(Nachgereicht am 19.10.2025 – ursprünglich 10.10.)
💌 Herzensgrüße vom 10.10.2025 - Zwischen Schatten, Schweigen und dem Versuch, Mensch zu bleiben

Hallo ihr Lieben,
es gibt Tage, die riechen nach Regen, Metall und Misstrauen. Tage, an denen man glaubt, schon alles erlebt zu haben – und doch überrascht wird, wozu sich Menschen herablassen, nur um dir das Leben schwer zu machen. Heute war so ein Tag.
🏳️Zerschnittene Fahne, zerstörtes Vertrauen
Ich hatte darum gebeten, dass man uns die gestohlene REFUGE-Fahne zurückgibt.
Nicht aus Stolz, nicht aus Trotz – sondern als stilles Zeichen der Wiedergutmachung. Als Möglichkeit, wieder eine gemeinsame Basis herzustellen.
Ein kleines Stück Anstand, so dachte ich, müsste doch selbst in den verrohtesten Herzen noch übrig sein.
Ich wollte glauben, dass irgendwo unter all dem Groll und der Eitelkeit noch ein Rest von Vernunft und Mitgefühl existierten.
Und ja – jemand von ihnen gaben sie zurück.
Nur nicht als Fahne.
Als ich die Kisten mit den öffentlich zugänglichen Armbinden öffnete, lag sie dort: zerschnitten in Fetzen.
Drei Armbinden, hergestellt aus unserer Fahne zwischen all den Armbinden. Als wollte man uns damit auslachen.
Ein Sinnbild dafür, wie leicht Respekt hier mit Füßen getreten wird.
Ich stand eine Weile davor, ohne etwas zu sagen.
So etwas trifft tiefer als jede Kugel.
Denn es war kein Angriff auf ein Stück Stoff – es war ein Angriff auf das, was wir daraus gemacht hatten: ein Symbol für Zusammenhalt, für Zuflucht, für Hoffnung.
Außerdem war es ein deutliches Zeichen, dass man nicht mehr reden wollte. Dass man keine Versöhnung suchte. Und plötzlich begriff ich: Manche zerstören nicht, um zu siegen,
sondern einfach, weil sie verlernt haben, etwas stehen zu lassen, das sie selbst nicht verstehen.

☠️Todesschütze im Industriegebiet
Später entdeckte ich einen Schützen auf dem Dach eines Industriegebäudes, sein Blick ging in Richtung Liebesnest.
Ich beobachtete ihn, ruhig, die Finger auf der Waffe – aber ich schoss nicht.
Noch hatte er nichts getan, und vielleicht würde es auch so bleiben.
Dann verschwand er, wie er gekommen war.
Doch kurz darauf meldete NiggoB Beschuss aus Richtung Dubovo: drei Schüsse, kein Tod. Aber knapp genug, um einem den Atem zu rauben.
Niggo erwiderte das Feuer, sah den Angreifer in den Nordwald fliehen. Im kleinen Wäldchen wurde er dann nochmals gesehen, einmal beschossen, aber er floh in Richtung des Sommerlagers. Dort verschwand seine Spur. Und es wurde wieder still.
Schütze im Industriegebiet
Ich dachte, es wäre vorbei, ging am Camp meiner Arbeit nach und ging fischen. Bis ich vor janinesta (Selinas) Garage ein Bambi ohne Hose sah.
Ich war verwirrt. Was war das hier? Tabaskos alte Taktik – Die Hosen runterlassen, damit man sich im Team besser erkannte? Oder doch eher Ablenkung und Täuschung? Ein Scout vielleicht?
Gerade wollte ich abwägen, ob ich mich zurückzog oder ihn ansprach, da hallte ein Schuss durch das Industriegebiet.
Das Bambi fiel.
Ich rannte, funkte panisch: „Schuss im Industriegebiet! Jemand von euch?“
Niemand wusste Genaueres und mein Herz, raste.
Ich versteckte mich. Wartete.
Schließlich wagte ich mich vor.
Das Bambi lag tot am Boden.
Ein gezielter Schuss.
Totes Bambi im Industriegebiet
👖Der Fremde mit heruntergelassener Hose
Zurück am Camp versuchte ich mein Herz zu beruhigen.
Am Brunnen traf ich auf einen Fremden. Er sprach nicht, schrieb nur.
Wie viele so oft.
Er nannte sich Acryl Achim und grüßte freundlich. Auffallend war sofort, dass erkeine Hose trug.
Er brachte Verbände, nickte höflich, doch irgendetwas an ihm machte mich unruhig. Er schien das zu spüren und lief zum Camp. Zog sich seine Sachen aus und sagte, ich könne ihn durchsuchen.
