Auf dem Vorplatz von Arkadius herrschte reges Treiben.
Der Vodnik stand mitten auf dem Hof, während die letzten Wartungsarbeiten durchgeführt wurden. ElGabbo kroch halb unter dem Fahrzeug herum und kontrollierte zum dritten Mal alles, was sich kontrollieren ließ.
„Wenn du noch länger suchst, findest du irgendwann den Hersteller“, bemerkte Rannulf trocken und nahm einen Schluck Kaffee.
Nyarlathothep sicherte den Bereich, während Sarafiya_Nici und The Mighty Quin Kisten mit Verpflegung und Ausrüstung einluden.
Es sah fast aus wie eine gewöhnliche Patrouille.
Fast.
Denn heute ging es um deutlich mehr.
Rannulf lehnte an der Tür zur Lobby und beobachtete das Treiben.

Dabei fiel ihm eine Gestalt auf, die sich auffällig unauffällig verhielt.
Zwie8el.
Der Angehörige des Strafbataillons stand im Schatten eines Baumes und warf immer wieder sehnsüchtige Blicke auf den Vodnik.
Laut Vorschrift war es Strafbataillonsangehörigen nicht gestattet, mit dem Fahrzeug mitzufahren.
Der Blick verriet jedoch eindeutig, dass Zwie8el gerade darüber nachdachte, wie man Vorschriften möglichst kreativ auslegen konnte.
„Hey Zwie8el!“
Der Angesprochene zuckte zusammen.
„Ja?“
„Komm mal her. Ich hab eine Sonderaufgabe für dich.“
Zwie8el war innerhalb weniger Sekunden quer über den Platz gesprintet.
„Ja? Was denn?“
Rannulf grinste.
„Ich brauche einen Bordschützen. Besorg dir etwas Großes. Du fährst mit.“
Für einen Moment blieb Zwie8el stehen.
Dann begannen seine Augen zu leuchten.
„Jawohl! Das wird ein Spaß!“
Noch bevor er die Waffenkammer erreicht hatte, meldete er sich bereits über Funk.
„Frage: Reicht ein Magazin für die RPD oder soll ich noch ein Ersatzmagazin mitnehmen?“
Es entstand kurzes Schweigen.
Dann antwortete Nici:
„Willst du eine Zombiehorde zusammenschießen?“
Kurz darauf meldete sich Quin:
„Das Ding hat hundert Schuss. Das sollte reichen.“
„Man kann nie vorbereitet genug sein!“, kam die empörte Antwort von Zwie8el.
Wenig später saßen alle im Vodnik.
Rannulf ließ den Motor an.
Das tiefe Brummen des gepanzerten Fahrzeugs erfüllte den Hof.
Er musste unwillkürlich grinsen.
Es gab viele schöne Geräusche in Chernarus.
Aber nur wenige klangen so beruhigend wie ein funktionierender Vodnik.
„Auf die neue Zukunft“, murmelte er leise.
Dann setzte sich der Konvoi in Bewegung.
Über Sevyerino.
An Severograd vorbei.
Durch die Wälder des Nordens.
Bis schließlich die Landebahn des NWA vor ihnen auftauchte.
Dort wurden sie bereits erwartet.
„Endlich seid ihr hier!“
Crocodile Dendi trat ihnen entgegen.
„Macht das Tor auf! Wir bekommen Besuch!“
Die schweren Tore öffneten sich.
Der Vodnik rollte hinein.
Drinnen warteten bereits Inquitos, Cohiba und Kerems.
„Na? Was haltet ihr davon?“
Dendi grinste breit.
„Könnte unser neuer Operationsposten werden.“
Die 501st ließ die Blicke schweifen.
„Nicht schlecht“, murmelte Rannulf.
„Ein bisschen mehr Deko und es könnte sogar gemütlich werden“, bemerkte Nici.
„Dann kommt mal mit“, lachte Dendi.
„Wir zeigen euch den Rest.“
Gemeinsam zog die Gruppe durch die Anlage.
Raum für Raum.
Gang für Gang.
Werkstätten.
Lagerräume.
Unterkünfte.
Besprechungsräume.
Selbst Büroräume für die 501st waren bereits vorbereitet.
Bezugsfertig.
Man merkte schnell, dass DOT hier nicht nur plante.
Sie bauten bereits.
Als die Besichtigung beendet war, blieb Rannulf schließlich stehen.
Er sah Dendi an.
„Jetzt gibt es nur noch eine Sache zu tun.“
Dendi nickte.
„Das dachte ich mir auch.“
Rannulf öffnete seinen Rucksack.
Zwischen Karten, Unterlagen und halb zerknitterten Einsatzberichten lag eine Akte.
WEPO

