Von Herzen – Briefe aus Chernarus (1.30)

  • Disclaimer



    💛 Ein paar Worte vorweg

    „Von Herzen“ erzählt von Erlebnissen auf GDZ Vanilla Chernarus in der Version 1.30 – in Briefform und aus der Sicht meiner Spielfigur Herz-Aus-Gold,
    auch daran zu erkennen, dass ich mit "gez. Herz-Aus-Gold" und nicht einfach mit "Herz" unterschreibe.

    "Herz-Aus-Gold" als Figur und ich als Spielerin sind dabei bitte auseinanderzuhalten. Wenn die Figur "Herz-Aus-Gold" erschöpft ist, sich zurückzieht, jemandem misstraut oder mit einer Erinnerung ringt, gehört das zu ihrer Geschichte, die nun inzwischen über 12 Seasons hinweg hier bei GDZ entstanden ist. Das bedeutet nicht automatisch, dass ich persönlich so über euch denke oder eure Erlebnisse nicht mehr hören möchte. Ein schwieriger Gedanke im Brief ist darum keine versteckte Aufforderung, mich künftig in Ruhe zu lassen. ;)

    Die Briefe enthalten ausschließlich das, was "Herz-Aus-Gold" im Spiel selbst erlebt, hört oder von anderen Überlebenden erzählt bekommt – ergänzt um ihre Gedanken, Erinnerungen und Vermutungen. Sie kennt nicht jede Wahrheit und kann sich auch einmal irren. Was sie erzählt, ist deshalb immer ihre persönliche Sicht auf die Ereignisse.

    Meine Adminrolle bleibt davon strikt getrennt. Informationen aus Serverlogs, internen Vorgängen oder vertraulichen Supportfällen fließen nicht in die Geschichten ein und werden darüber nicht weitergegeben. Verdächtigungen innerhalb der Erzählung sind entsprechend auch keine offiziellen Feststellungen des Adminteams.

    Wo etwas unklar ist, mache ich das möglichst kenntlich: „vermutlich“, „angeblich“, „man erzählt sich…“ Manchmal bleibt unser Chernarus eben ein Mysterium. Sollte ich etwas falsch verstanden oder missverständlich dargestellt haben, sprecht mich gerne an.

    Zur Transparenz: Beim Formulieren und Strukturieren nutze ich unterstützend ein KI-Tool. Die Erlebnisse und Notizen stammen von mir; Auswahl, Figurenperspektive und die endgültige Fassung liegen in meiner Hand. Für den veröffentlichten Text trage ich die Verantwortung.

    Niemand muss gegen seinen Willen Teil meiner Erzählungen sein. Wenn euch eine Darstellung unangenehm ist oder ihr darin nicht vorkommen möchtet, meldet euch bitte bei mir.

    Die Briefe sollen unser gemeinsames Spiel bereichern, Erinnerungen festhalten und euch unterhalten – ob ihr gerade frierend im Busch liegt oder im echten Leben gemütlich in der Küche sitzt.

    Danke fürs Mitlesen und für euer Vertrauen.
    ~ Herz 💛

    Von Herzen – Briefe aus Chernarus 1.30


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    I. Neuer Anfang, alte Wunden (15.10.2026 - 22.10.2026)


    Mein lieber Freund,

    nun ich hoffe, es geht dir gut und du hast einen sicheren Platz für die Nacht gefunden. Ja ich weiß… ich hatte gesagt ich wollte nicht mehr viel schreiben und ich bleibe auch dabei. Meine Berichte sind erstmal Geschichte, zu viele Dinge verlangen gerade gleichzeitig meine Aufmerksamkeit. Dennoch geht mir einiges im Kopf rum, was ich unbedingt irgendwie loswerden muss. Gerade deshalb wollte ich dir schreiben. Bei all diesen Menschen, die kommen und gehen, bleibt manches ungesagt, und seit der letzten Season denke ich häufiger daran, wie schnell aus einem aufgeschobenen Gespräch eines werden kann, das man gar nicht mehr führt.

    Ehrlich gesagt: Ich weiß nicht genau, wo ich anfangen soll.

    Hier ein kleiner Zwischenstand: Ob du es glaubst oder nicht, eine Woche nach dem WIPE-Day ist hier in Prigorodki inzwischen wieder so etwas wie Alltag eingekehrt, sofern man den Aufbau, die Motorradunfälle und die regelmäßige Frage nach dem Verbleib unserer Vorräte als solchen bezeichnen möchte. Aber ich muss sagen… es ist seltsam ohne die anderen. Es fühlt sich komisch an. NiggoB, WhiskeyMixer, dakel, Jannnik, Blitzo, dreizehnzwoelf und X_Brummi_Xversuchen nun ihr Glück in Nasdara, und manchmal ertappe ich mich noch dabei, dass ich ganz selbstverständlich damit rechne, einer von ihnen könnte gleich hier auftauchen. Natürlich hat man noch per Funk Kontakt, aber man merkt deutlich, dass ihr neues Umfeld sie ganz und gar in Beschlag nimmt.

    Mittlerweile gibt es Neuigkeiten: Uns erreichen Geschichten aus der heißen Wüste, von neuen Bekanntschaften und einem Leben, bei dem offenbar selbst die kleinste Verschnaufpause hart erkämpft werden muss. Erste Kontakte zu VCU und BBS aus dem anderen Chernarus soll es geben und sogar aus anfänglichen Gefechten mit DOT ist so etwas wie ein kameradschaftlicher Austausch geworden.

    Tja…Was man hört, klingt aufregend, aber auch verdammt anstrengend…. Viel Gelegenheit, sich gemütlich einzurichten und das eigene Werk zu bewundern, scheint ihnen niemand einzuräumen.

