Herzensgrüße vom 01.08.2025 - Neuausrichtung
Hallo ihr Lieben,
So viel hat sich verändert in so kurzer Zeit.
Und doch fühle ich mich, als würde die Zeit stillstehen – hier, an diesem Ort, wo Stein auf Stein gebaut ist, wo Mauern den Wind bremsen, aber nicht meine Gedanken.
In allem, was ich gerade durchlebe, erkenne ich den Beginn eines neuen Abschnitts.
Und jeder Anfang eines neuen Abschnitts birgt einen Teil der Lösung in sich – ich muss meinen Blick nur schärfen und sie erkennen.
Ich habe mich in die Stille der Wildnis in den Schatten der Burg zurückgezogen, um eben diese Ruhe wirken zu lassen.
Ich blieb länger, als eigentlich erwartet. Aber die Zeit hier tut mir gut, auch wenn sie teilweise mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt.
Ich befinde mich gegenwärtig in einem Zustand kontrollierter Ruhe.
Meine Rückkehr zur Stille ist eine bewusste Entscheidung, die der inneren Klärung nach einer Zeit intensiver sozialer, körperlicher und seelischer Belastung dient.
Ihr kennt meine Herzgrüße und ich hoffe auch Einsatzberichte von Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 haben euch erreicht und ihr wisst, wovon ich schreibe.
Es freut mich aber euch mitzuteilen: Eine Veränderung in meiner Wahrnehmung hat stattgefunden.
Sie betrifft weder meine Loyalität noch meine Grundhaltung – aber sie zwingt mich zur Umkehr nach innen.
Letzten Endes befinde ich mich aktuell in einer Phase tiefgreifender Reflexion, die außerhalb meines üblichen Rahmens stattfindet.
Die konsequente Begleitung durch vertraute Personen gibt mir dabei Stabilität und ich habe keinen Grund an ihrer Aufrichtigkeit zu zweifeln.
Das ist in der momentanen Lage viel wert.
⛪Der Vorfall am Lagerfeuer – Ein Gespräch mit dem Erzbischof
Erzbischof Nickelus ( Nickel) habe ich inzwischen mit dem Vorfall am Lagerfeuer konfrontiert.
Ich weiß, vielleicht ist „konfrontieren“ nicht das richtige Wort für das, was mich wirklich bewegte.
Wobei – ihr kennt mich. Vielleicht doch.
So sehr wollte verstehen. Nicht aus Zorn oder als Anklage, sondern weil ich Klarheit brauchte.
Für mich. Für NiggoB und janinesta (Selina).
Für das, was gewesen war.
Erzbischof Nickelus empfing mich offen, doch zunächst schien er nicht zu begreifen, worauf ich hinauswollte.
Er sprach eine Entschuldigung aus – für seine Worte über Silas‘ „Überreste“.
Worte, die mich offenbar tiefer getroffen hatten, als ich mir selbst eingestehen wollte.
Ich nickte. Annahme ist nicht Zustimmung, aber manchmal ein Schritt zur Heilung.
Natürlich war das nicht mein Anliegen.
Also stellte ich meine Frage erneut.
Warum war es zu jenem Angriff am Lagerfeuer gekommen – vor knapp einer Woche, als der König und ich aus dem Nichts heraus beschossen wurden?
Man muss sagen: Er wirkte betroffen, aber auch ehrlich überfordert.
Soweit er wusste, seien es keine tödlichen Schüsse gewesen, eher... eine Art Spielerei.
Zumindest sei das die Information gewesen, die ihn erreicht hatte.
Ich warnte ihn aus Erfahrung: Ich erinnerte ihn an das, was mir selbst geschehen war.
Daran, wie ein einziger, vermeintlich harmloser Schuss mit einem Gummigeschoss einst mehr zerstörte als beabsichtigt.
Damals, als ich – aus Versehen – einem Freund das Leben nahm. Das war keine Spielerei.
Nie gewesen. (Tagebuch eines Samariters Band 1).
Also sagte ich ihm deutlich: Was da passiert war, war kein harmloser Scherz.
Es war ein Angriff.
Heimtückisch. Zielgerichtet.
Und er traf nicht nur Kleidung– sondern Vertrauen.