Der Name war schlicht.
Die Bedeutung dagegen nicht.
Er öffnete die Akte.
Darin lag ein einziges Dokument.
„Hier.“
Rannulf reichte es Dendi.
„Lies es dir durch. Sollte alles enthalten, was wir besprochen haben. Falls nicht, können wir es anpassen.“
Dendis Blick wanderte über die Seiten.
Langsam erschien ein zufriedenes Grinsen auf seinem Gesicht.
„Ich denke, das passt.“
Er nickte.
„Die Rohentwürfe kenne ich bereits.“
Er zog einen Stift hervor.
„Dann machen wir es offiziell.“
Die Anwesenden wurden still.
Dendi setzte seine Unterschrift unter das Dokument.
Anschließend reichte er den Stift an Rannulf weiter.
Dieser unterschrieb ebenfalls.
Danach folgten die übrigen Anwesenden von DOT
Iquitos
CohibaCastro
KeremS
und der 501st.
Mit jedem Namen wurde aus einer Idee Realität.
Aus Gesprächen wurde Zusammenarbeit.
Aus Plänen wurde Zukunft.
Anschließend entstand ein gemeinsames Gruppenfoto.

Es wurde gelacht.
Gewitzelt.
Über alte Geschichten gesprochen.
Und für einen kurzen Moment fühlte sich die Zukunft tatsächlich greifbar an.
Dann trat Dendi erneut an Rannulf heran.

„Sollten wir nicht direkt mit Phase 1 beginnen?“
Rannulf grinste.
„Ich hatte gehofft, dass du das fragst.“
Er zog einen weiteren Ordner hervor.
„Unterlagen sind fertig. Ich brauche nur noch deine Unterschrift.“
Dendi überflog das Dokument.
Dann runzelte er die Stirn.
„Da fehlt das Datum.“
Rannulf schaute ebenfalls auf die Seite und nickte.
„Ja, ist mir auch aufgefallen.“
Dendi hob fragend eine Augenbraue.
„Und das stört dich nicht?“
Rannulf grinste.
„Doch. Aber inoffiziell starten wir heute mit Phase 1 und offiziell eben morgen.“
Er zuckte mit den Schultern.
„Wir müssen ja nicht heute gleich eine glorreiche Entscheidung nach der anderen treffen.“
Dendi lachte kurz auf und schüttelte den Kopf.
„Das ist vermutlich die vernünftigste unvernünftige Erklärung, die ich heute gehört habe.“
„Dafür bin ich bekannt.“
Dendi setzte seine Unterschrift unter das Dokument.
„Dann los.“
„Dann los“, bestätigte Rannulf.
Als die Sonne langsam tiefer sank, machte sich die 501st auf den Rückweg.
Der Vodnik brummte durch die Wälder des Nordens.
Selbst Zwie8el wirkte für einige Minuten ungewöhnlich ruhig.
„Woran denkst du?“, fragte Quin schließlich.
„Daran, dass ich offiziell mit dem Vodnik fahren durfte.“
„Das erklärt alles.“
„Das war der schönste Tag meines Strafbataillons.“
Gelächter erfüllte den Innenraum.

Zurück in Novo wurde der Vodnik verstaut.
Ausrüstung ausgeladen.
Waffen gereinigt.
Routine.
Doch für Rannulf war der Tag noch nicht vorbei.
Mit der Akte unter dem Arm machte er sich direkt auf den Weg zu Segestes.
Der Adjutant blickte auf, als Rannulf sein Büro betrat.
Die Akte landete vor ihm auf dem Tisch.
„Es geht los.“
Segestes sah auf den Ordner.
Dann wieder zu Rannulf.
„Phase 1?“
Rannulf nickte.
„Bereite eine Besprechung vor.“
„Für die gesamte Truppe?“
„Für die gesamte Truppe.“
Segestes griff bereits nach Stift und Notizblock.
Rannulf blieb einen Moment stehen.
Dann wanderte sein Blick durch das Fenster hinaus auf die Lichter von Novo.
Noch wusste kaum jemand, was heute unterschrieben worden war.
Noch wusste kaum jemand, welche Auswirkungen diese Vereinbarung auf den Norden haben würde.
Doch irgendwo zwischen Arkadius und dem NWA war an diesem Tag mehr entstanden als ein Operationsposten.
Es war der Beginn von etwas Neuem.
Etwas Größerem.
Und während draußen die Nacht über Novo hereinbrach, wanderte die unterschriebene Akte bereits durch die Hände derjenigen, die ihre Bedeutung verstanden.
Noch war WEPO nur ein Name auf Papier.
Noch.
Doch irgendwo zwischen dem Westen und dem Osten von Chernarus hatte an diesem Tag etwas begonnen, dessen Folgen noch niemand vollständig abschätzen konnte.
Fazit
Manche Tage bringen Beute.
Manche bringen neue Verbündete.
Und manche verändern die Zukunft einer ganzen Region.
An diesem Tag wurde kein Schuss abgegeben, kein Feind bekämpft und kein Rover versenkt.
Und genau deshalb könnte er einer der wichtigsten Tage in der Geschichte der 501st gewesen sein.