    Ebenfalls erwähnenswert: Auch die „Überbleibsel“ von CHAOS um Davus sind dort unterwegs; von Mora hört man ebenfalls, gerüchteweise auch von Greeny_29, und Teile von RAC sollen es ebenso in die Wüste geschafft haben. Man könnte beinahe meinen, jemand hätte einen beträchtlichen Teil unserer vertrauten Unruhe eingesammelt und nach Nasdara verfrachtet…. Tja willkommen in den „Badlands“. Sie machen ihrem Namen wohl alle Ehre. Aber: Sie fehlen mir. Selbst das Durcheinander, das sie zuverlässig mitbrachten, fehlt mir manchmal, auch wenn ich das vermutlich bereuen werde, sobald sie wieder vor mir stehen…

    Und doch: ich gönne ihnen, dass sie dort ihre Wege gehen und etwas Eigenes aufbauen. Wir können schließlich schlecht jedem erzählen, er solle sein Glück suchen, und ihn dann am Ärmel festhalten, sobald er dann tatsächlich einmal loszieht. Außerdem bin ich überzeugt, dass sie irgendwann zurückkommen werden. Vielleicht nur auf einen Besuch, vielleicht mit neuen Plänen, ganz sicher aber mit reichlich Geschichten und vermutlich auch Sprengstoff…

    Chernarus wird sich noch wundern. Bis dahin sollten sich die Leute hier besser ordentlich vorbereiten. Wenn unsere Wüstenurlauber schon jetzt unter solchem Druck lernen müssen, möchte ich nicht wissen, welche Gewohnheiten sie von dort mitbringen.

    Häufig geht mir das durch den Kopf. Ich hab es die letzten Tage oft gesagt: DeerIsle, unser Chernarus und das der anderen waren noch nie so eng verbunden, wie in diesen Tagen. Und ich freue mich sehr darüber! Es gibt so viel, was wir gerade voneinander lernen. Allen voran natürlich: Geduld.

    Ich meine das mit der Geduld übrigens ernst: Die brauchen wir gerade reichlich, denn der Sturm hat einiges durcheinandergewirbelt.

    Nun aber wieder der Reihe nach. Mein eigener Neuanfang verlief übrigens zunächst ausgesprochen vertraut: Ich fand mich in Berezhki wieder. Ja… ausgerechnet Berezhki. Wenn ich nach Prigorodki möchte, legt Chernarus offenbar Wert darauf, dass ich mir vorher noch einmal die gesamte Küste ansehe. Von Norden bis Süden. Also nichts wie los… In Svetlojarsk fand ich ein Motorrad und sogar eine passende Zündkerze, was mich für einen kurzen, leichtsinnigen Moment glauben ließ, diesmal könnte etwas unkompliziert werden. Anschließend fehlte mir ein Gefäß für Benzin, und die Welt war wieder in Ordnung.

    Am Ende klappte es doch. Irgendwann bekam ich die Maschine tatsächlich zum Laufen, und dann saß ich zum ersten Mal auf einem Motorrad, fuhr die Küste hinunter und wusste vor lauter Freude kaum, wohin mit mir. Der Wind, die Straße, endlich wieder vorankommen, ohne jeden einzelnen Schritt selbst machen zu müssen…. es war herrlich! Lediglich Pinkys Warnung, diese Dinger seien fahrende Todesfallen, begleitete mich so hartnäckig, als hätte er persönlich hinter mir auf dem Sitz Platz genommen.

    Chernarus hatte aber noch eine Überraschung für mich: In Solnichniy stand dann ein roter Gunter bei der Klinik.

    Hier musste ich lange überlegen, aber du ahnst vermutlich, wie diese Entscheidung ausging… Meine Abenteuerlust ist durchaus vorhanden und ich liebe die Motorräder, aber ich musste auch an die Samariter denken und ein Auto war einfach unentbehrlich in diesen Zeiten, wenn es um den Transport von Hilfsgütern ging. Und du weißt ja… der rote Gunter ist für mich seit jeher etwas Besonderes. Das Motorrad fand später einen anderen Fahrer, ich glaube es war ein Besucher aus dem anderen Chernarus, während ich weiter nach Süden fuhr, dorthin, wo aus ein paar Unterständen und ziemlich viel Arbeit wieder unser Zuhause werden sollte.

    Tatkräftige Hilfe gab es auch. Khoal23 von den Dead Rabbits aus dem anderen Chernarus hatte daran übrigens von Anfang an einen erheblichen Anteil. Ich weiß nicht, wie dieser Mann es anstellt, aber während andere noch nach einem brauchbaren Messer suchen, scheint er bereits Zelte aus dem Boden zu ziehen. Dank seiner Spenden standen schon am ersten Tag zwei davon neben unseren beiden Unterständen, und plötzlich sah Prigorodki wieder nach einem Ort aus, an dem man bleiben wollte.

    Verlass war auf unsere Leute. janinesta (Selina) und Pinky packten mit an, Jammet und s-tlk besorgten Material, und SebastianThe1st. schaute ebenfalls vorbei. Ja wirklich.. du kennst unseren Basti doch noch? Den Feuerwehrmann, der vor einigen Seasons „Last Hope“ betreut hatte und dann weitergezogen war? Genau der.

    Ohne Fleiß kein Camp...Wir bauten also, schleppten und räumten, suchten zwischendurch etwas zu essen und machten das beste aus der Situation. Aber man merkte schon: Die Stimmung war… merkwürdig. Viele Fremde Gesichter, nicht jedes davon freundlich gesinnt… bei Kamyshovo grüßte ich ein Bambi, dass dann auf mich einprügelte, aber so leicht ließ ich mich nicht beirren und stand am Ende als Siegerin über ihm… ein seltsames Gefühl, aber ich habe vermutlich in der letzten Season einiges dazugelernt, was die Selbstverteidigung angeht.

    Richtig schön in Erinnerung geblieben ist mir aber .chantal2000. Ich traf sie an diesem ersten Tag mehrfach als Bambi an der Küste, und sie sprach mich an, ohne überhaupt zu wissen, wer ich war. Später erzählte sie stolz davon, dass sie sich endlich getraut hatte, einen fremden Menschen anzusprechen. Und ich muss sagen… wie sie so überzeugt von dieser Sache erzählte, sah sie sogar noch ein Stück besser aus als sonst.

