Das Tagebuch der Scherben (1.29/2)

  • Das Tagebuch der Scherben

    OOC-Hinweis & Disclaimer (Bitte aufklappen)


    Hallo zusammen!

    Ich bin erst seit ein paar Wochen auf dem Server unterwegs und möchte hier meine Erlebnisse aus Tims Perspektive teilen. Dazu ein paar kleine Hinweise vorab:

    Alles rein IC (In-Character): Die Einträge spiegeln ausschließlich Tims Sichtweise, seine Gedanken und seinen – manchmal etwas getrübten – Wissensstand wider.

    Kein Metagaming & Privatsphäre: Es werden keine vertraulichen Informationen, Koordinaten oder Dinge preisgegeben, die nicht ohnehin bereits im Spiel geschehen sind oder die beteiligten Charaktere nicht wissen dürfen.

    Kein böses Blut: Wenn Tim im Rollenspiel verwirrt, rau oder etwas seltsam agiert, hat das absolut nichts mit den Spielern hinter den Charakteren zu tun. Wir sind hier alle, um gemeinsam Spaß an der Story zu haben!

    Feedback & RP: Ich freue mich über jede Begegnung im Spiel und natürlich auch über Feedback und Theorien hier im Forum.

    Text & Bild-Unterstützung: Die Erlebnisse und Ideen stammen zu 100 % aus meinen Ingame-Begegnungen. Bei der Ausformulierung der Texte und der Erstellung von Grafiken lasse ich mich teilweise von KI unterstützen.

    Viel Spaß beim Lesen!

    Prolog: Sechs Stimmen sind fünf zu viel

    Das Zerbrechen

    Der Sturz vom Turm am Ende der letzten Season steckt mir immer noch tief in den Knochen. Eigentlich sollte man meinen, dass nach so einem Abgang Feierabend ist. Licht aus, Dreck drüber, fertig. Aber Pustekuchen. Die Seele stirbt nicht einfach. Sie zieht weiter. Ich bin wieder da. Oder zumindest das, was von mir übrig ist.

    Das Rauschen im Hinterkopf

    Ich bin nicht mehr alleine da oben drin. Seit der Sturz mich durchgeschüttelt hat, fühlt sich mein Verstand an wie eine gesprungene Scheibe. Sechs scharfe Kanten. Sechs Scherben, die mir ständig dazwischenquatschen, sobald ich kurz die Augen zumache. Ich hab noch keinen blassen Schimmer, was diese Dinger sind oder was sie eigentlich von mir wollen.

    Was ich bisher weiß:

    Zwei klingen ganz gut.

    Zwei klingen absolut böse.

    Eine redet gar nicht erst mit mir.

    Und bei der letzten läuft einfach nur dauerhaft Musik, diese beschissene Musik im Schädel. Wie ein kaputtes Radio, das sich nicht abschalten lässt.

    Ich spüre nur, wie sie alle nacheinander versuchen, das Ruder zu übernehmen. Und das Schlimmste daran? Manchmal bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich überhaupt noch merke, wenn es passiert.

    Mein Plan – solange ich noch ich bin

    Aktuell habe ich das Steuer noch halbwegs im Griff. Ich bin einfach Tim. Ich loote, ich baue, ich versuche nicht zu verhungern. Ganz normaler Alltag also. Der Druck im Schädel wird allerdings von Tag zu Tag stärker. Manchmal wache ich auf und weiß nicht mehr, warum ich an einem bestimmten Ort bin. Manchmal finde ich Sachen in meinem Inventar, an die ich mich nicht erinnern kann. Und manchmal...

    ...schreibe ich Dinge auf, an die ich mich später nicht mehr erinnern kann.

    Dieser Satz hier zum Beispiel.

    Ich weiß nicht, warum ich ihn geschrieben habe.

    Aber er steht da.

    Also lasse ich ihn stehen.

