Beiträge von E.C.H.O.

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    Teil XV - die Fährte

    Der Morgen bricht farblos über dem Wald herein.
    Oscar geht langsam, vorsichtig. Die Isolation steckt noch in jedem seiner Schritte.
    Der Boden ist kühl, trocken.
    Vor ihm: frische Spuren, tief genug für ein schweres Tier.

    Er bleibt stehen.

    Hinter ihm raschelt es, leise, nur ein kurzer Hauch von Bewegung.
    Oscar dreht sich nicht sofort um.

    Der Mann mit dem netten Lächeln tritt zwischen zwei Stämmen hervor.
    Er wirkt wach, aufmerksam, aber nicht aufgekratzt.
    Sein Blick fällt auf die Abdrücke vor Oscar, und er nickt nur kurz – als hätte er gehofft, der andere würde genau das finden.

    Keine großen Gesten.
    Nur ein kurzes, anerkennendes Lächeln.

    Oscar zeigt wortlos auf die Fährte.
    Der Mann geht in die Hocke, betrachtet die Einkerbung am Boden, die verwischte Kante an einem Abdruck.
    Er tippt mit dem Finger daneben, fast beiläufig.

    Ein verletztes Hinterbein.
    Oscar sieht es ebenfalls.

    Der Mann richtet sich auf, klopft sich die Hände an der Hose ab.
    Ein kurzer Blick zu Oscar – fragend, aber ohne ein einziges Wort zu verlangen.

    Oscar nickt.

    Der Mann lächelt erneut, leicht, fast zufrieden.
    Dann verschwindet er seitlich im Unterholz, um den Kreis zu schließen.

    Oscar folgt weiter der Spur. Sein Atem steigt ruhig in die kalte Luft.
    Keine Eile.

    Nur die Spur.
    Nur die Aufgabe.

    Ein leises Zeichen vom anderen Ende des Waldes – ein kurzer, gedämpfter Ton, der nur bedeutet: Jetzt.

    Der Hirsch bricht durchs Unterholz.
    Oscar hebt die Waffe, nicht hastig, sondern wie jemand, der gelernt hat,
    dass Ruhe mehr tötet als Geschwindigkeit.

    Ein Schuss.
    Sauber.

    Der Körper des Tieres sackt in sich zusammen.
    Der Mann mit dem netten Lächeln tritt wenig später aus den Bäumen,
    vergräbt die Hände in den Hosentaschen und betrachtet das Resultat mit der Gelassenheit eines Menschen,
    der einfach nur froh ist, dass etwas funktioniert hat.

    Er sagt etwas – kurz, beinahe beiläufig.
    Oscar versteht die Geste, nicht die Worte.
    Er braucht sie auch nicht.

    Gemeinsam ziehen sie den Hirsch zu einer Stelle, an der die Äste tief genug hängen, um ihn aufzuhängen.
    Der Mann arbeitet zügig und routiniert. Oscar langsamer, aber konzentriert.
    Zweimal greift der Mann wortlos ein, stützt, hält, korrigiert.
    Nicht bevormundend.
    Nicht wertend.

    Einfach… hilfreich.

    Als das Fleisch schließlich über dem leichten Rauch hängt, sitzt der Mann mit dem netten Lächeln auf einem umgestürzten Stamm.
    Oscar steht.
    Er kaut auf einem Stück getrocknetem Fleisch aus seinem eigenen Vorrat.
    Der andere sieht kurz zu ihm hoch, lächelt.
    Dieses leise, warme Lächeln, das Oscar inzwischen zuordnen kann:

    Zufriedenheit.
    Vertrauen.
    keine Forderung.

    Nur Ruhe.
    Und ein stilles: Wir könnten das öfter machen.

    Oscar antwortet mit Stille.
    Der Mann akzeptiert es - wie immer.

    Ein Mann mit Schweinemaske kommt zu Bewusstsein,
    noch halb versunken im Staub der Kochhütte.
    Der Geruch von kalter Asche.
    Der Raum still.
    Lange geruht.

    Dann - eine Explosion.
    Kurz. Hart.
    Draußen.

    Der Mann richtet sich auf.
    Der Lärm kommt aus westlicher Richtung.
    Keine Stimmen. Keine Schritte.
    Nur der Nachhall.

    Er läuft los.

    Der zweite Knall trifft ihn auf halber Strecke.
    Kein Zufall mehr.
    Kein Unfall.
    Gezielte Sprengung.

    Der Weg führt ihn direkt zum "Liebesnest".
    Ein Ort über dem Boden, über den Dingen, über dem Lärm.

    Auf halber Höhe sieht der Mann die erste Leiche.
    Reglos auf dem Gitterboden.
    Erkennt keine Bewegung. Keine Wärme.
    Ein Körper, der zu spät reagiert hat.

    Der Mann nimmt die kaputte Außentreppe.
    Metall, das unter jedem Schritt vibriert,
    als würde der Turm selbst warnen.

    Oben:
    Stille.
    Nur Wind, der durch die Sprossen zieht.

    Der Angreifer wartet.
    Schwarze Armbinde.
    Schwarz wie die, die die Bewohner des Turmes sie tragen.
    Dies waren nicht die Bewohner des Turmes.

    Ein halbes Magazin durchsiebt den Körper.
    Der Gegner fällt erst nach dem letzten Schuss.
    Länger überlebt, als üblich.
    Am Ende bewegt sich nichts mehr.

    Der Mann überprüft die Plattform.
    Keine weiteren Gegner.
    Keine Schatten in Bewegung.
    Nur der Rauch unter ihm und der Wind,
    der die Chemie der Explosionen verweht.

    Er löst die Waffen des Angreifers.
    Verstaut alles an einem sicheren Ort.
    Bewegungen präzise, routiniert.
    Der Turm bekommt seine Stille zurück.

    Der Mann kniet sich vor das Tor.
    Zieht einen Nagel aus der Tasche.
    Schlägt ihn mit der stumpfen Rückseite seines Messers ein.

    Akte 009 hängt nun dort - ein einzelnes Blatt im kalten Wind.
    Daneben: Die zwei erbeuteten Armbinden.

    Dann macht sich der Mann auf den Weg.

