand bleibt meine Entscheidung, und niemand erhält dadurch das Recht, an ihr zu ziehen, bis ich das Gleichgewicht verliere.
Vielleicht hätte ich PropaGandalf in einem weiteren Gespräch erreichen können. Vielleicht hätte er wieder gelacht, ich hätte mitgelacht und der Ärger wäre geblieben. Ich weiß es nicht. Heute haben wir eine andere Sprache gewählt, und obwohl sie aus Fäusten bestand, war sie klarer als vieles, was zuvor zwischen uns gesagt worden war. Keiner von uns musste den anderen hassen, um diesen Kampf ernst zu nehmen.
Ich habe verloren, doch meine Grenze ist dadurch nicht kleiner geworden. Gandalf weiß nun, wo sie liegt, und ich weiß, dass ich sie verteidigen kann, auch wenn ich dabei falle. Das fühlt sich nicht wie ein Sieg an, über den man jubeln müsste. Es fühlt sich eher wie etwas an, das endlich zur Ruhe kommt.
Für heute reicht mir das völlig.
In diesem Sinne: Passt auf euch auf und bleibt am Leben.
Inhalte von externen Seiten werden ohne Ihre Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.
Mittwoch, 19.08.2026 – Tag 006 – Was sich nicht einfach auffüllen lässt
────────────── 💛 ──────────────
Hallo ihr Lieben,
es gibt Dinge, die lassen sich wieder auffüllen. Ein leerer Vorrat braucht Zeit, einige helfende Hände und jemanden, der bereit ist, mehr mitzubringen, als er selbst verbraucht. Nägel finden ihren Weg zurück in die Kisten, Fleisch kann neu gejagt werden, und selbst ein vollständig geplünderter Unterstand sieht irgendwann wieder so aus, als könnte damit tatsächlich jemand versorgt werden.
Mit Vertrauen ist es schwieriger. Auch dort kann etwas verschwinden, manchmal langsam und beinahe unbemerkt, manchmal durch einen einzigen Vorfall. Man kann neues Vertrauen aufbauen, doch es liegt nicht am nächsten Morgen ordentlich gestapelt im Regal, nur weil man sich Mühe gegeben hat.
An diesem Mittwoch waren unsere Vorräte erneut leer, während andere Menschen Nägel, Fahrzeuge, Westen und ihre Zeit mit uns teilten. Gleichzeitig erreichten mich Nachrichten, die meine Zweifel an alten Bekannten weiter nährten. Vielleicht war deshalb ausgerechnet ein Begrüßungsteddy mit zwei Tomaten das ehrlichste Geschenk des Tages: nicht besonders hilfreich gegen Blutverlust, aber immerhin alles, was wir in diesem Moment noch geben konnten.
Felixwert100 berichtete von einer schwarzen Olga, die am Morgen immer wieder an der Küste auf und ab gefahren war. Kurz darauf hörte ich selbst von der Leitstelle aus ein Motorengeräusch, setzte mich in den Gunter und fuhr los. Auch Felix nahm mit seinem Sarka die Verfolgung auf.
Auf Höhe des Zugevents bei Skalisty Island holte Felix die Olga ein und sprach den Fahrer an, während ich an beiden Wagen vorbeizog. Was zunächst wie eine verdächtige Küstenpatrouille ausgesehen hatte, entpuppte sich schließlich als niemand geringeren als den Rheingauer! .
Er beklagte, dass Prigorodki beinahe leer sei. Medizinisches Versorgungsmaterial fehlte, das Fleisch war verschwunden und von den Vorräten, die eigentlich für Neuankömmlinge und Verletzte gedacht waren, war kaum noch etwas übrig. Ich konnte ihm nur zustimmen. Noch in der Nacht hatte ich die Bestände aufgefüllt, doch wenige Stunden später sah es wieder aus, als hätte jemand unsere Zelte bis auf die letzte brauchbare Kleinigkeit durchsucht.
Vielleicht waren es viele Bambis, von denen jeder nur ein wenig mitnahm.
Vielleicht kam immer dieselbe Person zurück und bediente sich regelmäßig. Ich erinnerte mich jedenfalls an frühere Zeiten, in denen ich irgendwann überzeugt gewesen war, jemand müsse mit unseren Vorräten heimlich ein vollständiges Krankenhaus an einem unbekannten Ort errichten.
Sollte dieses Krankenhaus tatsächlich existieren, verfügte es inzwischen vermutlich über eine ausgezeichnete medizinische Abteilung und eine recht gut bestückte Kantine...
────────────── 💛 ──────────────
🛞 Reifen für niemanden
Der Rheingauer! erzählte außerdem von einem Überlebenden, der am ersten Tag nach dem Wipe sämtliche Reifen von mehreren Fahrzeugen abmontiert und zum Despawnen auf den Boden gelegt hatte. Auf diese Weise sollte verhindert werden, dass andere (vor allem aber die großen Fraktionen) die Wagen einfach reparierten und mitnahmen. Das erklärte, warum ich einen roten Sarka sowie eine schwarze Olga ohne Reifen vorgefunden hatte.
Wer dafür verantwortlich gewesen war, wollte der Rheingauer! nicht verraten. Ich respektierte das, auch wenn mir zwei Personen einfielen, zu denen eine solche Aktion durchaus passen würde.
Welcher von beiden es gewesen war, wusste ich nicht. Die eigentliche Nachricht lag für mich ohnehin woanders: Wer auch immer es gewesen war von den beiden, er war zurück.
Einen Sanitäter in meinem Erscheinungsbild hatte der Rheingauer! nicht gesehen. Dafür meldete sich Der Bert und fragte, ob er das Lager in Solnichniy übernehmen und dort Sanitäterkleidung tragen dürfe. Das Ganze sollte nicht unter der Flagge der "Chicks in Action" stattfinden, sondern war gewissermaßen Vater Berts Herzensprojekt.
Ich freute mich über die Frage, obwohl er meine Erlaubnis für seine Kleidung natürlich nicht brauchte. Jeder darf tragen, was er möchte. Ich bat ihn lediglich darum, mein Erscheinungsbild nicht vollständig zu kopieren und auf die blaue Armbinde zu verzichten, denn diese ist bei uns an den Eid der Samariter gebunden.
Der Bert verstand das und übernahm das Lager. Schon bald entstanden dort mehrere Unterstände, und Rio lobte seinen Eifer. Der Bert trug eine rote Sanitäteruniform, ohne sich dadurch als etwas auszugeben, das er nicht war. Genau darin lag für mich der entscheidende Unterschied.
Ich versprach ihm außerdem, nach einem Cowboyhut Ausschau zu halten, den er vor zwei Seasons so gerne getragen hatte. Ein Sanitäter in Rot mit Cowboyhut dürfte selbst in unserem Chernarus ausreichend eindeutig sein.
I.K.E.A. spendete uns zwei Pressewesten, über die ich mich sehr freute. Gerade in einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen zwischen Gefechten, Gerüchten und wechselnden Fronten bewegten, konnte eine deutlich erkennbare Presseweste vielleicht wenigstens für einen kurzen Moment erklären, weshalb jemand wie beispielsweise Rita Kimmekorn neugierig in der Nähe von Schüssen herumstand.
WhiskeyMixer beziehungsweise I.K.E.A. überließ uns außerdem einen LKW. Wir nahmen ihn als Community-Fahrzeug in die Leitstelle auf, damit er nicht nur einer einzelnen Gruppe diente, sondern möglichst vielen beim Aufbau helfen konnte.
Die Zeiten wurden härter, und gerade deshalb bedeutete mir dieses Geschenk viel. Ein LKW ersetzt kein Vertrauen, doch er kann Bretter, Fässer, Zelte und manchmal sogar die Menschen transportieren, die es wieder aufbauen.
Cypress und Felixwert100 liehen sich das neue Community-Fahrzeug wenig später aus, um an ihrer Basis zu bauen. Sie brachten es heil zurück, womit die wichtigste Regel für gemeinschaftlich genutzte Fahrzeuge bereits erfüllt war.
Auch janinesta (Selina) und Pinky waren unterwegs und kehrten mit Nägeln zurück. Dank ihrer Ausbeute entstanden zwei weitere Wände in der Leitstelle. Zwischen all den verschwundenen Vorräten wuchs unser Camp also trotzdem weiter.
────────────── 💛 ──────────────
🤫 Der schweigende Fremde
janinesta (Selina) begegnete am Camp einem stummen Fremden, der nicht mit ihr reden wollte. Nach den vergangenen Tagen war ein unbekannter schweigender Besucher nicht gerade geeignet, sofort ein Gefühl völliger Entspannung auszulösen.
Am Ende stellte sich jedoch heraus, dass von ihm keinerlei Bedrohung ausging.
Es war Rio.
Weshalb er schwieg, wusste ich nicht. Vielleicht wollte er lediglich prüfen, wie lange es dauerte, bis man ihn erkannte. Vielleicht hatte er einfach keine Lust zu reden. Nach Gandalf, Assault und meinem eigenen Testkäufer konnte man inzwischen jedenfalls niemandem mehr verdenken, bei ungewöhnlichem Verhalten zunächst etwas genauer hinzusehen.
janinesta (Selina) brach anschließend in Richtung Airfield auf.
────────────── 💛 ──────────────
🐺 Cobaltblau gibt nicht auf
Auch Cobaltblau;P meldete sich zurück und berichtete von einer bemerkenswert gründlichen Folge persönlicher Katastrophen. Zunächst war er Wölfen zum Opfer gefallen, anschließend verblutet und schließlich auch noch an der Gaskrankheit gestorben.
Andere Menschen hätten nach einer solchen Bilanz vielleicht beschlossen, sich für eine Weile an einen sicheren Brunnen zu setzen und ihre Lebensentscheidungen zu überdenken. Cobaltblau;P träumte weiterhin vom Eigenheim.
Man muss Prioritäten haben.