    Damit ich den Verstand nicht komplett verliere und damit die Leute da draußen irgendwann kapieren, was mit mir schiefgelaufen ist, schreibe ich diesen Schrott hier auf. Vielleicht ergibt irgendwann alles einen Sinn. Vielleicht finde ich heraus, wer die sechs sind. Vielleicht finde ich sogar heraus, warum sie ausgerechnet mich brauchen.

    Bis dahin gilt eine einfache Regel:

    Wenn ihr mich da draußen trefft, schaut mir genau in die Augen.

    Ihr wisst nie, wer von uns gerade am Drücker ist.

    – Tim [gdzherz]

    Einmal editiert, zuletzt von Interception (17. August 2026 um 21:53)

  • Das Tagebuch der Scherben 1


    Zurück in Elektro Tag 1
    Ich bin genau da wieder zu mir gekommen, wo für mich früher schon alles angefangen hat: mitten in Elektro. Die Knochen taten weh, die Straßen waren stumm. Nach der ersten Beutezug-Runde hab ich die Nacht im alten Krankenhaus verbracht. Es hat gestunken wie Hölle nach Gammel und Desinfektionsmittel, aber immerhin blieb der Scheiß-Regen draußen. Für die erste Nacht nach dem Tod gar nicht mal so schlecht.


    Stimmengewirr in Prigorodki
    Am nächsten Tag ging es weiter ins Flüchtlingslager nach Prigorodki. Schon von Weitem hat man gehört, dass dort mächtig was los war: überall Stimmen, Gewusel und fremde Gesichter, die am Camp gewerkelt haben. Von der ganzen Truppe hab ich eigentlich nur Herz-Aus-Gold wirklich erkannt. Kurz durchatmen, ein paar Worte mit ihr wechseln – tut auch mal gut, mitten in dem ganzen Trubel ein bekanntes Gesicht zu sehen. Für ein paar Minuten war einfach alles normal. Fast.


    Der Palast im Verborgenen
    Lange halten konnte ich es da aber nicht. Mir geht seit Tagen dieses komische Drängen im Hinterkopf auf den Sack.
    Du musst bauen. Ein Fundament legen. Einen Ort für das Gesetz.
    Keine Ahnung, warum ich auf den Scheiß in meinem Kopf höre, aber der Grundstein für den Palast der Scherben steht jetzt. Bissle gebaut, Zeug vergraben, Hütte gesichert. Sieht gut aus. Darf nur nicht sagen, wo. Das will keiner der Stimmen. Ich weiß nicht, warum mir das so wichtig war. Ich wusste nur, dass es gemacht werden musste.


    Die Stummen & der Morsecode Tag 2
    Auf der Suche nach mehr Baumaterial bin ich nochmal zurück nach Prigorodki. Da sind mir zwei Bambis über den Weg gelaufen. Wollte ganz normal quatschen, aber die zwei haben keinen Ton rausgebracht. Der eine hat stattdessen nur so ein rhythmisches, nerviges Piepen von sich gegeben. Ich schwöre, das war Morsecode. Kein Plan, was der Typ von mir wollte. Oder ob er überhaupt mit mir reden wollte.


    Kilometer schrubben bis Kamenka
    Weil der Magen geknurrt hat, ging es ab in die Wälder. Gejagt ohne Ende, Fleisch überm Feuer getrocknet und die Kisten vollgepackt. Die Jagd hat mich tief in den Süden getrieben, durch die ganzen Militärbereiche bis runter nach Kamenka. Hab ordentlich Meter gemacht, gutes Zeug abgegriffen und dem Tod wieder ein paar Mal knapp von der Schippe gesprungen. Eigentlich ein ganz normaler Tag. Wenn man von dem ganzen Scheiß in meinem Kopf absieht.


    Status
    Aktuell bin ich einfach nur Tim. Ich schufte, jage und versuche den Laden am Laufen zu halten. Aber nach den ganzen Märschen spüre ich es immer öfter: Das Flimmern hinter den Augen wird stärker. Und manchmal höre ich Dinge, die nicht von mir kommen.
    Das Land ist durstig. Ich werde es mit eurem Blut tränken.
    Schon wieder. Ich war das nicht. Ich hab das nicht gedacht. Wer zum Teufel schreibt hier eigentlich gerade?