    Bei solchen Begegnungen geht mir das Herz auf. Es war so schön mitzuerleben, wie jemand ein kleines Stück mutiger wurde.

    Langweilig wurde es jedenfalls nicht. Am Abend kamen DarkG und Timo dazu, zwei Neuankömmlinge mit ausgesprochen unterschiedlichem Temperament. Timo suchte nach längerer Abwesenheit wieder Anschluss und fand ihn bei Vinaheal (Sophie) und Ali-Alex, während DarkG genug Übermut für mehrere Reisende mitbrachte. Dass Khoal23 und ich ihm nach einem Motorradunfall helfen mussten, dürfte Pinkys Ansicht über diese Fahrzeuge kaum erschüttert haben. Und das, obwohl ich erst abgelehnt hatte, für ihn Taxi zu spielen. Ich hatte genug am Camp zu tun und er kam hierher und dachte das sei selbstverständlich… war es nicht. Trotzdem halfen wir am Ende.

    Arbeit gab es also genug. Überhaupt waren wir mit der Versorgung verunglückter Motorradfahrer recht bald beschäftigt. Ich möchte diese neue Form der Fortbewegung wirklich nicht schlechtreden, aber sie scheint ein bemerkenswert zuverlässiges Verfahren zu sein, uns Samariter kennenzulernen.

    Chaos hatten wir allerdings nicht nur auf den Straßen.
    Mit Maurice, janinesta (Selina) s ehemaligem Kollegen, hatten wir ebenfalls alle Hände voll zu tun. „Waffe weg, Maurice!“ wurde ziemlich schnell zu einem dieser Sätze, die man häufiger sagt, als einem lieb ist. Ihm saß offenbar der Schalk im Nacken, allerdings hätte ich es begrüßt, wenn er sich dafür etwas anderes ausgesucht hätte, als am Camp herumzuschießen und dabei auch auf Menschen anzulegen. Wir mussten ihn jedenfalls mehrfach daran erinnern, dass seine Waffe dort eingesteckt bleiben sollte. Irgendwann stellte sich dann auch noch heraus, dass er Menschenfleisch gegessen hatte. Wie genau es dazu gekommen war, wusste nicht einmal er selbst, aber die Folgen waren leider unüberhörbar. Am Ende erlöste Selina ihren ehemaligen Kollegen mit seinem ausdrücklichen Einverständnis von seinem Leiden. Eine einvernehmliche „Hinrichtung“… auch etwas, von dem ich früher nicht gedacht hätte, dass es einmal zu unserem Alltag gehören würde. Immerhin schien diese reichlich endgültige Behandlung bei ihm zu wirken, während wir bei Nr. 371 damals bekanntlich weniger Erfolg damit gehabt hatten. Ich hätte trotzdem gerne irgendwann einen Tag, an dem „Waffe weg, Maurice!“ unsere größte Sorge bleibt.

    Klein anzufangen nahmen sich immerhin manche vor. Auch andernorts wurde wieder aufgebaut. Der Bert kümmert sich in Solnichniy um sein Camp. „Green Rooster“, und der Hahn als Markenzeichen lässt mich jedes Mal schmunzeln. Ein bisschen Chicks bleibt eben doch an einem hängen… und damit meine ich nicht nur die Größe seines Camps. Wobei er beharrte „Nein Herz. Diese Season baue ich klein…“ Naja wir werden sehen.

    Lioncast ( lioncast) von den Dead Rabbits war ebenfalls auf dem Motorrad unterwegs, still und bestens ausgerüstet, und schaute auch bei ihm und bei uns vorbei.

    Immerhin gab es auch Vertrautes: Rio ließ sich mit einer Wolfsarmbinde wieder blicken, Vezir und ich trieben unsere Späße am Camp und janinesta (Selina) und Pinky machten einen gelben Sarka flott, der selbstverständlich wieder “PISSI“ heißt… ja frag nicht. Es schien ihnen wichtig zu sein. Sehr zum Leidwesen von Jammet. Noch immer. Aber es tut gut, dass gewisse Dinge selbst die gründlichsten Stürme überstehen.

    Schritt für Schritt ging es voran. Unsere Leitstelle nahm unterdessen langsam Form an. Ich hatte neben meinem roten Gunter noch einen schwarzen fahrbereit gemacht, und die Jungs bekamen einen grünen Sarka gesponsert. Wie sie alle hießen? Der schwarze Gunter war „HELMUT“ und natürlich hatte Selina auch wieder einen „HERBERT“.

    Tja, diese Namen… Wir Menschen machen den Autos nichts vor. Am dritten Tag lernte ich Jinny und Jimmy ( Monkey the Ruffy) kennen. Ja, wirklich…. so heißen sie. Mit einem dritten Begleiter waren sie aus dem anderen Chernarus zu uns gekommen und wollten nun hierbleiben und sich eine neue Bleibe errichten. Jinny brauchte eine Zündkerze für einen roten Gunter, den sie an einer Tankstelle gefunden hatten und ich hatte tatsächlich eine bei mir, allerdings war die bereits Khoal versprochen, als Dank für seine Spenden und weitere Dinge, die er uns noch bringen wollte. Erst später sollte ich erfahren, dass sie bereits im Norden in Schießereien geraten waren und wohl ziemlich unfreundliche Nachbarn hatten.

    Selbstverständlich half ich ihnen und sie bekam zunächst diese Kerze, und Khoal23 erhielt später meine eigene.

    Ich wollte schließlich Wort halten. Ein Versprechen sollte schließlich auch dann noch gelten, wenn zwischenzeitlich jemand anderes freundlich fragt. Außerdem hatte Khoal23 inzwischen so viel für unser Camp getan, dass ich ihn schlecht mit einem bedauernden Schulterzucken neben seinem nicht fahrbereiten Motorrad stehen lassen konnte. Später sicherte er sich sogar noch einen Humvee und hatte wohl die Zeit seines Lebens… Aber auch er vermisste sein Chernarus und ich verstand ihn. Zu unterschiedlich waren unsere Welten, zu anders unsere Gewohnheiten. Aber es waren solche Begegnungen, die mir das Gefühl gaben, dass dieser Anfang gelingen konnte. Dann kam wieder eine jener Nächte, in denen wir daran erinnert wurden, wie wenig es manchmal braucht, um alles zu verändern. Am Ende überließ er DarkG den Humvee, der ihn dann im Westen nahe dem Militärcheckpoint bei "Last Hope" verunfallt stehen ließ.

