Herzrauschen (Herzfragmente 1.29)

  • Leises Rauschen. Ein kurzer Moment Stille, als müsste sie erst den Mut finden zu sprechen.

    „…Hallo?“

    Ein Atemzug.

    „Ich weiß nicht, ob du das hier hörst.
    Und vielleicht ist es auch besser, wenn nicht.

    Aber manchmal… erreichen mich Dinge, die ich nicht einfach für mich behalten kann. Heute war da eine Stimme im Funk.
    Unruhig… flüchtig… als hätte sie Angst, überhaupt gehört zu werden. Sie hat nicht nach Hilfe gerufen.
    Nicht wirklich. Aber sie hat nach dir gefragt. Nach dem, den manche den Engel nennen.

    Ich kenne dich nicht. Nicht wirklich. Und ich werde auch nicht so tun, als würde ich verstehen, wer du bist… oder was du für andere warst.
    Dein Auftritt in Prigorodki hat einiges in Bewegung gebracht.

    Und nun habe ich gehört, wie diese Stimme im Funk dich sucht. Es klang, als sei es die letzte Möglichkeit.

    Vielleicht liege ich falsch.
    Vielleicht war es nichts weiter als Angst, die sich an etwas klammert, das längst vorbei ist.

    Und vielleicht willst du genau deshalb nicht mehr gefunden werden.

    Sanfter, fast verständnisvoll: Das würde ich verstehen.

    Aber falls du noch zuhörst… falls ein Teil von dir noch hinsieht… dann sollst du wissen, dass da draußen etwas in Bewegung ist.
    Und dass jemand geglaubt hat, dass ausgerechnet du es sehen solltest.

    Ich werde keine Orte nennen. Keine Zeiten. Nicht jeder Ruf ist für alle bestimmt. Aber wenn du das hörst, melde dich bei mir. Dann gebe ich es an dich weiter, damit es nicht im Rauschen verschwindet.

    Pass auf dich auf… wer auch immer du bist.

    Herz… Ende.“ 💛

  • Langes Rauschen. Ungewöhnlich ruhig. Dann eine Stimme – nicht ganz klar zuzuordnen, als würde sie nicht direkt aus dem Gerät kommen.

    „…Du rufst nach einem Namen.“

    Kurze Pause.

    „Als wäre er etwas, das man finden kann. Aber du hast dich geirrt. Ihr habt euch geirrt.

    Das Rauschen verändert sich leicht, fast wie Wind.

    „Der Engel von Novo ist kein Mensch. Keine Stimme, die antwortet. Kein Körper, der erscheint, wenn man ihn verlangt.“

    Ein leises Knacken.

    „Er war nie dort… wo man ihn sehen wollte.“

    „Und er wird nicht kommen… weil jemand ihn ruft.“


    Die Stimme wird leiser, fast wie ein Gedanke.

    „Das, was du suchst… entsteht.“

    Stille.

    „Oder es bleibt aus.“


    Ein letzter, kaum hörbarer Satz:

    „Und das liegt nicht bei mir.“

    Funk bricht ab.

    - Reliquiae Angeli Novi

  • Hier spricht Kira Montemir.

    Kurze Pause.

    „Ich habe etwas gehört, das nicht für mich bestimmt war.

    Ein Funkspruch. Ein Treffpunkt. Ein Ablauf, der so nie hätte stattfinden sollen.

    Was ich gesehen habe…war kein Kampf. Es war ein Zugriff.
    Schnell, geplant und ohne Zögern.

    Der Engel von Novo ist doch erschienen. Und er ist gefallen. Nicht laut oder heldenhaft.
    Mehr... effizient.

    Eine Silhouette trat aus dem Nichts. Kein Wort. Keine Warnung. Sie fiel über ihn her wie ein Jäger seine Beute jagt.
    Dann wurde es still.

    Ich muss leider sagen: Der Engel wurde überwältigt. Gefangen. Mitgenommen. Verschleppt.

    Seitdem fehlt von ihm jede Spur.

    Wie es weitergeht, wird sich zeigen.
    Was bleibt, entscheidet nicht der Moment, sondern die, die von ihm erzählen.
    Und ich finde, ihr da draußen habt ein Recht auf die diese Wahrheit.

    Kira Montemir. Ende."

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    "Am Ende bleibt nie, was passiert ist… sondern was man daraus macht."

    Einmal editiert, zuletzt von Kira Montemir (17. April 2026 um 01:42)

  • (Persönlicher Eintrag im Tagebuch)

    Nacht von Sonntag auf Montag, den 27.04.2026 - Zeichen, die gesehen werden möchten

    Es war einer dieser ruhigen Momente am Feuer.
    Die, in denen man fast vergisst, wo man ist.

    Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 hatte ein paar Ganoven verfolgt, die Crippsy77, Der_Fremde und @Sloptort (Tom) beim Bau ihres Turms erschossen hatte. Die Verfolgung war im Sande verlaufen und ich hatte am Camp einen stillen Besucher gehabt, der auf meine Worte nicht reagiert, aber dennoch mit mir am Feuer saß. Ich hatte Crippsy77 und dem Fremden den gelben Sarka geliehen, da sie einen Unfall in ihrer Olga gehabt hatten und das Fahrzeug nun das Zeitliche gesegnet hatte.
    Kaum war ich am Camp zurück, entdeckte ich ein merkwürdiges Zeichen in einem Unterstand. Ein deutlicher Buchstabe und etwas, das aussah wie ein Minus. Als würde jemand quittieren, er habe einen Kühler genommen oder etwas anderes und dafür sein Zeichen hinterlassen.

