Ein Hinweis vorweg:
Dieser Beitrag behandelt dem Umgang mit Krankheit, Suizid und verwendet verbale Kraftausdrücke. Wenn du auf derartige Themen sensibel reagierst, lies diesen Eintrag vielleicht lieber mit einer vertrauen Person, mit der du das Lesen auch unterbrechen kannst, um dich über das Gelesene auszutauschen oder lies einfach nicht weiter.
26. April – Zum ungünstigsten Zeitpunkt
Für heute habe ich mir einiges vorgenommen.
Nach meinem morgendlichen Rundgang und der Kontrolle aller Garagen und Lager, kümmere ich mich wie immer um die Beete. Danach allerdings steht etwas Neues auf dem Plan: Blue könnte ein Lager in der Nähe gut gebrauchen. So, wie die Samariter es auch schon für Hikaru gebaut haben. Eine gemütliche kleine Garage.
Da ich noch einige Nägel und Drähte gefunden habe, setze ich meinen Plan sogleich in die Tat um. Wolfgang steht mir bei Bedarf über Funk mit Rat und Tat zur Seite, denn so viel Erfahrungen habe ich im Bauen von Lagern nicht. Leider passiert es mir zweimal, dass ich eine Mauer falsch gesetzt habe und alles wieder abbauen muss. Basen sind halt wirklich nicht mein Ding.
Ich komme mit keinen Verstecken hier und da prima aus.
Eichhörnchen-Style.
Trotzdem ist es natürlich nicht schlecht, wenn wir ein weiteres Lager für Essen, Kleidung und Werkzeuge in der Nähe hätten, falls der Bedarf mal größer werden sollte.
Stück für Stück baue ich ein Tor für eine Scheune, allerdings sind die Zombies in der Nähe nicht von meinen Plänen begeistert. Immer wieder muss ich meine Arbeit unterbrechen und mich gegen sie zur Wehr setzen Zahlreiche Wunden muss ich mir verbinden und meiner Gesundheit tut dies nicht gut. Das Schleppen schwerer Baumstämme kommt erschwerend hinzu, aber schließlich habe ich es geschafft und schaue stolz auf mein Werk.
Schließlich ist Zeit für eine kleine Pause und ich beschließe etwas zu Essen und zu trinken. Ich joggen zurück zum Camp, nehme mir etwas zum Essen aus der Küche. Zu spät bemerke ich, dass das Wasser in meiner Feldflasche wohl schlecht geworden sein muss, denn mir wird schlagartig übel und ich muss mich übergeben. Oh nein… nicht schon wieder! Cholera oder Salmonellen? Letzteres schließe ich eher aus, da ich keinen Kontakt zu rohem oder verdorbenem Fleisch hatte. Bei Wasser tippe ich eher auf Cholera. Aber wer weiß, was wirklich in meinem Körper vorgeht. Schnell nehme ich die nötigen Medikamente, aber mir geht es wirklich nicht gut. Fieber plagt mich und ich beschließe, mich etwas hinzulegen und auszuruhen.
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Ich habe das Gefühl, dass es mir schlagartig besser geht. Keine Schmerzen mehr, keine Übelkeit und ich fühle mich, als könnte ich ewig rennen. Aus irgendeinem Grund trage ich meine grüne Samariter-Uniform. Ich kann mich nicht erinnern, diese angezogen zu haben, aber für den Moment ist mir das egal.
Ich stehe vor dem Haus im Bambi-Auffanglager und blicke auf den Briefkasten.
Da ist… ein Zettel? Ich habe ja schon Ewigkeiten keine Zettel mehr gesehen. Was da wohl draufsteht? Neugierig nehme ich ihn in die Hand und falte ihn auseinander.
„UNOC Bootcamp III – Der Schmerz vergeht, der Stolz bleibt.“
Ernsthaft? Werbung… hier mitten in der Apokalypse? Wie surreal ist das denn bitteschön?
Naja vielleicht ist das ja was für die Jungs in unserer Truppe. Ich stehe nicht so auf Schmerzen.
Ich hänge den Zettel an eine Pinnwand im Haus und gehe wieder nach draußen.
Irgendwie bin ich noch immer voller Energie. Das muss ich ausnutzen!
Gemütlich jogge ich los in Richtung Chernogorsk zum Krankenhaus, um meine Medikamentenvorräte aufzufüllen.