    Es wurde anschließend wieder ernst. janinesta (Selina) und ich arbeiteten an der Leitstelle, als vom Camp her Schüsse fielen. Sie gab mir Deckung, während ich beobachtete, und ich sah noch einen blauen Ada davonfahren. Zurück blieben zwei Leichen am Camp.

    Sicher war leider längst nicht alles. Nach dem, was wir herausbekamen, hatte ein ausgerüsteter Mann ein kaum ausgestattetes Bambi erschossen und war anschließend selbst getötet worden, offenbar von dem Fahrer des Ada. So zumindest die Vermutung, denn die Position der Leichen deutete dies an. Im Inventar des ausgerüsteten Mannes lag eine pinke Armbinde; viel mehr ließ sich daraus zunächst nicht ableiten. Außerdem wussten wir nicht, wem diese Farben gehörte. Der Kirche von Morthana bestimmt nicht und auch die Schutztruppe hatte sich aufgelöst.

    Ich wollte trotzdem nicht ewig darüber grübeln.

    Nun blieb uns nur, uns um die beiden zu kümmern. Wir beerdigten die beiden und sicherten, was an Ausrüstung zurückgeblieben war. Als das Auto später wieder auftauchte, blieb ich auf Abstand und beobachtete weiter. Ich hatte wenig Bedürfnis, mich ohne ein klareres Bild mitten in diese Geschichte zu stellen.

    Damit war es allerdings noch nicht vorbei. Auch um ASSAULTxHDx herum wurde es unruhig. Eine ominöse Gruppierung namens "Blacklist" hatte ihn und seine Freunde geraidet, und was man über die zerschossenen Reifen und die mutwillig zerstörten Dinge hörte, machte mich wütend. Es ist bitter genug, ausgeraubt zu werden; anschließend noch möglichst viel unbrauchbar zu machen, damit der andere auch ja nichts mehr davon hat, ist eine Gemeinheit, für die mir jedes Verständnis fehlt.

    Unübersichtlich war schon die Vorgeschichte; zuvor waren bereits Anschuldigungen durch den Funk gegangen, seit die Gruppe um Tomi (TomGuuner) und AJSmalls187 herausfinden wollte, wer ihre Leute angegriffen hatte. Vinaheal (Sophie) sollte angeblich einen Namen verraten haben, was sie nach allem, was wir erfuhren, gar nicht getan hatte. Es sei wohl ASSAULTxHDx gewesen, der Tomi (TomGuuner) vom Motorrad geschossen hatte und einen roten Sarka entwendet oder geschrottet hatte. So genau konnte ich das nicht ausmachen. Aber er schwor als Sprachrohr der „Blacklist“ jedem aus unserem Chernarus den Krieg. Das machte mich fassungslos. Wie konnte man so leichtfertig alle Leute vorverurteilen? Kein Wunder, dass das bei der Gruppe um @Assault bestehend aus Nelli_3011, Cypress, Supdude und T.S.Clown auf wenig Begeisterung stieß. Man hielt das für ganz schön vermessen.

    Noch einer steckte mittendrin: Timothy aus dieser Gruppierung stand ebenfalls knietief in diesem Durcheinander und wollte sich von "Blacklist" abwenden und zog teilweise mit Kallele oder anderen aus unserem Funkkanal durch die Gegend.

    Trotz allem gab es auch noch etwas zu schmunzeln: ASSAULTxHDx brachte mir im Laufe der Woche auch einen taktischen Rucksack, einen blauen AN-Helm sowie ein Nachtsichtgerät und deutete bei der Gelegenheit grinsend an, er könne ja wieder „Baumstämme“ zur Wiedergutmachung schleppen, falls er irgendwann erneut Unsinn am Camp anstelle. Ich erklärte ihm, dass sich auf diese Weise leider kein Vorrat an Vergebung anlegen lässt, auch wenn wir uns über freundschaftliche Geschenke selbstverständlich freuen.

    Ein Besuch sorgte dann wieder für Abwechslung. Heute kamen er und Nelli_3011 ausgesprochen gut gelaunt im grünen Ada vorbei und präsentierten stolz eine Piratenfahne. Ob da bereits eine Rückeroberung stattgefunden hatte, kann ich dir nicht sicher sagen; ich war nicht dabei, und ihre gute Laune allein ist noch kein vollständiger Einsatzbericht. Der „Nellynator“ jedenfalls war wohlauf und gut gelaunt, was nach ihrem praktischen Unterricht im Minenentschärfen bei Cypress durchaus schon eine Besonderheit ist. Soweit ich hörte, war die Lektion ausgesprochen… eindrücklich gewesen. Ich hoffe nur, sie hält bei der nächsten Mine wirklich einen vernünftigen Abstand ein.

    Ruhiger wurde es leider auch danach nicht. Schließlich erreichten uns die Nachrichten aus Tishina.

    Und nun fehlen mir beinahe die Worte. Ich habe lange überlegt, wie ich dir davon schreiben soll, weil ich merke, dass mir schon beim Gedanken daran die Hand schwerer wird.

    Neuanfänge sollten doch eigentlich Hoffnung machen. Cable98 , unser Tom, kümmert sich dort wieder als Bürgermeister um das Dorf, und Pinky, janinesta (Selina) und unser zurückgekehrter Brite Crippsy77 waren hinaufgefahren, um beim Aufbau zu helfen. Sie wollten Material bringen, mit anpacken und dazu beitragen, dass dort wieder Menschen zusammenkommen konnten.