Später traf er gemeinsam mit Felixwert100 und Tim – diesmal tatsächlich Interception – am Camp auf einen Überlebenden namens Solid, beziehungsweise SolidSecondhand. Die drei begrüßten ihn, während ich in einem eher unpassenden Zustand hinzukam.
Ich blutete und hatte keine Bandage mehr bei mir. Im Camp fand sich ebenfalls keine einzige. Unsere medizinische Versorgung war erneut so gründlich geleert worden, dass die Samariterin sich an ihrem eigenen Camp notdürftig mit einem Stofffetzenverbinden musste.
Zum Glück entzündete sich die Wunde nicht.
Für Solid hatte ich trotzdem ein Begrüßungsgeschenk: einen Teddy und zwei Tomaten. Eine Bandage wäre in diesem Augenblick zweifellos sinnvoller gewesen, aber man kann nur verschenken, was nicht bereits aus den Zelten verschwunden ist.
Solid nahm es hin, und Cobaltblau;P zog anschließend mit ihm los, um ihm die Grundlagen des Überlebens zu zeigen. Damit gab der Mann, der kurz zuvor noch Wölfen, Blutverlust und Gas zum Opfer gefallen war, bereits wieder sein Wissen an einen Neuen weiter.
────────────── 💛 ──────────────
🎯 Was vor zwei Tagen geschah
Inzwischen bestätigte sich, dass CHAOS vor zwei Tagen I.K.E.A. angegriffen hatte. Allerdings waren offenbar noch weitere Personen als Zaungäste oder Beteiligte vor Ort gewesen. Von zwei Scharfschützen war die Rede, die Armbinden mit einem Zielfernrohrsymbol trugen und ihre Stellung durch eine Sprengfalle abgesichert hatten, deren Granate sie am Ende selbst zur Strecke brachte.
Wer diese beiden waren und in welchem Verhältnis sie zu den übrigen Angreifern standen, wusste ich nicht. Die Information machte den damaligen Überfall nicht übersichtlicher, erklärte aber zumindest, weshalb sich die Ereignisse nicht sauber nur einer einzigen Gruppe zuordnen ließen.
Es wurde immer schwieriger, zwischen festen Bündnissen, kurzfristigen Gelegenheiten und Menschen zu unterscheiden, die einfach dort auftauchten, wo bereits geschossen wurde.
────────────── 💛 ──────────────
🌙 Drei kommunikative Schüsse
In der Nacht meldete Blitzo mehrere Baitschüsse. Die ungefähre Position ließ sich im Bereich der "Rostigen Axt" verorten.
Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 rückte aus und gab drei, wie sie es nannte, „kommunikative Vanillaschüsse“ ab, um Kontakt aufzunehmen. Diese besondere Form der Gesprächseröffnung führte zunächst zu keiner sichtbaren Antwort. Erst etwas später fielen erneut Baitschüsse aus westlicher Richtung.
Sueda sicherte die Umgebung, fand jedoch niemanden, den sie zu einem vertiefenden Austausch über die Bedeutung einzelner Gewehrschüsse hätte einladen können. Dafür entdeckte sie an der Klinik ein vierstelliges Zahlenschloss, das jemand wohl liegengelassen hatte.
Dieses tauschte sie später bei I.K.E.A. gegen eine Packung Nägel und einige Trockenfrüchte ein. Damit hatte die nächtliche Suche am Ende immerhin Baumaterial und Verpflegung eingebracht, auch wenn das ursprüngliche Gespräch weitgehend aus Schüssen bestanden hatte.
Für Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 war das vermutlich ein vergleichsweise diplomatischer Abend.
────────────── 💛 ──────────────
🧩 Hinweise, die noch keine Antworten sind
Im Laufe des Abends erreichten mich weitere Berichte über einen anderen Angriff auf einen LKW und einige der geraubten Dinge, die danach wieder in den Händen anderer bekannter Personen aufgetaucht sein sollen. Es gibt Überschneidungen, die Fragen aufwerfen, vielleicht sogar Verbindungen, die man sich genauer ansehen sollte. Mehr möchte ich darüber im Augenblick nicht schreiben, denn Hinweise sind noch keine Gewissheiten und ein öffentlich ausgesprochener Verdacht lässt sich nur schwer wieder einfangen. ABer ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mich die Sache nicht beschäftigt.
Ich nehme ernst, was mir anvertraut wurde, und ebenso ernst nehme ich die Möglichkeit, dass wir noch nicht das ganze Bild kennen. Deshalb werde ich genauer hinsehen, ohne vorschnell Namen in dieses Logbuch zu setzen. Misstrauen mag manchmal notwendig sein, doch es sollte nicht lauter werden als die Tatsachen.
────────────── 💛 ──────────────
🌅Gedanken zum Schluss
Dieser Tag begann mit der Verfolgung einer schwarzen Olga und endete mit Gesprächen, aus denen mehr Fragen hervorgingen, als mir lieb waren. Dazwischen wurden Vorräte vermisst, Fahrzeuge verliehen und heil zurückgebracht, ein neues Lager aufgebaut, Nägel gegen ein Zahlenschloss getauscht und ein verwundeter Mensch mit einem Stofffetzen verbunden, weil ausgerechnet in unserem Sanitätercamp keine einzige Bandage mehr lag. Immerhin konnte ich Solid einen Teddy und zwei Tomaten überreichen. Medizinisch fragwürdig zwar, aber es kam von Herzen. (Anmerkung von Nr. 371: Haha..)
Was von diesem Tag bleibt, lässt sich nicht in Kisten lagern. Vertrauen kann man nicht nachts auffüllen wie Fleisch, Medikamente oder saubere Verbände. Es entsteht dort, wo Der Bert Bert Verantwortung für ein Camp übernimmt, wo Cobaltblau;P nach all seinen Rückschlägen einem Neuen die ersten Schritte zeigt und wo ein Community-LKW tatsächlich zurückgebracht wird, statt auf rätselhafte Weise samt Reifen und Inhalt aus Chernarus zu verschwinden.
Gleichzeitig liegen Dinge vor mir, die ich nicht einfach übersehen kann. Ich kenne noch nicht alle Zusammenhänge, und genau deshalb möchte ich weder jemanden verurteilen noch mich mit einer bequemen Erklärung beruhigen. Ich bleibe aufmerksam. Ich höre zu. Und ich versuche, zwischen dem zu unterscheiden, was ich weiß, was andere vermuten und was meine eigenen Erfahrungen mir zuflüstern.
Vielleicht ist das gerade die schwierigste Form des Vertrauens: nicht blind zu glauben, aber auch nicht jeden Menschen schon im Voraus schuldig zu sprechen.
In diesem Sinne: Passt auf euch auf und bleibt am Leben.
Dienstag, 18.08.2026 – Tag 005 – Kleider machen Leute
Hallo ihr Lieben,
manchmal erkennen wir einen Menschen schon, bevor wir sein Gesicht sehen. Eine farbige Armbinde, eine bestimmte Waffe auf dem Rücken oder eine vertraute Jacke genügen, und in unserem Kopf entsteht augenblicklich eine ganze Geschichte. Wir glauben zu wissen, wer dort vor uns steht, zu wem diese Person gehört und, ganz wichtig, ob wir ihr vertrauen können.
In Chernarus sind solche Zeichen notwendig, weil für lange Erklärungen nicht immer Zeit bleibt. Eine Armbinde kann verhindern, dass Freunde aufeinander schießen, eine Sanitäterjacke kann einem Verletzten zeigen, dass Hilfe naht, und eine Farbe genügt manchmal, um mitten in einem Gefecht über Leben und Tod zu entscheiden. Doch Stoff besitzt kein Gedächtnis und keine Moral. Jeder kann eine Armbinde herstellen, einen Helm aufsetzen oder eine fremde Silhouette nachbilden, während die Folgen am Ende bei dem Menschen landen, dessen Geschichte bereits mit diesem Bild verbunden ist.
Dieser Tag war voller Farben und Verwechslungen. Gelb kämpfte gegen Grün, ein blauer Ada verschwand, ein blauer Sanitäter wurde erschossen, zwei verschiedene Tims begegneten einander, und über allem hing weiterhin die Frage, wer in einer Kleidung durch das Land zog, die der meinen beinahe bis ins Einzelne glich.
────────────── 💛 ──────────────
🎭 Gelb gegen Grün in Polesovo
Felixwert100 und Cypress legten ihre grünen Armbinden ab und gelbe Armbinden an. Trotzdem gerieten sie nahe Polesovo mit bewaffneten Überlebenden aneinander, die grüne Armbinden und Pantomimemasken trugen. Zunächst war von zwei Gegnern die Rede, doch am Ende lagen offenbar drei von ihnen am Boden. Auch Felix und Cypress überlebten den Kampf nicht, konnten ihr Fahrzeug jedoch sichern.
Nachdem ihre Basis bereits geraidet worden war, erwies sich Polesovo damit erneut nicht unbedingt als der friedlichste Ort für einen Neuanfang.
────────────── 💛 ──────────────
🚙 Ein früher Überfall auf I.K.E.A.
Auch I.K.E.A. hatte keinen ruhigen Morgen. Ihre Basis wurde überfallen, und Ikarus_98 (Pascal) war mitten drin, als er die Garage öffnete. Die Angreifer stahlen einen blauen Ada, in dem sich eine große Menge Ausrüstung befand.
Mehr als einen Verdacht auf einen Täter gab es nicht. Sicher war nur, dass der Ada verschwunden und I.K.E.A. um eine weitere Erfahrung reicher war, bei der das Öffnen einer Garagentür deutlich aufwendiger endete als vorgesehen.
────────────── 💛 ──────────────
🛠️ Ein grüner Ada und zwei verschiedene Tims
Während an anderen Orten geschossen und geraidet wurde, machten Black Lion, Pinky, s-tlk und Jammet gemeinsam einen grünen Ada nahe Pusta fahrbereit. Solche Arbeiten wirkten beinahe beruhigend, weil ein kaputtes Auto wenigstens ein ehrliches Problem darstellt; es verlangt Teile, Wasser, Werkzeug und gelegentlich eine gewisse Geduld, versucht aber in der Regel nicht, sich als jemand anderes auszugeben.