    Der Rauch hängt noch länger über dem Gelände,
    als er die Basis der Bewohner verlässt.
    Die, die ihn akzeptiert hatten.
    Die, für die er heute geschossen hat.

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    Teil XIV - die Bleibe

    Oscar trägt den Stamm über der Schulter.
    Er stemmt sich vorwärts, die Schritte schwer,
    der Atem dumpf unter der Schweinemaske und dem Schweißerhelm.
    Kein Wort.

    Der Mann geht neben ihm her.
    Sein Blick wachsam,
    nicht hart.

    „Ganz schön schweres Ding, hm?“
    Seine Stimme klingt ruhig,
    fast beiläufig.

    Er greift mit unter,
    nimmt einen Teil des Gewichts ab.
    „Nicht fallen lassen.“

    Sie erreichen die Bleibe.
    Eine Tür, die schief hängt.
    Ein Raum, der nach Holzstaub riecht.
    Gebrochene Möbel am Boden,
    ein umgestürzter Schrank, ein paar Bretter,
    die einmal ein Tisch waren.

    Sie legen den Stamm ab.
    Oscar schnauft kurz.
    Nicht vor Ärger - vor Anstrengung.
    „Wird schon werden“, murmelt er zu Oscar.

    Oscar richtet den Helm, die Maske darunter sitzt fest.
    Sein Schweigen liegt schwer im Raum,
    aber nicht bedrohlich.

    Der Mann geht zu einer Holzkiste.
    Er öffnet sie.
    Ein kurzer Moment.
    Seine Augen verengen sich, nicht aus Wut,
    eher wie jemand, der etwas erkennt, was er lieber nicht wiedersehen wollte.

    Er schließt die Kiste wieder, ruhig.
    „Nichts Wichtiges“, sagt er. Stimme flach, aber nicht kalt.
    Er deutet Oscar zum schmalen Gang.
    „Bad ist da hinten. Nicht viel drin, aber… besser als nix.“

    Oscar tritt ein.
    Das kleine Bad ist karg.
    Die Badewanne steht dicht an der Wand, verbeult, kalt, allein.
    Kein Spiegel. Fliesen, die teilweise fehlen.
    Ein stiller Raum, der trotzdem Schutz bietet.
    Ein Raum, dem seiner damaligen Zelle sehr nahe kommt.

    Der Mann lehnt im Türrahmen.
    Sein Blick wandert von der Maske zu Oscars Haltung.
    Nicht wertend - nur suchend. Als wolle er verstehen, ohne zu fragen.

    „Die Maske… ist die bequem?“, fragt er ruhig.
    Kein Spott. Eher echtes Interesse. „Sieht… warm aus.“
    Oscar reagiert nicht. Keine Geste.
    Kein Laut.
    Der Mann nickt leicht, akzeptiert das Schweigen.
    „Schon gut. Musst nichts sagen.“

    Ein Moment Stille zwischen ihnen.
    Nicht unangenehm.
    Nur ungewohnt.

    Dann stößt der Mann sich vom Türrahmen ab.
    „Wenn du willst, kannst du später beim nächsten Stamm helfen.
    Aber ruh dich erst aus.“
    Er wendet sich ab und geht.

    Oscar bleibt zurück.
    Der Helm beschlägt kurz.
    Die Wanne ist kalt unter seiner Hand.

    Teil XIII: Oscar

    Ein geschundener Mann sitzt vor einem Kaminfeuer.
    Die Wunden noch entzündet,
    Salz klebt auf der Haut.
    Zeugen, die an seine Tortur erinnern.

    Im Eck lehnt ein Stuhl mit nasser Kleidung,
    vom Unwetter gezeichnet.
    Schwere Stiefel.
    Schwere Waffen.

    Das Feuer knistert leise und vertreibt jede Stille.
    Die Schatten tanzen um ihn.
    Zeigen auf ihn und verspotten damit.

    In seiner Hand: Dosenbohnen.
    Warme Dosenbohnen.
    Den Geschmack kannte der Mann mit dem einst so netten Lächeln nicht mehr.

    Hinter ihm eine freundliche Stimme.
    "Hast ja ganz schön was durch gemacht mein Lieber.."
    Wie ist dein echter Name?

    Der Mann schweigt.
    Nicht, weil er nicht antworten will,
    sondern weil er es nicht kann.

    Er deutet auf das Papier.
    Der Name eingeritzt, wie ein Urteil.
    "Subjekt Echo..das soll dein Name sein?
    Nein so will ich dich nicht nennen. Ich nenn' dich einfach....Oscar.
    Oscar der Stille."
    Der Mann, der aus den Schatten spricht lächelt leicht.

    "Nun Oscar, ich habe einiges zu tun.
    Wenn du magst, kannst du mir helfen,
    sobald du dich ausgeruht und regeneriert hast.
    Da wo die Herkommen, gibt´s noch mehr davon."

    Er deutet auf die Dosenbohnen.
    Oscar nickt.
    Und hätten die Schatten nicht über das Gesicht getanzt,
    hätte man sehen können,
    dass auch er lächelt.

    Ein Mann mit Schweinemaske sitzt in der alten Badewanne.
    Das Metall ist kalt.
    Seine Knie bilden den Tisch,
    darauf: Papier, durchdrungen von Zeit.

    Er schreibt keine Geschichte.
    Er notiert eine Erinnerung.
    Die Tinte verläuft an einer Stelle,
    dort, wo er zu fest gedrückt hat.

    Die Tore sind zu.
    Die Hände, die sie geöffnet hatten,
    und die, die sie wieder schlossen,
    sind längst verschwunden.

    Er steht davor,
    lehnt an der Mauer,
    blickt in das dunkle Holz.
    Keine Bewegung.
    Kein Licht dahinter.
    Das Meer rausch hinter ihm unruhig.
    Als wäre es ein Vorbote für großes Übel.


    Er wollte sich vorstellen.
    Zurückgeben, was es vor Tagen noch zu retten gab.
    Doch niemand kommt.

    Die Minuten verrinnen,
    werden zu zwanzig,
    vielleicht mehr.
    Dann wendet er sich ab.

    Die Nacht ist kühl,
    still, aber nicht leer.
    Fern knackt Metall,
    ein dumpfes Echo über einen Hof.