    Ich konnte mir keinen Reim darauf machen und setzte mich ans Feuer. Dann kam sie. Sueda.Einfach so.
    Kein großes Tamtam, kein „Ich bin wieder da! Wer noch?!“. Nein, sie setzte sich dazu, als wäre sie nie weg gewesen.

    Wir redeten. Über Wege, über Begegnungen, über das, was man eben sagt, wenn man nichts sagen will. Denn die Erkenntnis ihrer Jagd schien sie tief zu beunruhigen.
    Es war dieses vorsichtige Abtasten zwischen zwei Menschen, die sich kennen… aber nie ganz greifen.

    Ich hatte mein Tagebuch aufgeschlagen auf den Knien. Ein paar Notizen vom Tag. Gedanken, die ich festhalten wollte, bevor sie mir wieder entglitten.

    „Du schreibst echt noch alles auf…“ meinte sie irgendwann.
    Ich lächelte leicht. „Nicht alles. Nur das, was bleiben soll.“
    Ein leises Schnauben. „Typisch...“
    Dann wurde sie still.

    Nicht dieses gespielte Stillsein.
    Das echte.
    Ich merkte es erst, als ich ihren Blick bemerkte. Fest. Unbeweglich.
    Auf meinem Tagebuch.
    Genauer gesagt… auf dem Zeichen.

    Ich hatte es dort skizziert. Nicht aus einer Laune heraus. Sondern, weil es mir im Kopf festhing.
    Weil es überall gewesen war.

    In Unterständen.
    Immer gleich gelegt.
    Aus Kürbiskernen.

    Kein Zufall. Kein Versehen.
    Bewusst. Deutlich. Laut – in einer Welt, in der Zeichen zwar bei uns täglich präsent, aber selten so laut sind.

    „Was ist?“ fragte ich leise.
    Sueda antwortete nicht sofort.

    Sie beugte sich leicht vor, als müsste sie sich vergewissern, dass es wirklich da war.
    „…wo hast du das her?“
    Ihre Stimme war anders.
    Schärfer. Wach. Ohne jede Ironie.

    „Das war überall“, sagte ich. „In Unterständen. Mit Kürbiskernen gelegt. Immer gleich.“
    Jetzt sah sie mich an. Und ich sah es. Dieses Grübeln.

    Kein neugieriges Nachdenken.
    Sondern das andere.
    Das, bei dem sich etwas zusammenzieht.

    „Heilige Scheiße...“ murmelte sie leise.
    Sie lehnte sich zurück, fuhr sich kurz durchs Gesicht, als müsste sie einen Gedanken wegwischen, der nicht gehen wollte.
    „Ich kenn das Ding.“

    Die Worte waren ruhig.
    Zu ruhig.
    „Und glaub mir, das ist das Letzte, was du erwartet hättest...“

    Das Feuer knackte zwischen uns.
    Ich spürte, wie sich meine Finger leicht um das Tagebuch schlossen.

    „Was bedeutet es?“
    Sie schüttelte den Kopf. Nicht verneinend.
    Eher… abwehrend. „Noch nichts, was ich jetzt laut aussprechen will. Außerdem ist es unmöglich, dass das Zeichen hier auftaucht...“

    Ein kurzer Blick auf das Zeichen.
    Dann wieder zu mir.
    „Aber glaub mir… das ist kein Zufall. Und schon gar kein harmloser Scherz von jemandem.“

    Sie stand auf, ging ein paar Schritte vom Feuer weg, blieb dann stehen.
    „Wenn jemand sich die Mühe macht, das überall gleich zu legen… dann will er gesehen werden.“

    Ein schiefes, fast bitteres Lächeln. „Und nicht nur von irgendwem.“
    Sie sah mich wieder an.

    „Von dir.“

    Ein kurzer Moment Stille.
    Dann, fester: "Oder von denen, die es erkennen."
    Sie seufzte, als wolle sie ganz sicher gehen und nichts Falsches sagen. „Ich muss da noch nachforschen. Vielleicht irre ich mich auch... aber...“
    Ich nickte langsam. „So schlimm also?“
    Sie hielt meinem Blick stand.
    „Schlimmer.“

    Das war alles.
    Und gleichzeitig genug.

    Ich sah wieder auf das Zeichen in meinem Buch.
    So klein. So schlicht.
    Und doch fühlte es sich plötzlich… schwer an.

    „Also muss ich mir Sorgen machen...?“ fragte ich leise.
    Sueda zog eine Augenbraue hoch. Ein Hauch von ihrem alten Tonfall.
    „Herz... du baust Camps, hilfst wildfremden Menschen und sitzt nachts allein am Feuer in Chernarus…“

    Dann, leiser: „Natürlich musst du das.“

    Sie griff nach ihrem Rucksack.
    „Wenn du das nochmal irgendwo siehst – sag mir sofort Bescheid.“

    Ich nickte. „Mach ich.“
    Sie drehte sich um, ging ein paar Schritte… blieb noch einmal stehen.

    Ohne sich umzudrehen, sagte sie: „Das ist kein Zeichen, das man hinterlässt, wenn man einfach mal reden will.“

    Ein Atemzug.

