Das Tagebuch der Scherben (1.29/2)

  • Das Tagebuch der Scherben

    OOC-Hinweis & Disclaimer (Bitte aufklappen)


    Hallo zusammen!

    Ich bin erst seit ein paar Wochen auf dem Server unterwegs und möchte hier meine Erlebnisse aus Tims Perspektive teilen. Dazu ein paar kleine Hinweise vorab:

    Alles rein IC (In-Character): Die Einträge spiegeln ausschließlich Tims Sichtweise, seine Gedanken und seinen – manchmal etwas getrübten – Wissensstand wider.

    Kein Metagaming & Privatsphäre: Es werden keine vertraulichen Informationen, Koordinaten oder Dinge preisgegeben, die nicht ohnehin bereits im Spiel geschehen sind oder die beteiligten Charaktere nicht wissen dürfen.

    Kein böses Blut: Wenn Tim im Rollenspiel verwirrt, rau oder etwas seltsam agiert, hat das absolut nichts mit den Spielern hinter den Charakteren zu tun. Wir sind hier alle, um gemeinsam Spaß an der Story zu haben!

    Feedback & RP: Ich freue mich über jede Begegnung im Spiel und natürlich auch über Feedback und Theorien hier im Forum.

    Text & Bild-Unterstützung: Die Erlebnisse und Ideen stammen zu 100 % aus meinen Ingame-Begegnungen. Bei der Ausformulierung der Texte und der Erstellung von Grafiken lasse ich mich teilweise von KI unterstützen.

    Viel Spaß beim Lesen!

    Prolog: Sechs Stimmen sind fünf zu viel

    Das Zerbrechen

    Der Sturz vom Turm am Ende der letzten Season steckt mir immer noch tief in den Knochen. Eigentlich sollte man meinen, dass nach so einem Abgang Feierabend ist. Licht aus, Dreck drüber, fertig. Aber Pustekuchen. Die Seele stirbt nicht einfach. Sie zieht weiter. Ich bin wieder da. Oder zumindest das, was von mir übrig ist.

    Das Rauschen im Hinterkopf

    Ich bin nicht mehr alleine da oben drin. Seit der Sturz mich durchgeschüttelt hat, fühlt sich mein Verstand an wie eine gesprungene Scheibe. Sechs scharfe Kanten. Sechs Scherben, die mir ständig dazwischenquatschen, sobald ich kurz die Augen zumache. Ich hab noch keinen blassen Schimmer, was diese Dinger sind oder was sie eigentlich von mir wollen.

    Was ich bisher weiß:

    Zwei klingen ganz gut.

    Zwei klingen absolut böse.

    Eine redet gar nicht erst mit mir.

    Und bei der letzten läuft einfach nur dauerhaft Musik, diese beschissene Musik im Schädel. Wie ein kaputtes Radio, das sich nicht abschalten lässt.

    Ich spüre nur, wie sie alle nacheinander versuchen, das Ruder zu übernehmen. Und das Schlimmste daran? Manchmal bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich überhaupt noch merke, wenn es passiert.

    Mein Plan – solange ich noch ich bin

    Aktuell habe ich das Steuer noch halbwegs im Griff. Ich bin einfach Tim. Ich loote, ich baue, ich versuche nicht zu verhungern. Ganz normaler Alltag also. Der Druck im Schädel wird allerdings von Tag zu Tag stärker. Manchmal wache ich auf und weiß nicht mehr, warum ich an einem bestimmten Ort bin. Manchmal finde ich Sachen in meinem Inventar, an die ich mich nicht erinnern kann. Und manchmal...

    ...schreibe ich Dinge auf, an die ich mich später nicht mehr erinnern kann.

    Dieser Satz hier zum Beispiel.

    Ich weiß nicht, warum ich ihn geschrieben habe.

    Aber er steht da.

    Also lasse ich ihn stehen.

    Damit ich den Verstand nicht komplett verliere und damit die Leute da draußen irgendwann kapieren, was mit mir schiefgelaufen ist, schreibe ich diesen Schrott hier auf. Vielleicht ergibt irgendwann alles einen Sinn. Vielleicht finde ich heraus, wer die sechs sind. Vielleicht finde ich sogar heraus, warum sie ausgerechnet mich brauchen.