    Die Suche nach der Zange Tag 3
    Bin heute vom Palast los, über Balota runter zum Auffanglager. Der Weg zog sich wie Kaugummi, aber immerhin zwei Tarnnetze eingesackt und sicher nach Prigo gebracht. Dort erst mal Loot abgeladen. Im Lager lief mir Herz-Aus-Gold über den Weg. Da war auch noch eine mir bisher unbekannten Überlebende. Blonde Haare, blaues Barett.
    Kaum hatte ich sie gesehen, fing eine der Stimmen an.
    „Töte sie.“
    „Nein, hä?“
    „Töte sie!!!"
    „Nein, warum?“
    „TÖTE SIE!“
    Immer wieder. Immer lauter. Keine Ahnung, was diese Stimme gegen sie hat oder warum sie sie unbedingt tot sehen will. Aber ich hab mich dagegen entschieden. Ich bin immer noch Tim und ich entscheide selbst, wen ich umlege und wen nicht. Fünf Minuten später lag der rohe Pilz, den ich ihr gegeben hatte, komplett verbrannt im Feuer. Ärgerlich? Klar! Aber deswegen bringe ich doch niemanden um, auch wenn eine der Scherben das offenbar anders sieht.
    Danach ging die Zangensuche los. Von Prigo komplett durch die Industriegebiete bis zur Rostigen Axt. Jede Halle, jede Kiste, jeden verdammten Winkel abgesucht. Zwei Stunden später: nichts.
    Er wird sie finden. Er muss weitersuchen.
    Okay, das stand da gerade noch nicht, aber hey, weiter geht's...
    Drei Stunden weiter gesucht. Inzwischen war ich in Zeleno. Keine einzige verflixte Zange. So langsam ging mir der Scheiß richtig auf den Sack.


    Fragment III – Die Gier | Tag 4
    Danach wurde der Schädel immer schwerer. Das Rauschen zog sich durch die Schläfen, dieses verdammte Flimmern hinter den Augen wurde immer schlimmer. Und dann war plötzlich die Musik weg. Einfach aus. Erst dachte ich noch: Na geil. Endlich Ruhe im Karton. War natürlich nicht so. Irgendwann hab ich gemerkt, dass ich nur noch zugucke. Ich war Beifahrer in meinem eigenen Verstand. Ich konnte alles sehen, alles hören. Nur den Scheiß steuern konnte ich nicht mehr. Was danach passiert ist, krieg ich nur noch in Fetzen zusammen.
    Wölfe in Balota. Ich hab sie alle erwischt. Mit bloßen Händen. Auseinandergerissen und geschlachtet. Ich weiß noch, dass ich dabei zugesehen hab. Aber ich weiß nicht mehr, warum ich das gemacht habe.
    Dann Cherno. Das Militärgebiet. Die Gasgranate. Die Luft hat gebrannt, der Schädel hat gedröhnt und meine Beine wollten irgendwann nicht mehr so richtig. Und irgendwo hinten im Schädel war da noch jemand, der diesen ganzen Scheiß offenbar verdammt geil fand. Keine Ahnung, wer das war. Aber irgendwas daran hat mich nicht losgelassen. Dieses Brennen. Dieser Rausch. Dieses Gefühl, dass mein ganzer Körper langsam die Kontrolle verliert. Als ich wieder halbwegs klar war, war mein ganzes Inventar plötzlich voll mit Fleisch und Medizin. Und dann hatte ich auf einmal ne kleine Schrotflinte dabei, die ich nie gefunden hatte.
    Keinen Plan, wo der Scheiß herkam.
    Und dann ging die Musik wieder an. Nicht leise. Nicht im Hintergrund. Sie hat alles übertönt. Dröhnen, Kreischen, Metall auf Metall, irgendein verdammter Rhythmus, der direkt durch den Schädel gehämmert hat. Ich war wieder nicht Herr meiner Sinne. Die Musik wurde lauter. Und ich konnte wieder nur zuschauen.
    Noch. Mehr. Gib mir mehr.
    Okay. Ich glaube, ich weiß langsam, wie ich die Scherbe nenne...
    Gier.
    Das Letzte, woran ich mich erinnere, sind Dutzende Epi-Pens, die sich vor einem Kamin gestapelt haben.
    Dann war Feierabend.
    Rauch, Blut und Dunkelheit.
    Zurück an die Küste.

