Teil VII – Der Freund
Ein Feuer.
Nicht groß, nicht hell, nur ein kümmerlicher Kreis aus Glut inmitten von Wind und Regen.
Doch in der Dunkelheit wirkt es wie eine Sonne.
Zwei Männer sitzen davor.
Müde Gesichter, Ränder von Dreck, Hände, die mehr Narben als Haut tragen.
Aber sie lachen. Kein lautes Lachen – eher ein Aufbrechen, ein kurzes Aufatmen,
als hätte das Elend für einen Moment keine Macht.
Der eine von ihnen: ein Mann mit einem Lächeln, das trotz allem noch warm wirkt.
Nicht scharf, nicht kalt, sondern ehrlich.
Ein Lächeln, das der Kälte für einen Atemzug trotzt.
Neben ihnen liegt der Hund.
Ein Mischling, zottelig, dünn. Sein Atem dampft in der kalten Luft.
Er rückt näher, wenn der Wind zu stark wird. Drückt seinen Kopf gegen den Mann mit dem Lächeln,
so wie er es immer tat, wenn er spürte, dass Stille zu schwer wurde.
Das Fell riecht nach Erde und Rauch.
Das beruhigt.
Der Freund bricht ein Stück Brot in zwei Teile.
„Hier. Nimm.“
Die Kruste ist hart, fast steinig, aber es ist Brot. Ein Luxus.
Wasser folgt – abgestanden, metallisch – aber geteilt wie Wein unter Brüdern.
„Wir schaffen das. Zusammen.“
Die Stimme des Freundes trägt Gewicht.
Nicht das eines Befehls, sondern das einer Wahrheit.
Und der Mann mit dem Lächeln glaubt ihm.
Wie könnte er nicht?
Er sieht das Feuer, den Hund, das Brot.
Sie sind noch am Leben – und das reicht.
Später, im Traum, wiederholt sich diese Szene.
Immer wenn die Kälte der Zelle ihn verschlingen will, kommt sie zurück.
Das Feuer.
Der Hund, warm und atmend an seiner Seite.
Und die Hand des Freundes auf seiner Schulter.
„Wir schaffen das.“
Noch ohne Bitterkeit.
Noch voller Hoffnung.