Ich fuhr unterdessen nach Svetlojarsk, um einen Neuzugang namens ranchosanchoabzuholen, und brachte ihn nach Prigorodki. Am Camp zeigte ich ihm die wichtigsten Grundlagen, damit er sich künftig selbstständiger durch das Land bewegen konnte. Wenig später kam ein weiterer Neuzugang hinzu: Tim. Noch einer. Richtig gelesen.
Zur Sicherheit sei erwähnt, dass es sich dabei um einen neuen Tim handelte und nicht um Interception, den bisherigen Tim. Chernarus hatte nun also zwei davon, denn offenbar waren die vorhandenen Namen inzwischen ebenso knapp geworden wie Nägel und Zahlenschlösser...
Der Bert schaute ebenfalls am Camp vorbei und brachte uns ein Zahlenschloss sowie Draht, bevor er sich auf den Weg in den Norden machte. Rio erschien später mit einigen Fahnen, für die sich allerdings niemand so recht begeistern konnte. Damit besaßen wir vorübergehend eine kleine Auswahl textiler Ladenhüter, die sicherlich irgendwo ganz ausgezeichnet ausgesehen hätten, nur offenbar bei keinem der Anwesenden. Aber ich würde schon die richtige Gruppe dafür finden.
Im Industriegebiet begegnete ich Stefan, einem weiteren Neuzugang. Auch Tobi erschien am Camp, wobei es sich ausdrücklich nicht um den + CRK + Tobi vom Chernarussischen Roten Kreuz von DeerIsle handelte. Zwischen dem neuen Tim, dem alten Tim und dem anderen Tobi begann unser Lager langsam eine zusätzliche Namensverwaltung zu benötigen.
────────────── 💛 ──────────────
🏕️ Ein volles Camp und eine schweigende UltrA
Schließlich kam ninja2.00926 (UltrA) als Bambi nach Prigorodki. Ausgerechnet an diesem Tag hätte ich gern mit ihr über die Gerüchte und Sichtungen gesprochen, doch zunächst konnte sie nicht reden. Ich konnte sie deshalb kaum zu etwas befragen, das ohnehin schon schwierig genug einzuordnen war.
Nach und nach kehrten auch Pinky, Black Lion und Jammet zurück. Für Jammet waren es offenbar ein paar Menschen zu viel auf einmal, denn er erschrak über die unerwartete Ansammlung und zog sich wieder zurück. Vielleicht hatte er gehofft, ein Samaritercamp bestehe hauptsächlich aus Gebäuden, Vorräten und höchstens zwei sorgfältig verteilten Bambis... nun heute Abend leider nicht.
Ich zeigte dem neuen Tim noch einige Grundlagen, bevor er schließlich mit dem alten Tim loszog. Damit war zumindest gewährleistet, dass einer von beiden wusste, wer der andere war und auch das Vorstellen lief ungewohnt schnell. "Hi, wir sind die Tims!" oder "Hi ich bin der Tim und das ist auch der Tim."
Auch Cypress und Felixwert100 kamen noch einmal vorbei. Sie nahmen zwei Zahlenschlösser in Empfang und überließen uns dafür eine weiße Fahne und ein Wagenzelt. Nachdem der frühere Tausch noch am fehlenden Schloss gescheitert war, konnten wir das Geschäft dieses Mal tatsächlich abschließen.
Später fuhr ich an der Küste entlang und sammelte Mauersegler (Lehmi) ein, der mich erneut bis zum Camp begleitete. In Kamyshovo holte ich Sense ab, und gemeinsam fuhren wir einige Zugevents an, bevor es weiter in Richtung Berezino ging. Unterwegs stieß auch cookfrags zu uns, sodass mein Gunter sich allmählich wieder in jenes öffentliche Verkehrsmittel verwandelte, als das andere Menschen meine Fahrzeuge offenbar grundsätzlich betrachteten.
In Berezino ließ ich Mauersegler (Lehmi), Sense und cookfrags aussteigen und wollte gerade weiterfahren, als Browney vor meinen Wagen sprang. Sein Verhältnis zum eigenen Überleben schien in diesem Augenblick eher theoretischer Natur zu sein, denn er wirkte, als wolle er sich überfahren lassen...
Auch WhiskeyMixer stand dort. Ihn überfuhr ich nicht, sondern nahm ihn mit. Man tut schließlich etwas für seine Freunde, und in Chernarus kann ein Freundschaftsdienst bereits darin bestehen, zwischen einem Menschen und einer fragwürdigen Begegnung mit der eigenen Motorhaube zu unterscheiden.
Von WhiskeyMixer erfuhr ich, dass sich gerade in Chernogorsk ein Raid abspielte. Vermutlich standen sich dort CHAOS und I.K.E.A. gegenüber, doch offenbar waren noch weitere Personen beteiligt. Wer zu welcher Seite gehörte und wer lediglich die Gelegenheit nutzte, ließ sich aus der Entfernung nicht sicher sagen.
────────────── 💛 ──────────────
🔫 Wenn jedes Bambi zum Feind wird
I.K.E.A. wurde zu dieser Zeit immer wieder von Bambis angegriffen. Als Reaktion darauf schossen ihre Leute in der Stadt nun offenbar auf jeden Bambi, dem sie begegneten.
Diese Entwicklung erinnerte mich unangenehm an das, was vor etwas mehr als einem Jahr im Umfeld der Chicks in Action in Chernogrosk geschehen war. Wenn Angreifer wiederholt dieselbe unauffällige Erscheinung benutzen, wird irgendwann nicht mehr auf das Verhalten eines Einzelnen reagiert, sondern auf eine ganze Gruppe. Aus dem vorsichtigen Blick auf eine Person wird ein Misstrauen gegen jeden, der dieselbe Kleidung trägt oder ähnlich harmlos aussieht, bis schließlich jeder verdächtig ist und man sicherheitshalber gleich schießt.
Unter den Erschossenen soll sich auch eine Sanitäterin in Blau befunden haben.
Wieder jemand, der sich als einer von uns auszugeben versuchte oder wirklich eine Kollegin?
Vielleicht. Vielleicht aber auch nur ein Mensch, der medizinische Kleidung trug und zur falschen Zeit durch die falsche Stadt lief. Ich wusste es nicht. Nach den Sichtungen der vergangenen Tage reichte die Nachricht dennoch aus, um das ungute Gefühl zurückzubringen.
────────────── 💛 ──────────────
🩺 Ein klärendes Gespräch mit UltrA
Später meldete sich ninja2.00926 (UltrA) schließlich bei mir schriftlich und entschuldigte sich aufrichtig für die Dinge, die in der vergangenen Season schief gelaufen waren. Sie sprach auch den Raid auf I.K.E.A. an. Ein wichtiger Punkt aber fehlte mir: Die Sache mit der Doppelgängerin. Nach den Zeugenaussagen hatte eine Person Kleidung und Ausrüstung getragen, die meinem Erscheinungsbild ungewöhnlich nahekam, und ninja2.00926 UltrA wurde mit dieser Gestalt in Verbindung gebracht.
Sie bestritt kategorisch, in meiner Uniform geraidet zu haben, und erklärte, dass sie niemals so etwas tun würde. Ihrer Darstellung nach hatte sie lediglich eine rote Jacke, einen Rucksack und einen blauen Helm getragen.
Ich wollte ihr glauben, doch ihre Erklärung ließ für mich einige Lücken offen. Die Ähnlichkeit hatte sich nach den Berichten nicht auf eine rote Jacke und einen blauen Helm beschränkt. Auch Plattenweste, R12 und kleine Details sollen nahezu genau meinem Erscheinungsbild entsprochen haben. Jede einzelne Übereinstimmung konnte Zufall sein, doch zusammen ergaben sie ein Bild, das sich nur schwer mit einer beiläufig ähnlichen Kleiderwahl erklären ließ.
Das bedeutete noch immer nicht, dass ninja2.00926 (UltrA) unter meinem Namen geraidet oder bewusst versucht hatte, mir etwas anzuhängen. Vielleicht war sie tatsächlich nur in eine Situation geraten, die anschließend von anderen falsch eingeordnet wurde. Vielleicht hatte jemand anderes die Kleidung getragen. Ebenso war denkbar, dass sie mein Erscheinungsbild als Scherz nachgebaut hatte, ohne darüber nachzudenken, was währenddessen geschehen könnte.
Ich wusste es nicht.
Deshalb warf ich ihr keine Tat vor, die ich nicht beweisen konnte. Ich sagte ihr jedoch, dass ich mir wünschte, sie und die anderen würden uns einfach in Frieden lassen. Ich wollte nicht ständig in Auseinandersetzungen gezogen werden, die ich weder begonnen noch gesucht hatte. Ich hatte ihr nichts getan, und dennoch musste ich nun darüber nachdenken, ob andere Menschen vielleicht glaubten, mich bei einem Raid oder mitten in einem Gefecht gesehen zu haben. Und am Ende hatte ich unnötig viel damit zu tun, diese Missverständnisse aufzuklären, denn Vertrauen war nach wie vor unsere wichtigste Währung am Camp.
────────────── 💛 ──────────────
🌱 Cala-J und die freundlichere Erklärung
Cala-j versuchte später, mich wieder etwas zu erden. Er glaubte, die Verkleidung sei wahrscheinlich nur ein Scherz gewesen, ohne böse Absicht und ähnlich unbedacht wie Assaults Inszenierung vor unserem Camp (die er im Übrigen auch sehr witzig fand... bis auf die Schüsse natürlich und die Tatsache, dass sie im Camp mit Waffen in der Hand herumgelaufen waren...) Sie habe einen LKW an Jannnik und I.K.E.A. geben wollen und fand es lustig, dies in meiner Uniform ausgerechnet am Airfield zu tun. Dafür hatte sie einiges an Anstrengung unternommen, denn dem LKW fehlten wohl Reifen.
