Stay alive and listen...
...der Samariter Wochenbericht vom 02.09.2024 bis 08.09.2024 (36/2024)
03.09.2024 – Fahnenklau und "halbe" Straßensperren
In Prigorodki ereignete sich ein dreister Diebstahl unserer Fahne.
Unser offenes Lagerkonzept birgt sowohl Risiken als auch Chancen, das ist uns bewusst. Wir halten unsere Auffanglager bewusst für alle zugänglich, was die Fahne miteinschließt. Obwohl es schwierig ist, die Motivation hinter dem Diebstahl zu verstehen—ob es sich um einen Gelegenheitstäter handelt oder jemand gezielt unser Lager im Visier hat—ändert es nichts an unserem Engagement und der offenen Art, mit der wir andere Überlebenden begegnen möchten.
Dies zeigte sich dann auch noch am selben Tag. Bisher noch unbekannte Überlebende hatten in einem grünen Ada beim Rohbau gegenüber von Prigorodki eine Panne. Unser Doc Blue_Master half den Gestrandeten, ihr Fahrzeug wieder fahrtüchtig zu machen. Ich war zu dieser Zeit in Kamyshovo unterwegs, um die Versorgungslage in unserem Bambi-Zelt zu überprüfen, die sich als exzellent herausstelle, daher gibt es leider keine Aufnahmen der beiden. Unser Doc weigert sich beharrlich eine Bodycam zu tragen... Was will man machen?
Später stieß DocBlue in Prigorodki auf einen hustenden Überlebenden. Trotz seiner offensichtlichen Krankheitssymptome war der Mann wenig gesprächig und zog sofort wieder seiner Wege. Es ist bedauerlich, dass DocBlue keine Gelegenheit hatte, ihn zu behandeln, denn seine Fähigkeiten hätten ihn gewiss überaus rasch genesen lassen.
Darüber hinaus hat jemand - scheinbar wahllos - gefährliche Hindernisse in Form von aufgerichteten Baumstämmen entlang der Küstenstraße platziert. Acki hat eine Warnung davor ausgesprochen.
Ich habe mich der Aufgabe angenommen, diese Sperren zumindest in der Nähe unseres Auffanglagers in Prigorodki zu entfernen und somit die Sicherheit für alle reisenden Überlebenden zu erhöhen – beginnend beim namenlosen Dorf bis hin zur Elektro-Brücke.
Freie Fahrt auf Vanilla!
05.09.2024 – Noch eine Spur
Die Fahne in Prigorodki wurde erneut gestohlen. Gerüchte, wir würden nun in einen "Rachemodus" geraten oder einen "Rachemodus" starten, weisen wir entschieden zurück. Pinky berichtet auch, dass neben Prigorodki die Fahne in Elektrozavodsk ebenfalls entwendet wurde. Ein Muster zeichnet sich ab, das an alte Ereignisse anküpft, sich aber doch in vielen Punkten von diesen unterscheidet. Somit haben wir es vermutlich mit einem anderen Urheber zu tun und nicht mit den "Nackt-Assi-Bambis". Auch die Balzbubis scheiden kategorisch aus. In Ermangelung einer höheren Authorität müssen wir nun selbst sehen, was wir aus den Vorfällen machen. Eine Inspektion des Camps zeigte jedenfalls, dass es trotz der fehlenden Fahne in gutem Zustand war. Ich habe das Gefühl, dass jemand gerade im Camp verschwunden ist, als ich ankam, kann aber nichts Genaues ausmachen.
Allerdings wurde erneut eine Spur aus Kleidern gelegt und dieses Mal in Form eines Bilds festgehalten.
Kleiderpfeil in Prigorodki
Ein deutlicher Pfeil, eine Schaufe oder gar ein Kaktuseis sind zu erkennen. Da hat sich jemand wirklich Mühe gegeben!
Der Sumpf und das Camp wurden inspiziert, allerdings keine weiteren Hinweise gefunden. Eventuell war ein Besucher bereits vorher da und hat den Hinweis entfernt oder es handelt sich gar nicht um ein Suchspiel. Kurios ist die Sache allerdings schon und lässt uns staunend zurück. Hat der Fahnendieb mit den Spuren zu tun?
Weiter ist zu erwähnen, dass
@Stimmuuung sich im Campo eine LKW-Batterie abgeholt hat und Pinky ihm noch ein paar Nägel für sein Bauprojekt hat zukommen lassen. Dieses wächst und gedeiht prächtig.
Darüber hinaus füllten wir das Lager wieder mit Bandagen aus Chernogorsk auf.
Batteriespende
06.09.2024 - Wohlstandsdepressionen der 1.25
Das Mysterium um die wiederholt gestohlene Fahne in Prigorodki verdichtete sich, aber es kristallisiert sich ein Urheber heraus:
Jemand auf dem Server muss an der Wohlstandsdepression erkrankt sein.