Eigenartig. Warum sollte ich so etwas tun wollen? Wenn er wirklich fremd hier war, woher wusste er dann von unseren Schwierigkeiten mit den Bananen-Bambis?
Ich lehnte sein Angebot ab. Sagte, er müsse die Hände nicht oben behalten und könne sich wieder anziehen. Vertrauen gegen Vertrauen.
Er sagte mir, er sei das Bambi ohne Hosen gewesen, das erschossen worden war und legte ein paar Bandagen am Camp ab, die er gefunden hatte. Ich bedankte mich und warnte ihn, sich vor dem Schützen in Acht zu nehmen. Noch war er nicht ausfindig gemacht worden. Er stattete sich am Camp aus, dankte und zog weiter.
Direkt in Richtung Rohbau, wo Jannnik inzwischen Stellung bezogen hatte. Dort verwickelte er ihn in ein Gespräch.
Ich blieb im Turm, wollte beobachten.
Zwei weitere Bambis tauchten auf, rannten durchs Camp, als suchten sie etwas.
Ich blieb ruhig, aber angespannt.
Achim stand bei Jannik, als wolle er ihn ablenken.
Mein Instinkt flüsterte: Das hier ist keine Zufallsbegegnung.
Ich beobachtete jede Bewegung der beiden am Camp.
Ich sagte zu Jannik im Funk: „Sei vorsichtig mit dem. Ich traue ihm nicht.“
Dann verließ Achim den Rohbau und zog weiter.
Acryl Achim am Camp
🦗Die Heuschrecke im Camp
Etwas später traf WhiskeyMixer Acryl Achim am Brunnen, sowie ein weiteres stilles Bambi und eines, das redete. Sein Name hörte sich an wie "Hainsi" und das erleichterte mich. Ich kannte Hainsi noch und hatte mich schon gefragt, wo er geblieben war. Aber auf mein Rufen reagierte er nicht, also blieb ich versteckt und bewegte mich in Richtung Rohbau zurück, um alles zu beobachten.
Am Brunnen war Whiskey freundlich, auch wenn er langsam aber sicher den Braten roch.
Wir hatten insgesamt nun vier Bambis unbekannter Herkunft am Brunnen: Acryl Achim, einen stillen Fremden und Hainsi. Die Lage wurde unübersichtlich.
Whiskey sprach jedoch offen und ruhig. Er bot ihnen Essen an und lud sie ins Camp ein. Hainsi zog weiter, aber die beiden anderen Bambis folgten ihm. Sie schienen sich zu kennen und auch wenn Acryl Achim behauptete, neu hier zu sein, bewegte er sich erstaunlich zielstrebig, so als wisse er genau, wohin er gehen wollte. Als er ihnen das Essenszelt zeigte, fing Acryl Achim an sich zu übergeben.
Whiskey, ganz der Ersthelfer, gab ihm Tabletten gegen die Übelkeit. Doch was dann geschah, machte mich fassungslos.
Acryl Achim begann, hemmungslos zu essen. Eine Tablette nach der anderen, auch als Whiskey sagte das sei zu viel auf Einmal. Außerdem nahm er seinen Schilderungen nach immer wieder etwas aus dem Essenszelt und stopfte sich alles, was er fand in den Mund. So als habe er seit Tagen nichts mehr bekommen. Daraufhin übergab er sich.
Dann fing es von vorn an.
Ich beobachtete das Ganze vom Rohbau aus, konnte aber nicht genau hinsehen. Jannik ebenso.
Whiskey blieb trotzdem freundlich, versuchte, zu helfen. Aber er spürte: Das war keine Handlung aus Not oder Hunger heraus. Das war blanke Provokation.
Ein stilles Zeichen: Seht her. Wir können euch schaden, und ihr könnt nichts dagegen tun.
Ich spürte, wie mir das Blut in den Ohren rauschte.
Ich wollte schreien, schießen, irgendetwas tun – aber ich tat nichts.
Ich atmete, zählte innerlich bis zehn.
So hatte ich es Sueda einmal gesagt: „Nicht der erste Schuss entscheidet. Sondern der, den du nicht abgibst.“
Nun hielt ich mich selbst daran. Ich wollte aufstehen und die beiden zur Rede stellen, dann geschah es.
Ein Schuss fiel.
🎯Der Missklick
Ich sah es in genau dem Moment, in dem ich es hörte.
Ein einzelner Schuss, dumpf und endgültig – und Acryl Achim sackte leblos zusammen.