    „Das ist eins, das man hinterlässt… wenn man gesehen werden will.“

    Dann war sie weg.
    Und ich blieb zurück.
    Mit meinem Tagebuch.
    Und einem Zeichen, das plötzlich viel zu laut war für ein paar Kürbiskerne.

    🌘 Zum Schluss…

    Manche Spuren sind nicht dazu da, übersehen zu werden.
    Und manchmal wünsche ich mir, sie wären es.

    gez.
    Herz-Aus-Gold

  • Ich hatte ja immer geglaubt, ich hätte inzwischen schon jede Sorte Wahnsinn in Chernarus gesehen.
    Menschen mit Kürbissen auf dem Kopf. Leute, die Bambis mit Autos jagen. Kirchenheinis, die Ziegenfett für heilig halten und dabei aussehen, als hätten sie seit drei Monaten nur kalten Bohnenfraß gegessen. Aber nein. Offenbar hebt sich Chernarus den ganz besonderen Irrsinn immer für die Momente auf, in denen man ohnehin schon auf dem Zahnfleisch kriecht.

    Also gut.
    Fangen wir vorne an.

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    Da steht plötzlich dieser Bruder_Tommy vor dem Camp. Mit Fackeln, schwarzer Kutte und jeder Menge Menschenfleisch. Mit dieser Art Blick, den Leute haben, die entweder die Wahrheit erkannt haben oder seit drei Tagen Benzin trinken. Pinky wollte ihn direkt umlegen und machte da kein Geheimnis draus. Verständlich. Ich hätte ihn auch lieber einfach ignoriert oder auf der Stelle erschossen, aber nein: Prinzipien. Immer reden. Immer Mensch bleiben. Immer freundlich sein. Was für ein fantastischer Plan.... NICHT.

    Also schlich ich mich von hinten ran und schickte ihn mit der R12 und Gummigeschossen erstmal schlafen. Wunderschönes Geräusch übrigens. Dieses dumpfe „WUMPF“, wenn jemand mit meiner göttlichen Erkenntnis Bekanntschaft macht. Klebeband drum, Menschenfleisch einkassiert und fertig war die mobile Irrenanstalt.
    Als er wieder zu sich kam schnauzte ich ihn an, er solle sein Zeug packen und verschwinden. Aber Bruder_Tommy wollte reden und dachte nicht dran, es dabei zu belassen.

    Er redete.
    Immer wieder.
    Über die Wahrheit.
    Über Erkenntnis.
    Über Frieden.... oder das, was er dafür hielt.

    Und dieser Typ hatte wirklich diese unangenehme Ruhe weg. Nicht aggressiv. Nicht laut. Eher so, als hätte jemand einem Irren erklärt, er sei der letzte Prophet der Menschheit und er hätte beschlossen, das einfach zu glauben.

    Gefesselt tappte er vor mir her, während ich ihn mit der Flinte durch die Straße scheuchte wie ein besonders nerviges Nutztier.

    Du wirst es verstehen
    Erkenne die Wahrheit...
    Koste sie!

    Ja.
    Danke.
    Großartig.
    Fast wie ein Selbsthilfeseminar.
    Nur mit mehr Menschenfleisch.

    Ich wollte eigentlich nur, dass er endlich die verdammte Klappe hält.

    Jedes Mal, wenn er wieder anfing zu philosophieren wie ein betrunkener Wanderprediger auf billigem Codein, schoss ich ihn erneut bewusstlos. Nennt es Gesprächsführung. Funktionierte erstaunlich gut. Kurzzeitig.

    Irgendwann hatte ich sogar das Gefühl, dass er absichtlich langsam sprach, nur um mich weiter zu reizen. Als würde er testen wollen, wann ich endgültig die Beherrschung verliere.

    Und das Schlimmste?
    Ein Teil von mir hatte Angst davor.

    Nicht vor ihm.

    Sondern davor, dass ich irgendwann wirklich einfach abdrücke.

    Denn genau so fängt es an in Chernarus.
    Erst rechtfertigst du Gewalt.
    Dann gewöhnst du dich daran.
    Und irgendwann bist du selbst nur noch ein weiteres Monster mit Waffe und Ideologie.

    Also hielt ich mich zurück.
    Wieder und wieder.
    Obwohl er es mir wirklich nicht leicht machte.

    janinesta (Selina) wollte mir schon ein paar Stofffetzen für einen Knebel reichen, da tauchte natürlich die Kirche auf.
    War ja klar.
    Weil in meinem Leben nie einfach nur EIN Problem gleichzeitig existieren darf. Ist so eine Art Naturgesetz.

    Erzbischof Bauschus ( vonBausch) mit seiner pinken Armbinde stolzierte plötzlich heran wie ein Messdiener auf Kriegspfad. Ja gut... wir waren nicht gut aufeinander zu sprechen, die Kirchenheinis und ich. Verständlich. Tja und was tat ich? Ich warnte ihn, schnauzte ihn an er solle sich verpissen. Ich hatte genug von ihnen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits genug von Kirchenritualen, heiligen Tomaten, Menschenfleisch und irgendwelchen Leuten, die glauben, sie müssten mir erklären, wie die Welt funktionierte.

    Ich sah nur noch rot.

    Dann ging alles schnell.

    Zu schnell.