Bestimmt hatte er damit recht.
Es war durchaus möglich, dass hinter allem keine große Absicht steckte, sondern lediglich eine Idee, die im eigenen Kopf lustig gewirkt hatte und draußen in Chernarus plötzlich eine ganz andere Bedeutung bekam. Menschen denken oft an das, was sie tun wollen, und deutlich seltener an all die Dinge, die andere anschließend darin erkennen könnten.
Trotzdem hatte ich gehofft, dass wenigstens eine der anderen Chicks ihr gesagt hätte, wie unklug es war, in beinahe vollständiger Herz-Ausrüstung durch Konfliktgebiete zu ziehen. Selbst wenn ninja2.00926 (UltrA) niemanden angreifen wollte, konnte sie erschossen, in einen Raid verwickelt oder mit einer Tat in Verbindung gebracht werden, die später mir zugeschrieben wurde. Sollte sie selbst auf jemanden schießen, würde möglicherweise nicht ihr Name fallen, sondern meiner.
Vielleicht verlangte ich zu viel. Vielleicht sahen die Chicks darin wirklich nur einen Scherz und gingen davon aus, dass schon nichts passieren würde. Allerdings besaßen sie seit jeher ein besonderes Talent dafür, irgendwo ein Tor zu entdecken und erst hinterher zu überlegen, ob die Gelegenheit tatsächlich ergriffen werden musste.
Chicks waren eben Chicks.
Das machte sie manchmal liebenswert. Und gelegentlich ausgesprochen anstrengend...
────────────── 💛 ──────────────
🌅Gedanken zum Schluss
Dieser Tag hatte mit gelben und grünen Armbinden, zwei Toten in Polesovo und einem Überfall auf I.K.E.A. begonnen. Später war unser Camp voller neuer und vertrauter Gesichter gewesen, ein grüner Ada war wieder gefahren, ranchosancho und der neue Tim hatten ihre ersten Grundlagen gelernt, und aus einer Küstenfahrt war einmal mehr ein kleiner Sammeltransport nach Berezino geworden. Gleichzeitig hatte sich die Sache mit dem "falschen Herz" verdichtet, während in Chernogorsk bereits Bambis aufgrund der Taten anderer Bambis erschossen wurden.
Jetzt bleibt mir vor allem die Frage, wie viel Verantwortung ein Mensch für das Bild trägt, das er bewusst nach außen zeigt. Niemand besitzt eine Farbe, eine Jacke oder einen Helm, und ich kann niemandem verbieten, eine R12 zu tragen oder sich ein Funkgerät an die Weste zu hängen. Dennoch wissen wir alle, dass bestimmte Kombinationen irgendwann zu einem Erkennungszeichen werden und andere Menschen darauf reagieren.
Cala-Js freundlichere Deutung hilft mir, wenigstens eine andere Möglichkeit im Blick zu behalten. Vielleicht ist die ganze Sache tatsächlich als harmloser Scherz gedacht. Doch auch ein Scherz besitzt Folgen, sobald andere Menschen ihre Waffen danach ausrichten. Wer wie eine bekannte Samariterin aussieht, trägt für diesen Moment einen Teil des Vertrauens, aber auch einen Teil der Konflikte mit sich, die an diesem Bild hängen.
Gerade deshalb macht mir die Entwicklung bei I.K.E.A. Sorgen. Wenn Angriffe durch Bambis dazu führen, dass jedes Bambi vorsorglich erschossen wird, verlieren am Ende die Falschen ihr Leben. Dass unter ihnen möglicherweise ein Sanitäter in Blau gewesen ist, zeigt, wie wenig eine Uniform noch schützt, sobald Angst alle Menschen darunter gleich aussehen lässt.
Ich möchte weiterhin anhalten, wenn jemand an der Küste Hilfe braucht. Ich möchte neue Menschen nach Prigorodki bringen, ihnen die Grundlagen zeigen und ihnen eine Chance geben, bevor ihre Armbinde oder ihre Kleidung bereits das Urteil für sie spricht. Gleichzeitig merke ich, dass jeder dieser Schritte mehr Vorsicht verlangt als früher.
Vielleicht erkennt man einen Menschen tatsächlich zuerst an seiner Kleidung. Kennenlernen kann man ihn jedoch erst an dem, was er tut, wenn niemand ihm die passende Rolle vorschreibt.
In diesem Sinne: Passt auf euch auf und bleibt am Leben.
Hallo ihr Lieben,Der Wipe ist durch – Chernarus steht wieder auf Anfang. Und wir holen Neuzugang Rancho von der Küste ab...In diesem Sinne:Passt auf euch auf...
Montag, 17.08.2026 – Tag 004 – Zwischen Verdacht und Gewissheit
Hallo ihr Lieben,
Angst ist nicht grundsätzlich eine schlechte Ratgeberin. Sie lässt uns aufhorchen, wenn irgendwo Rauch aufsteigt, sie hält uns hinter einer Deckung, während draußen Schüsse fallen, und manchmal bemerkt sie eine Kleinigkeit, über die ein sorgloser Mensch einfach hinwegsehen würde. In Chernarus kann genau diese Vorsicht darüber entscheiden, ob man am Abend noch am Feuer sitzt oder am nächsten Morgen wieder an der Küste erwacht.
Schwierig wird es dort, wo Angst die Lücken zwischen dem, was wir wissen, und dem, was wir lediglich vermuten, eigenmächtig ausfüllt. Plötzlich besitzt jedes fremde Auto eine Bedeutung, jede Armbinde erzählt eine Geschichte und aus einem Verdacht wird im eigenen Kopf eine Gewissheit, obwohl draußen noch immer dieselben offenen Fragen warten.
Dieser Tag verlangte uns einiges ab. Es gab eine Gestalt, die mir ähnelte, einen Mann mit Granaten in einem Kochhaus, einen Wolfsmenschen, einen sorgfältig geprüften Testkäufer und vier Granaten, die aus reiner Panik über eine Mauer flogen. Dazwischen versuchten wir, herauszufinden, wann Vorsicht uns schützt und wann sie selbst beginnt, gefährlich zu werden.
────────────── 💛 ──────────────
🎭 Das falsche Herz
Felixwert100 und Cypress waren hoch oben im Norden geraidet worden und versuchten noch, ihren roten Sarka in Sicherheit zu bringen. Im Zusammenhang mit dem Überfall fiel die Beschreibung einer in Rot gekleideten Person. Für sich genommen hätte das vieles bedeuten können, doch nach janinestas (Selinas) Nachricht vom Vortag ließ sich diese Beobachtung nicht mehr so leicht beiseiteschieben.
Jannnik bestätigte mir gegenüber, dass er und sein Begleiter bereits am Airfield jemanden gesehen hatten, der rote Sanitäterkleidung trug und mir offenbar auffallend ähnlich sah. Damit gab es nun zwei voneinander getrennte Sichtungen einer Person, die zumindest auf den ersten Blick für mich gehalten werden konnte.
Als Felixwert100 wenig später von erschossen wurde und Cypress daraufhin seinerseits den Killer tötete, wurde der Tag nicht gerade übersichtlicher. Ob diese Schüsse unmittelbar mit dem Raid, der rot gekleideten Person oder einem anderen Konflikt zusammenhingen, wusste ich nicht. Ich wollte die einzelnen Ereignisse deshalb nicht miteinander verbinden, solange mir dafür mehr fehlte als ein ungutes Gefühl.
Trotzdem beschäftigte mich das "falsche Herz". Meine Kleidung ist kein geheimer Besitz, und jeder Mensch darf in Rot durch Chernarus laufen. Eine Sanitäteruniform allein macht noch keine Doppelgängerin, ganz zu schweigen einen Samariter. Sollte jedoch jemand bewusst mein Erscheinungsbild benutzen, während in der Umgebung geraidet, geschossen oder anderweitig Unruhe gestiftet wird, könnte daraus ein Schaden entstehen, den man später nicht einfach mit einem Kleiderwechsel rückgängig macht.
Ich verfasste deshalb eine möglichst neutrale Stellungnahme, schilderte nur, was berichtet worden war, und ließ alles offen, was wir nicht belegen konnten. In meinen eigenen Gedanken tauchte dennoch ninja2.00926 (UltrA) auf, von der ich wusste, dass sie gerne Sanitäterkleidung trug. Vielleicht tat ich ihr damit Unrecht; ich wusste es nicht. Sollte sie aber tatsächlich hinter der Verkleidung stecken, verstand ich nicht, wozu das alles dienen sollte. Gerade sie und die Chicks in Action wussten doch, wie viel mir meine Aufgabe, die Samariter und das Vertrauen der Menschen bedeuteten. Der Gedanke, dass ausgerechnet aus diesem Kreis jemand mit meinem Erscheinungsbild spielen und damit gefährden könnte, wofür ich seit so langer Zeit stand, machte mich wütend und traurig zugleich.
Doch auch ein schmerzhafter Verdacht bleibt ein Verdacht. Ich wollte ninja2.00926 (UltrA) nicht allein deshalb zur Täterin erklären, weil ihre Beteiligung für mich besonders verletzend wäre.
────────────── 💛 ──────────────
🧭 Arndt und der WITTWENMACHER
Als ich Arndt von meinem Verdacht erzählte, dass CHAOS möglicherweise etwas mit dem WITTWENMACHER-Immitat von gestern am Camp zu tun haben könnte, wurde er neugierig. Er erklärte mir, alle regulären Mitglieder von CHAOS wüssten, dass die Samariter blaue Armbinden trugen. Lediglich bei den Anwärtern und Mitgliedern auf Probe könne er dafür nicht garantieren.