    So schnell kann das alles zerbrechen. Am Brunnen bedrohten zwei Fremde Pinky mit ihren Waffen. Er hob die Hände, wollte reden und sie erschossen ihn trotzdem. Einfach so.

    Hände oben, tot. Als ich das erfuhr, musste ich an dieser Stelle immer wieder hängen bleiben. Ich versuchte, mir vorzustellen, wie er dort stand, mit leeren Händen über dem Kopf, und merkte zugleich, wie sich ein anderes Bild dazwischenschob, eines, von dem ich geglaubt hatte, es inzwischen weit genug hinter mir gelassen zu haben.

    Alter Freund, du weißt, was mir damals in Tishina geschehen ist. Die Wolfgang-Gang, die Wolfsmaske, dieses Heulen, das ich noch lange danach im Schlaf hörte. Ich erinnere mich an die Axt und an den Moment, in dem ich begriff, dass ich nichts mehr tun konnte. Danach kam die Gefangenschaft, und aus ihr wurde schließlich all das, was heute den Namen „Operation: Herzblut“ trägt...

    Längst hatte ich gehofft, das all das hinter mir lag. Doch als ich nun von Pinky hörte, war diese alte Hilflosigkeit wieder da, so unvermittelt, dass ich mich beinahe dafür schämte. Er war derjenige gewesen, der dort am Brunnen gestanden hatte, und trotzdem saß ich hier und musste mich erst vergewissern, dass ich frei war, dass ich aufstehen und hinausgehen konnte.

    Tja…ich weiß, dass es andere Menschen waren und ein anderer Tag. Wer die beiden Täter sind, wissen wir nicht, und ich werde ihnen keine Namen geben, nur weil die Gerüchteküche bereits genug davon bereithält. Aber das Gefühl, das ihre Tat in mir hinterlassen hat, kenne ich nur zu gut.

    Er hatte die Hände gehoben; Pinky hatte ihnen gezeigt, dass er sich nicht wehren würde, und sie hatten trotzdem abgedrückt. In unserem Community-Dorf.
    Ich empfinde dafür eine tiefe Verachtung. Wer einen Menschen in dieser Lage erschießt, trifft diese Entscheidung ganz bewusst, und ich bin es leid, nach Erklärungen suchen zu sollen, die sie irgendwie erträglicher machen.

    Tapfer versuchte janinesta (Selina) unseren todesmutigen Crippsy77 in Sicherheit zu lotsen, aber unser heißblütiger Brite dachte nicht daran und wollte sich wehren. Er wurde ebenfalls getötet. janinesta (Selina) gelang es wenigstens noch, das Auto zu retten. Ich bin so erleichtert, dass sie entkam, und zugleich tut es mir weh, daran zu denken, was sie dort mit ansehen oder im Funk hören musste.

    Dann, ein oder zwei Tage später, war auch noch das Community-Dorf, das sich im Aufbau befand, verwüstet worden. Vandalismus. Zerstörte Unterstände. Nur das Militärzelt blieb noch stehen. Und wieder gab es Namen im Funk, aber ich schüttelte den Kopf. Es war zu früh, um mit dem Finger auf andere zu zeigen.

    Ich weiß nicht…vielleicht ist es das, was mich neben der Sorge um unsere Leute so sehr aufwühlt: dass Cable98 dort gerade versucht, etwas aufzubauen, das andere mitbenutzen dürfen, und nun wieder vor den Trümmern dieser Arbeit stand. Ich kenne diese Müdigkeit, wenn man aufhebt und einsammelt und dabei überlegt, wie oft man das wohl noch tun kann.

    Ein Teil von mir wollte sofort nach Norden. Ein anderer hätte den Namen Tishina an diesem Abend am liebsten gar nicht mehr gehört. Es fällt mir schwer, dir das zu gestehen, aber so war es nunmal…

    Aber dann trat Sueda wieder auf den Plan. Unser Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 machte sich schließlich auf den Weg. Ihre geplante Abreise ins andere Chernarus musste ohnehin warten, weil der Sturm dort noch immer alles durcheinandergebracht hatte. Also zog Sueda nach Tishina, brachte ein mittelgroßes Zelt mit und half Cable beim Wiederaufbau.

    Und ich war ihr sehr dankbar dafür, auch wenn sie sich vermutlich jede allzu herzliche Bemerkung mit einem schiefen Blick und einem Hinweis auf ihre Ersetzbarkeit verbeten hätte. Sie fuhr hin und packte an, während ich hier noch versuchte, meine Gedanken zu ordnen.

    Gedenken ordnen… ja. Wer Pinky und Crippsy77 erschossen hat, bleibt offen. Ich hoffe, dass wir es erfahren. Bis dahin werde ich mich an das halten, was wir wissen, auch wenn mir das Schweigen über manche Vermutung gerade schwerfällt.

    Erstmal ging hier in Prigorodki die Arbeit weiter, und gegen Ende dieser ersten Woche fuhren Selina und eine Sanitäterin in Blau zu ASSAULTxHDx , um gegen ein paar Packungen Nägel ein Partyzelt, einen Vorschlaghammer, ein Wagenzelt und eine Refuge-Fahne abzuholen.

    Nun inzwischen ist die Leitstelle aufgebaut, der Fahnenmast steht, und über unserem Camp weht wieder die vertraute REFUGE-Fahne. Wenn ich von der Straße her zurückkomme und sie sehe, bin ich jedes Mal ein wenig erleichtert.

    Oh ja, wir sind noch da, mein lieber Freund, auch wenn ich nach dieser Woche müder bin, als ich es nach sieben Tagen eigentlich sein möchte. Trotzdem geht es mir gut und ich merke, dass es mich unheimlich entspannt, nicht immer überall mitten im Geschehen sein zu müssen. Manche mögen diesen Rückzug vielleicht persönlich nehmen, aber ich benötige einfach etwas Abstand von den ganzen Stimmen.
    So wie ich es sehe, tut das nicht nur mir gut, sondern auch den anderen. Jeder packt mit an und nicht alles hängt daran, dass einer beginnt und die Verantwortung verteilt.

