Der Patch 1.29 wurde von BI auf 2026 verschoben.
Die neue Season bei GDZ startet trotzdem am 01.12.. Alle unser Server werden gewiped! (Infos)
  • Der Weg zum Camp ist gesäumt von Papier.
    Kein Müll - Akten.

    Sie liegen dort, als hätte sie jemand im Gehen verloren,
    oder absichtlich fallengelassen.

    Einige Blätter sind sauber,
    andere zerknittert, mit feuchten Rändern,
    beschrieben in der Handschrift von Ärzten, Wärtern, Psychologen.
    Jede Seite trägt dasselbe Kürzel.
    Dasselbe Geburtsdatum.
    Denselben Namen.

    Ein Mann, über den zu viel geschrieben wurde.
    Und der irgendwann aufgehört hat zu sprechen.

    Die Akten erzählen von Tagen,
    an denen er keine Antworten mehr gab.
    Von Nächten, in denen er mit der Wand sprach.
    Von langen Minuten, in denen er nur gezählt hat.
    Wände. Schrauben. Atemzüge.
    Von Versuchen, ihn zu brechen.
    Und davon, dass es irgendwann gelang.

    Zwei Tage zuvor hatte man über Funk gesprochen.
    Von einem Schützen in Elektro.
    Von zwei Toten.
    Kein Streit, kein Raub.
    Nur zwei Schüsse, sauber gesetzt.
    Eine trug eine Kapuze –
    jene, die sonst ein anderer trägt.
    Ein Irrtum, den niemand zurücknehmen kann.

    Seitdem – kein Wort über Funk.
    Nur Stille.
    Und jetzt diese Blätter.

    Vielleicht hat er sie verloren.
    Vielleicht hat er sie geworfen.
    Vielleicht wollte er, dass sie jemand liest,
    weil sie das tragen, was er selbst nicht sagen kann.

    Am Schwarzen Brett, hängt das Deckblatt der Akten.
    „Patient 5-3-8-15 – Subjektbeobachtung / Verhalten im Langzeitisolat.“
    Daneben, halb im Dreck: ein Helm.
    Schweißerschutz, gesprungen.
    Außen Blut und Erde.

    Manchmal flattert durch den Wind eine der vielen Seiten auf,
    zeigt ein Stück Text,
    bevor sie sich wieder schließt:

    ----

    Tag 14:
    Subjekt reagiert nicht auf verbale Ansprache.
    Puls stabil, Blickrichtung konstant zur Wand.
    Testperson murmelt Zahlenreihen.

    Tag 39:
    Kognitive Tests abgebrochen.
    Subjekt verweigert zudem Nahrungsaufnahme.
    Reagiert mit nervösem Zucken in unregelmäßigen Abständen.

    Tag 112:
    Keine klare Emotionen.
    Lacht bei Schmerzreizen.

    Tag 178:
    Richtet Waffe auf Wärter hinter Sicherheitsglas.
    Erste Exekution folgt.
    Verweigert Nahrungsaufnahme.

    ----

    Darunter:
    eine Linie aus Blut,
    quer über die gesetzten Unterschriften gezogen.
    Noch feucht.

    Vielleicht hat er sie getragen,
    vielleicht geworfen.
    Vielleicht warf er damit auch ein Stück von sich selbst ab.

    Der Wind hebt die Ecken der Akten,
    zupft an den Nägeln.
    Und wer vorbeigeht,
    kann das Rascheln hören –
    wie eine Stimme,
    die nie wieder sprechen wollte.

  • Ein Mann mit Schweinemaske sitzt in der alten Badewanne.
    Das Metall ist kalt.
    Seine Knie bilden den Tisch,
    darauf: Papier, durchdrungen von Zeit.

    Er schreibt keine Geschichte.
    Er notiert eine Erinnerung.
    Die Tinte verläuft an einer Stelle,
    dort, wo er zu fest gedrückt hat.

    Die Tore sind zu.
    Die Hände, die sie geöffnet hatten,
    und die, die sie wieder schlossen,
    sind längst verschwunden.

    Er steht davor,
    lehnt an der Mauer,
    blickt in das dunkle Holz.
    Keine Bewegung.
    Kein Licht dahinter.
    Das Meer rausch hinter ihm unruhig.
    Als wäre es ein Vorbote für großes Übel.


    Er wollte sich vorstellen.
    Zurückgeben, was es vor Tagen noch zu retten gab.
    Doch niemand kommt.