Das beantwortete allerdings nicht die Frage, weshalb das betreffende Fahrzeug anschließend in Richtung ihrer Basis gefahren war. Auch Arndt hatte darauf keine eindeutige Antwort. Stattdessen fragte er sich, woher ich den Standort der CHAOS-Basis kannte. Er vermutete I.K.E.A. könne ihn mir weitergegeben haben. Dass Menschen gelegentlich selbst durch das Land ziehen und dabei Dinge entdecken, schien in dieser Überlegung eine eher untergeordnete Rolle zu spielen.
Soweit ich wusste, hatten I.K.E.A. und wir jedenfalls keine Basen verraten, es sei denn sie waren schon bekannt. Wir kannten unsere Konflikte, tauschten Informationen aus, wenn es notwendig war, aber wir lieferten uns nicht gegenseitig die Standorte fremder Lager frei Haus. Mehr konnte ich dazu nicht sagen. Die Fahrtrichtung blieb auffällig, bewies für sich allein jedoch nichts.
Zwischen all den Gerüchten und Verdächtigungen gab es auch erfreulichere Nachrichten: .chantal2000 war wieder im Land (und sie sah dabei GUT aus!). Dass sie ausgerechnet an diesem Tag zurückkehrte, sollte sich wenig später als hilfreich erweisen.
LiquidNexxus von RAC war ebenfalls zurück und kam zum Camp. Dort tauschte ich bei ihm meine Plattenweste gegen seine Presseweste ein.
Auch Der Bert schaute am Camp vorbei, und mit Vezir begegnete uns ein Überlebender wieder, den man den "Wolfsmenschen" nannte. Weshalb er diesen Namen trug, war eine andere Geschichte, die an diesem Tag zunächst nicht erzählt wurde. Cypress und Felixwert100 wollten außerdem eine Fahne gegen ein Zahlenschloss tauschen. Grundsätzlich konnten wir die Fahne gut gebrauchen, nur fehlte uns zu diesem Zeitpunkt noch das passende Tauschstück, sodass auch dieses Geschäft vorerst offenblieb.
────────────── 💛 ──────────────
💨 Wieder Rauch am Kochhaus
Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 entdeckte bei der Heimkehr von ihrer Lootrunde durchs Industriegebiet erneut Rauch an einem Camp. Nach dem, was sie mit der Sprengfalle am Stolperdraht erlebt hatte, rechnete sie offenbar sofort mit einem weiteren Angriff. Dieses Mal, so musste es sich für sie angefühlt haben, würde sie nicht wieder abwarten, bis jemand anderes den ersten Schritt machte.
Mit der DMR, die Rio ihr zuvor gegeben hatte, zielte sie durch ein Fenster des Kochhauses. Sie besaß weder ein Zielfernrohr noch ein Magazin, doch die Waffe war geladen, und der eine Schuss genügte. Sie traf den Mann im Gebäude und stürmte anschließend hinein.
Eine Sprengfalle fand sie dort nicht. Der Tote trug jedoch Munition bei sich und hatte eine abgesägte BK-12. Überall verteilt lagen medizinische Güter, von denen wir glauben sie stammten aus unseren Zelten. Außerdem entdeckte Sueda sechs Blutbeutel mit Blut der Gruppe 0 positiv sowie geräuchertes Wolfsfleisch, das ans Camp gelegt worden war. Wollte uns jemand falsche Blutgruppen und schlechtes Fleisch, das krank machte ans Camp bringen, um uns zu schaden? Für Sueda war jedenfalls klar, dass sie denjenigen erwischt hatte, der auch für jene Falle verantwortlich gewesen war, die sie zuvor das Leben gekostet hatte. Und wenn nicht dann zumindest jemanden, der dem Camp schaden wollte. Mission erfüllt.
Ich konnte diese Gewissheit nicht teilen. Ein Mann mit Rauch-Granaten und einer abgesägten Schrotflinte ist gewiss kein beruhigender Anblick, doch er ist damit noch nicht automatisch der Täter eines früheren Anschlags. Vielleicht hatte Sueda recht. Vielleicht hatte sie in diesem Augenblick tatsächlich verhindert, dass erneut jemand zu Schaden kam. Es war aber ebenso möglich, dass ein Gespräch noch etwas anderes ergeben hätte.
Weil ich Sueda kannte, glaubte ich nicht, dass sie leichtfertig einen Menschen erschossen hatte. Ich wusste, was die frühere Falle mit ihr gemacht hatte und weshalb der Rauch für sie nicht einfach nur Rauch gewesen war. Gerade deshalb wollte ich weder ihr Urteil ungeprüft übernehmen noch sie vorschnell verurteilen.
.chantal2000 erklärte sich bereit, als neutrale Beobachterin auf die Sache zu schauen. Sie sollte Zugang zu den vorhandenen Aufzeichnungen erhalten und anschließend einen eigenen Untersuchungsbericht veröffentlichen. Das erschien mir gerechter, als wenn jeder von uns nur jene Einzelheiten herausgriff, die ohnehin zur eigenen Meinung passten.
Eine Frage blieb trotzdem: Darf die Angst vor einer Gefahr selbst eine neue Gefahr auslösen?
────────────── 💛 ──────────────
🥽 Der schweigende Testkäufer
Später kamen Pinky, janinesta (Selina) und s-tlk zum Camp. Auch Vezir war bei ihnen, und wenig später erschien ein schweigendes Bambi mit einem Schweißerhelm. Es antwortete nicht auf Fragen, trug jedoch eine Waffe bei sich, in der sich noch ein einzelner Schuss befand.
janinesta (Selina) und Pinky sicherten das Bambi, durchsuchten es und nahmen die Waffe an sich. Niemand schrie, niemand verlor die Geduld, und vor allem griff niemand voreilig zum äußersten Mittel. Die Situation wurde nach unseren bekannten Abläufen behandelt, ruhig und aufmerksam, bis feststand, dass vom Besucher keine unmittelbare Gefahr ausging. Anschließend durfte das Bambi weiterziehen.
Erst danach löste ich auf, dass unter dem Schweißerhelm die ganze Zeit ich gesteckt hatte. Ich war gewissermaßen als "Testkäuferin" in unser eigenes Camp gekommen, um zu prüfen, ob die alten Routinen noch funktionierten. In einer Zeit, in der gerade ziemlich vieles im Argen lag, wollte ich wenigstens wissen, ob wir bei einer unbekannten Person noch immer besonnen handelten.
Pinky und janinesta (Selina) hatten den Test bestanden. Meine Waffe war weg, mein schweigsames Bambi unbehelligt am Leben, und genau so sollte es sein.
────────────── 💛 ──────────────
🛰️ Konvois und verlorenes Glück
Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 zog später noch einmal los und suchte nach den zurückgelassenen Konvois. Tatsächlich fand sie ein Nachtsichtgerät und sogar ein passendes Kopfband, verlor Letzteres jedoch wieder durch einen dummen Fehler. Chernarus schenkt einem manchmal genau das, wonach man sucht, und nimmt anschließend aus reiner Gewohnheit die Hälfte davon zurück.
Ein Magazin für ihre DMR fand sie ebenfalls nicht. Damit blieb ihr immerhin die bemerkenswerte Fähigkeit, auch ohne Zielfernrohr und Magazin sehr unangenehme Argumente durch Kochhausfenster zu schicken.
────────────── 💛 ──────────────
💣 Vier gute Gründe für eine schlechte Nachbarschaft
Ein Besucher in der Nachbarschaft von CHAOS hatte bei seiner Suche wesentlich mehr Glück, konnte es anschließend jedoch nicht lassen, die Basis zu beobachten. Irgendetwas an der Situation versetzte ihn in Panik, und diese Panik führte zu einer Entscheidung, die sich nur schwer unter dem Begriff „unauffällige Erkundung“ einordnen ließ: Er warf vier Granaten über die Mauer.
Vier Granaten sind selbst für Chernarus eine beachtliche Menge für eine spontane Panikreaktion. Was der schweigende Besucher in diesem Augenblick genau gesehen, vermutet oder befürchtet hatte, wusste ich nicht. Sicher war nur, dass Granaten selten dabei helfen, eine ohnehin angespannte Nachbarschaft zu beruhigen.
Später kam Davus am Camp vorbei und grüßte Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371, die gerade an der Leitstelle baute. Für einen Moment bestand die Welt wieder aus Brettern, Werkzeug und einem gewöhnlichen Gruß, obwohl wenige Stunden zuvor noch vier Sprengkörper über die Mauer seiner Leute geflogen waren. Chernarus...wo der alltägliche Wahnsinn unmittelbar neben den gewöhnlichen Alltag gestellt wird.
────────────── 💛 ──────────────
🌅Gedanken zum Schluss
Heute hatte mit einem Raid und den Berichten über eine Frau begonnen, die mir ähnlich sah. Er hatte mich zu einem schwierigen Gespräch mit Arndt geführt, während Ersetzbares Crewmitglied an einem anderen Ort aus Angst vor einer weiteren Falle einen bewaffneten Mann erschossen hatte. .chantal2000 hatte sich bereit erklärt, die Aufzeichnungen neutral zu prüfen, unsere Abläufe am Camp hatten einen unangekündigten Test bestanden, und ein schweigsamer Besucher hatte am Ende des Tages eindrucksvoll bewiesen, dass Panik und vier Handgranaten keine besonders glückliche Verbindung eingingen.
Jetzt bleibt mir vor allem die Erkenntnis, dass Vorsicht allein noch keine Besonnenheit bedeutet. Vorsicht lässt mich genauer hinsehen, während Besonnenheit mir erlaubt, auch nach dem zweiten Blick noch zu sagen, dass ich mich irren kann. Genau dieser kleine Abstand zwischen Verdacht und Gewissheit schützt nicht nur diejenigen, denen wir begegnen, sondern auch uns selbst vor Entscheidungen, die sich später nicht mehr zurücknehmen lassen.