    Ein Missverständnis vielleicht. Oder keiner. Ehrlich? Ist mir inzwischen egal, ändert eh nichts am Outcome, wie man so schön sagt.
    Ich sah, wie Tommy offenbar befreit wurde, zog die R12 hoch, wollte nen Warnschuss abgeben und ZACK im nächsten Moment lag ich auf der Straße. Sofort tot
    Kein großes Drama. Kein letzter Monolog. Einfach Licht aus.

    Und janinesta (Selina) versuchte noch zu helfen, wurde aber auch bewusstlos geschossen und kaum kam sie zu sich traf sie ein tödlicher Schuss.
    Unfall ausgeschlossen... das war Tötungsabsicht.

    Pinky kam zu spät und auch Black Lion konnte keine Spur aufnehmen. Alle kamen zu spät.
    Ist irgendwie ein Muster geworden in meinem Leben.

    Und während irgendwelche Kirchenmänner mit einem Kannibalen nach Norden verschwanden, durfte ich wieder an der Küste aufwachen. Halb verhungert. Halb wahnsinnig und vollständig genervt.
    Natürlich ließ ich das nicht auf sich beruhen. Nr. 371 steht wieder auf uns so...

    Also rannte ich zurück. Und während ich wie eine Bekloppte von Berezino aus durchs halbe Land stolperte, kam mir plötzlich dieser Gedanke.
    Bruder_Tommy hatte von einer Kirche in Elektro gesprochen, wo er hauste. Und genau deshalb würde er dort niemals hingehen.

    Nicht wenn er auch nur ein einziges funktionierendes Hirnfragment besaß. Denn selbst ein Irrer weiß, dass man nicht genau an den Ort zurückläuft, an dem einen jeder erwartet.

    Aber dann erinnerte ich mich an seinen Bruder. Der_Fremde. Der hatte ständig irgendetwas von Stary Sobor erzählt. Immer wieder. Und Bruder_Tommy selbst hatte ebenfalls davon geredet, dorthin zurückzuwollen.

    Und dann machte es klick.

    vonBausch. Nickel.
    Die Kirche.

    Diese Spinner hatten doch ständig von Gorka gesprochen. Von Heimat. Von Ursprung. Von irgendwelchen heiligen Anfängen und anderem religiösen Geschwurbel, das sich anhörte, als hätte jemand ein zu viele Pilze geraucht.

    Gorka war ihr Ursprung.

    Also wohin bringt ein Erzbischof einen angeschossenen Wahrheits-Kannibalen?

    Nicht nach Elektro.
    Nicht dorthin, wo jeder sucht.

    Sondern dorthin, wo seine Wurzeln sind.
    Nach Gorka.

    Und falls ich falsch lag, konnte ich immer noch weiter nach Stary Sobor.


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    Also schleppte ich mich dorthin.

    Fast verhungert.
    Fast verdurstet.
    Mit schlechter Ausrüstung und noch schlechterer Laune.

    Natürlich fand ich in der Polizeistation genau das, was man immer dann findet, wenn man eigentlich längst tot sein sollte: Eine R12 mit zwei Schuss und eine Mlock mit neun Patronen. Großartig. Ein ganzes Arsenal für eine Frau mit Todeswunsch gegen zwei potenzielle Kannibalen-Killer mit VSD und anderen bösen Waffen.

    Ich kämpfte mich durch die Zombies bis zum Brunnen… und dann fiel der Schuss aus der Kirche.

    Und plötzlich wusste ich:
    Ich war richtig.

    Nur leider waren sie schneller. Die Zombies.

    Der Rest des Tages bestand im Grunde nur noch aus Rennen, Sterben, Wiederaufstehen und weiteren schlechten Entscheidungen.
    Kaum hatte ich mich zum Brunnen durchgekämpft und angefangen zu trinken, fiel ein einzelner Schuss. Bruder_Tommy hatte den Erzbischof vonBausch in der Kirche erschossen. Ich sah noch, wie der Täter floh.

    Ich wollte ihm nachsetzen, auf ihn schießen aber wie aufs Stichwort fiel ich um. Alles wurde schwarz und ich fand mich an der Küste wieder. War ich erschossen worden oder wirklich verhungert? Ich wusste es nicht.

    Und als wäre das alles noch nicht genug gewesen, kam danach erstmal der vollkommen lächerliche Teil dieser Geschichte.

    Denn nachdem ich in Gorka zusammengebrochen war, fand ich mich natürlich wieder an der Küste wieder. Chernogorsk. Halb tot. Wieder mal. Ich glaube inzwischen ehrlich, die Küste und ich führen eine toxische Beziehung.

    WhiskeyMixer meldete sich schließlich über Funk. Irgendwo weit weg, aber immerhin noch da. Also erklärte ich ihm zwischen Keuchen, Fluchen und gelegentlichem Sterben, dass ich in Gorka wohl die richtige Spur aufgenommen hatte. Dass dort etwas passiert war. Kirche. Schüsse. Bewegung.

    Und während andere Menschen in so einer Situation vielleicht erstmal schlafen, essen oder ihren kompletten Lebensstil überdenken würden, stolperte ich natürlich direkt wieder los Richtung Prigorodki. Weil ich offenbar absolut nichts dazulerne.

    Als ich endlich am Camp ankam, war ich praktisch nur noch Haut, Knochen und schlechte Entscheidungen. janinesta (Selina), Pinky und Jammet sahen mich vermutlich an wie einen verwirrten Zombie.