Erstaunlicherweise sind gar keine Zombies zu sehen. Das sollte mich eigentlich misstrauisch machen, aber ich fühle mich fast, als könnte ich fliegen. Mühelos gleite ich über die Felder, finde hier und da ein paar brauchbare Kleidungsstücke und komme schließlich am Krankenhaus an, meinen Speer immer zur Verteidigung in der Hand. Kennst du diesen Moment, wenn einfach alles im Fluss ist und einfach nur so dahinrauscht? Genau so geht es mir jetzt gerade. Auch die Gedanken an den scharf schießenden Bambi-Killer oder unsere Minenleger sind wie weggeblasen.
Ich könnte die ganze Welt umarmen und fühle mich unbesiegbar!
Ich sammle hier ein paar Tabletten, dort ein paar Bluttestkits und arbeite mich so durch das Krankenhaus. Gerade habe ich fast die letzte Etage erreicht, da läuft mir ein Schauer über den Rücken. Ein unheilvolles Zischen und Dröhnen donnert in meine Ohren. Dann der Knall.
Die Welt bleibt für eine Sekunde stehen.
Ich habe das Gefühl, alles um mich rum würde zerspringen. Hitze steigt in mir auf und meine Lunge Brennt.
„SCHEIßE!“, fluche ich laut unter meiner Gesichtsmaske hervor, als ich mich die Erkenntnis mit der Wucht eines herannahenden Vorschlaghammers trifft. Das Krankenhaus, in dem ich mich gerade aufhalte, ist Ziel eines dieser grausamen Giftgasangriffe geworden und so eben zur Todesfalle mutiert.
Ich denke an Opi und seine Stimme verkündet selbstsicher: „Darum hab ich halt immer eine Gasmaske bei mir. Die hat mir mal das Leben gerettet…“. Tja.. schön für dich.
Hab ich leider nicht!
Mir bleiben ein paar erbärmliche Sekunde Zeit, um mein Leben zu retten.
Krampfhaft greife ich meinen Speer und renne buchstäblich um mein Leben. Ein erbarmungsloser Wettlauf mit der Zeit beginnt.
Um mich herum explodieren Fensterscheiben, aber das ist mir egal. Ich renne und renne, so schnell wie möglich raus hier. Raus aus dem Einschlagsradius. Nur weg!
Als ich das Krankenhaus verlasse, stehe dort auf einmal unzählige Zombies parat, als hätten sie nur auf mein Eintreffen gewartet.
Ich habe keine Zeit, mich auch noch um sie zu kümmern und renne einfach weiter.
Grüngelbliche Dunstwolken breiten sich aus. Ich beginne zu husten. Meine Sicht verschwimmt, aber ich kämpfe weiter. Die Zombies und der unsichtbare Tod überall um mich herum. Noch ein paar Schritte. Schneller!
Die giftige Wolke wird dichter, mein Husten stärker und ich kann kaum noch meine Hand vor Augen erkennen. Wo ist mein Weg? Muss ich nach rechts oder nach links abbiegen? Ich habe das Gefühl, dass ich im Kreis gelaufen bin. Hinter mir holt das grausame Stöhnen der Zombies auf, die im Chor nach mir rufen. Ich werde langsamer; kann kaum noch rennen. Meine Ausdauer lässt nach, der Drang zu husten wird unerträglich. War es das?
Ein Schlag von hinten trifft mich, reißt mich aus meinen Gedanken. Ich stolpere vorwärts. Wenn ich jetzt stehen bleibe, ist alles aus. Ich spüre, wie mein Blut am Arm die Kleidung hinunterläuft, aber ich ignoriere. An Schmerz ist jetzt nicht zu denken, ich funktioniere einfach nur noch. Allerdings wird das Atmen zunehmend schwerer.
Vielleicht schützt mich ja meine Maske etwas, aber ich mache mir nichts vor. Wenn ich jetzt stehen bleibe, bin ich tot.
Endlich habe ich den Fluss und die Brücke erreicht. Ich rede mir ein, dass ich dort in Sicherheit bin. Ich muss es nur schaffen!
Ich renne weiter. Immer weiter, aber ich habe das Gefühl, einfach nicht vorwärts zu kommen. Was ist denn hier bloß los?
Nach quälend langen Augenblicken erreiche ich das Wasser und laufe durch den Fluss auf die andere Seite. Meine Welt wird gräulich um mich herum und ich beschließe es zu riskieren. Drei Wunden muss ich versorgen und mir geht es gar nicht gut. Der Husten kommt nun häufiger. Ich muss an Opi und Ravini denken, die mir davon erzählt haben, wie sich eine solche Vergiftung äußert. Ohne die entsprechenden Gegenmittel oder eine Blutspende, stirbt man einen grausamen Tod. Blut mischt sich mit Erbrochenem und dann ist es aus.