    Bis dahin gilt eine einfache Regel:

    Wenn ihr mich da draußen trefft, schaut mir genau in die Augen.

    Ihr wisst nie, wer von uns gerade am Drücker ist.

    – Tim [gdzherz]

    Einmal editiert, zuletzt von Interception (17. August 2026 um 21:53)

  • Das Tagebuch der Scherben 1


    Zurück in Elektro Tag 1
    Ich bin genau da wieder zu mir gekommen, wo für mich früher schon alles angefangen hat: mitten in Elektro. Die Knochen taten weh, die Straßen waren stumm. Nach der ersten Beutezug-Runde hab ich die Nacht im alten Krankenhaus verbracht. Es hat gestunken wie Hölle nach Gammel und Desinfektionsmittel, aber immerhin blieb der Scheiß-Regen draußen. Für die erste Nacht nach dem Tod gar nicht mal so schlecht.


    Stimmengewirr in Prigorodki
    Am nächsten Tag ging es weiter ins Flüchtlingslager nach Prigorodki. Schon von Weitem hat man gehört, dass dort mächtig was los war: überall Stimmen, Gewusel und fremde Gesichter, die am Camp gewerkelt haben. Von der ganzen Truppe hab ich eigentlich nur Herz-Aus-Gold wirklich erkannt. Kurz durchatmen, ein paar Worte mit ihr wechseln – tut auch mal gut, mitten in dem ganzen Trubel ein bekanntes Gesicht zu sehen. Für ein paar Minuten war einfach alles normal. Fast.


    Der Palast im Verborgenen
    Lange halten konnte ich es da aber nicht. Mir geht seit Tagen dieses komische Drängen im Hinterkopf auf den Sack.
    Du musst bauen. Ein Fundament legen. Einen Ort für das Gesetz.
    Keine Ahnung, warum ich auf den Scheiß in meinem Kopf höre, aber der Grundstein für den Palast der Scherben steht jetzt. Bissle gebaut, Zeug vergraben, Hütte gesichert. Sieht gut aus. Darf nur nicht sagen, wo. Das will keiner der Stimmen. Ich weiß nicht, warum mir das so wichtig war. Ich wusste nur, dass es gemacht werden musste.


    Die Stummen & der Morsecode Tag 2
    Auf der Suche nach mehr Baumaterial bin ich nochmal zurück nach Prigorodki. Da sind mir zwei Bambis über den Weg gelaufen. Wollte ganz normal quatschen, aber die zwei haben keinen Ton rausgebracht. Der eine hat stattdessen nur so ein rhythmisches, nerviges Piepen von sich gegeben. Ich schwöre, das war Morsecode. Kein Plan, was der Typ von mir wollte. Oder ob er überhaupt mit mir reden wollte.


    Kilometer schrubben bis Kamenka
    Weil der Magen geknurrt hat, ging es ab in die Wälder. Gejagt ohne Ende, Fleisch überm Feuer getrocknet und die Kisten vollgepackt. Die Jagd hat mich tief in den Süden getrieben, durch die ganzen Militärbereiche bis runter nach Kamenka. Hab ordentlich Meter gemacht, gutes Zeug abgegriffen und dem Tod wieder ein paar Mal knapp von der Schippe gesprungen. Eigentlich ein ganz normaler Tag. Wenn man von dem ganzen Scheiß in meinem Kopf absieht.


    Status
    Aktuell bin ich einfach nur Tim. Ich schufte, jage und versuche den Laden am Laufen zu halten. Aber nach den ganzen Märschen spüre ich es immer öfter: Das Flimmern hinter den Augen wird stärker. Und manchmal höre ich Dinge, die nicht von mir kommen.
    Das Land ist durstig. Ich werde es mit eurem Blut tränken.
    Schon wieder. Ich war das nicht. Ich hab das nicht gedacht. Wer zum Teufel schreibt hier eigentlich gerade?