    Ich rannte zum Turm, schnappte mir meine DMR, die R12 mit Gummigeschossen und die FNX, die die anderen gesichert hatten. Meine Waffen fühlten sich in dem Moment weniger wie Werkzeuge an und mehr wie der letzte Rest Kontrolle in einer Welt, die völlig durchgedreht war.

    Dann ging es mit dem roten Gunter Richtung Gorka.

    Natürlich nicht allein.
    WhiskeyMixer war inzwischen ebenfalls dort unterwegs und hatte tatsächlich die Ausrüstung der beiden Leichen gesichert. Also fuhr er mich durch den Wald zu der Stelle, wo er alles versteckt hatte.

    Und ganz ehrlich?
    Das war einer dieser seltenen Momente, in denen ich wirklich kurz dachte:
    „Vielleicht wird heute ausnahmsweise mal NICHT alles schlimmer.“

    Großer Fehler.

    Denn während WhiskeyMixer vorsichtig durch den Wald manövrierte, erwischte der Gunter irgendeine verfluchte Baumwurzel. Ihr kennt diese kleinen Mistdinger ja...

    Ein kleiner Ruck.
    Dann noch einer.
    Ein hässliches Krachen.

    Und plötzlich war der Kühler hinüber.
    Reifen beschädigt.
    Auto am Arsch.

    Der zweite Unfall an diesem Tag.

    Ich saß einfach nur daneben und starrte ins Leere. Irgendwann erreicht man einen Punkt, da regt man sich nicht mal mehr auf. Da akzeptiert man einfach, dass Chernarus einen persönlich hasst.

    WhiskeyMixer entschuldigte sich natürlich und es tat ihm sichtbar leid.
    Ich fluchte natürlich. Innerlich.
    Aber statt zusammenzubrechen zog WhiskeyMixer los und organisierte tatsächlich einen neuen Kühler und einen Reifen.

    Einfach so.

    Und genau das war vielleicht das Verrückteste an diesem ganzen Tag:
    Nicht die Kirche.
    Nicht Tommy.
    Nicht das Menschenfleisch.

    Sondern dass Leute wie WhiskeyMixer trotzdem immer wieder zurückkommen und helfen.

    Obwohl jeder vernünftige Mensch längst gesagt hätte: „371, weißt du was? Fahr allein in deine persönliche Horrorgeschichte.“

    Tat er aber nicht.

    Also saß ich wenig später wieder allein im fahrbereiten Gunter.
    Müde.
    Hungrig.
    Völlig überdreht.

    Und fuhr erneut nach Gorka.

    Direkt zurück in die Hölle.

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    Dann fand Bruder_Tommy mich wieder.

    Oder er fand, was von mir übrig war. Ein Schuss, ein Schmerz. Ich sackte zu Boden.
    Alles um mich rum wurde schwarz.

    Als ich aufwachte: Gebrochenes Bein. Kaum Munition. Allein. Keine Waffen, die hatte er mir abgenommen.

    Und plötzlich war ich wieder dort.

    Nicht in Gorka.
    Nicht auf der Straße.

    Sondern zurück in diesem verdammten Käfig.

    Diego Corvianus.
    Die Kirche von Morthana?
    Kälte.
    Hunger.
    Menschenfleisch.

    Ich erinnere mich noch an diesen Geruch. Süßlich. Falsch. Wie verdorbenes Fett über kalter Asche. Und an dieses widerliche Gefühl, wenn der eigene Körper irgendwann aufhört zu diskutieren und einfach nur noch überleben will.

    Diego hatte damals gelacht.
    Dieses überdrehte, Lachen von oben herab von jemandem, der glaubt, er hätte die absolute Macht über dich.

    Und nun stand da Bruder_Tommy.
    Redete ebenfalls von Frieden.
    Von Wahrheit.
    Von Erkenntnis.

    Immer dieselben Worte.
    Immer dieselben Monster.
    Nur andere Gesichter.

    Ich tat das Einzige, was ich konnte. Hielt ihn mit Worten auf Abstand, auch als er auf mich zielte.

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    Und vielleicht war das mit E.C.H.O. am Ende das, was am meisten weh tat.

    Nicht die Kugeln.
    Nicht das gebrochene Bein.
    Nicht mal Tommy.

    Sondern diese verdammte Stille.

    Während ich dort auf der Straße lag, halb bewusstlos, halb verblutet und versuchte irgendwie Zeit zu schinden, hoffte ich die ganze Zeit, dass irgendwer meinen Funkspruch gehört hatte.

    WhiskeyMixer vielleicht, der weitergefahren war.
    Rio.
    I.K.E.A.

    Ich hätte sogar mit CHAOS Vorlieb genommen.
    Irgendwer halt.

    Aber tief drin hoffte ich eigentlich auf E.C.H.O.

    Bescheuert, ich weiß.

    Nach allem, was passiert war.
    Nach all dem, was wir mit ihm gemacht hatten... aus lauter Verzweiflung.
    Nach diesem ewigen Hin und Her zwischen Misstrauen, Hoffnung und Enttäuschung.

    Und trotzdem hoffte irgendein kaputter Teil in mir noch immer, dass er auftauchte und den Tag retten würde.

    Dass plötzlich Schritte durchs Gras kommen.
    Dass Tommy kurz abgelenkt wird.
    Dass irgendwer den typen einfach abknallt und er leblos vor mir auf den Boden sackt.