    -Tim [gdzherz]

  • Das Tagebuch der Scherben 2

    Zurück in Prigorodki | Tag 5
    Das Meer hat mich wieder ausgespuckt. Keine Ahnung, wie lange ich da draußen war. Irgendwann bin ich in Prigorodki wieder zu mir gekommen. Schädel brummt, Klamotten nass und einfach froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Und dann der nächste Scheiß: Im ersten Zugwagon liegt tatsächlich eine Zange. Fünf Stunden hab ich mich vorher dafür durch halb Chernarus geschleppt und jetzt liegt das Ding da einfach rum. Ich hätte kotzen können. Die Musik ist weg. Komplett. Stattdessen ist da nur noch dieses tiefe, gleichmäßige Rauschen im Schädel. Ruhig. Kalt. Irgendwie anders. Im Zug bin ich außerdem einer brünetten Überlebenden in roter Kleidung begegnet. Sie hat nicht geredet. Ihren Namen kannte ich da noch nicht. Später am Camp hab ich sie wiedererkannt. Über Funk hab ich dann erfahren, dass sie UltrA ( ninja2.00926) heißt.

    Tim2
    Am Camp war ordentlich was los. Herz-Aus-Gold war da (wie immer) und noch jede Menge andere Leute. Gesichter, Stimmen, Gelaber.

    Dann sah ich ihn. Einen anderen Tim!

    "Töte ihn!"
    "Nicht schon wieder diese Scheiße!"
    "Lehre ihn?"
    "Besser!"

    Er hat mir erzählt, dass er noch ziemlich neu ist. Keine Ahnung, warum, aber in dem Moment, als meine Augen ihn erblickten, wussten wir plötzlich, was zu tun war.

    Wir zeigen ihm, wie man überlebt.

    Der Satz war einfach da. Klar und ruhig. Kein Geschrei, kein Druck. Also hab ich ihn mitgenommen. Polizeistation Cherno, Polizeiwache über Cherno, Military auf dem Weg nach Balota und später runter zum Airfield. Nicht viel gelabert. Viel gezeigt. Einfach überlebt. Und natürlich die goldenen Regeln unseres schönen Chernarus beigebracht. Komisch war nur, dass ich plötzlich ziemlich genau wusste, was ich ihm zeigen musste. Ohne vorher darüber nachgedacht zu haben.

    DiebSTAHL
    Als der Junge wieder seiner Wege ging, bin ich zurück zum Palast. Fässer geschleppt, Kisten rangekarrt, Barrikaden gesetzt und alles ordentlich dichtgemacht. Keine Ahnung, warum mir das gerade so wichtig war. Aber es musste gemacht werden. Nur war da noch was. Jemand war im Palast. Eine von vier Wänden halb zerlegt und ein paar Sachen fehlen. Nicht viel, aber genug, dass ich weiß, dass hier jemand drin war. Ich wollte gerade anfangen, mich darüber aufzuregen, da kam plötzlich eine andere Stimme.

    >> BESTANDSANALYSE
    Maximale Lagerkapazität: 450 Slots
    Strukturelle Integrität: 87,5 %

    Fehlende Ressourcen:
    Nägel
    ZANGE!!!!!
    Beil
    Draht

    >> BEWERTUNG
    Verlust tolerierbar.
    Wiederherstellungswahrscheinlichkeit: 98,7 %

    >> MASSNAHME
    Struktur wiederherstellen.
    Bestand rekonstruieren.