    Dort – ein LKW.
    Seine Umrisse grau,
    die Plane noch gespannt,
    der Geruch von Diesel frisch.

    Er steht zu nah an einer Basis,
    Zu nah für Zufall.

    Die Besitzer schienen nicht da zu sein.
    Besitzer, die ihn akzeptiert hatten.
    Besitzer, die in ihm nicht ein Monster sahen.

    Er beobachtet.
    Drei Gestalten am Turm.
    Ruhig, konzentriert,
    fremd.

    Das Gewehr liegt schon in seinen Händen,
    bevor er den Entschluss denkt.
    Kein Zittern.
    Kein Zögern.

    Zwei Schüsse.
    Zwei Körper brechen,
    lautlos,
    versinken in der Dunkelheit.

    Der Dritte dreht sich um,
    springt in Sicherheit.

    Mehrere Schritte,
    metallisches Klicken,
    Schusswechsel,
    ein dumpfer Aufprall.

    Dann Stille.
    Nur das gleichmäßige Atmen,
    seines eigenen Körpers.

    Später kehren drei weitere zurück.

    Er bleibt.
    Wartet.
    Erledigt, was begonnen wurde.

    Sechs Kerben.
    Eingeritzt,
    gleichmäßig,
    präzise.

    Er legt die Feder ab.
    Die Tinte trocknet,
    der Wind schlägt gegen das Blech draußen.

    Ein weiteres Blatt.
    Eine weitere Zahl.

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    Teil XII: Gesichter im Meer

    Das Meer liegt wie Öl.
    Schwer. Schwarz.
    Kein Wind, der weiß, wohin.

    Echo sitzt mitten drin.
    Das Boot schaukelt seicht - fast so, als würde es atmen.
    Zwischen seinen Beinen die Akten.
    Feucht, wellig,
    Tinte läuft über Ränder wie Blut über Wunden.

    Er zählt.
    Immer wieder.
    5....3....8.....15
    dann wieder nichts.
    Zahlen kreisen,
    werden zu Flüstern,
    zu Stimmen ohne Körper.

    Sein Kopf kippt zur Seite.
    Die Lippen bewegen sich,
    doch der Hals verweigert den Ton.
    Das Salz brennt in den Rissen der Haut.

    Vor ihm, über dem Wasser,
    Gesichter.
    Keine echten.
    Fratzen aus Schaum,
    Augen aus Licht,
    Münder aus Dunkel.
    Sie lächeln.
    Ziehen Grimassen,
    spucken Worte, die er nicht versteht.

    Ein Kichern, das nicht vom Wind kommt.
    Ein Finger, der aus der Tiefe ragt,
    zeigt auf ihn, lacht –
    oder betet.

    Echo reißt die Hände hoch.
    Er schlägt um sich,
    gegen nichts, gegen alles.
    Die Fratzen reißen weiter ihre Münder auf,
    und er versucht zu schreien.

    Die Lippen bewegen sich,
    doch kein Laut kommt.
    Das Salz frisst die Stimme,
    wie es die Haut gefressen hat.

    Echo versucht aufzustehen.
    Der Körper folgt nicht.
    Die Hände zittern,
    als wollten sie sich selbst loswerden.

    Die Akten rutschen nach vorn,
    ein paar Blätter reißen.
    Ein Satz bleibt hängen:
    „Subjekt zeigt deutliche Dissoziation vom Ich.“
    Er starrt darauf,
    bis die Buchstaben anfangen, zu atmen.

    Wieder Zahlen.
    5....3....8....15
    Sie flackern in seinem Kopf,
    tauchen auf der Innenseite der Lider auf,
    wie Brandzeichen,
    bis er sie nicht mehr zählen kann.

    Der Himmel bricht auf.
    Das Boot stößt gegen etwas.
    Land, vielleicht. Oder nur Schlamm.

    Echo fällt aus dem Boot.
    Die Knie schlagen auf,
    der Sand klebt an den Akten, an der Haut, an allem.
    Er kriecht.
    Langsam, mechanisch, wie etwas, das vergessen hat, warum.

    Das Meer zieht hinter ihm zurück.
    Er bleibt liegen.
    Die Finger verkrampfen sich um das Halsband,
    das auf seiner Brust liegt.
    Metall, kalt, stumm.

    Vor ihm: Stiefel.
    Schwarz. Breit.
    Schlamm rinnt an ihnen hinunter.

    Echo hebt den Kopf,
    bis der Blick bricht.

    Dann nichts mehr.
    Nur das Meer, das wieder atmet.

    Der Weg zum Camp ist gesäumt von Papier.
    Kein Müll - Akten.

    Sie liegen dort, als hätte sie jemand im Gehen verloren,
    oder absichtlich fallengelassen.

    Einige Blätter sind sauber,
    andere zerknittert, mit feuchten Rändern,
    beschrieben in der Handschrift von Ärzten, Wärtern, Psychologen.
    Jede Seite trägt dasselbe Kürzel.
    Dasselbe Geburtsdatum.
    Denselben Namen.

    Ein Mann, über den zu viel geschrieben wurde.
    Und der irgendwann aufgehört hat zu sprechen.

    Die Akten erzählen von Tagen,
    an denen er keine Antworten mehr gab.
    Von Nächten, in denen er mit der Wand sprach.
    Von langen Minuten, in denen er nur gezählt hat.
    Wände. Schrauben. Atemzüge.
    Von Versuchen, ihn zu brechen.
    Und davon, dass es irgendwann gelang.

    Zwei Tage zuvor hatte man über Funk gesprochen.
    Von einem Schützen in Elektro.
    Von zwei Toten.
    Kein Streit, kein Raub.
    Nur zwei Schüsse, sauber gesetzt.
    Eine trug eine Kapuze –
    jene, die sonst ein anderer trägt.
    Ein Irrtum, den niemand zurücknehmen kann.

    Seitdem – kein Wort über Funk.
    Nur Stille.
    Und jetzt diese Blätter.

    Vielleicht hat er sie verloren.
    Vielleicht hat er sie geworfen.
    Vielleicht wollte er, dass sie jemand liest,
    weil sie das tragen, was er selbst nicht sagen kann.