Ich durchforste meine Jacke und meinen Rucksack. Irgendwo muss doch noch eine von meinen Blutspenden sein…! Verzweifelt suche ich jeden Topf und jedes Erste-Hilfe-Kit durch. Nichts… „Nein!“, beginne ich innerlich zu heulen, „Das darf doch nicht wahr sein…“.
Eine kleine Chance besteht noch. Ein letzter Strohhalm.
Eventuell ist ja im Bambi-Camp noch eine Blutreserve? Vielleicht reicht die Zeit noch? Ein kleiner Funken Hoffnung, der mich wieder weiterrennen lässt. Es ist schon eigenartig, wie eine solche irreale Hoffnung einen am Leben erhalten kann.
Ich jage mir einen Epinephrin-Stick in mein Bein, damit ich länger durchalten kann und sprinte keuchend los.
Auf Höhe des Industriegebiets, halte ich es dann nicht mehr länger aus. Die Übelkeit, die Panik, dieser Hustenreiz… ich muss mich mitten im Feld übergeben und merke, dass nicht nur mein Frühstück wieder das Tageslicht erblickt, sondern auch eine ganze Menge Blut.
Meine Welt wird grau um mich herum und ich taumle mehr vorwärts, als dass ich renne. Der Weg zieht sich endlos und ich versuche mich mit dem Essen von Kleinigkeiten etwas am Leben zu erhalten.
Schließlich erreiche ich das neue Lager von Blue. Habe ich dort schon eine Blutspende hinterlegt? Ich laufe zur Tür, aber diese ist verschlossen und ich habe weder Schlüssel noch Dietrich. Verdammt!
Resigniert laufe ich zum Bambi-Lager, kämpfe unterwegs hustend gegen ein paar Zombies, aber langsam wächst in mir die Erkenntnis, dass dies nun das Ende ist.
In weiter Ferne kommt die Bambifahne auf mich zu. Hier werde ich dann wohl sterben…
Ich renne in letztes Mal auf die Unterstände zu, die ich so emsig befüllt habe. Für eine Sekunde überlege ich, mir eine der Blutspenden zu nehmen, aber ich befürchte, für mich kommt jede Hilfe zu spät. Zeit, in Selbstmitleid zu verfallen, habe ich jedoch nicht.
Das Schicksal lacht mir noch einmal hämisch ins Gesicht.
Vor dem Zelt steht ein Bambi.
Echt jetzt?! Ausgerechnet jetzt?!
… Das ist doch nicht wahr….
Mühsamm komme ich näher, hebe meine Hand zum Gruß. Alle Vorsicht und Paranoia sind vergessen, denn selbst wenn das Bambi ein Killerbambi wäre, was würde mir das in meinem momentanen Zustand schon ausmachen?
So lache ich dem Tod quasi ins Gesicht. Ha!
„Hallo.“, sage ich so freundlich wie in meiner momentanen Lage möglich, doch mein starker Husten wirkt vermutlich sehr abschreckend auf ihn, also gehe ich etwas auf Abstand.
„Ich komme dir am besten mal nicht zu nah…“, beginne ich vorsichtig.
„Wer bist denn du? Kannst du reden? Can you talk?“, frage ich ihn, als er meinen Gruß erwidert und seine Hand hebt.
Ich würde gerne stehen bleiben und mit ihm plaudern, aber mir wird schon ganz schwindelig und ich habe das Gefühl, dass es nun nicht mehr lange dauern wird. Also gehe ich in einen nahegelegen Busch und lege alle meine wichtigen Sachen ab, damit vielleicht jemand aus meinem Team sie findet und sich seinen Teil denkt.
Gut, dass keiner von ihnen gerade da ist und mich in dieser Lage sehen muss… Das wünsche ich keinem. Nur in Unterwäsche bekleidet laufe ich ein letztes Mal in Richtung Lager und mitten auf dem Weg wird mir schwarz vor Augen.
War es das jetzt?
Offenbar noch nicht, denn einige Augenblicke später, wache ich wieder auf und liege im Gras. Mit letzter Kraft schleppe ich mich zu den Unterständen…und treffe nochmals auf das Bambi. Ich beschließe für ein letztes Gespräch doch nochmals eine Blutspende zu nutzen und greife auf die unbestimmte Blutprobe zurück. Eventuell kann ich noch ein paar Augenblick durchhalten, ehe ich den Löffel endgültig abgeben muss oder aber ich vertrage das Blut nicht. Dann war es das halt. Aber das scheint nicht der Fall zu sein, meine Welt hellt sich wieder etwas auf.