    Ich weiß nicht, was zur Hölle das gerade war. Aber irgendwie wusste ich sofort: Das kriegen wir wieder hin.

    Der 4000. Breitengrad
    Ich wollte nach Norden. Über Bor, Richtung Pavlovo. Einfach mal raus hier und weiter ins Landesinnere. Bei Bor war dann Schluss. Mir wurde schwarz vor Augen. Kein Schuss, kein Schlag, gar nichts. Einfach Licht aus. Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf dem kalten Boden im Palast. Schon wieder. Seitdem bin ich mir ziemlich sicher, dass mich irgendwas hier unten festhält. Sobald ich versuche, zu weit wegzukommen, kommt der Druck im Schädel zurück und irgendwann fehlt mir einfach ein Stück Zeit. Und immer wieder derselbe Gedanke.

    Zuck

    Wohin? Keinen Plan. Warum? Noch weniger. Also bleib ich erstmal im Süden. Wird schon irgendeinen verdammten Grund haben.

    Roadkill Tag 6
    Vom Palast aus ging es nochmal runter zum Military bei Kamenka. Unterwegs hätte mich beinahe noch ein Humvee plattgemacht. Gerade noch aus dem Weg gekommen, das Ding vorbeiziehen lassen und kurz beobachtet. Hat sich aber genauso schnell wieder verpisst, wie er gekommen war. Military gelootet und dann zurück Richtung Küste. Irgendwann kam ein Helikopter von Süden übers Meer, flog über Balota und ging irgendwo bei Zelenogorsk runter. Keine Ahnung, was da los war. Aber da ich da oben sowieso nicht hin darf, war mir das ziemlich egal. Also wieder nach Prigorodki. Ab ins Bambi-Camp.

    Operation Bandage
    Im Camp sah es mit Medizin ziemlich beschissen aus. Bandagen, Medikamente, der ganze Kram – kaum noch was da. Also wieder los Richtung Krankenhaus. Unterwegs traf ich .chantal2000 . Noch ziemlich frisch hier draußen. Also hab ich sie kurzerhand mitgenommen. Der Plan war, bisschen Zeug besorgen, Krankenhaus looten und wieder zurück. Eigentlich einfach.

    Das ruhige Rauschen meldete sich sofort wieder.

    Bring sie heil zurück.

    Der Gedanke war einfach da. Kein Druck. Kein Geschrei. Aber irgendwie wusste ich, dass ich auf sie aufpassen musste. Erst die Polizeistation nahe der Rostigen Axt leergeräumt und dann weiter Richtung Krankenhaus. Unterwegs noch einen anderen Bambi getroffen. Freundlicher Kerl. Hat uns sogar zwei Bandagen in die Hand gedrückt. Und dann kamen wir zum Personenbahnhof.

    Schüsse
    Plötzlich knallte es. Am anderen Ende der Brücke konnte ich einen Schützen erkennen. Ich bin sofort zurück zu .chantal2000 . Sie stand noch. Noch ein paar Schüsse. Dann lag sie. Für einen Moment dachte ich wirklich, das war's. Und in meinem Schädel ging direkt die nächste Scheiße los.

    „TÖTE IHN!“
    „Bring sie zuerst in Sicherheit.“

    Na klasse. Einer will Blut, der andere will Chantal hier raus.

    Bin ins nächste Haus, ans Fenster und hab die Gegend abgesucht. Und dann hab ich .chantal2000 wieder gesehen. Sie lebte. Also zugerufen: Hügel runter. Kriechen. Nicht aufstehen. Einfach runter und zu mir. Warum mir in dem Moment scheißegal war, ob der Typ draußen vielleicht auch auf mich schießt, weiß ich nicht. Ich wusste nur, dass ich Chantal da lebend wegholen musste. Sie hat es schließlich bis ins Haus geschafft. Kurz kontrolliert, ob ihr was fehlt, dann über Funk Hilfe angefordert.