Ich weiß weiterhin nicht, wer in meiner Kleidung am Airfield unterwegs ist. Ich weiß nicht, ob ninja2.00926 (UltrA) etwas damit zu tun hat, ob der WITTWENMACHER eine Verbindung zu CHAOS besitzt oder weshalb das Fahrzeug in Richtung ihrer Basis fährt. Diese Ungewissheit ist unangenehm, besonders weil mein Name und meine Kleidung für etwas stehen, das mir wichtig ist. Dennoch entsteht aus meinem Unbehagen kein Beweis.
Dasselbe gilt für Suedas Entscheidung. Ich kenne ihre Angst, die Erinnerung an die Sprengfalle und ihren Wunsch, dieses Mal schneller zu sein als derjenige, der ihr schaden will. Ich nehme all das ernst und vertraue trotzdem darauf, dass .chantal2000 genau hinsieht. Freundschaft zeigt sich für mich auch darin, einen Menschen nicht vorschnell zu verurteilen und zugleich bereit zu sein, sein Handeln ehrlich prüfen zu lassen.
Der Test am Camp gibt mir Hoffnung, denn Pinky und janinesta (Selina) zeigen, dass Aufmerksamkeit und Zurückhaltung nebeneinander bestehen können. Sie sichern eine unbekannte Person, nehmen ihr die geladene Waffe ab und lassen die Lage dennoch nicht eskalieren. Darin erkenne ich die Samariter wieder, die wir sein wollen: hilfsbereit, ohne sorglos zu werden, und vorsichtig, ohne jeden Fremden schon im Voraus zum Feind zu erklären.
Vielleicht trägt irgendwo tatsächlich jemand meine Kleidung. Was diese Person daraus macht, liegt nicht in meiner Hand. Was ich selbst in dieser Kleidung tue, entscheide weiterhin ich, und am Ende erkennen Menschen ein Herz hoffentlich weniger an einem roten Oberteil oder einem blauen Helm als an den Spuren, die es in ihrem Leben hinterlässt.
In diesem Sinne: Passt auf euch auf und bleibt am Leben.
wir sprechen oft davon, anderen zu helfen, als wären die Rollen dabei eindeutig verteilt. Auf der einen Seite steht jemand, der stark genug ist, etwas zu geben, auf der anderen jemand, der es gerade nicht allein schafft. Doch so einfach ist es selten, und in Chernarus schon gar nicht.
Manchmal steigt man in ein Fahrzeug, weil irgendwo ein Freund auf Hilfe wartet, und wenig später ist man selbst diejenige, die am Straßenrand festsitzt. Manchmal lehnt ein Fremder jede Unterstützung höflich ab, weil er seinen eigenen Weg gehen möchte, und begegnet einem wenige Stunden später wieder, erschöpft, blutarm und von Infizierten bedrängt. Selbst jene, die heute Nägel, Nahrung oder einen sicheren Platz bringen, können morgen diejenigen sein, für die wir losfahren.
Vielleicht liegt darin etwas Beruhigendes, auch wenn wir es nicht immer gern zugeben: Keiner von uns muss für alle Zeiten der Starke sein. Hilfe verliert ihren Wert nicht, nur weil sie ihre Richtung wechselt, und wer sie annimmt, steht deshalb nicht tiefer als derjenige, der sie anbietet. Wir halten uns nicht aufrecht, indem einer immer alles trägt, sondern indem wir bemerken, wann jemand anderes die Last gerade nicht mehr allein tragen kann.
Dieser Tag erinnerte mich gleich mehrfach daran. Er begann mit einer Rettungsfahrt, führte über verlassene Waffen, einen hartnäckigen Mauersegler (Lehmi) und eine Samaritergemeinschaft, die langsam wieder zusammenfand, und endete mit einer jener bitteren Verwechslungen, bei denen Angst schneller handelt, als Menschen miteinander reden können.
────────────── 💛 ──────────────
🚑 Wer rettet hier wen?
Der Tag begann mit einer Nachricht von WhiskeyMixer, wie mir janinesta (Selina) später berichtete. Er hatte einen Unfall und benötigte Hilfe, woraufhin janinesta (Selina) sich sofort auf den Weg zu I.K.E.A. machte. Für die Rettungsmission stellte man ihr einen Humvee zur Verfügung, mit dem sie zu ihm fahren sollte.
Bis Kamenka kam sie damit immerhin.
Dort verunglückte janinesta (Selina) jedoch selbst, während zugleich die Nacht hereinbrach. Weil eine Weiterfahrt im Dunkeln kaum sinnvoll gewesen wäre, beschloss sie, bis zum Morgen zu warten. Aus einer Rettungsmission waren damit vorübergehend zwei gestrandete Fahrzeuge und mindestens eine weitere hilfsbedürftige Person geworden.
Schließlich kam NiggoB zu ihr. Die beiden tauschten ihre Fahrzeuge, und janinesta (Selina) konnte ihre Fahrt zu WhiskeyMixer fortsetzen. Nachdem sie ihn erreicht hatte, kehrten sie gemeinsam nach Prigorodki zurück.
Dort wartete bereits die nächste Überraschung auf janinesta (Selina): In einem der Unterstände lag eine DMR, doch von einem Besitzer war weit und breit nichts zu sehen. Niemand meldete sich, niemand suchte danach, und so nahm sie die Waffe zunächst an sich. Ob jemand sie bewusst dort abgelegt oder lediglich vergessen hatte, wussten wir nicht.
Es war ein eigenartiges Geschenk, sofern es überhaupt eines gewesen war. In Chernarus konnte eine offen herumliegende Waffe ebenso gut eine freundliche Gabe, ein Versehen oder der Anfang einer unangenehmen Geschichte sein. Vorerst blieb die DMR jedoch bei janinesta (Selina).
────────────── 💛 ──────────────
🛢️ Die Samariter auf Tour
Wenig später zogen Pinky, s-tlk und janinesta (Selina) gemeinsam los. Am späten Nachmittag bekam janinesta (Selina) von I.K.E.A. ein Fass, das sie zum Camp brachte. Danach setzten Pinky und sie ihre Touren fort und sammelten unterwegs Black Lion ein.
janinesta (Selina) hatte außerdem Fleisch von ihrer Reise mitgebracht, das sie später in Prigorodki zubereitete. Zwischen all den Fahrzeugen, Waffen und Baumaterialien war der Geruch von frisch gekochtem Essen eine angenehme Erinnerung daran, dass ein Camp nicht nur aus Wänden bestand. Irgendjemand musste schließlich auch dafür sorgen, dass die Menschen zwischen zwei Fahrten etwas Warmes bekamen.
Jammet war zeitweise mit ihnen unterwegs, ebenso s-tlk, und so fanden immer mehr Samariter wieder zusammen. Selina, Pinky und Black Lion zogen gemeinsam durch das Land, während andere an den Camps arbeiteten oder auf eigenen Wegen Hilfe leisteten.
Die Samariter waren wieder am Start.
Dieser Satz klang größer, als es sich im Alltag vermutlich anfühlte, denn niemand war feierlich angetreten und hatte unsere Rückkehr verkündet. Wir waren einfach wieder da, einer nach dem anderen, mit Fahrzeugen, Fässern, Fleisch und den üblichen Umwegen.
────────────── 💛 ──────────────
🏕️ Ankünfte in Prigorodki
Später erschien Interception (Tim) am Camp. Kurz darauf brachte I.K.E.A. Browney nach Prigorodki, den sie unterwegs aufgegabelt hatten, und fuhr anschließend weiter. Unser Camp wurde damit erneut zu jener Zwischenstation, die ich mir gewünscht hatte: ein Ort, an dem man jemanden absetzen, versorgen oder für eine Weile (mehr oder weniger...) in Sicherheit wissen konnte.
Aus Berezino erreichte mich unterdessen die Nachricht, dass The_GraveDigger seine Arbeiten am Tower zunächst unterbrechen musste. Ihm fehlten die Nägel, und ohne sie ließ sich selbst mit noch so viel Geduld kein weiterer Abschnitt errichten.
Umso mehr überraschte es mich, als er später selbst Nägel nach Prigorodki bringen ließ. Ob er inzwischen neue gefunden hatte oder etwas von seinem eigenen knappen Vorrat abgab, wusste ich nicht. Ich wusste nur, dass seine Baustelle in Berezino ruhte, während unsere mit seiner Hilfe weiterwachsen konnte.
Auch Davus kam zum Camp. Ich hatte eine Chedaki-Fahne mitgebracht, die er gegen eine Refuge-Fahne tauschte. Währenddessen handelte auch Blitzo in Prigorodki. Für einen Moment standen damit Menschen verschiedener Gruppen bzw. Fraktionen friedlich an demselben Ort, tauschten Gegenstände und gingen anschließend wieder ihrer Wege.
Vielleicht war genau das eine der Aufgaben unseres Camps. Es musste niemanden dazu bringen, seine Zugehörigkeit oder alte Konflikte zu vergessen. Manchmal genügte es bereits, einen Ort zu bieten, an dem ein Tausch einfach ein Tausch bleiben konnte.
Auch Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 war wieder im Land. Natürlich begann ihre Reise ausgerechnet im Höllenloch, als hätte Svetlojarsk inzwischen einen eigenen Anspruch auf unsere Neuankömmlinge erhoben.
Dort traf sie auf ein stummes Bambi. Es erinnerte sie offenbar an den, den wir "den Streicher" nannten, oder zumindest an eine seiner möglichen Inkarnationen, doch sicher konnte sie sich nicht sein. Der Fremde sprach nicht, und bevor sich klären ließ, wer er war oder was er wollte, rannte er vor ihr davon und nahm sich später mit einem Schuss aus seinem Revolver selbst das Leben.
Für Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 blieb damit eine Begegnung zurück, die mehr Fragen aufwarf, als sie beantwortete. Dennoch zog Sueda weiter. Ihr Ziel war das kleine Militärlager zwischen Chernaya Polana und Krasnostav.
Kurz bevor sie es erreichte, brach ein Wolfsrudel aus der Umgebung hervor. Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 verteidigte sich mit einer Sichel, weil ihr nichts Besseres zur Verfügung stand. Gegen ein ganzes Rudel reichte sie jedoch nicht aus, und sie starb noch vor dem Militärkomplex, den sie beinahe erreicht hatte.