Tatsächlich seufzte der Erzbischof hörbar auf.
Er habe die Leiche des Angreifers nie gesehen, sagte er, aber allem Anschein nach sei es jemand aus seinen Reihen gewesen. Wer genau, das wisse man nicht. Zu viel sei geschehen in den letzten Tagen. Die Kirche sortiere noch.
Momentan war ich nicht gekommen, um Schuldige zu suchen und nickte erneut, schweigend.
Ich war gekommen, um die Dinge anzusprechen und das hatte ich getan. Und um zu fragen.
Eigentlich auch weil ich glaubte – nein, weil ich hoffte –, dass es noch Menschen gab, die sich der Antwort nicht entziehen würden.
Gespräch mit dem Erzbischof
🍅Ein Gespräch über Morthana – Zerbrechliche Seelen im Kreislauf des Lebens
Irgendwann kam dann im Gespräch der Punkt, da war selbst der Erzbischof sprachlos.
Als ich ihn bat, mir von Morthana zu erzählen stockte er kurz. „IHR wollt mit mir über Morthana reden?“
Es schien ihn zu freuen und er fing mir von seinem Glauben zu erzählen.
Noch kann ich nicht alles im Detail wiedergeben.
Manches davon überstieg momentan noch mein Verständnis, anderes muss erst in mir wirken, bevor ich es wirklich begreifen kann.
Doch was wir besprachen, hallt nach – tief und lange.
Energie. Wir redeten viel über Energie.
Darüber, dass sie nicht einfach vergeht, sondern sich wandelt. Dass aus dem, was stirbt, Neues entstehen kann.
Über den ewigen Kreislauf des Lebens – und des Wiederkommens.
Wie der Erzbischof mir erzählte, sei Morthana einst die Göttin des Lebens nach dem Tod gewesen.
Ihre Aufgabe war es, die Seelen der Verstorbenen sanft ins nächste Leben zu geleiten.
Doch irgendetwas, so sagte er, sei in dieser Welt aus dem Gleichgewicht geraten.
Die Energien hätten sich verändert – und mit ihnen auch das Gesetz des Übergangs.
Offen gesagt: Seitdem sei niemand mehr wirklich frei.
Statt Frieden hinter dem Tod zu finden, müssten alle immer wieder zurückkehren.
In neue Körper, ja – aber mit derselben, alten Seele. Und genau da liege das Problem.
Risse. Denn, so erklärte er, eine Seele sei nicht unendlich belastbar.
Jeder Tod hinterlasse eine Wunde. Einen Riss.
Er sprach von einem Pfeil, der bei jedem Ableben auf die Seele abgeschossen werde.
Zwar trage die Seele eine Art Plattenweste – eine schützende Kraft – doch auch die gerate irgendwann an ihre Grenzen.
Jeder Einschlag, so sagte er, hinterlasse Spuren.
Tja, das klang sehr vertraut oder nicht?
Es kommt dann der Zeitpunkt, da kann das eine Seele nicht mehr tragen.
Dann zerbricht sie. Nicht der Körper. Die Seele und mit ihr der Verstand.
Weiter sagte er: Die Kinder Morthanas würden in diesem Moment von ihr beschützt.
Denn Morthana selbst stelle sich in den Schuss – wie eine Mutter, die ihr Kind mit dem eigenen Leib schützt.
Auf diese Weise könnten ihre Getreuen dem Kreislauf standhalten.
Wie genau dieser Schutz funktioniere, sei jedoch ein Geheimnis der Göttin.
Aufmerksam hörte ich zu. Und ich dachte nach.
Natürlich glaube ich nicht blind an alles, was ich da hörte.
Aber ich spürte, dass darin etwas lag, das uns alle betraf:
Wie viele Risse tragen wir schon in uns?
Mir war klar, es benötigte keinen Tod, um der Seele Schaden zuzufügen.
Danach meinte er auch, dass Silas nirgends an der Küste aufgetaucht und daher habe Morthana ihn, beziehungsweise seine Seele vermutlich friedlich in das Land nach dem Tode überführt.
Die Gründe dahinter seien für uns jedoch noch unerschlossen.
