Teil II – Die Stimmen
Die Dunkelheit des Raumes ist schwer.
Die Neonröhre hat aufgehört zu flackern, nun summt nur noch das Funkgerät.
Ein gleichmäßiges, kaltes Rauschen.
Dazwischen: Bruchstücke. Zahlen, Befehle, Fragmente.
Der Mann schreibt.
Die Tinte drückt tiefer, als das Papier tragen kann.
Die Linien reißen.
Schwarze Flecken breiten sich aus wie Risse in Glas.
Manchmal wiederholt er die Sequenzen lautlos mit den Lippen.
Manchmal drückt er die Zähne so fest aufeinander, dass die Muskeln an seinem Hals zittern.
Die Stimmen im Funkgerät sind nicht mehr bloß Signale. Sie werden Gestalten, Gesichter, Schatten.
Vor seinem Gesicht formen sie sich - Sie bellen ihn an.
Er hebt den Kopf.
Es durchbricht das Rauschen.
Bellen?
Klar, hell, lebendig.
Seine Hand hält inne, der Stift fällt zu Boden.
Die Erinnerung hält ihn.
Ein Hund, der an seiner Seite lief, dessen Atem in der kalten Morgenluft sichtbar war.
Ein Wesen ohne Lügen, ohne Urteil, ohne Schuld.
Für einen Augenblick kehrt Ruhe zurück.
Die Stimmen verstummen, als hätten sie Angst vor dem Echo dieser Erinnerung.
Doch es hält nicht lange.
Das Funkgerät knackt, neue Sequenzen schneiden in die Luft.
Lauter, dringlicher, wie Befehle, die keine Widersprüche dulden.
Der Mann greift den Stift, krallt ihn so fest, dass seine Knöchel weiß werden.
Er schreibt, schreibt, schreibt.
Das Bellen wird leiser.
Die Stimmen bleiben.
Und er – er schreibt.