    Die Minuten verrinnen,
    werden zu zwanzig,
    vielleicht mehr.
    Dann wendet er sich ab.

    Die Nacht ist kühl,
    still, aber nicht leer.
    Fern knackt Metall,
    ein dumpfes Echo über einen Hof.

    Dort – ein LKW.
    Seine Umrisse grau,
    die Plane noch gespannt,
    der Geruch von Diesel frisch.

    Er steht zu nah an einer Basis,
    Zu nah für Zufall.

    Die Besitzer schienen nicht da zu sein.
    Besitzer, die ihn akzeptiert hatten.
    Besitzer, die in ihm nicht ein Monster sahen.

    Er beobachtet.
    Drei Gestalten am Turm.
    Ruhig, konzentriert,
    fremd.

    Das Gewehr liegt schon in seinen Händen,
    bevor er den Entschluss denkt.
    Kein Zittern.
    Kein Zögern.

    Zwei Schüsse.
    Zwei Körper brechen,
    lautlos,
    versinken in der Dunkelheit.

    Der Dritte dreht sich um,
    springt in Sicherheit.

    Mehrere Schritte,
    metallisches Klicken,
    Schusswechsel,
    ein dumpfer Aufprall.

    Dann Stille.
    Nur das gleichmäßige Atmen,
    seines eigenen Körpers.

    Später kehren drei weitere zurück.

    Er bleibt.
    Wartet.
    Erledigt, was begonnen wurde.

    Sechs Kerben.
    Eingeritzt,
    gleichmäßig,
    präzise.

    Er legt die Feder ab.
    Die Tinte trocknet,
    der Wind schlägt gegen das Blech draußen.

    Ein weiteres Blatt.
    Eine weitere Zahl.

    y0USjzG.png

    Einmal editiert, zuletzt von E.C.H.O. (13. November 2025 um 03:27)

  • Ein Mann mit Schweinemaske kommt zu Bewusstsein,
    noch halb versunken im Staub der Kochhütte.
    Der Geruch von kalter Asche.
    Der Raum still.
    Lange geruht.

    Dann - eine Explosion.
    Kurz. Hart.
    Draußen.

    Der Mann richtet sich auf.
    Der Lärm kommt aus westlicher Richtung.
    Keine Stimmen. Keine Schritte.
    Nur der Nachhall.

    Er läuft los.

    Der zweite Knall trifft ihn auf halber Strecke.
    Kein Zufall mehr.
    Kein Unfall.
    Gezielte Sprengung.

    Der Weg führt ihn direkt zum "Liebesnest".
    Ein Ort über dem Boden, über den Dingen, über dem Lärm.

    Auf halber Höhe sieht der Mann die erste Leiche.
    Reglos auf dem Gitterboden.
    Erkennt keine Bewegung. Keine Wärme.
    Ein Körper, der zu spät reagiert hat.

    Der Mann nimmt die kaputte Außentreppe.
    Metall, das unter jedem Schritt vibriert,
    als würde der Turm selbst warnen.

    Oben:
    Stille.
    Nur Wind, der durch die Sprossen zieht.

    Der Angreifer wartet.
    Schwarze Armbinde.
    Schwarz wie die, die die Bewohner des Turmes sie tragen.
    Dies waren nicht die Bewohner des Turmes.

    Ein halbes Magazin durchsiebt den Körper.
    Der Gegner fällt erst nach dem letzten Schuss.
    Länger überlebt, als üblich.
    Am Ende bewegt sich nichts mehr.

    Der Mann überprüft die Plattform.
    Keine weiteren Gegner.
    Keine Schatten in Bewegung.
    Nur der Rauch unter ihm und der Wind,
    der die Chemie der Explosionen verweht.

    Er löst die Waffen des Angreifers.
    Verstaut alles an einem sicheren Ort.
    Bewegungen präzise, routiniert.
    Der Turm bekommt seine Stille zurück.

    Der Mann kniet sich vor das Tor.
    Zieht einen Nagel aus der Tasche.
    Schlägt ihn mit der stumpfen Rückseite seines Messers ein.

    Akte 009 hängt nun dort - ein einzelnes Blatt im kalten Wind.
    Daneben: Die zwei erbeuteten Armbinden.

    Dann macht sich der Mann auf den Weg.

    Der Rauch hängt noch länger über dem Gelände,
    als er die Basis der Bewohner verlässt.
    Die, die ihn akzeptiert hatten.
    Die, für die er heute geschossen hat.

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