    Freiwillige Helfer wie Khoal23 und Rio brachten Zelte und Nägel, die anderen schleppten Material heran, .chantal2000 fand ihren Mut, Der Freundliche Vagabund grüßte mich in Prigorodki und irgendwo in Tishina baut Cable98 mit Suedas Hilfe weiter. Daran halte ich mich gerade fest.

    Freund, ich hoffe, du kommst irgendwann wieder an unserem Feuer vorbei. Ich habe dir ja gesagt, dass immer ein Platz für dich frei sein wird. Dann erzählst du mir afu deine Art, wie es dir ergangen ist, und ich werde versuchen, einmal eine Weile zuzuhören, ohne zwischendurch aufzustehen, weil noch irgendetwas dringend ins richtige Zelt geräumt werden muss oder jemand sich ein Bein gebrochen hat…

    Erm.. ja. Versprechen möchte ich allerdings nur das Zuhören. Bei den Notrufen kenne ich mich inzwischen zu gut... Ich springe vermutlich sofort. Noch immer.



    Nun denn: Pass auf dich auf, mein Freund. Wo immer du bist und denk an uns, wenn du kannst.


    Von Herzen

    gez. Herz-Aus-Gold/Cor Auri 💛


    Das war unsere Woche


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  • 💌 Den ersten Brief gibt es jetzt auch zum Zuhören und Anschauen!

    „Von Herzen #01 – Neuer Anfang, alte Wunden“ hat seinen Weg ins Video gefunden.

    Während Herz-Aus-Gold in ihrer Hütte am Feuer erzählt, begleiten euch die Bilder der Erlebnisse als kleine Fotoabzüge durch den Brief.

    Wer also lieber zuhört oder die Geschichte noch einmal mit Bildern erleben möchte: Macht es euch gemütlich. Am Feuer ist noch ein Platz frei. ❤️
    (Soll auch gut zum Einschlafen funktionieren, hab ich mir sagen lassen ;) )

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  • Von Herzen - Briefe aus Chernarus

    #02 - Vom Preis des Vertrauens

    Zweite Woche nach dem Wipe (23.–30.10.2026)


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    Mein lieber Freund,

    vermutlich lachst du, weil du schon wieder einen Brief von mir bekommst. Letzte Woche wollte ich noch weniger schreiben. Wobei … du kennst mich. Mir geht zu viel durch den Kopf, und beim Schreiben wird es wenigstens ein bisschen übersichtlicher. Eigentlich wollte ich die Leitstelle weiterbauen und mich zwischendurch ans Feuer setzen, ohne schon auf den nächsten Hilferuf zu warten. Nun sitze ich hier und vermisse dich. Du hättest bestimmt längst etwas getan, über das ich erst geschimpft, dann gelacht und schließlich doch nachgedacht hätte.

    Erst einmal etwas Schönes: WhiskeyMixer war da. Ein kurzer Abstecher aus Nasdara, um „geschäftliche“ Dinge zu erledigen. Keine Bündnisverhandlungen, keine politische Versammlung und offenbar auch keine angekündigte Rückkehr von I.K.E.A.; nicht einmal Jannnik wusste von seinem Besuch. Jedenfalls stand er plötzlich am Camp, und ich war froh, ihn zu sehen. Für einen Moment fühlte sich alles vertraut an. Dann merkte ich wieder, dass er inzwischen einen anderen Alltag hat. Wir wissen beide, dass es nicht mehr wie früher ist. Schön war es trotzdem.

    Richtig schnell zieht es offenbar auch andere zurück. Es gibt Hinweise auf CHAOS, und nach den Raids und Gegenraids in Nasdara werden nun wohl wieder Fühler nach Chernarus ausgestreckt. Weißt du noch, wie ich schrieb, unsere Wüstenurlauber kämen irgendwann mit Geschichten und vermutlich auch Sprengstoff wieder? Ich hatte mit etwas mehr Zeit gerechnet. Man sollte hier wirklich vorsichtig sein mit dem Wort „irgendwann“.

    Tatsächlich meldete sich auch Blacklist nun offiziell. AJSmalls187 führt die Gruppe, Tomi ist Sprachrohr und Erster Offizier, "Desert" Sebastian ihr Quartiermeister. Alle anderen bleiben geheim. Cypress fragte nach ihrer angekündigten Kriegserklärung gegen „jede lebende Person in Chernarus“ und der Blutrache für den roten Sarka. Die Erklärung nahmen sie später zurück: Wut und Trauer hätten sie zu weit getrieben; künftig wollten sie neutral handeln, reisen und diplomatische Lösungen suchen. Das ließ mich aufatmen. Tja aber inzwischen stehen ausgerechnet wir mitten in einer Auseinandersetzung mit ihnen…

    Rund um den roten Sarka erfuhren wir dabei mehr. Nach ihrer Darstellung war er mit wertvollen LKW-Reifen verunglückt. Ein Mann auf einem Motorrad, vermutlich Tomi, sollte Kühler und Zündkerze bringen. Aus einem schwarzen Wagen habe man ihm etwas zugerufen, das er bei sechzig Sachen ohne Helm nicht verstand; anschließend wurde er von hinten erschossen. @Assault bekannte sich zum Angriff. Später seien auch die Reifen am Wagen und im Kofferraum zerstört worden. Ich war nicht dabei. Ihren Zorn kann ich trotzdem nachvollziehen, auch wenn mir ihre Antwort darauf schwer im Magen liegt. Lange war diese Perspektive der Geschichte nicht erzählt worden.

    Anschließend beschrieben sie den Überfall auf @Assaults Basis: lange Beobachtung, ein entdecktes Schlupfloch, der Zugriff bei Nacht. Große Teile des Lagerbestandes wurden zerstört, die begehrte Fahne mitgenommen und scharfe Minen für die Rückkehrer ausgelegt. Damit sei die Rechnung beglichen gewesen. Nur fanden @Assaults Leute danach ein Depot von Blacklist, holten die Flagge zurück, nahmen Vorräte und Medikamente mit und zerstörten laut Blacklist auch einen LKW. Ich frage mich, wie oft man eine Rechnung begleichen kann, die mit jeder Zahlung größer wird.