Im Funk hörte ich Jannnik, seine Stimme überschlug sich fast: „Sorry, sorry! Das war ein Missklick!“
Mir blieb das Herz stehen. Nur eine Sekunde lang, aber lang genug, um zu begreifen, dass jetzt alles aus dem Ruder laufen würde.
Das durfte doch alles nicht wahr sein... wir waren uns doch einig gewesen, nicht zu schießen, sofern nicht auf uns geschossen worden war oder eine aggressive Handlung seitens der Gegenseite erfolgt war.
Ich schloss die Augen, atmete tief ein, doch das Chaos war bereits entfesselt.
Warum konnte dieser Junge sich nicht besser unter Kontrolle halten?
Ausgerechnet jetzt – in einer Situation, in der noch nichts eskaliert war?
Ich wusste, das würde auf uns zurückfallen.
Ganz gleich, ob Jannik nun ein Samariter war oder einfach nur ein Freund, der helfen wollte.
Nach außen zählte nur eines: Ein unbewaffnetes Bambi war im Camp erschossen worden.
Ich glaubte ihm, dass es keine Absicht gewesen war.
Die Erschütterung in seiner Stimme war ehrlich und Jannik war allgemeinhin für seine großen und kleinen Missgeschicke bekannt, und doch half es nichts.
Der Schaden war angerichtet – und Worte und Entschuldigungen würden ihn nicht ungeschehen machen.
Acryl Achim fiel.
Das zweite Bambi rannte davon.
Doch WhiskeyMixer wollte es wissen.
Er rief dem Fremden hinterher er solle stehen bleiben und rannte ebenfalls los – und Jannik folgte ihm.
Ich hörte ihre Schritte, dann Stille.
Was dann geschah, war ein weiteres Stück Wahnsinn an einem ohnehin übervollen Tag.
Sie stellten den Flüchtenden, wollten ihn zur Rede stellen, wollten wissen, warum sie ans Camp gekommen waren,
nur um alles leer zu essen, zu provozieren.
Doch statt einer Antwort zog der Fremde plötzlich eine versteckte Waffe und feuerte direkt auf Whiskey.
Es war keine Warnung. Kein Zucken aus Angst. Es war ein gezielter Schuss.
Jannik reagierte instinktiv,
so schnell, dass es fast aussah, als hätte er geahnt, was passieren würde.
Er riss die Waffe hoch, drückte ab – und der Angreifer fiel.
Stille. Nur das Echo der Schüsse hallte durch die Ruinen des Industriegebiets.
Ich stand im Rohbau, sah auf das Chaos hinab, und in meinem Inneren breitete sich eine bittere Gewissheit aus.
Das waren keine zufälligen Bambis gewesen.
Sie waren zu ruhig, zu koordiniert und zu gezielt vorgegangen.
Unter der Maske steckte mit ziemlicher Sicherheit jemand, den wir schon lange kannten.
Und plötzlich ergab alles einen Sinn.
Zu viel passte ins Bild – und ich wusste, dass dieser Tag nicht das Ende,
sondern erst der Anfang einer neuen, dunkleren Geschichte war.
Alles, was ich nun tun konnte, war Acryl Achim und den Fremden würdevoll zu bestatten und mich darauf vorzubereiten, dass etwas passieren würde.
Missklick
👣Spuren, Schüsse und ein Funken Menschlichkeit
Als sie von dem Vorfall hörte, kam auch ninja2.00926 (UltrA) zu uns.
Sie meldete, dass ein Toter auf der Brücke bei Chernogorsk lag. Wie er zu Tode kam, wussten wir nicht. Aber ich vermutete, dass er aus irgendwelchen Gründen gut sichtbar auf dem Geländer herumstolziert und dann von einem Scharfschützen erwisch worden war.
Wer dieser Schütze gewesen war, blieb weiterhin unklar.
Totes Bambi auf der Brücke
Ich wollte raus aus diesem Kreislauf.
Aus all dem Lärm, der Anspannung, den ständigen Blicken über die Schulter.
Also ging ich ans Wasser.
Angeln, atmen, nachdenken.
Das war alles, was ich noch wollte.
Während ich die Leine auswarf, machten sich Jannnik, WhiskeyMixer und dakel auf den Weg nach Berezino, um ein Auto zu holen.
Doch selbst dieser Plan, der so unschuldig begonnen hatte, endete wieder in Gewalt.
Sie wurden beschossen – vermutlich von einem der „Urlauber“ aus dem anderen Chernarus.
Einer fiel, der andere entkam.
Und ich fragte mich, ob das hier jemals aufhören würde.
Währenddessen blieb ninja2.00926 (UltrA) bei mir am Camp.
Sie half mir beim Grillen, und zum ersten Mal heute fühlte sich alles für einen kurzen Moment normal an.