    Am Schwarzen Brett, hängt das Deckblatt der Akten.
    „Patient 5-3-8-15 – Subjektbeobachtung / Verhalten im Langzeitisolat.“
    Daneben, halb im Dreck: ein Helm.
    Schweißerschutz, gesprungen.
    Außen Blut und Erde.

    Manchmal flattert durch den Wind eine der vielen Seiten auf,
    zeigt ein Stück Text,
    bevor sie sich wieder schließt:

    ----

    Tag 14:
    Subjekt reagiert nicht auf verbale Ansprache.
    Puls stabil, Blickrichtung konstant zur Wand.
    Testperson murmelt Zahlenreihen.

    Tag 39:
    Kognitive Tests abgebrochen.
    Subjekt verweigert zudem Nahrungsaufnahme.
    Reagiert mit nervösem Zucken in unregelmäßigen Abständen.

    Tag 112:
    Keine klare Emotionen.
    Lacht bei Schmerzreizen.

    Tag 178:
    Richtet Waffe auf Wärter hinter Sicherheitsglas.
    Erste Exekution folgt.
    Verweigert Nahrungsaufnahme.

    ----

    Darunter:
    eine Linie aus Blut,
    quer über die gesetzten Unterschriften gezogen.
    Noch feucht.

    Vielleicht hat er sie getragen,
    vielleicht geworfen.
    Vielleicht warf er damit auch ein Stück von sich selbst ab.

    Der Wind hebt die Ecken der Akten,
    zupft an den Nägeln.
    Und wer vorbeigeht,
    kann das Rascheln hören –
    wie eine Stimme,
    die nie wieder sprechen wollte.

    Ein Mann liegt im Dreck. Die Beine gebrochen, wie Äste im Wind.
    Ein Mann mit Schweinsmaske steht über ihm.
    Keiner bewegt sich. Staub legt sich auf Augenlider.

    Der Schweißhelm fehlt. Er hat ihn zuvor abgenommen.

    --Dann ein Bild, kurz und scharf--

    Ein Kreis aus Menschen am Feuer. Hände um Essen, das nach Freundschaft schmeckt.
    Warmes Fell auf dem Boden. Eine rote Samariterin, freundlich, die eine Geschichte erzählt.
    Eine Geschichte über einen stummen Mann, der eines Tages verschwand.

    Er sieht sich dort sitzen, ohne Helm, nur die Schweinsmaske.
    Fast ungelenk, als wäre Menschsein nur für einen Abend geliehen.

    Motorengeräusche. Ein Wagen rollt an. Drei steigen aus.
    Lachen, Licht, gelbe Fetzen Stoff. Einer verschwindet in einem Zelt, kommt zurück mit einem Schweißhelm.

    Er setzt ihn auf.
    Er tanzt.
    Er bohrt mit einem Finger in Wunden, die gerade heilen wollten. Jeder Kreis, jeder Schritt ein kleiner Hieb.
    Sein Herz fängt an schneller zu schlagen.
    Die Umgebung um ihn herum scheint zu verstummen.
    Fratzen tauchen auf, die ihn verspotten.

    Echo ist still. Gefangen. Nicht in Fesseln — in Augen.
    Wenn er schießt, zerreißt er den Kreis.
    Wenn er schweigt, zerreißt etwas in ihm.

    --Das Bild reißt ab--

    Dreck, entferntes Vogelzwitschern im Wald.
    Der Mann vor ihm atmet flach. Kein Zeichen mehr vom Helm, den er einst aus Hohn trug.
    Nur Mensch, schwer auf dem Boden.

    Echo sieht ihn.
    Die Hand zittert kaum. Der Finger krümmt sich nicht.
    Er hätte schießen können. Doch er tut es nicht.

    Er dreht sich um und geht fort.

    Teil XI: Der Weg, den keiner wollte

    Die Nacht riecht anders.
    Nicht nach Chlor und kaltem Eisen, sondern nach Rauch.
    Irgendwo brennt etwas – leise, hungrig, wie eine Erinnerung, die wieder atmen darf.

    Echo öffnet die Augen.
    Die Zelle ist nicht mehr still.
    Gedämpfte Rufe hallen durch die Gänge, dumpf, chaotisch.
    Etwas ist passiert. Wieder ein Alarm. Wieder ein Riss in der Ordnung.

    Er steht.
    Langsam, wie jemand, der es verlernt hat.
    Die Tür – offen. Diesmal weiter. Kein Zufall mehr.
    Dahinter: Dunkelheit. Bewegung. Ein Körper, der an der Wand lehnt, ohne Kopf.

    Er geht hinaus.
    Nicht rennend, nicht fliehend.
    Nur gehend. Schritt für Schritt, als würde ihn etwas Unsichtbares führen.

    Der Boden ist feucht. Blut zieht Linien, denen man folgen könnte, wenn man wollte.
    Er folgt ihnen nicht.
    Seine Hände zittern, aber nicht vor Angst – eher, weil sie zu lange nichts mehr gehalten haben.

    vor einer Zelle liegt etwas. Papier. Eine Akte, halb verbrannt, halb vergessen.
    Sein Name oben, eingeritzt wie ein Urteil.

    Er nimmt sie auf.
    Blätter, Seiten, Berichte.
    Über ihn. Über das, was sie glaubten, dass er ist.
    Er liest nichts. Noch nicht.
    Er faltet sie grob zusammen, steckt sie unter den Arm, als wäre das Gewicht vertraut.

    In der Ferne schreien Männer.
    Befehle, Schüsse, metallische Echos.
    Er biegt ab, instinktiv, hin zu einem alten Ausgang, den er nie benutzen durfte.

    Der Wind trifft ihn wie ein Schlag.
    Kalt. Echt.
    Zum ersten Mal seit – wie lange? – riecht er Salz. Meer. Freiheit.

    Aber Freiheit fühlt sich fremd an.
    Er schaut zurück, auf die Mauern, auf den Rauch, auf das Feuer, das irgendwo alles verschlingt.
    Dort drinnen lag die Ordnung.
    Hier draußen: nichts.

    Er schwankt.
    Die Knie wollen zurück. Das Herz nicht.
    Dann sieht er sie – Spuren im Schlamm, groß, tief. Männer, die gerannt sind.
    Und daneben, etwas rundes, halb vergraben.