Wohlstandsdepression
Diese Krankheit habe ich schon oft beobachtet uns sie tritt immer wieder im Verlauf einer - wir nennen es - "Season" auf und kann jeden betreffen. Die Symptome sind individuell verschieden. Prinzipiell geht es aber darum, dass der oder die Betroffene alle gesetzten Ziele erreicht hat. Trotz angehäufter Güter und Befriedigung der Grundbedürfnisse schafft es die Psyche jedoch nicht, sich am Geleisteten zu erfreuen. Die Dichte an Konflikten und Bedrohungen, die sie aushalten musste, lässt mit einem Schlag nach und gibt ihr wieder Zeit, über Dinge nachzudenken. Aber das ist das Problem: Sie hat so vieles geballt erlebt und manchmal möchte man sich einfach mit gewissen Dingen beschäftigen. Statt also diese mentale Atempause zu nutzen und die vergangenen Erfahrungen zu reflektieren, fällt die Psyche in ein trostloses Loch aus Langeweile. Um nun diesem Trott zu entkommen, wird Ablenkungen in verrückten Aktionen, verdeckten Neckereien oder auch gezielten Provokationen gesucht, um eine neue Herausforderung zu haben. Typisch ist hier, dass die Person im Verborgenen agiert und ihr Verhalten selbst als "nicht schlimm" und "ich hab ja nur" einstuft. Vielleicht spielt auch eine Form von Voyeurismus mit rein, wenn man sich aus sicherer ansieht, wie die vermeindlichen Opfer mit den neuen Herausforderungen klarkommen.
Früher gab es für diese Zwecke Zerstreuung in Form von Medien. Aber wenn der Kampf ums Überleben keine Herausforderung mehr darstellt und jeder Tag gefühlt gleich verläuft, sucht man sich eine neue Beschäftigung. Das Perfide dabei: Auch der Zusammenhalt in einer Gruppe schützt per se nicht vor dieser Erkrankung, wie ich am eigenen Leib erfahren musste. Zum Glück konnten meine Team-Kollegen mich letzten Endes wieder "Einnorden" ehe dieses psychische Leiden zum Ausbruch kam und negative Gedanken überhand nehmen konnten.
Pinky, Jammet , Black Lion und ich diskutierten verschiedene Strategien, um unsere Fahne besser zu schützen. Ideen gibt es viele, doch wir möchten am Konzept des offenen Lagers weiter festhalten und hissten eine neue, weiße Fahne.
Außerdem wurde eine weiße Olga, ein grüner Sarka mit farbiger Heckklappe sowie vier Fässer und eine Schatztruhe aus einem unserer versteckten Zwischenlager entwendet, was aber nicht zwangläufig etwas damit zu tun haben muss. Solche Dinge passieren leider in diesen unwirtlichen Zeiten, wo jeder halbwegs normal veranlagte Mensch die Gelegenheit ergreifen und sich diese Dinge aneignen würde.
Das Schicksal ist uns aber gewogen, denn in einer Hochhaussiedlich kann ein frisch-gespawnter roter Gunter wieder flott gemacht werden. Falls Interesse an Fahrstunden besteht, kann die Fahrschule Bambini so wenigstens wieder ihren Betrieb aufnehmen.
Autofahrt bei Nacht
07.09.2024 – Vorräte auffüllen
Die weiße Fahne wehte noch immer in Prigorodki, als eine verdächtige weiße Olga die Küstenstraße entlangfuhr. Da es sonst zu keinen weiteren Beobachtungen kam, machte ich mich mit Pinky auf den Weg nach Berezino, wo ich den Tag damit verbrachte, einen weiteren roten Gunter wieder fahrtauglich zu machen und unser Lager aufzustocken. Mit nun zwei roten Gunter-Fahrschulwagen ist unsere Fahrschule Bambini bestens ausgestattet.
Gunterwrack in Berezino
Auf dem Heimweg treffen wir auf Jammet und Black Lion bei Nizhnoye und verbringen dort die Nacht. Natürlich füllen wir das Lager dort ebenfalls ordentlich auf. Allerdings müssen wir feststellen, dass auch hier die Fahne gestohlen wurde.
Am Lager in Nizhnoye
Kurz vor Elektrozavodsk füllen wir noch eines unserer Bambi-Zelte auf und werden dabei von einigen Zombies belagert. Ein Unbekannter hat dem Zelt einen Tarnüberzug spendiert. Wozu ist mir nicht ganz klar, aber es sieht schick aus.
Kampf mit Zombies
In Elektrozavodsk wurde leider ein Unterstand mit Essen komplett abgebaut, aber ganz im Sinne von Sgt Pepper, einer Ikone unter den alten CRK-lern, wende ich das Pepper-Prinzip an und stelle ein Zelt auf.
Der Tag endete mit einer erfolgreichen Jagd auf Schafe bei Elektro, die uns half, die dringend benötigten Vorräte für unser ausgezehrtes Lager aufzustocken.
Am Camp in Elektrozavodsk
Der Tag endete mit einer erfolgreichen Jagd auf Schafe bei Elektro, die uns half, die dringend benötigten Vorräte für unser ausgezehrtes Lager aufzustocken.
Jagdglück
Aber alles hat auch sein Gutes. Wir haben erfahren, dass es sich bei den Personen, die wir neulich im Vorbeifahren getroffen haben, um Drock und seinen Freund handelten. Es tut gut zu wissen, dass trotz der Strategie der Nadelstiche nicht jeder Überlebende ein potenzieller Feind ist und man auch mehr oder wenig friedlich koexistieren kann.
So schließt sich der Vorhang einer weiteren ereignisreichen Woche in Chernarus. Bleibt wachsam, helft einander und denkt daran: In den dunkelsten Zeiten leuchtet die Flamme der Hoffnung am hellsten.
Bis zum nächsten Bericht, bleibt am Leben und lasst die Fahnen der Menschlichkeit weiter wehen!
In diesem Sinne: Stay alive and keep listening...
gez.
~Herz-Aus-Gold