Wir lachten leise, zwei müde Menschen, die einfach nur überleben wollten.
Die Fische, die wir brieten, reichten für mehrere Camps, also brachte ich einen Teil nach Elektrozavodsk.
Der Weg war ruhig, fast zu ruhig, und für einen Augenblick glaubte ich, das Schlimmste läge hinter uns.
Unterwegs kontrollierte ich die alte Scheune der Briten – sie war noch immer verschlossen, unberührt.
Doch im namenlosen Dorf fand ich einen Zombie, der sich durchs namenlose Dorf schleppte.
Und unter der Brücke, halb im Schatten, halb im Busch – lag ein Überlebender.
Er lag da, bewegungslos, fast so, als wolle er sich tarnen.
Ich beobachtete ihn, meldete die Sichtung, und UltrA versuchte, ihn anzusprechen.
Keine Antwort. Keine Regung.
Wir kehrten zum Camp zurück.
Als die Nacht hereinbrach, sah ich ihn wieder. Er kam von der Straßensperre aus direkt auf das Camp zu und trug einen Motorradhelm.
Ich hörte UltrAs Stimme, fest, aber ruhig: „Stehen bleiben! Waffe auf den Boden!“
Dann hob auch ich meine Waffe und zielte.
Er legte sie tatsächlich nieder, hob die Hände, aber er sprach nicht. Kein Wort.
Er schrieb. Aber dann tat sich lange Zeit nichts.
Plötzlich, so schnell, dass wir kaum reagieren konnten – nahm er die Waffe wieder auf, wandte sich um und rannte.
Ein Warnschuss folgte in seine Richtung.
Nur ein einzelner.
Er verschwand in der Nacht, und mit ihm die Aussicht darauf, dass der Frieden länger als ein paar Atemzüge dauern konnte.
Später, viel später, kam er zurück.
Ein Schatten in der Dunkelheit.
Er setzte sich einfach an das Lagerfeuer, so, als hätte es nie eine Bedrohung gegeben.
Ich beobachtete ihn vom Rohbau aus, jede Faser meines Körpers gespannt zwischen Angst und Erschöpfung.
@WhiskeyMixer versuchte, mit ihm zu reden, ruhig, vorsichtig – doch der Fremde schwieg.
Er hörte zu, oder tat zumindest so, dann stand er auf, ging wortlos zum Kochhaus und verschwand darin.
Niemand sah ihn danach wieder.
Nur das leise Knistern der Flammen blieb, und das Gefühl, dass selbst Stille hier keine Sicherheit mehr bedeutete.
Merkwürdiger Fremder
🔥Fallen, Feuer und letzte Wege
Später, als sich ninja2.00926(UlrtA) verabschiedet hatte, fuhr ich mit dem geretteten blauen Gunter in Richtung von _.lOom._. Ich wollte ihm sein Auto zurückgeben und auch einfach raus.
Ein Stück Normalität zurück.
Auf den Gleisen fanden wir ein Lagerfeuer.
Genau an der Stelle, wo am Nachmittag der Fremde unter der Brücke gelegen hatte.
Jetzt ergab alles Sinn: Er hatte gewartet – auf ein Auto, das gegen das Hindernis fahren würde.
Eine perfide Falle.
WhiskeyMixer bestätigte, dass auch in Chernogorsk solche Feuer gefunden worden waren.
Feige. Heimtückisch. Sinnlos.
Ich beschloss, meinen Sarka in Sicherheit zu bringen.
Nicht mehr in Prigorodki.
Nicht nach allem, was in letzter Zeit geschehen war.
Ich fuhr ihn ins Schwarze Loch.
Dorthin, wo der Friede wenigstens so tat, als würde er noch existieren.
Anshcließend ging ich mit Loom zurück zum Camp. Es tat gut, einfach nur mit ihm ungezwungen durch Elektrozavodsk zu streifen. Mit Zombies als einzigen Gegnern.
Ein Auto für Loom
🌅Zum Schluss...
Heute habe ich wieder gemerkt, wie dünn der Faden geworden ist, an dem wir hier alle hängen.
Wie leicht ein Wort, ein Schuss, ein Missverständnis alles zerreißen kann.
Und trotzdem: Wir leben noch.
Wir helfen noch.
Und wir halten einander den Rücken frei, auch wenn es manchmal weh tut.
Möge die Welt sich weiterdrehen – und mögen wir in all dem Chaos nicht vergessen,
was uns ausmacht: Menschlichkeit, Rücksicht, Haltung.
In diesem Sinne: Passt auf euch auf – und bleibt am Leben.
gez.
Herz-Aus-Gold 💛