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    Nichts kam.

    Nur Wind.
    Zombies.
    Und Bruder_Tommy s Stimme.

    Und irgendwann dämmerte mir etwas, das schlimmer war als jede Erkenntnis dieses Wahrheits-Kannibalen.

    Vielleicht würde niemand kommen.

    Vielleicht war ich diesmal wirklich allein. Ich hatte zuvor zu WhiskeyMixer gesagt "Alles gut, geh nur. Das ist unser Kampf, nicht der von I.K.E.A." und nun trug ich die Konsequenzen. Allein.
    Und dafür hasste ich mich, denn wenn ich eines gelernt hatte in meinem Leben, dann dass ich für mich selbst sorgen musste. Aber nun zerriss es mich fast, denn ich konnte nichts tun.
    Ich war komplett hilflos.

    Ich erinnere mich noch daran, wie ich dort lag und kurz ernsthaft darüber nachdachte, einfach aufzugeben. Nicht wegen Tommy. Nicht aus Angst.

    Sondern weil ich plötzlich so müde war. Ich wollte mich losreißen, erschießen lassen oder mir selbst das Leben nehmen.

    Ich war müde vom Kämpfen.
    Müde vom Hoffen.
    Müde davon, immer wieder Menschen zu vertrauen, die am Ende verschwinden wie Rauch.
    Müde davon, dass andere deine Gutmütigkeit und Prinzipien rigoros ausnutzten. Erst das Bambi mit der Granate, nun der Kirchentyp und dieser Tommy...

    Und ja… vielleicht war das unfair gegenüber E.C.H.O.
    Vielleicht konnte er gar nicht kommen.
    Vielleicht hörte er den Funk nicht.
    Vielleicht war alles ganz anders.

    Aber in diesem Moment fühlte es sich an, als hätte selbst der letzte Mensch, bei dem ich hoffte, er würde mich nicht fallen lassen, längst losgelassen.
    Und ich wollte diesem Irren mir gegenüber nicht die Kontrolle über die Situation lassen. Er hatte alles in der Hand. Konnte mich jederzeit erschießen, aber so nicht Freundchen. Nicht mit 371.
    Deshalb zog ich auch die Granate.

    Nicht heroisch.
    Nicht dramatisch.

    Einfach weil ich dachte:
    Dann endet es eben hier, aber dann nehme ich dich verdammt nochmal mit!

    "Schieß ruhig,m du verdammter Irrer!", brüllte ich. "Dann gehen wir beide hopps!"
    Er sagte, er wolle gar nicht schießen, aber wenn ich ihm keine Wahl ließ... aber ich hatte etwas zurückgewonnen mit dieser kleinen, unscheinbaren Aktion.

    Wie damals The_GraveDigger in Nizhnoye.
    Die Karma-Granate.
    Nur diesmal ohne Zuschauer.
    Ohne große Geschichte.

    Nur ich, Bruder_Tommy und diese verdammte Straße.

    Und vielleicht verstand mein Gegenüber genau das.

    Denn nachdem ich ihm klar machte, dass wir beide draufgehen würden, wenn er abdrückt, trat selbst er einen Schritt zurück.

    Vielleicht aus Angst.
    Vielleicht aus Respekt.
    Vielleicht weil selbst Wahnsinnige manchmal erkennen, wenn jemand wirklich nichts mehr zu verlieren hat.

    Aber verloren hatte ich da eigentlich schon längst etwas anderes.

    Den Glauben daran, dass rechtzeitig jemand kommt.
    Ich warf die Granate, aber er wich aus.
    Kam wieder auf mich zu, reichte mir Menschenfleisch. Ich schlug nach ihm, der Schmerz übermannte mich und ich fiel um.

    So ging es einige Zeit. Er spielte regelrecht mit mir, aber ich war nicht bereit mich einfach so überwältigen zu lassen. Auch jetzt nicht.

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    Er hockte sich irgendwann direkt vor mich, während ich halb bewusstlos auf der Straße lag, und sprach mit dieser fast schon ruhigen Stimme auf mich ein. Als wären wir zwei Leute bei einem Lagerfeuer und nicht ein Kannibale und sein halbtoter Gefangener.

    „Du kämpfst gegen etwas, das längst Teil von dir ist.“

    Ich hätte ihm am liebsten ins Gesicht gespuckt.

    Stattdessen schlug ich nach ihm.
    Immer wieder.
    So gut es eben ging mit einem kaputten Bein und einem Körper, der kurz davor war aufzugeben. Immer wieder verlor ich das Bewusstsein.

    Und trotzdem…
    dieser winzige Moment…

    Dieser Augenblick, in dem der Körper sich erinnert, noch bevor der Verstand es tut.

    Hunger.
    Angst.
    Schmerz.

    Der Mensch wird verdammt klein, wenn er lange genug leidet. Aber ich war nicht mehr dieselbe wie damals im Käfig. Ich schleuderte ihm das Fleisch entgegen und hätte ihm am liebsten die Zähne einzeln aus dem Schädel gezogen.

    Irgendwann sah ich dann meine Chance.

    Die R12 lag auf der Straße.
    Meine R12.

    Entladen natürlich.
    Weil der Typ ja nicht komplett dämlich war.

    Aber ich hatte noch Munition.