    Er kniet nieder.
    Er zieht es heraus – ein Halsband.
    Leder, aufgequollen, eingerissen. Eine Gravur kaum noch lesbar.

    Er streicht mit dem Daumen darüber, als könne er den Namen zurückholen.
    Dann steht er auf.
    Im Hintergrund kollabiert das Gebäude. Stahl schreit, Beton fällt.

    Er geht weiter, Richtung Ufer.
    Kein Plan, kein Ziel.
    Nur die Gewissheit, dass, wenn er stehen bleibt, die Zelle wiederkommt – in seinem Kopf, in seiner Haut, in seinen Träumen.

    Das Meer liegt schwarz vor ihm.
    Ein Boot liegt vor ihm am Wasser.
    Er steigt hinein.

    Der Himmel ist grau. Der Wind trägt Asche.
    Er legt das Halsband und die Akten neben sich.
    Dann greift er nach dem Ruder.

    Teil X - Der Riss in der Stille


    Beton. Eisen. Atem, der an der Zellenwand zurückprallt.
    Nichts bewegt sich. Selbst die Schatten wirken müde.

    Ein Tropfen fällt. Irgendwo.
    Die Luft schmeckt nach Rost und Desinfektion – sauber, aber tot.

    Er sitzt. Hände auf den Knien, leer.
    Nicht gefesselt, aber gefangen in Etwas, das größer zu sein scheint, als alles Andere.
    Freiheit ist ein Geräusch, das er nicht mehr erkennt.

    Dann: ein Knall.
    Kurz, fremd, wie ein Herzschlag, der nicht seiner ist.
    Ein Alarm verstummt, bevor er richtig beginnt.
    Schritte. Stimmen. Chaos, das er nicht versteht.

    Die Tür steht offen.
    Ein Spalt, kaum sichtbar.
    Ein Luftzug schiebt den Staub hinein, trägt den Geruch von Erde, von Leben.

    Er sieht sie lange an.
    Zu lange.
    Die Finger zucken, aber die Beine bleiben still.
    Die Kälte der Zelle hält ihn fester als jede Fessel.

    Schließlich steht er doch auf.
    Tritt näher.
    Die Hand berührt das Metall, kalt und feucht.
    Draußen: Geräusche, Wellen, Wind, etwas, das ruft.

    Er zieht die Tür langsam auf.
    Nur einen Spalt weit genug, um zu sehen.
    Flackerndes Licht, ein leerer Gang, Blut an der Wand.
    Niemand da.

    Sein Atem stockt.
    Für einen Moment denkt er, das sei Freiheit.
    Dann begreift er, dass sie ihn nicht will.
    Nicht mehr.

    Er schließt die Tür wieder.
    Langsam, leise, bis das Schloss einrastet.
    Setzt sich zurück.
    Legt die Hände auf die Knie.
    Wartet, bis das Licht wieder flackert und alles so aussieht wie vorher.

    Nur der Wind bleibt.
    Ein Hauch durch die Ritzen, wie ein Versprechen, das er nicht glaubt.

    Flackerndes Licht aus dem Kochhaus, dumpfes Knistern von Glut, und der schwere Geruch von Asche,
    durchzogen vom süßlichen Ton gekochten Fleisches. Manche nennen es Wärme, andere nennen es Heimat.

    Ein Mann mit Schweißhelm tritt aus der Dunkelheit.
    Ein Schatten, der sich nicht erklären muss.
    Seine Hände sind verschmiert, noch feucht vom Blut, das nicht seines ist. Es glänzt zwischen den
    Fingern, sickert langsam in die Linien seiner Haut, als würde es sich dort einnisten wollen.

    Vor ihm: ein Schwarzes Brett.
    Schief gezimmert, mit Nägeln, die schon beim Hämmern drohten, wieder herauszufallen.
    Es steht neben dem Camp wie ein Wächter aus Holz, unfähig zu handeln, aber geschaffen, um Blicke zu fangen.

    Er legt das Papier an. Schwer, zerknittert, beschwert vom Gewicht dessen, was darauf steht.
    Dann drei Schläge. Hart, trocken, endgültig. Jeder Schlag zerreißt die Nacht, lässt ein leises Vibrieren durch die Bretter laufen.

    Das Blatt flattert im Wind, doch es hält.
    Akte 007
    Seine Finger haben rote Linien darüber gezogen, ungewollt, ein zufälliges Siegel. Frisch, nicht geronnen, und doch fester als jede Tinte.

    An seiner Waffe: fünf Kerben, tief ins Holz gefressen. Eine sechste, zart vorgemerkt, wartet.
    Er fährt mit dem Daumen darüber, prüft, ob sie schon verdient wäre. Noch nicht. Bald.

    Dann geht er.
    Kein Gruß, kein Laut, nur Schritte, die schwer genug sind, im nassen Boden Spuren zu hinterlassen.
    Am Sarka angekommen – dem gelben, der so fehl am Platz wirkt auf diesen Straßen – wirft er die Tür ins Schloss. Der Motor hustet, brummt, röchelt, bis er sich findet.

    Er fährt.
    Das Licht der Scheinwerfer frisst sich durch Schlamm und Nebel, zieht eine Linie hinaus in die Nacht.

    Die Basis, schwach gesichert, empfängt ihn ohne Widerstand. Er steigt über den Zaun - baut diesen ab. Er rollt den Wagen zurück, stellt ihn hinein, als gehöre er nie jemand anderem.
    Dann schließt er die Tore. Sauber. Endgültig.

    Was bleibt:
    Das Blatt am Schwarzen Brett, rot gezeichnet.
    Das Wispern von Fleisch und Feuer aus dem Kochhaus.
    Und der Wind, der die Kanten des Papiers zittern lässt – als wollten sie den nächsten Namen schon vorwegnehmen.

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    Teil IX – Der Verrat

    Kälte.

    Die Zelle atmet mit. Stein zieht jede Wärme aus den Knochen.

    Er liegt, halb wach, halb gefangen in den Bildern, die immer wiederkehren.

    Feuer, Brot, ein Lachen, das vertraut klingt.

    Ein Versprechen. „Bei mir bist du sicher.“

    Doch Sicherheit ist ein Wort, das in dieser Welt nur noch auf Messern liegt.

