"Ein Sockenmassaker, ein Märtyrerfuß und die Rache der rostigen Nägel"
Rannulf saß mit einer Tasse Kaffee an seinem Schreibtisch. Der Kaffee war noch von gestern – genau wie seine Motivation. Während er die aktuellen Berichte durchging, tippte er mit dem Zeigefinger auf den Tisch. „Heute ist es so weit, das Wetter könnte zu unseren Gunsten ausgenutzt werden“, dachte er. Der Trupp war bereit, jeder gebrieft – es fehlte nur noch die Auswahl des Korridors. Nur welcher?
Er stand auf, griff nach seiner Tasse und schlenderte zum Fenster. In dem Moment spürte er einen stechenden Schmerz im Fuß. Augenblicklich sprang er auf einem Bein zurück zu seinem Stuhl, fluchte lautstark und blickte nach unten. Sein Socken färbte sich rot.
„Verdammt! Ich wusste es! Die verdammten Nägel haben sich gegen mich verschworen“, murmelte er und zog sich den Socken aus. Eine schöne Schnittwunde. „Super. Jetzt darf ich mir gleich was anhören von Nici.“
Er humpelte zur Tür, winkte einen Kameraden herbei und zischte: „Geh und hol mir Jod und Verbandszeug – aber wenn Nici dich erwischt, sag einfach, du sammelst für ein Kunstprojekt.“
Der Kamerad nickte pflichtbewusst und verschwand. Rannulf ließ sich wieder in seinen Stuhl fallen und widmete sich den Berichten – so gut es mit einem pochenden Fuß eben ging. Ein paar Minuten später wurde die Tür ruckartig aufgerissen. Nici stand im Türrahmen mit diesem Blick. Erst besorgt, dann skeptisch, dann maximal genervt.
„Was. Hast. Du. Jetzt. Wieder. Angestellt?“ fragte sie, während sie langsam die Arme verschränkte.
Rannulf blickte nicht auf. „Ich? Nichts! Vielleicht eine göttliche Strafe für meine Sünden. Wer weiß das schon?“
Nici lief zum Schreibtisch, hob den blutigen Socken auf und hielt ihn wie eine forensische Beweismaterialie in die Höhe. „Ach ja? Und warum sieht das hier dann aus wie eine Szene aus einem schlechten Krimi?“
Rannulf seufzte. „Vielleicht war’s ein feindlicher Angriff auf meine Zehen. Kann man nie wissen.“
„Bist du wieder barfuß rumgelaufen?“ Nici funkelte ihn an. „Wie oft soll ich dir sagen, dass diese alten Böden schärfer sind als dein Verstand?“
Rannulf hob unschuldig die Hände. „Ich dachte, ich teste mal die natürliche Fußpanzerung. Spoiler: Funktioniert nicht.“
„Zeig her.“
Rannulf drehte seinen Stuhl leicht ein und legte den verletzten Fuß auf den Tisch. Während Nici sich um die Wunde kümmerte, dachte er: „Wie kriegt sie das immer mit?“
Ein paar Minuten und eine Portion Jod-bedingten Schmerzes später war alles versorgt.
„So, fertig. Zieh deine Schuhe an. Und nächstes Mal schick nach mir – nicht nach irgendeinem Handlanger, der meinen Medizinschrank durchwühlt! Ich habe ihn im Gang abgefangen. Er meinte, es wäre für ihn. Aber nach einer kurzen Betrachtung konnte ich keine Verletzung erkennen. Da dachte ich mir, ich schau mal hier vorbei.“
Rannulf nahm einen Schluck seines abgestandenen Kaffees, verzog das Gesicht und murmelte: „Man kommt hier echt zu nichts mehr …“
Nici grinste. „Sag das nochmal, wenn du demnächst im Feld von einem losen Bretterboden attackiert wirst. Dann gibt’s einen Ehrenplatz in der Ruhmeshalle der Dummheiten.“
Rannulf nickte bedächtig. „Ich nehme die Herausforderung an. Vielleicht widmet man mir dann ein Denkmal. ‚Hier fiel Rannulf, Held, Märtyrer und größter Feind der Zimmermannskunst.‘ “
Nici schüttelte nur den Kopf und verließ den Raum. Rannulf lehnte sich zurück, betrachtete seinen Fuß und dachte: „Vielleicht sollte ich doch einfach Socken aus Kettenhemd einführen …“