Nur Morthana und Silas wissen, warum.
Eine Frage traf mich dann noch ins Mark: Was ist mit den ganzen Untoten?
Ich hatte bisher nie darüber nachgedacht, aber hatten sie noch eine Seele?
Tatsächlich habe ich darüber nie so richtig nachgedacht.
Dass sie einmal Menschen gewesen waren, mit Hoffnung und Träumen. Ja.
Aber eine Seele auch jetzt noch?
Raten konnte mir der Erzbischof nur eines: Geht in euch. Geht Tiefer.
Nicht in die Wälder oder auf Wanderschaft.
Sondern in meine Gedanken. In das, was darunter liegt – unter all dem Lärm der letzten Tage.
Er schlug mir vor, seine dedizierte Glaubenskammer, zu nutzen, den „Raum der Einkehr“ wie ich ihn nenne – eine Glaubenskammer, abgeschieden, still, eigens dafür geschaffen, zur Ruhe zu kommen.
Dort würde er sich selbst auch manchmal tagelang zurückziehen.
Um zu ruhen, zu beten. Oder einfach nur, um mit Morthana zu sprechen.
Vielleicht würde ich dort finden, was ich suchte.
Um es gleich zu sagen: Ich zögerte zunächst. Aus Vorsicht.
Die Vorstellung von Stille klang verlockend – fast wie eine zarte Decke über all dem Aufgewühlten.
Und doch … es roch nach einer Falle.
Mein Misstrauen keimte auf.
Ich war nicht blind.
Ich hätte lügen müssen, hätte ich behauptet, die Vorstellung, dort eingeschlossen zu sein, bereite mir keine Angst.
Trotzdem ließ ich mir die Kammer zeigen. Aus Respekt und vielleicht auch, weil ich so sehr auf Klarheit hoffte.
Ruhig war es dort auf alle Fälle.
Wirklich still. Und die Tür – eine einfache Holztür, aber sie wirkte in diesem Moment wie ein Bollwerk.
Charmant und beinahe väterlich lauschte der Erzbischof meinen Bedenken und meiner Frage, ob die Kirche ein Mittel habe, um gebrochene Herzen zu heilen.
Doch er blieb aufrichtig und ehrlich.
Sagte er könne es nicht versprechen und er fühle sich der Wahrheit verpflichtet.
Aber vielleicht könnte ich eine Möglichkeit finden, mich selbst zu heilen.
In der Stille.
Hat mich seine Offenheit überzeugt? Ich weiß es nicht.
Aber nach nach all den Wirrungen der letzten Tage nahm ich das Angebot schließlich nach einigem Zögern an.
Ich war so müde. Die Ruhe klang verlockend.
Es war kein Zwang. Nicht im äußeren Sinn.
Eher schien ich mich selbst zur Ruhe zwingen zu wollen.
Zur Einkehr.
Ich wurde vom Erzbischof gefragt, ob er die Türe verschließen oder offenlassen solle.
Ich glaube ihr versteht alle, dass ich aufgrund der Ereignisse der letzten Zeit vorsichtig geworden war.
Und auch, wenn der Erzbischof betonte, er habe mein Vertrauen noch nie missbraucht, blieb ich skeptisch und bat darum, die Türe nicht zu verriegeln.
Ich sagte es ihm deutlich.
Er nickte, akzeptierte und ging.
Hatte ich insgeheim mit einer Falle gerechnet, die seine wahren Absichten offenbaren würden, wurde ich enttäuscht.
Er respektierte in der Tat meine Entscheidung, brachte mir noch etwas zu Essen und ging dann wieder seiner Arbeit nach.
Meine Armbrust und die Blaze sowie meine ganze Ausrüstung durfte ich ohne Bedenken mit in die Kammer nehmen.
Das hatte ich nicht erwartet. Überhaupt folgte kein Druck, kein drohender Blick.
Lediglich der Hinweis, dass der Turm nachts verschlossen sei, aus Sicherheitsgründen.