    Die Bilder kippen.

    Das Feuer erlischt. Der Freund bleibt – aber das Lachen wird dünner, gezwungener.

    Augen, die nie ganz in die seinen sehen.

    Dann der Tag.

    Tore, die sich öffnen. Männer mit Klemmbrettern, Masken ohne Namen.

    Der Freund führt ihn hinein.

    Eine Hand auf der Schulter, so wie früher, nur schwerer, fester, fast wie ein Griff.

    Der Hund zieht an der Leine, bellt, springt.

    „Er darf nicht mit“, sagt jemand.

    Protest, ein Blick nach hinten – da reißt ein Wächter die Waffe hoch.

    Ein Knall. Ein Jaulen, scharf und kurz.

    Stille.

    Das Versprechen bricht im gleichen Moment wie der Nacken des Tieres.

    Hände zerren ihn weiter.

    Die Tür fällt ins Schloss. Metall, das jede Hoffnung verschluckt.

    Von der Zelle aus, jetzt, Jahre später, sieht er noch einmal den Rücken seines Freundes.

    Wie er nicht zurückschaut.

    Wie er geht.

    Und er versteht.

    Es ging nie um ihn. Es ging darum, jemanden zu bringen, um selbst verschont zu werden.

    Nicht aus Hass. Nicht aus Pflicht.

    Aus Angst.

    Er lacht. Ein Laut aus Verzweiflung.

    Lachen, das gegen die Zellenwände stößt.

    Das Gesicht seines Freundes verschwimmt im Dunkel.

    Es bleibt nur das Bild eines leeren Halsbandes, das niemals zurückgebracht wurde.

    Teil VIII – Das Versprechen

    Regen.

    Fein, kalt, fast unsichtbar.

    Er rinnt über die Gesichter, klebt an den Haaren,

    sammelt sich in den Nähten der Kleidung.

    Die beiden Männer gehen Seite an Seite.

    Der Hund voraus, springt zwischen Pfützen, bleibt immer wieder stehen,

    um sicherzugehen, dass sie folgen.

    Sein Schwanz wippt wie ein Metronom.

    „Wir sind bald da.“

    Die Stimme des Freundes klingt fest.

    Zu fest.

    Wie eine Überzeugung, die mehr für ihn selbst bestimmt ist als für den, der zuhört.

    „Und dann?“

    Die Frage kommt leise. Nicht misstrauisch, nur vorsichtig.

    Der Mann mit dem Lächeln schaut hinüber, sucht in den Augen des Freundes eine Antwort, die mehr wie Zukunft klingt.

    „Dann… haben wir Ruhe. Ein Dach. Sicherheit. Vielleicht sogar mehr.“

    Das Wort mehr hängt einen Moment in der Luft.

    Mehr als was? Mehr als Hunger, mehr als Nächte, die von Schüssen zerrissen werden?

    Oder mehr als nur Überleben?

    Sie erreichen eine Anhöhe.

    Unten im Tal: ein Bauwerk aus grauem Beton.

    Hoch, fensterlos, fast verschluckt vom Nebel.

    Es wirkt leblos. Aber nicht verlassen.

    Der Hund knurrt.

    Kurz, tief, wie ein leiser Warnruf.

    Der Freund geht in die Hocke, legt ihm die Hand auf den Nacken.

    „Schon gut. Alles in Ordnung.“

    Doch die Spannung in seiner Stimme verrät etwas anderes.

    Der Mann mit dem Lächeln bleibt stehen.

    Blickt auf das Gebäude, das eher wie ein Käfig als wie ein Zufluchtsort wirkt.

    „Das soll es sein? Dort drin?“

    Ein Nicken.

    „Nur für eine Weile. Sie brauchen Männer wie uns. Und wenn wir ihnen helfen, helfen sie uns. So läuft das.“

    Die Worte klingen geübt, vorbereitet.

    Ein Versprechen, das schon oft wiederholt wurde.

    Doch es trägt Gewicht – das Gewicht von Vertrauen.

    Der Mann mit dem Lächeln legt die Hand auf die Schulter des Freundes.

    Der Hund bellt einmal, laut, bricht den Moment.

    Dann laufen sie weiter, in Richtung Beton und Nebel.

    Später, in der Zelle, wird er diese Szene wieder sehen.

    Nicht mehr mit Brot und Feuer – sondern mit Mauern und Versprechen.

    Und das Echo davon wird lauter sein als jeder Schuss.

    Teil VII – Der Freund

    Ein Feuer.

    Nicht groß, nicht hell, nur ein kümmerlicher Kreis aus Glut inmitten von Wind und Regen.

    Doch in der Dunkelheit wirkt es wie eine Sonne.

    Zwei Männer sitzen davor.

    Müde Gesichter, Ränder von Dreck, Hände, die mehr Narben als Haut tragen.

    Aber sie lachen. Kein lautes Lachen – eher ein Aufbrechen, ein kurzes Aufatmen,

    als hätte das Elend für einen Moment keine Macht.

    Der eine von ihnen: ein Mann mit einem Lächeln, das trotz allem noch warm wirkt.

    Nicht scharf, nicht kalt, sondern ehrlich.

    Ein Lächeln, das der Kälte für einen Atemzug trotzt.

    Neben ihnen liegt der Hund.

    Ein Mischling, zottelig, dünn. Sein Atem dampft in der kalten Luft.

    Er rückt näher, wenn der Wind zu stark wird. Drückt seinen Kopf gegen den Mann mit dem Lächeln,

    so wie er es immer tat, wenn er spürte, dass Stille zu schwer wurde.

    Das Fell riecht nach Erde und Rauch.

    Das beruhigt.

    Der Freund bricht ein Stück Brot in zwei Teile.

    „Hier. Nimm.“

    Die Kruste ist hart, fast steinig, aber es ist Brot. Ein Luxus.

    Wasser folgt – abgestanden, metallisch – aber geteilt wie Wein unter Brüdern.

    „Wir schaffen das. Zusammen.“

    Die Stimme des Freundes trägt Gewicht.

    Nicht das eines Befehls, sondern das einer Wahrheit.

    Und der Mann mit dem Lächeln glaubt ihm.