„Was machst denn du jetzt?“, fragt das Bambi ungläubig und schleicht auf mich zu.
„Ich muss leider sterben.“, gebe ich trocken aber so sachlich wie möglich zurück. Bestimmt nicht die Antwort, die der Fremde sich erhofft hat. Ich muss kräftig husten. Das Reden strengt meine Stimme an. Meine Hand wird blutig.
„Husten, husten?“, fragt er kurz. Ich erkläre ihm, dass ich ihm gerne alles hier zeigen würde und dass es mir sehr leidtut, dass er mich so antreffen muss. Das Giftgas war leider einfach zu viel; ich habe es nicht geschafft.
Ein letztes Mal frage ich ein Bambi nach seinem Namen: „Kannst du mir noch kurz sagen, wie du heißt?“ Warum ich das mache, weiß ich nicht. Es hat doch ohnehin keinen Sinn mehr. Aber vielleicht habe ich jetzt am Ende meines Lebens endlich verinnerlicht, wie man als Samariter von Chernarus auf andere zugeht.
„Ja, Andreas. Hallo. Freut mich dich kennenzulernen.“, stellt er sich kurz vor.
„Hi, Andreas. Freu mich auch.“ Nein, tut es nicht. Ich sterbe ja immerhin gleich! Bin ich einfach nur höflich? Nein, das ist es auch nicht. Mir wird in meinem vernebelten Verstand klar, dass ich mich, auch wenn ich jetzt sterbe, für mein Gegenüber wirklich interessiere. Ich möchte wissen, wer das ist. Möchte gerne seine Geschichte hören, ihm helfen und einfach eine gute Zeit gemeinsam haben. Eben das, was man so als Mensch mit anderen Menschen macht. Einen Funken Menschlichkeit in die Apokalypse tragen.
So paradox es klingt: Ich glaube, langsam begreife ich, wie mein Vorredner das gemeint hat in dem Tagebuch.
„Vielleicht sehen wir uns ja im nächsten Leben“, füge ich etwas kleinlaut und leicht traurig hinzu. Aber ich weiß nicht, ob mein Gegenüber das gehört hat.
„Ist das hier...ist das hier deins?“, werde ich in meinen tiefgründigen Gedanken unterbrochen.
„Ja, ich bin einer von den Samaritern hier. Ich bin..… Herz-aus-Gold.“ Warum verwende ich diesen Namen? Bin ich das wirklich? Ich habe die rote Jacke am Unfallort doch einfach nur an mich genommen. Ich wusste gar nicht, auf was ich mich da einlasse….Aber nach den Erfahrungen, die ich zuvor als Einzelgänger gemacht habe, war dies die einzig logische Konsequenz. Etwas Besseres als den Tod, findest du überall.
Schade nur, dass der Tod mich hier so schnell gefunden hat.
Herz-aus-Gold… Ja, irgendwie schon. So kurz vor meinem Ableben habe ich begriffen, dass ich jetzt Herz-aus-Gold bin. Und ich möchte es auch bleiben, aber das Schicksal hat andere Pläne…
„Das ist ja…komplett stark!“, spricht Andreas weiter.
„Genau, du darfst dich gerne bedienen.“, antworte ich ihm. „Also darf man auch offen dazu beitragen?“, möchte er noch wissen und läuft von einem Zelt zum anderen.
„Du darfst gerne dalassen, was du möchtest. Und nimm dir, was du brauchst. Nur bitte die Zelte und die Kisten einfach stehen lassen und den Ofen. Das wär‘ super… Ansonsten darfst du alles benutzen. Achja und die Fahne wäre natürlich auch cool, wenn ihr die stehen lasst…“
„Hm“, überlegt Andreas kurz, „dann komm‘ ich in einem Schlenker wieder, sobald ich alles habe und geb‘ das hier wieder ab.
„Ja, cool. Danke. Das ist voll lieb…“ irgendwie weiß ich nicht so recht, was ich sagen soll. Klar ist es toll, dass er sich beteiligt. Aber ich sterb‘ hier immerhin gleich… Also verzeih mir meinen eigenartigen Dialog.
„Ist natürlich echt schade, dass ich hier gleich umkippe. Aber was will man machen? Ich bin nicht schnell genug aus Cherno rausgekommen.“
„Ist die… Ist die Wolke in Cherno?“, fragt er überrascht.