Ich verstand das. Ich kannte die Gefahr draußen und der Erzbischof erwähnte auch in einem Nebensatz, dass erst kürzlich eine Ziege bei einem der kleinen Ortschaften über eine Mine gelaufen war. Aber hier sei ich sicher und könne mich ganz auf meine Einkehr konzentrieren. Aber ich fragte mich dennoch, ob das Draußen irgendwann hier zu Drinnen werden würde und ob ich nun vollends den Verstand verloren hatte, mich auf so etwas einzulassen. Später brachte er mir noch einen Stift und Papier. Er habe davon gehört, dass ich Berichte schrieb und wenn es mir half, so solle ich schreiben.
Ruhe umgab mich, als er die Türe wieder sanft schloss. Seine Güte war kein Mantel. Kein Schleier. Sie war da. Und das machte es schwerer. Denn sie war weder falsch noch gespielt. Und genau das verwirrte mich. Auch in der Nacht kam niemand und legte das Zahlenschloss heimtückisch vor. Die Kirche schien in der Tat aufrichtig zu sein und es gut zu meinen, auch wenn mir ihre Wege teilweise unbegreiflich waren.
Eindrücke aus der Stille
🌅Zum Schluss...
Eingekehrt in die Ruhe dieser Kammer wird mir langsam klar: Die Stille heilt nicht immer. Manchmal verstärkt sie nur das Echo dessen, was man nicht verarbeiten konnte. Leider kehren die Bilder zurück, jetzt wo die Welt um mich still ist. Der Angriff auf Prigorodki; der Letzte Tag an dem ich Silas sah. All die Worte, die ich ihm nicht mehr sagen konnte. Ich hatte mich geopfert, weil ich geglaubte hatte, er könne heilen. Ich konnte ihn vor menschlichen Monstern schützen, nicht aber vor den tierischen. Das alles zu begreifen, braucht seine Zeit.
Heute ist ein Tag, an dem ich mich langsam wieder sicher fühle.
Fast geborgen im Angesicht der Bilder, die vor meinem inneren Auge auftauchen.
Dennoch ist diese Sicherheit fragil. Ich weiß nicht, ob man das nachempfinden kann, wenn man nicht hier ist.
Änderung braucht Zeit und Gelegenheit. So sitze ich hier im Wechselspiel zwischen innerer Klarheit und leiser Unruhe.
Und frage mich: Was wird sein, wenn ich wieder aufbreche? Still ist der Stein. Still sind die Gänge. Still bin ich.
Aber unter der Oberfläche rauscht es weiter. Und ich schreibe, damit ich mich nicht verliere.
Nun bitte ich darum, derzeit von direkten Kontaktanfragen abzusehen, damit ich mich ganz auf mein Inneres konzentrieren kann.
Ja, innerlich bin ich ruhig. Vielleicht zu ruhig. Aber auch das ist ein Teil dieses Findungsprozesses. Ruhe bedeutet nicht immer Sicherheit. Viele Dinge, die ich bei Seite geschoben, ignoriert oder verleugnet habe steigen nun wieder an die Oberfläche – Das ist normal und eine Gelegenheit zur Erkenntnis. Auf neue Begegnungen werde ich mich erst vorbereiten, wenn ich sicher bin, dass ich wieder aus vollem Herzen handeln und fühlen kann. Wenn ich wieder ganz „bei mir“ bin.
Doch für euch besteht jedoch kein Grund zur Sorge. Ich werde gut versorgt und habe alles, was ich brauche.
Ich arbeite an meinen Notizen, die ich zu gegebener Zeit wieder öffentlich zugänglich machen werde. Vielleicht übermittelt der Erzbischof ja meinen Bericht auch zeitnah., sodass ihr im Bilde seid wie es um mich steht.
Eines möchte ich euch noch abschließend auf den Weg mitgeben: Helft einander, solange ich fort bin – und kümmert euch gut um unsere Camps.
Versorgt weiterhin die, die Hilfe brauchen, und bleibt freundlich und wachsam.
In diesem Sinne: Bleibt aufmerksam – und bleibt am Leben.
gez.
HerzAusGold / Cor auri 💛
~~Freigegeben durch Erzbischof Nickolus ( Nickel), Archivleitung Enklave der Stille im Auftrag der Kirche von Morthana am 02.08.2025 um 14:21 Uhr.
Möge sie im Licht Morthanas Klarheit finden.~~