    Wie könnte er nicht?

    Er sieht das Feuer, den Hund, das Brot.

    Sie sind noch am Leben – und das reicht.

    Später, im Traum, wiederholt sich diese Szene.

    Immer wenn die Kälte der Zelle ihn verschlingen will, kommt sie zurück.

    Das Feuer.

    Der Hund, warm und atmend an seiner Seite.

    Und die Hand des Freundes auf seiner Schulter.

    „Wir schaffen das.“

    Noch ohne Bitterkeit.

    Noch voller Hoffnung.

    Teil VI – Das Trauma

    Ein Raum.

    Steril.

    Kacheln glänzen.

    Metallisch, kalt.

    Ein Lautsprecher knistert.

    Keine Stimme. Nur Zahlen.

    „19–21–2–10–5–11–20 … 5–3–8–15.“

    Wieder und wieder.

    Gleichförmig. Unerbittlich.

    Dann Nadeln.

    Elektroden erwachen.

    Der Schmerz bohrt sich tiefer, brennt in die Knochen.

    Der Körper schreit.

    Zahlen fluten seinen Kopf.

    Morsezeichen. Codes. Reihen, die sich drehen.

    Kein Halt in Sprache. Kein Halt im Gesicht derer, die ihn brechen.

    Nur die Ordnung der Zahlen.

    Für einen Moment – ein Fragment.

    Etwas Weiches.

    Fell. Warm.

    Doch es bleibt nicht.

    Verblasst.

    Wie ein Restbild, das zu lange auf einer Leinwand gebrannt war.

    Isolation.

    Zwang.

    Die Grenzen von Mensch und Werkzeug verschwimmen.

    Er stirbt nicht.

    Aber etwas anderes stirbt in ihm.

    Und was bleibt –

    ist keine Erinnerung mehr.

    Nur noch E.C.H.O.

    Teil V – Die Masken

    Licht flackert. Schatten tanzen.

    Gesichter verschwimmen, verlieren ihre Ränder.

    Mal Freund, mal Fremder. Mal Bruder, mal Feind.

    Die Stimmen, die früher nur rauschten, tragen jetzt Gesichter.

    Doch keines bleibt.

    Ein Mann tritt näher. Setzt ihm eine Maske auf.

    Ein anderer nimmt sie ab.

    Dann wieder dieselbe Bewegung.

    Auf, ab, auf, ab.

    Wie ein Ritual, kalt und mechanisch.

    Die Maske fühlt sich fremd an.

    Riecht nach Metall und Schweiß, nach all den Händen, die sie zuvor berührt haben.

    Und doch bleibt sie länger auf seinem Gesicht.

    Die Pausen werden kürzer, die Übergänge schneller.

    Bis er beginnt, sie selbst zu halten.

    Mit beiden Händen, fester, entschlossener.

    Kein Spiegel, keine Reflexion.

    Nur die Augenlöcher, schwarz wie Gräber.

    Er merkt: niemand fragt mehr, wer darunter ist.

    Niemand will das Gesicht sehen.

    Niemand erinnert.

    Und er versteht – hinter der Maske ist er sicher.

    Kein Mensch mehr, den man brechen kann.

    Kein Opfer, nur eine Stimme.

    Das Gesicht ist unwichtig geworden, die Maske spricht an seiner Stelle.

    Die Masken werden mehr.

    Eine für das Schweigen.

    Eine für das Urteil.

    Eine für die Exekution.

    Er wählt sie nicht – sie wählen ihn.

    Und irgendwann: kein Unterschied mehr.

    Nicht mehr abnehmen.

    Nicht mehr zeigen.

    Denn unter der Maske wartet nur ein Mensch.

    Und Menschen zerbrechen.

    Ein Echo nicht.

    OOC-Hinweis:

    Die nachfolgende Geschichte enthält sensible Themen wie psychische und körperliche Gewalt, Folter sowie traumatische Erfahrungen.
    Diese Inhalte dienen ausschließlich der Darstellung einer fiktiven Charakterentwicklung im Rahmen des Roleplays.
    Sie sollen nicht verharmlosen, verherrlichen oder reale Erfahrungen abbilden. Bitte bedenkt dies beim Lesen und achtet auf eure persönlichen Grenzen.

    Teil IV – Der Widerstand

    Flackerndes Neon.
    Kahle Wände, dahinter Glas.
    Schemen bewegen sich – Beobachter.
    Unantastbar.

    In seinen Händen eine Waffe.
    Schwer, kalt, der letzte Rest von Kontrolle.
    Die Mündung richtet sich gegen das Glas.
    Ein Schuss.
    Das Echo hallt in den Raum, Funken spritzen.
    Doch das Glas hält.
    Die Schatten dahinter bewegen sich nicht.

    Stattdessen – ein Zischen.
    Elektroden erwachen.
    Nadeln graben sich tiefer.
    Schmerz, elektrisch, gnadenlos.
    Sein Körper windet sich, doch er wird gehalten.

    Sie brechen ihn nicht mit Worten.
    Sie brechen ihn mit Werkzeugen.

    Dann stellen sie ihn vor eine Wahl.
    Ihn – oder den Mann, der weinend auf dem Boden sitzt.
    Verzweifelt. Zitternd.
    Die Augen voller Flehen.

    Aber die Akte liegt aufgeschlagen daneben.
    Klar, kalt, nüchtern.
    Daten, Beweise, Taten.
    Kein Zweifel.
    Keine Frage.
    Die Schuld ist echt.

    Keine Exekution erfolgt grundlos.
    Niemals.

    Die Waffe sinkt.
    Ein Moment der Stille.
    Dann fällt die Entscheidung.

    Das Glas bleibt ungebrochen.
    Doch ein anderer Mensch bricht in diesem Augenblick–
    und er versteht, dass es keinen Ausweg gibt.
    Nur das Urteil.
    Nur den Weg des Richters.

    Teil III – Das Protokoll

    Der Raum verändert sich.

    Nicht durch Möbel oder Licht, sondern durch Unordnung.

    Auf dem Tisch liegen die Blätter - verstreut. Sie sind beschriftet, nummeriert.

    Kästchen, Spalten, Zahlen.

    Ein Raster, das größer ist als der Raum selbst.