    Unter den Berichten blieb noch ein Angriff auf Desert ungeklärt. Er sei beim Ausbau eines Außenpostens erschossen worden; irgendwie spielten lila oder pinkfarbene Armbinden eine Rolle. AJSmalls187 , gerade im Wald mit einer sehr menschlichen Angelegenheit beschäftigt, sei zurückgekommen und habe beide Angreifer getötet. Wieder ein schwarzer Wagen, aber die Farben passten nicht zum Verdacht. Ein Friedensangebot soll zunächst mit „Das wird nie vorbei sein!“ beantwortet worden sein. Später einigte man sich doch auf zwei Wochen Waffenruhe für die Basen. Ich gönne ihnen die Pause. Die Ursachen verschwinden dadurch wohl kaum.

    Eine andere Sache betrifft uns unmittelbar. Die Neuankömmlinge um Jinny und Jimmy ( Monkey the Ruffy) , inzwischen intern die „Addams Family“ oder „eine schrecklich nette Familie“, wie ich sie liebevoll nenne, wurden von Leuten mit blauen Armbinden angegangen, die sich Samariter nannten und angeblich ihre Basis „prüfen“ mussten. Es folgten Schüsse; auch ein angebotener Waffenstillstand half offenbar nicht. Blacklist hat inzwischen bestätigt, dass diese Täuschung beabsichtigt war. Stell dir vor, du hörst unseren Namen, glaubst dich vielleicht einen Augenblick sicherer und stehst dann vor einer Waffe. Genau das lässt mich daran nicht los.

    Natürlich habe ich ihnen geschrieben. Dass wir ihr Gesprächsangebot begrüßen, aber eine Erklärung brauchen und die Betroffenen erfahren müssen, dass diese Leute nicht für uns gehandelt haben. Hinter unserem Namen stehen viele warme Mahlzeiten, Verbände und Menschen, die geblieben sind, wenn jemand Hilfe brauchte. Beim nächsten Mal geht vielleicht ein Verletzter am Camp vorbei, weil er glaubt, wir würden sie hereinlegen wollen. So wie damals Zuterio und Sofi, erinnerst du dich oder war das vor deiner Zeit? Damals, zu BananaOps-Zeiten? Wir Samariter sind jedenfalls zu einem Neuanfang bereit. Dafür müssen wir uns aber darauf verlassen können, dass unser Name und unsere Erkennungsmerkmale künftig aus solchen Überfällen herausbleiben. Für die Überfallenen selbst kann ich keine Entschuldigung annehmen.

    Bald war von einer Spende und einem persönlichen Gespräch zur Wiedergutmachung die Rede. Beides blieb bislang aus; die Pläne wurden „auf Eis“ gelegt. @Tomi habe Blacklist und unser Chernarus verlassen, und die Geschehnisse hätten ihn dazu gebracht. Man wolle sich nicht verantwortlich machen lassen, während die eigenen Leute die Konsequenzen trügen. Danach erklärten sie erneut, verdeckt und unberechenbar handeln zu wollen. Sie würden sich nicht dafür entschuldigen, Blacklist zu sein. Dabei hatte ich nach einem bestimmten Überfall gefragt. Gegen ihren Namen hatte niemand etwas gesagt.

    Ratlos macht mich, dass schon unsere Bitte um Klärung als Provokation erscheint. Wir hatten hier noch kein persönliches Treffen mit ihnen; alles lief über Funk oder erreichte uns durch den Missbrauch unserer Armbinden. Nun sollen wir für etwas geradestehen, während unsere Frage offenbleibt. Ich verstehe das nicht…. Muss man sich auch noch dafür entschuldigen, dass einen so etwas trifft? Ich möchte keinen Krieg. Aber ich möchte von ihnen dieselbe Aufrichtigkeit, die sie offenbar von uns erwarten.

    Aber es gab auch noch andere Aufregung. Alex, den ich auch als „ Falling2Pieces “ kenne, hatte einen weißen Ada in einer Lagerhalle nahe Prigorodki abgestellt. Ich erklärte anderen noch, dass er jemandem gehörte, doch ausgebaute Teile halten einen entschlossenen Autodieb bekanntlich nicht lange auf. Vor allem nicht, wenn es um einen Ada geht. Eine Nacht überstand er immerhin. Am nächsten Morgen stand er kurz fahrbereit und unbeaufsichtigt da, während Alex an seiner Base arbeitete. Ein Fremder in blauer Jacke fuhr einfach damit weg. Alex schoss hinterher, traf aber nicht. Danach begann die Suche.

    Unglücklicherweise fährt Vinaheal (Sophie) ebenfalls einen weißen Ada. @Assault und Tommy, also Cypress, hielten ihren für den gestohlenen und schossen sie daraus. Im späteren Bericht blieb davon zunächst eine erschossene Person namens Sophie übrig, die nicht zur eigenen Gruppe gehörte. Du kannst dir vorstellen, dass ihr Tag sich nicht weniger knapp erzählen ließ. Immerhin holten die Leute sie anschließend ab und gaben ihr den Wagen zurück. Das rechne ich ihnen an. Lieber wäre mir trotzdem ein genauerer Blick vor dem Schuss. Oft gleicht eben ein Ada einem anderen…

    Chernarus hatte selbstverständlich trotzdem Zeit für Hochzeitsgerüchte. Ob du es glaubst oder nicht, @Assault und Nelli_3011 sollen heiraten. Andere behaupten, er habe sich in sich selbst verliebt und werde folglich sich selbst das Jawort geben. Diese Quellen sind ungefähr so zuverlässig wie ein demolierter Kühler, sorgten im Funk aber für viel Gelächter. Wenn ich daran denke, wie die beiden sich letzte Season angegiftet haben! Beim Abschlussballern provozierte er sie, erschoss sie und kümmerte sich anschließend genüsslich ums Essen, während sie tot vor ihm lag. Selbst Davus fand das respektlos. Nun wirken sie wie Bonnie und Clyde. Eine eigentümliche Romanze mitten in unserer persönlichen Apokalypse.