    Herz-Aus-Gold kam schließlich und hat uns aus der ganzen Scheiße rausgeholt.

    Pflicht erfüllt.

    Blut BLUT BLUUUUT!
    Auf dem Rückweg hab ich mich irgendwann von Herz-Aus-Gold und .chantal2000 abgegabelt. Kaum waren die beiden weg, wurde es im Schädel brennend heiß.

    Blut wurde vergossen. Für jemanden, der unter deinem Schutz stand.

    Ja. Stimmt schon.

    Dann wurde es schwarz. Nicht bewusstlos. Anders. Ich war noch da, aber plötzlich wieder nur Beifahrer. Mein Körper lief weiter, mein Mund redete weiter – nur ich hatte bei dem ganzen Scheiß offenbar nichts mehr zu melden. Als ich halbwegs begriffen hatte, was gerade passiert, stand Mauersegler (Lehmi) vor mir und hatte eine abgesägte Schrotflinte in der Hand. Meine Schrotflinte. Wo ich die schon wieder herhatte? Warum er sie jetzt hatte? Keinen Plan. Noch besser: Irgendwas in meinem Kopf hatte offenbar beschlossen, dass Mauersegler(Lehmi) vorne läuft und ich dahinter. Der Kerl hatte kaum was zu verlieren. Perfekter Köder.

    Es ist gleich, woher das Blut fließt. Hauptsache, es fließt.

    Ich wollte dagegenhalten. Keine Chance. Wir wollten den Schützen finden. Nicht reden. Nicht fragen. Einfach die Rechnung begleichen. Dann fielen nördlich von Prigorodki Schüsse. Und irgendwas in mir wurde schlagartig hellwach.

    Die Pflicht geht vor. Schütze die Unseren.

    Das Brennen war plötzlich weg. Stattdessen wieder dieses tiefe, ruhige Rauschen. Der Griff am Lenkrad blieb – aber jemand anderes hatte übernommen. Die alte Rechnung war auf einmal zweitrangig. Da draußen fielen Schüsse, nah genug am Camp, dass Leute in Gefahr sein konnten. Auf dem Weg nach Norden stieß Tommy zu uns. Schon ordentlich ausgerüstet. Also zu dritt weiter, Richtung Schüsse. Gegend abgesucht, Wald kontrolliert, rumgestochert – nichts.

    Keiner da. Kein Kampf. Kein Blut.

    Und je länger nichts passierte, desto lockerer wurde dieser Griff in meinem Schädel. Irgendwann war ich wieder da. Richtig da. Mauersegler(Lehmi) mit meiner Schrotflinte. Tommy neben mir. Ich irgendwo nördlich von Prigo. Und keine verdammte Ahnung, wie ich überhaupt auf die Idee gekommen war, einen Menschen als Köder vorzuschicken.

    Na klasse. Die Rechnung ist offenbar trotzdem noch offen.

    Nachspiel
    Später im Camp tauchte noch einer von I.K.E.A auf. Mir wurde nur gesagt: Das ist WhiskeyMixer , der muss mit .chantal2000 reden. Die beiden sind ein Stück abseits gegangen und haben das unter sich geklärt. Was da besprochen wurde? Keinen Plan. Geht mich auch nichts an. Herz-Aus-Gold hat mir später noch erzählt, dass I.K.E.A irgendwo in Cherno sitzt und dort wohl ziemlich strenges Protokoll fährt. Vor allem wenn draußen so ein Helikopter vom Himmel fällt, sitzen die anscheinend etwas lockerer am Abzug.

    Viel Später hab ich dann noch ein Statement von I.K.E.A zu einer anderen Sache gelesen:

    Gleichgewicht. Fairness. Kontrolle.