    Also hob ich langsam die Hände, redete mit ihm, spielte mit. Bewegte mich Stück für Stück um ihn herum, während mein Bein sich anfühlte, als würde jemand mit einem Hammer drauf einschlagen.

    Jeder Schritt war die Hölle.

    Aber ich kam näher.

    Noch ein Stück.
    Noch eins.

    Und dann hatte ich sie.

    Für einen winzigen Moment glaubte ich wirklich, ich hätte es geschafft.

    Dann schoss er mir in den Rücken.

    Ein trockener Knall.
    Ein Schlag.
    Und sofort wurde alles wieder schwarz.

    Als ich wieder zu mir kam, war ich gefesselt.

    Klebeband um die Hände.
    Wieder hilflos.
    Wieder am Boden.

    Das war der Punkt, an dem alles kippte.

    Ich lag da und wartete eigentlich nur noch darauf, dass es endet.

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    Aber stattdessen… band er mich los.

    Einfach so.

    Vielleicht glaubte er inzwischen wirklich, er könnte mich überzeugen.
    Vielleicht wollte er spielen.
    Vielleicht brauchte er jemanden, der ihm zuhörte.

    Bösewichte lieben das ja.
    Reden.
    Erklären.
    Sich selbst wichtig fühlen.

    Also redete ich mit ihm, ließ ihn aber gar nicht richtig ausreden. Denn wenn er fertig geredet hatte, war auch meine Zeit vorbei. Also legte ich alles in meine Worte und Abscheu, mit der ich sie aussprach. Ich hasste den Tag, an dem ich ihn hatte laufen lassen. Aus Prinzipien. Aber ich kaufte Zeit.

    Nicht weil ich wollte.
    Sondern weil Zeit plötzlich alles war, was ich noch hatte.

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    Ich lag da irgendwo zwischen Schmerz, Wut und beginnendem Nervenzusammenbruch auf dieser Straße bei Gorka, während Tommy weiter seine Wahrheits-Predigten hielt und ich innerlich nur noch überlegte, ob und wie ich ihn am effektivsten erschieße, mich selbst oder einfach die komplette Region irgendwie niederbrenne. Ehrlich... ich war so unenedlich wütend.

    Und plötzlich höre ich einen Motor.

    Ein roter Sarka.

    Natürlich.
    Wer auch sonst.

    Das Kirchenmobil.

    Ich schwöre, in dem Moment zog sich in mir alles zusammen. Mein erster Gedanke war nicht Hoffnung. Nicht Rettung.

    Panik.

    Weil ich ernsthaft glaubte, die kommen jetzt zurück, um Bruder_Tommy zu helfen.

    Nach allem, was vor dem Camp passiert war, nach janinesta (Selina), nach den Schüssen… warum sollte ich auch irgendetwas anderes erwarten?

    Der Sarka fuhr vorbei.
    Ganz langsam.

    Und ich stand da halb auf einem Bein, verdreckt, verletzt und vollkommen am Ende, während Bruder_Tommy offenbar im Gegenzug dachte, das seien meine Leute.

    Für ein paar Sekunden sagte niemand etwas.

    Dann fuhr dieses verdammte Auto einfach weiter.

    Einfach vorbei.

    Ich glaube, noch nie in meinem Leben war ich gleichzeitig so erleichtert und so unfassbar beleidigt.

    Da liegt man fast sterbend auf einer Straße mit einem Kannibalen und selbst die Kirche denkt sich offenbar:
    „Nö. Nicht unser Problem. YOLO! ROFL Tschüssi!“

    Ich brüllte ihnen noch irgendetwas hinterher.
    Irgendwas mit Schwachpfeifen.
    Sehr diplomatisch jedenfalls.

    Doch dann kam der Sarka plötzlich nochmal zurück.

    Und aus dem Fenster ruft dieser Kirchenheini Nickel völlig selbstverständlich:
    „Wir treffen uns in Prigo!“

    Ich stand da mit gebrochenem Bein, Blutverlust, einem Kannibalen neben mir und wahrscheinlich schon halbem Hirnschaden und dieser Mann redet mit mir, als hätten wir gerade zufällig dieselbe Wanderroute gebucht.

    Ich glaube, in dem Moment ist irgendetwas in meinem Kopf endgültig kaputt gegangen.

    „SCHNAUZE!“ brüllte ich zurück.

    Nicht besonders würdevoll.
    Aber ehrlich.

    Und das Verrückteste?
    Sie fuhren einfach weiter.

    Keine Hilfe.
    Keine Fragen.
    Keine Rettung.
    Nichts.

    Nur ein kurzer Zwischenstopp in meiner persönlichen Hölle, als wäre das hier irgendein verdammter Sonntagsausflug gewesen.

    Selbst Bruder_Tommy wirkte kurz irritiert.

    Und ganz ehrlich?
    Ich auch.

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    Dann machte er Feuer.
    Legte Blutbeutel hin.
    Redete weiter von Wahrheit und Frieden, während ich innerlich nur noch darüber nachdachte, wie ich ihn am effektivsten erschießen könnte.

    Und dann kam dieser Moment.

    Er hatte die R12 zwar entladen…
    Aber ich hatte sie noch auf dem Rücken.

    Ich griff sie mir erneut. Und diesmal drückte ich wirklich ab.

    Er sackte zusammen.

    Nicht tot.
    Aber plötzlich war er derjenige am Boden.