    Der Mann spricht nicht.

    Seine Stimme existiert nur auf Papier.

    Linien und Ziffern, die wie Adern über die Seiten kriechen.

    Ein Organismus aus Codes, dessen Herzschlag er allein versteht.

    Das Funkgerät rauscht weiter, unermüdlich.

    Die Stimmen sind nicht mehr fremd.

    Sie sind integriert.

    Fragmente werden zu Mustern, Muster zu Regeln.

    Jede Zahl bedeutet etwas.

    Jedes Wort ein Urteil.

    Er beginnt zu schreiben.

    Keine Namen, nur Bezeichnungen.

    Keine Geschichten, nur Verstöße.

    Kein Zweifel, nur Konsequenzen.

    Der Stift gleitet gleichmäßig.

    "Subjekt 4-1-2-9. Tatvorwurf: Luxuria. Urteil: SCHULDIG"

    Der Rhythmus des Schreibens ist der neue Pulsschlag.

    Die Blätter häufen sich, ein Turm aus stillen Urteilen.

    Und während draußen Wind gegen die Wände schlägt,

    entsteht im Inneren eine neue Welt.

    Eine Welt ohne Gnade, ohne Zwischentöne.

    Nur Schwarz.

    Nur Weiß.

    Nur Schuld.

    Nur Urteil.

    Das Protokoll wächst.

    Und der Mann verschwindet darin.

    Teil II – Die Stimmen

    Die Dunkelheit des Raumes ist schwer.

    Die Neonröhre hat aufgehört zu flackern, nun summt nur noch das Funkgerät.

    Ein gleichmäßiges, kaltes Rauschen.

    Dazwischen: Bruchstücke. Zahlen, Befehle, Fragmente.

    Der Mann schreibt.

    Die Tinte drückt tiefer, als das Papier tragen kann.

    Die Linien reißen.

    Schwarze Flecken breiten sich aus wie Risse in Glas.

    Manchmal wiederholt er die Sequenzen lautlos mit den Lippen.

    Manchmal drückt er die Zähne so fest aufeinander, dass die Muskeln an seinem Hals zittern.

    Die Stimmen im Funkgerät sind nicht mehr bloß Signale. Sie werden Gestalten, Gesichter, Schatten.

    Vor seinem Gesicht formen sie sich - Sie bellen ihn an.

    Er hebt den Kopf.

    Es durchbricht das Rauschen.

    Bellen?

    Klar, hell, lebendig.

    Seine Hand hält inne, der Stift fällt zu Boden.

    Die Erinnerung hält ihn.

    Ein Hund, der an seiner Seite lief, dessen Atem in der kalten Morgenluft sichtbar war.

    Ein Wesen ohne Lügen, ohne Urteil, ohne Schuld.

    Für einen Augenblick kehrt Ruhe zurück.

    Die Stimmen verstummen, als hätten sie Angst vor dem Echo dieser Erinnerung.

    Doch es hält nicht lange.

    Das Funkgerät knackt, neue Sequenzen schneiden in die Luft.

    Lauter, dringlicher, wie Befehle, die keine Widersprüche dulden.

    Der Mann greift den Stift, krallt ihn so fest, dass seine Knöchel weiß werden.

    Er schreibt, schreibt, schreibt.

    Das Bellen wird leiser.

    Die Stimmen bleiben.

    Und er – er schreibt.

    OOC:
    An alle Leser - es handelt sich bei dem Geschriebenen um die Geschichte meines Charakters E.C.H.O.
    Da alle Geschehnisse in der Vergangenheit liegen, macht es wenig Sinn in Charakter darauf einzugehen.
    Seid also bitte so lieb und haltet hier die Kommentarsektion frei. Vielen Dank für´s Lesen! ^^

    ____________________________________________________

    Teil I – Die Ordnung

    Der Raum ist still.

    Nur das Knistern der Neonröhre an der Decke bricht das Schweigen.

    Ein Mann steht da, unbeweglich, wie aus Stein gegossen.

    Seine Stiefel glänzen, jeder Schnürsenkel sitzt in der exakten Symmetrie eines Kreuzes.

    Die Uniform faltenlos, der Kragen hart, der Blick starr.

    Er bewegt sich nicht willkürlich, niemals. Jeder Schritt, jede Geste, jeder Atemzug ist vorherbestimmt.

    Wie eine Maschine, die gelernt hat, menschliche Bewegungen nachzuahmen.

    Seine Hände sind nicht ruhig. Sie zittern nicht – aber sie suchen Halt. Immer wieder gleiten

    sie an den Nähten seiner Kleidung entlang, als prüfe er, ob die Ordnung noch da ist.

    Auf dem Tisch liegt Papier. Sauber gestapelt, Blatt auf Blatt, in perfekter Kante.

    Darauf Zahlen. Endlose Zahlen, in Spalten und Reihen.

    Geschrieben mit einem Druck, der die Linien tief in die Oberfläche frisst.

    Kein Spielraum für Fehler. Keine Unschärfe.

    Ein Knacken.

    Das Funkgerät erwacht. Rauschen, dann eine Sequenz.

    Seine Finger greifen mechanisch zum Stift. Er schreibt, notiert, korrigiert, streicht, wiederholt.

    Die Welt um ihn herum verschwimmt – nur der Code bleibt scharf.

    Doch manchmal, ganz selten, taucht ein anderes Bild auf.

    Ein leises Bellen, kaum hörbar, so fern wie eine Erinnerung, die fast nicht mehr glauben lässt, dass sie echt war.

    Fell, weich unter den Fingern. Ein Tier, das nicht urteilte, nicht fragte, nicht forderte.

    Ein Hund, dessen Augen so klar waren, dass sie die Ordnung bedeutungslos machten.

    Der Mann blinzelt, als wollte er die Erinnerung verjagen.

    Sein Blick fällt zurück auf die Zahlen, die ihn festhalten, wie Ketten aus Tinte.

    Die Neonröhre flackert. Der Schatten an der Wand wirkt länger, schmaler, verzerrt.

    Er richtet den Stuhl exakt im rechten Winkel zum Tisch aus.

    Er setzt sich.

    Er schreibt weiter.

    Das Bellen verstummt.

    Nur das Echo der Ordnung bleibt.