    Die Suche nach der Zange Tag 3
    Bin heute vom Palast los, über Balota runter zum Auffanglager. Der Weg zog sich wie Kaugummi, aber immerhin zwei Tarnnetze eingesackt und sicher nach Prigo gebracht. Dort erst mal Loot abgeladen. Im Lager lief mir Herz-Aus-Gold über den Weg. Da war auch noch eine mir bisher unbekannten Überlebende. Blonde Haare, blaues Barett.
    Kaum hatte ich sie gesehen, fing eine der Stimmen an.
    „Töte sie.“
    „Nein, hä?“
    „Töte sie!!!"
    „Nein, warum?“
    „TÖTE SIE!“
    Immer wieder. Immer lauter. Keine Ahnung, was diese Stimme gegen sie hat oder warum sie sie unbedingt tot sehen will. Aber ich hab mich dagegen entschieden. Ich bin immer noch Tim und ich entscheide selbst, wen ich umlege und wen nicht. Fünf Minuten später lag der rohe Pilz, den ich ihr gegeben hatte, komplett verbrannt im Feuer. Ärgerlich? Klar! Aber deswegen bringe ich doch niemanden um, auch wenn eine der Scherben das offenbar anders sieht.
    Danach ging die Zangensuche los. Von Prigo komplett durch die Industriegebiete bis zur Rostigen Axt. Jede Halle, jede Kiste, jeden verdammten Winkel abgesucht. Zwei Stunden später: nichts.
    Er wird sie finden. Er muss weitersuchen.
    Okay, das stand da gerade noch nicht, aber hey, weiter geht's...
    Drei Stunden weiter gesucht. Inzwischen war ich in Zeleno. Keine einzige verflixte Zange. So langsam ging mir der Scheiß richtig auf den Sack.


    Fragment III – Die Gier | Tag 4
    Danach wurde der Schädel immer schwerer. Das Rauschen zog sich durch die Schläfen, dieses verdammte Flimmern hinter den Augen wurde immer schlimmer. Und dann war plötzlich die Musik weg. Einfach aus. Erst dachte ich noch: Na geil. Endlich Ruhe im Karton. War natürlich nicht so. Irgendwann hab ich gemerkt, dass ich nur noch zugucke. Ich war Beifahrer in meinem eigenen Verstand. Ich konnte alles sehen, alles hören. Nur den Scheiß steuern konnte ich nicht mehr. Was danach passiert ist, krieg ich nur noch in Fetzen zusammen.
    Wölfe in Balota. Ich hab sie alle erwischt. Mit bloßen Händen. Auseinandergerissen und geschlachtet. Ich weiß noch, dass ich dabei zugesehen hab. Aber ich weiß nicht mehr, warum ich das gemacht habe.
    Dann Cherno. Das Militärgebiet. Die Gasgranate. Die Luft hat gebrannt, der Schädel hat gedröhnt und meine Beine wollten irgendwann nicht mehr so richtig. Und irgendwo hinten im Schädel war da noch jemand, der diesen ganzen Scheiß offenbar verdammt geil fand. Keine Ahnung, wer das war. Aber irgendwas daran hat mich nicht losgelassen. Dieses Brennen. Dieser Rausch. Dieses Gefühl, dass mein ganzer Körper langsam die Kontrolle verliert. Als ich wieder halbwegs klar war, war mein ganzes Inventar plötzlich voll mit Fleisch und Medizin. Und dann hatte ich auf einmal ne kleine Schrotflinte dabei, die ich nie gefunden hatte.
    Keinen Plan, wo der Scheiß herkam.
    Und dann ging die Musik wieder an. Nicht leise. Nicht im Hintergrund. Sie hat alles übertönt. Dröhnen, Kreischen, Metall auf Metall, irgendein verdammter Rhythmus, der direkt durch den Schädel gehämmert hat. Ich war wieder nicht Herr meiner Sinne. Die Musik wurde lauter. Und ich konnte wieder nur zuschauen.
    Noch. Mehr. Gib mir mehr.
    Okay. Ich glaube, ich weiß langsam, wie ich die Scherbe nenne...
    Gier.
    Das Letzte, woran ich mich erinnere, sind Dutzende Epi-Pens, die sich vor einem Kamin gestapelt haben.
    Dann war Feierabend.
    Rauch, Blut und Dunkelheit.
    Zurück an die Küste.

    -Tim [gdzherz]