    Und das Blatt hatte sich gewendet.

    Zum ersten Mal seit Stunden hatte ich wieder Kontrolle.

    Oder zumindest etwas, das sich so anfühlte.

    Ich nahm meine DMR wieder an mich.
    Meine geliebte DMR.

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    Und dann wurde es noch schlimmer.

    Denn nachdem ich wieder halbwegs klar denken konnte, fing dieser Irre plötzlich an, mit mir zu diskutieren. Ganz ruhig. Ganz sachlich. Als würden wir zwei Philosophen sein und nicht zwei vollkommen kaputte Menschen mitten auf einer Straße voller Zombies. Und ich? Ich brachte es nicht fertig ihn zu erschießen. Prinzipien... Statuten... Regeln.

    Er behauptete allen Ernstes, wir seien gar nicht so verschieden.

    Und das Schlimme?
    Für einen winzigen Augenblick traf mich das härter als jede Kugel.

    Weil ich wusste, dass irgendwo ein Körnchen Wahrheit darin steckte.

    Nicht in seinem Kannibalen-Geschwurbel.
    Aber darin, was diese Welt aus uns macht und dass er und ich beide noch Prinzipien haben.

    Vielleicht machte mir genau das am meisten Angst.

    Dass ich verstand, warum Leute wie Bruder_Tommy entstehen.

    Nicht weil sie Monster geboren werden.

    Sondern weil Chernarus Menschen langsam auffrisst.
    Stück für Stück.

    Und dann passierte es.

    Dieser eine verdammte Moment der Unachtsamkeit.

    Ein Gespräch.
    Ein Gedanke zu viel.
    Ein Wimpernschlag.

    Er zog plötzlich wieder Menschenfleisch hervor und ehe ich reagieren konnte, stopfte er es mir in den Mund.

    Und plötzlich war alles wieder da.

    Der Käfig.
    Die Stimmen.
    Das Lachen.
    Die Panik.

    Ich spürte sofort diese nackte, kalte Angst.

    Nicht vor Bruder_Tommy.

    Vor mir selbst.

    Denn ich wusste genau, was jetzt kommen würde.

    Kuru.

    Dieses verdammte Gelächter.

    Dieses langsame Zerbrechen des eigenen Verstandes, während man trotzdem alles mitbekommt. Als würde jemand von innen an deinem Gehirn kratzen und dabei hysterisch lachen.

    Ich schoss ihn nieder.
    Einmal.
    Dann nochmal.

    Diesmal nicht aus Prinzip.
    Nicht aus Selbstverteidigung.

    Sondern weil ich ihn in diesem Moment wirklich hasste.

    Vielleicht auch mich selbst.

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    Rio fand mich später irgendwo zwischen Wahnsinn und Zusammenbruch. Er schiente mein Bein und half mir zurück zum Auto. Und ich warnte ihn noch.

    Wenn ich gleich anfange zu lachen… erschieß mich bitte nicht.

    Er versprach es nicht. Konnte er auch nicht.

    Denn wir beide wussten, dass das hier kein Fieber war.
    Keine normale Krankheit.
    Keine Erkältung.

    Das hier war die Sorte Dunkelheit, die sich im Kopf einnistet und dort bleibt.

    Und dann kam es, als mir mit dem Auto Solnichniy passierten.

    Dieses erste Lachen.

    Leise zuerst.

    Dann lauter.

    Unkontrollierbar.

    Ich saß im Auto und lachte wie eine verdammte Irre, während innerlich alles in mir schrie und meine Hände zitterten.
    Es war wieder da. Alles, wogegen ich gekämpft hatte, war wieder zurück.

    Irgendwie schaffte ich es noch, Rio am Camp abzuliefern und das Auto in der BBA zu parken. Dann bahnte sich dieses grausame Lachen wieder Bahn und nach dem Lachen kam das Weinen. Ich wusste gar nicht mehr, dass ich dazu noch in der Lage war. Aber hier lag ich auf dem Boden der Lagerhalle.
    Hysterisch lachend und weinend. EIn Häufchen Elend...

    Willkommen zurück in der Hölle, Nr. 371.

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    OOC noch ein paar Worte zum Abschluss:

    In diesen Szenen ist stellenweise wirklich einiges eskaliert. Manche Situationen wurden emotionaler als geplant, manches lief versehentlich schief oder entwickelte sich ganz anders als ursprünglich gedacht. Gerade durch die vielen Beteiligten, Missverständnisse und die Intensität der Szenen war das zeitweise für alle Seiten ziemlich schwierig.

    Aber genau deshalb möchte ich mich ausdrücklich bedanken.

    Denn trotz aller Spannungen gab es danach einen ruhigen und fairen Austausch auf Augenhöhe OOC im Anschluss.
    Ohne Gewinner oder Verlierer, sondern mit dem ehrlichen Versuch zuzuhören, Dinge einzuordnen und gegenseitig Verständnis für Perspektiven und Grenzen zu entwickeln.

    Und das ist absolut nicht selbstverständlich.

    Deshalb einfach ehrlich:
    Danke an alle Beteiligten dafür. 💛

    Kein Held. Entbehrlich. Aber verdammt nützlich.

    2 Mal editiert, zuletzt von Ersetzbares Crewmitglied (8. Mai 2026 um 10:53) aus folgendem Grund: Edit: Szene ergänzt.