Als sie erneut erwachte, befand sie sich in Solnichniy. Dort begann sie noch einmal, begenete unterwegs "Peppo", der sie fragte ob sie reden könne. "Klar kann ich. Das Problem ist eher, mich zum schweigen zu bringen...", grinste sie. Peppo hatte wohl umittelbar zuvor einen anderen Überlebenden gesehen, der nicht reden wollte und war entsprechend erleichtert. Aber er machte sich dann auch bald auf den Weg in Richtung Süden. Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 errichtete einen Unterstand und begegnete dort einem Überlebenden namens Mauersegler (Lehmi). Er wollte sich allein durchschlagen und lehnte weitere Begleitung ab, bedankte sich jedoch für die angebotene Hilfe.
Noch etwas missmutig vom erlittenen Wolfsangriff ließ Ersetzbares Crewmitglied ihn ziehen. Wer seinen eigenen Weg gehen wollte, durfte das tun, auch wenn Chernarus gelegentlich sehr schnell prüfte, wie ernst dieser Wunsch gemeint war.
────────────── 💛 ──────────────
🚩 Ein bekanntes Bambi bei Kamyshovo
Später war ich selbst mit der Chedaki-Fahne auf dem Weg nach Prigorodki. Bei Kamyshovo entdeckte ich ein Bambi und bot ihm an, ein Stück mitzufahren. Als es einstieg und sich vorstellte, erkannte ich den Namen aus Suedas Bericht wieder.
Er hatte sich tatsächlich allein auf den Weg gemacht und war inzwischen bis Kamyshovo gekommen. Für die Fahrt nach Prigorodki bedankte er sich, und ich brachte ihn zum Camp. Dass er Hilfe annahm, obwohl er sich grundsätzlich allein durchschlagen wollte, empfand ich nicht als Widerspruch. Selbstständigkeit bedeutete schließlich nicht, jede ausgestreckte Hand ablehnen zu müssen.
Nachdem er sich erholt hatte, zog Mauersegler(Lehmi) erneut los.
Unsere Wege trennten sich jedoch nicht lange. Später fand ich ihn in einem deutlich schlechteren Zustand wieder: Er litt unter starkem Blutverlust und wurde zugleich von Infizierten bedrängt. Diesmal ging es nicht mehr nur um eine bequeme Fahrt, sondern darum, ihn überhaupt am Leben zu halten.
Ich half ihm gegen die Infizierten und kümmerte mich um seine Verletzungen, bis er wieder in der Lage war, weiterzugehen. Danach kehrte Mauersegler (Lehmi) mit mir zum Camp zurück.
Innerhalb eines einzigen Tages war er Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 begegnet, von mir bei Kamyshovo mitgenommen worden und schließlich erneut auf Hilfe angewiesen gewesen. Vielleicht würde er Chernarus weiterhin allein erkunden, und vielleicht war genau das der Weg, den er für sich brauchte. Zumindest wusste er nun, wo er uns finden konnte.
────────────── 💛 ──────────────
🟢 Zwei Berichte über denselben Tod
Gegen Ende des Tages meldete sich Cable98(Tom) bei mir. Er berichtete, dass er in der Nähe von Tishina einen voll ausgerüsteten Überlebenden mit grüner Armbinde erschossen hatte. Der Mann hatte auf ihn bedrohlich gewirkt, und Cable98 hatte aus Angst geschossen.
Nicht lange danach erreichte mich eine Nachricht von baerle. Er erzählte, er sei gerade dabei gewesen, einen Lastwagen aufzutanken, als ihn jemand erschossen habe. Er bezeichnete die Situation als "bodenlos" und erwähnte, dass er eine grüne Armbinde getragen hatte.
Es dauerte nicht lange, bis ich verstand, dass beide von derselben Begegnung sprachen.
Für Cable98(Tom) war baerle ein schwer bewaffneter Fremder gewesen, vor dem er Angst hatte. Für baerle war Cable98(Tom) derjenige, der ihn beim Tanken ohne ausreichenden Grund erschossen hatte. Ich war nicht dabei und konnte nicht beurteilen, was in den entscheidenden Sekunden geschehen war. Vielleicht hatte Cable98 eine Bewegung falsch verstanden, vielleicht hatte baerle nicht bemerkt, wie bedrohlich er auf einen anderen wirkte, oder vielleicht fehlte mir ein Teil der Geschichte.
Beide Berichte klangen aus der jeweiligen Perspektive nachvollziehbar. Gerade das machte die Sache so schwierig.
Cable98 (Tom) wollte anschließend nach Prigorodki kommen, verlief sich jedoch auf dem Weg und geriet bei Kabanino in ein Gefecht, das I.K.E.A. dort gerade gegen CHAOS führte. Einer von ihnen erschoss ihn. Innerhalb kurzer Zeit war Cable98 (Tom) damit erst derjenige gewesen, der aus Angst schoss, und wenig später selbst derjenige, der an einem fremden Gefecht starb.
Chernarus lässt dir manchmal nicht die Zeit , das alles zu verarbeiten...Manche nennen das "Serverkarma".
────────────── 💛 ──────────────
🛞 PropaGandalf und die pädagogisch wertvolle Zwischenlösung
Spät am Abend traf ich in Solnichniy auf zwei Überlebende mit grünen Armbinden. Nachdem ich mit Mauersegler (Lehmi) so gute Erfahrungen gemacht hatte, hielt ich mit dem Gunter an und fragte, ob ich sie ein Stück mitnehmen könne. Die beiden gaben sich als jayphiiyo und PropaGandalf zu erkennen. jayphiiyo wollte zunächst nicht einsteigen, nahm mein Angebot schließlich aber doch an, sie beide nach Berezino zu bringen.
Während die beiden zum Wagen kamen, hielt PropaGandalf es für eine hervorragende Idee, mitten auf der Straße einen Reifen von meinem Auto abzumontieren. Bei jedem anderen hätte ich mich vielleicht noch gefragt, was das sollte. Bei PropaGandalf wusste ich es: Es war vermutlich einfach wieder einer jener Einfälle, die für ihn in dem Moment sehr lustig waren und deren mögliche Folgen erst irgendwann später zur Betrachtung anstanden, die mich aber mit Sicherheit unmittelbar betreffen würden.
Leider hatte er genau solchen Unsinn schon einmal veranstaltet und damit beinahe eine wichtige Mission gefährdet. Noch vor Beginn dieser Season hatte ich ihm deshalb ausrichten lassen, dass es irgendwann Ärger geben würde, falls er sich nicht benehmen konnte. Nun stand ich nachts mit einem fahruntüchtigen Gunter auf offener Straße und wäre möglichen Schüssen ziemlich hilflos ausgeliefert gewesen. Meine Begeisterung hielt sich entsprechend in Grenzen.
jayphiiyo lachte, schlug ihn dann aber und forderte ihn ebenfalls auf, den Reifen wieder anzubringen. Aber er lief einfach nur wackelnd hin und her. Schließlich hob jayphiiyo den Reifen auf und montierte ihn wieder an. Ich sagte PropaGandalf, er solle nicht die Hand beißen, die ihn fütterte, woraufhin er erwiderte: „Du fütterst mich doch gar nicht.“ Diese bemerkenswerte Auslegung eines Hilfsangebots ließ mich kurz darüber nachdenken, wie gut ihm ein Armbrustbolzen stehen würde. Das Vorhaben scheiterte allerdings bereits daran, dass ich überhaupt keine Armbrust besaß, und vermutlich war das für alle Beteiligten besser so.
Damit blieben mir im Grunde zwei Möglichkeiten: Ich konnte ihn laufen lassen oder dafür sorgen, dass die angekündigten Konsequenzen endlich eine angemessene Form bekamen. Ich entschied mich für die pädagogisch wertvolle Zwischenlösung und bestellte zur Überraschung aller Anwesenden PropaGandalf für den kommenden Freitag um neunzehn Uhr nach Prigorodki zum Boxkampf. Dort, erklärte ich ihm, würde ich ihm „auf's Maul“ geben. Eine Sprache, die er mit Sicherheit verstand.
Die Angelegenheit wird damit sportlich und ohne Waffen geklärt. Sollte PropaGandalf verlieren, erhält er die angekündigte Abreibung. Sollte er wider Erwarten gewinnen, ist die Sache mit diesem Reifen für mich erledigt, und ich werde die daraus folgende öffentliche Demütigung mit der mir eigenen Würde ertragen müssen. Das gilt allerdings ausdrücklich nur für diesen einen Reifen und ist keinesfalls als Freifahrtschein für zukünftige Fahrzeugdemontagen zu verstehen.
Nachdem PropaGandalf den Reifen dann wieder angebracht hatte, setzte ich die Fahrt fort und brachte ihn und jayphiiyo wie versprochen zum Camp nach Berezino. Man muss schließlich auch dann zu seinem Wort stehen, wenn man einen seiner Fahrgäste kurz zuvor noch zu einer Prügelei eingeladen hat.
────────────── 💛 ──────────────
🔫 Ein vermeintlicher Notfall in Prigorodki
Der Tag hatte kaum begonnen, als gegen drei Uhr nachts mehrere Schüsse unmittelbar vor unserem Camp in Prigorodki fielen. Ich war unterdessen in der Leitstelle am Bauen, Sarafiya_Nici und WhiskeyMixer sowie Ikarus_98 (Pascal) befanden sich mit mir im Funkkanal. Die Schüsse klangen für mich zunächst nach jenen Schüssen, bei denen man besser nicht neugierig durch das Tor spaziert, um nachzusehen, wer dort gerade was zerlegt. Vor dem Camp stand ein gelber Sarka mit roten Türen, der dem Wagen von Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 aus der vergangenen Season auffallend ähnlich sah, daneben bewegten sich zwei bewaffnete Fremde, und im Fahrzeug lag eine Leiche... mit blauer Armbinde. Dies kontne ich vom Rohbau aus gut beobachten, auf dem ich instinktiv Stellung bezogen hatte.