„Ja, mitten auf‘s Krankenhaus runtergekommen, wo ich gerade Medikamente geholt habe.“ Trotz meiner leichten Bekleidung fange ich heftig an zu schwitzen. Lange wird es nun nicht mehr dauern.
„Äh, ich hab‘ den Knall gehört. Hab mich noch gewundert, was das war.“, ergänzt er noch kurz, dann tritt eine beklemmende Pause ein. Mir fällt nicht so recht ein, was ich noch groß sagen könnte.
„Ja gut. Dann sehen wir uns bestimmt im nächsten Leben und äh… ein frohes Sterben wünsch‘ ich dir.“
Irgendwie muss ich aufgrund der Absurdität dieser Situation etwas lachen. Ich hätte nie gedacht, dass mein letzter Dialog und meine letzten Gedanken in diese Richtung gehen würden. Für einen Bruchteil einer Sekunde überlege ich, ob ich ihn darum bitten soll, mich zu erlösen. Aber ich sehe davon ab. Mein Blut soll nicht an seinen Händen kleben.
Ich sehe dem Bambi noch kurz nach und ziehe mich dann weiter ins Feld zurück. In einiger Entfernung sehe ich einen kleinen Metallschuppen. Dorthin möchte ich mich zurückziehen.
Wie lange wird es wohl noch dauern? Ich habe keine große Lust darauf zu warten, nochmals Blut zu erbrechen oder einfach tot umzufallen. Aber ich möchte auch niemand anderen darum bitten, mich zu erlösen. Auch keine Zombies.
Nein, wenn, dann sehe ich dem Tod mit offenen Augen ins Gesicht. Naja, es sei denn ich werde von einem anderen Überlebenden hinterrücks getroffen… aber das steht nun nicht mehr zu Debatte.
Ich nehme meinem Speer vom Rücken und betrachte ihn nachdenklich. Ich könnte das einfach tun. Hier und jetzt. Alles enden.
Sobald der nächste Schub der Vergiftung kommt, bin ich ohnehin tot. Bis dahin leide ich hier vor mich hin. Warum das Ganze nicht abkürzen?
Ich starre auf den Speer in meinen Blutverschmierten Händen. Ob es weh tun wird?
Tränen steigen mir ins Gesicht. Ein kurzer Ruck und es ist gleich vorbei…
Ich schließe meine Augen. Dunkelheit umgibt mich. Herz-aus-Gold…. Ich bin Herz…
„Herz…wach doch endlich auf!“
Ich öffne meine Augen. Es dauert etwas, bis sie die Konturen um sich herum wahrnehmen können. Ich erblicke die Decke eines..Hauses? Wo bin ich? Was ist passiert?
Benommen setze ich mich auf und sehe mich um. Ich liege in einer Blockhütte, vermutlich beim Bambi-Auffanglager. Ich höre ein prasselndes Kaminfeuer, das etwas Wärme spendet und tanzende Schatten an Wand und Decke wirft. An meinem Bett sitzt Hikaru.
„Na Dornröschen, ausgeschlafen?“, grinst sie mich breit an.
„Hikaru… was… wie?“, stammele ich vor mich hin. Ich kann den Szenenwechsel gerade nicht einordnen und muss einen ziemlich verpeilten Eindruck auf sie machen.
„Für ganze Sätze reicht’s wohl noch nicht, wie?“, entgegnet sie spielerisch schnippisch.
„Das Fieber hat dich ganz schön erwischt. Du hast den ganzen Tag verschlafen…“, beginnt sie zu erklären. Fieber? Heißt das etwa…
„Warte mal…“, versuche ich Ordnung ins Chaos zu bringen. Ich schaue mich nochmals um. Meine rote Sanitäterjacke liegt arglos auf dem Tisch, draußen ist es dunkel geworden.
„Moment…Moment. Ich bin nicht tot? Was ist mit dem Giftgas.. den Zombies und… Andreas?“, stottere ich, nicht sicher, ob ich erleichtert oder über die Intensität dieses realistischen „Fiebertraums“ schockiert sein sollte.
Hikaru sieht nicht so aus, als ob sie mit meinen Schilderungen etwas anfangen kann. Ich lege meinen Kopf wieder auf das improvisierte Kopfkissen und starre an die Decke. Ich lebe.
Ich lebe und ich bin Herz. Herz-aus-Gold.
„Hikaru… du wirst nicht glauben, was ich geträumt habe…“