    Und dass I.K.E.A nicht einfach irgendeine Gruppe wäre, die durch Chernarus läuft und andere Leute erschießt. Aktive Feindschaft wollen sie wohl auch nicht ohne Anlass suchen. Klingt auf Papier eigentlich ziemlich vernünftig. Nur standen .chantal2000 und ich da mit den Waffen auf dem Rücken und kurz danach lag sie blutend auf dem Boden. Vielleicht hatte der Schütze seinen Grund. Vielleicht war wegen dem Helikopter einfach jeder nervös. Vielleicht weiß ich auch nur die Hälfte von dem, was da passiert ist. Keinen Plan. Mich hat die ganze Sache jedenfalls nachdenklich gemacht. Chantal stand unter meinem Schutz. Und irgendwer hat auf sie geschossen.

    "Blut wurde vergossen".

    "Och nö."

    "Eine Schuld aus Blut wird nur mit Blut beglichen."

    "Ja, danke. Wir reden später drüber"

    Feierabend? Nicht auf GDZ.
    Damit war der Abend natürlich noch nicht vorbei. Irgendwann schleppte sich noch ein Bambi ins Camp. Blutend, krank und allgemein ziemlich am Arsch. Anscheinend hatte der Kerl Wolfsfleisch erwischt, das irgendjemand ins Camp gelegt hatte.

    Wer macht denn sowas?

    Jedenfalls wollte der Typ die ganze Zeit sterben, selber dafür sorgen wollte er aber auch nicht. Also haben wir versucht, die Blutung zu stoppen und ihn irgendwie wieder zusammenzuflicken. Problem: Der Kerl hatte andere Pläne und hat sich gegen alles gewehrt. Herz-Aus-Gold hatte irgendwann die Schnauze voll, holte die Erziehungs-Pumpgun raus und verpasste ihm Gummi. Danach konnten wir ihn endlich ruhigstellen und fesseln. Hat nur leider nicht mehr viel gebracht. Der Kerl wurde bewusstlos und kam nicht mehr zurück.

    Chernarus halt.

    Danach hab ich mir von Lehmi erstmal meine abgesägte Schrotflinte wiedergeholt. Immerhin eine Sache, bei der ich wieder wusste, wem sie gehört. Später noch Vezir getroffen. Der erzählte mir stolz, dass er jetzt eine Gruppe gegründet hat: die Wolfsbande. Mitgliederzahl aktuell: einer.

    Läuft.

    Da ich rein zufällig mit ner Wolfskopf-Fellmütze auf dem Schädel rumgelaufen bin – keine weiteren Fragen –, hab ich ihm das Ding kurzerhand geschenkt. Wenn einer schon alleine ne Wolfsbande gründet, soll er wenigstens aussehen wie einer. Also wieder zurück zu meiner alten Kombi. Fischerhut. Pinke Skimaske.

    Alles wieder beim Alten.

    Naja. Fast.

    Ich hab noch einen Bericht über meinen letzten Abgang gelesen. Anscheinend hat mir dieses Ersetzbares Crewmitglied damals die Lichter ausgeknipst. Im Camp im Kochhaus. Damit wusste ich zumindest mal, wo ich verreckt bin.

    Auch gut.

    Zu dem Zeitpunkt war ich sowieso komplett durch. Gas in der Lunge, Musik im Schädel und keinen blassen Schimmer mehr, wer gerade meinen Körper fährt. Ob mich am Ende das Gas, irgendeine Krankheit oder ne Kugel umlegt, war da eigentlich auch schon scheißegal. Die Kugel war wahrscheinlich nur noch der Deckel auf dem Sarg.

    PS:
    Offenbar nennt Ersetzbares Crewmitglied mich inzwischen eine „geistige Wundertüte“.

    PSS: Konnte ja keiner ahnen, dass die geistige Wundertüte hinter diesem Vorfall steckte... Oh Mann. Das wird noch lustig.

    Musste so lachen, dass vorm Palast die Zombies aufmerksam wurden.

    Kann ich ihr nicht mal übel nehmen.

    -Tim

    2 Mal editiert, zuletzt von Interception (23. August 2026 um 13:32)