Die beiden Angreifer spazierten mit gezogenen Waffen durchs Camp, nachdem WhiskeyMixer die Schüsse für meine kommunikativen Vanilla-Schüsse gehalten und mit drei eigenen Schüssen beantwortet hatte. Wieder wurde geschossen. Dann sah man die beiden nur noch durchs Camp rennen.
Kurz darauf meldete sich Assault mit der dringenden Nachricht, wir hätten ein übles Problem in Prigorodki und ich solle möglichst schnell zum Camp kommen. Gerade weil die einzelnen Teile der Situation so sorgfältig zusammenzupassen schienen, kam mir die Sache merkwürdig vor. Ich lief deshalb nicht einfach hinaus, sondern blieb zunächst in Deckung, beobachtete und fragte nach, was dort überhaupt vor sich ging. Er wusste ja nicht, dass ich alles beobachtete. Aber auf den ersten Blick schien das sehr nach einer Falle zu riechen und das wäre nicht die erste Falle dieser Art gewesen...
Als Assault schließlich zu uns in den Funk kam, stellte sich heraus, dass er und sein Begleiter die Szene absichtlich aufgebaut hatten, um mich zum Camp zu locken. Ich ließ beide die Hände heben und teilte ihnen mit, dass auf sie gezielt wurde, was Sarafiya_Nici Nici aus dem Funk dankenswerterweise mit der entsprechenden Überzeugung bestätigte, die keinen Zweifel duldete. Vermutlich deeskalierte das die Situation, denn erst als beide die Hände erhoben hatten, ging ich selbst zu ihnen hinunter, um mir erklären zu lassen, was diese Inszenierung werden sollte.
Assault sagte, er habe von der Bedeutung der blauen Armbinde nichts gewusst, und auch die Ähnlichkeit des Sarkas mit Suedas altem Wagen sei bloßer Zufall gewesen. Dass die Schüsse, die Bewaffneten und seine alarmierende Nachricht bei mir den Eindruck eines möglichen Angriffs auf das Camp erwecken würden, war ihm allerdings bewusst. Was genau hinter der Aktion steckte, ob lediglich ein missglückter Scherz geplant war, ob man meine Reaktion testen oder sogar eine Eskalation provozieren wollte und ob andere aus den Reihen von CHAOS davon wussten, konnte ich nicht sicher beurteilen. Deshalb möchte ich aus keiner dieser Möglichkeiten im Nachhinein eine Gewissheit machen.
Die ursprüngliche Idee, mich zu einer Leiche zu rufen und zu fragen: „Kannst du da noch etwas machen?“, fand ich sogar ziemlich... amüsant. Das sagte ich Assault auch, denn mit einer solchen Szene hätte ich durchaus umgehen und vermutlich sogar lachen können. Die Schüsse, die bewaffnete Inszenierung und der Versuch, mich mit einem vermeintlichen Notfall gezielt aus dem Camp zu locken, gingen für mich jedoch deutlich zu weit. An einem Ort, an dem ein Missverständnis genügt, damit mehrere Menschen gleichzeitig ihre Waffen heben, kann ein solcher Scherz sehr viel anders enden, als seine Urheber es vorgesehen haben und viel hätte nicht gefehlt, dann wären die beiden an der Küste erwacht und wir hätten mit den Konsequenzen leben und Missverständnisse ausräumen müssen.
Ich ließ beide schließlich ziehen, machte Assault gegenüber aber unmissverständlich klar, dass ich einen vermeintlichen Angriff oder Raid auf unser Camp nicht noch einmal als Unterhaltung erleben möchte. Vielleicht war tatsächlich nichts Weiteres beabsichtigt. Ich wusste es nicht, und gerade dieses Nichtwissen blieb unangenehm zurück. Im Umgang mit Assault werde ich künftig jedenfalls vorsichtiger sein.
────────────── 💛 ──────────────
🩺 Ein falsches Herz
Später berichtete janinesta (Selina) von einer weiteren Beobachtung, die zunächst unscheinbar klang und mir dennoch keine rechte Ruhe ließ. Jannnik und sein Begleiter hatten auf dem Airfield jemanden in Sanitäterkleidung gesehen, der mir offenbar auffallend ähnlich sah. Was heißt "auffallend ähnlich"... dem Erscheinungsbild zu urteilen war ich das gewesen. Zum Glück wussten sie, dass ich dies nicht sein konnte, auch wenn die Person ihnen einen LKW überließ und verschwand.
Wer diese Person war, wusste niemand. Ebenso wenig wusste ich, ob sie mir absichtlich ähneln wollte oder lediglich Kleidung trug, die in Chernarus schließlich nicht mir allein gehört. Trotzdem bereitete mir der Gedanke Unbehagen. Eine Sanitäteruniform weckt bei manchen Menschen Vertrauen, und mein eigenes Erscheinungsbild ist inzwischen an vielen Orten bekannt. Sollte dort tatsächlich jemand bewusst als Herz-Aus-Gold auftreten, könnten Begegnungen stattfinden, von denen andere später glaubten, sie mit mir erlebt zu haben.
Bislang blieb es jedoch bei einer Sichtung und einem unguten Gefühl. Mehr wusste ich nicht, also wollte ich auch nicht mehr daraus machen. Vergessen würde ich es trotzdem nicht.
────────────── 💛 ──────────────
🌅Gedanken zum Schluss
Wenn ich auf diesen Tag zurückblickte, blieb vor allem ein ständiger Wechsel zwischen Helfen und Hilfe annehmen. janinesta (Selina) war aufgebrochen, um WhiskeyMixer nach seinem Unfall beizustehen, und hatte nach ihrem eigenen Zusammenstoß schließlich selbst Unterstützung von NiggoB gebraucht. Mauersegler (Lehmi) hatte sich zunächst allein durchschlagen wollen, war später jedoch zweimal dankbar für eine helfende Hand. Auch unsere eigenen Leute fanden wieder zusammen, brachten Nägel, Nahrung und ein Fass mit, fuhren gemeinsam durch das Land und gaben Prigorodki langsam wieder das vertraute Gefühl eines Ortes, an dem niemand alles allein tragen musste.
Gleichzeitig hatte dieser Tag gezeigt, wie schnell aus Angst, Unfug oder einer falschen Einschätzung etwas entstehen konnte, das sich nicht mehr einfach zurücknehmen ließ. Cable98(Tom) hatte bei einen Mann mit grüner Armbinde erschossen, den ich wenig später durch baerles Nachricht aus einer ganz anderen Perspektive kennenlernte. Assault und sein Begleiter hatten vor unserem Camp einen vermeintlichen Notfall inszeniert, bei dem bewaffnete Fremde, Schüsse und eine Leiche ausgerechnet jene Zeichen bildeten, auf die ich inzwischen besonders aufmerksam reagiere. PropaGandalf hatte mein Hilfsangebot mit einem abmontierten Reifen beantwortet, und irgendwo auf dem Airfield war eine Gestalt in Sanitäterkleidung unterwegs gewesen, die mir offenbar ähnlich sah und Leuten einen LKW schenkte...
Jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, wird mir bewusst, wie sehr Hilfe von Dingen lebt, die man weder in Kisten lagern noch mit Nägeln an einer Wand befestigen kann. Wenn jemand um Hilfe ruft, muss ich darauf vertrauen können, dass irgendwo tatsächlich ein Mensch auf mich wartet. Wenn ich an einer Straße anhalte und Fremden einen Platz in meinem Wagen anbiete, gebe ich ihnen für einen Moment auch ein Stück meiner Sicherheit. Selbst meine Kleidung trägt inzwischen ein Versprechen, denn Menschen sehen die Farben einer Samariterin und hoffen vielleicht, dass die Person darin gekommen ist, um zu helfen.
Dieses Vertrauen darf keine Einladung sein, meine Vorsicht abzulegen oder jede Grenzüberschreitung lächelnd hinzunehmen. Ich kann Assault ziehen lassen und ihm trotzdem künftig aufmerksamer begegnen. Ich kann PropaGandalf bis nach Berezino fahren und ihn zugleich für Freitag zum Boxkampf bestellen. Darin liegt für mich kein Widerspruch, denn Hilfsbereitschaft bedeutet nicht, alles hinzunehmen, und Vorsicht macht eine helfende Hand nicht weniger ehrlich.
Wer die Person am Airfield gewesen ist und weshalb sie mir ähnlich gesehen haben soll, weiß ich weiterhin nicht. Vielleicht war es nur eine zufällige Ähnlichkeit, vielleicht steckt etwas anderes dahinter. Solange ich keine Gewissheit habe, bleibt es bei diesem Unbehagen, und ich achte etwas genauer darauf, welche Geschichten künftig über Begegnungen mit einer vermeintlichen Samariterin erzählt werden.
Trotz allem überwiegt an diesem Abend nicht das Misstrauen. Ich sehe janinesta (Selina), Pinky, s-tlk, Black Lion und Jammet wieder gemeinsam unterwegs, The_GraveDigger gibt trotz des Nagelmangels Material nach Prigorodki, und ein beinahe blutleerer Mauersegler (Lehmi) findet noch einmal zurück zu unserem Camp. Die Samariter sind wieder da, nicht als unverwundbare Retter, sondern als Menschen, die einander suchen, einsammeln, versorgen und gelegentlich selbst am Straßenrand auf Hilfe warten.
Genau das reicht: Aufmerksam bleiben, ohne sich zu verschließen, und Grenzen setzen, ohne dabei zu vergessen, weshalb man überhaupt angehalten hat.
In diesem Sinne: Passt auf euch auf und bleibt am Leben.
Hallo ihr Lieben,Der Wipe ist durch – Chernarus steht wieder auf Anfang. Und wir machen weiter mit Bau und Tausch.In diesem Sinne:Passt auf euch auf – und bl...