    Hinterher traf es Vinaheal (Sophie) tatsächlich noch einmal, direkt vor unserem Camp. Sie wurde beim Aussteigen aus ihrem Ada erschossen, und der Wagen verschwand erneut. Wir rückten sofort aus; die Adams Family war zufällig in der Nähe und half bei der Suche. Nur hatten wir uns nicht abgesprochen. Mehrere bewaffnete Leute suchten im selben Gebiet nach einem unbekannten Schützen, ohne zu wissen, wo die anderen waren. Ich wünschte, ich könnte dir schreiben, dass wir rechtzeitig gemerkt hätten, wie gefährlich das werden musste.

    Traurig ist, dass s-tlk dabei zwei Leute der Addams Family erwischte, weil er sie für die Angreifer hielt. Ihre vorgesehenen orangen Armbinden trugen sie noch nicht, aber unsere fehlende Absprache lässt sich damit nicht entschuldigen. Wir baten um Verzeihung und sorgten dafür, dass sie ihre Ausrüstung wiederbekamen. Wenn wir von anderen verlangen, genauer hinzusehen, müssen wir das selbst genauso tun. Der Ada tauchte schließlich nahe dem Leuchtturm wieder auf; nur die Zündkerze fehlte. Darüber war ich froh.

    Gut, dass trotzdem neue Kontakte entstehen. Die Addams Family wollte nach der Belagerung andernorts neu aufbauen. @Assault verkaufte ihnen einen LKW, Vinaheal (Sophie) half bei der Übergabe und ich hoffe, sie bekommen nun Gelegenheit, hier wirklich anzukommen. Wir verbringen gerade erstaunlich viel Zeit damit, einander zu erklären, wer wir nicht sind. Vielleicht sollten wir uns öfter hinsetzen und erzählen, wer wir eigentlich sind. Ja du hast vermutlich recht. Genau dafür habe ich doch eigentlich ein ganzes Camp gebaut. Ja. Ich arbeite daran.

    Rund um Vinaheal (Sophie) haben sich die Wege ebenfalls verändert. usta (Ali-Alex) verlässt unser Chernarus; Vinaheal (Sophie) ist vorerst allein unterwegs und sucht weiterhin Anschluss. Neuzugang Timo Theus, von dem ich dir zuletzt schrieb, war mit beiden zusammen unterwegs gewesen. Nachdem @Assaults Gruppe ihn geraidet hatte, schloss er sich ihr an. Falling2Pieces - Alex inzwischen ebenfalls. Dafür musste Timothy gehen. Laut Cypress hatte er ihre Erwartungen nicht erfüllt. Das klang beinahe nach einem Arbeitsverhältnis. Aber du kennst diese ersten Wochen: Bis sich die Gruppen gefunden haben, wechseln manche häufiger ihre Gefährten als ihre Unterwäsche…

    Etwas unfreiwilliger veränderte sich Der Bert s "Green Rooster Camp". Jemand knackte das Zahlenschloss, änderte den Code und nahm Olga und Fass mit. Bert brauchte anschließend @Assault s Schlüsseldienst, um wieder hineinzugelangen. Überfälle und Türöffnungen aus einer Hand – hier findet offenbar jeder seine Marktlücke. Erst später erfuhr ich im vertraulichen Kreis, dass Loewe9797 und Davus hinter dem Raid steckten. Ehemalige CHAOS-Leute. Oder wohl eher wieder CHAOS-Leute. @Der_Bert nahm es gelassen, auch wenn ich ihm eine freundlichere Begrüßung gewünscht hätte.

    Naja, und als Davus und @Loewe abends bei uns in Prigorodki am Feuer saßen, wusste ich von all dem noch nichts. Wir grillten, plauderten, und mit Loewe9797 sprach ich übers Gärtnern. Rückblickend ist das schon seltsam. Ich mag solche Gespräche, weil ich dabei die Menschen kennenlerne, die hinter den Geschichten im Funk stehen. Nur macht es das später nicht leichter, von ihren Taten zu erfahren. Ich kann jemanden gernhaben und trotzdem wütend darüber sein, was er anderen antut. Manchmal wäre ich froh, du säßest daneben und verstündest auch das, wofür ich gerade keine ordentlichen Worte finde.

    Zwischendurch brauchte Vinaheal (Sophie) wieder Hilfe in Kamyshovo. Ein Unfall mit dem Ada, dann Schüsse, während sie reparieren wollte. Wirklich nicht ihr Tag. Ich lud Kühler, Zündkerze und Wasser in unseren gelben Sarka "PISSI" und fuhr mit einem ziemlich unguten Gefühl los. Zum Glück blieb es ruhig, als ich ankam. Sie hatte den Beschuss überlebt, wir machten den Wagen flott, und sie konnte weiter. Nach einer weiteren Panne schaffte sie es mit Wasser und demoliertem Kühler zurück zum Camp. Erst da merkte ich richtig, wie angespannt ich gewesen war.

    Eigentlich hätte es damit gut sein dürfen. Vinaheal (Sophie) nahm später jedoch ihren geliebten Humvee Richtung „Last Hope“ und blieb im Moor stecken. Der Wagen war verloren. Es war spät, ich war völlig übermüdet und wollte nicht noch einmal fahren. Eine Weile zählte ich mir alle vernünftigen Gründe auf, weshalb jemand anderes helfen sollte. Nur war niemand mehr da. Also saß ich am Ende doch wieder im Sarka, sicherte mit ihr die Sachen und brachte sie nach Prigorodki. Ich erzähle dir das nicht für ein Lob. Eher, weil ich manchmal nicht weiß, wann oder wie ich rechtzeitig aufhören soll.

    Nun wieder zu @Assault und seiner Gruppe. Bei Dolina sollen zwei Jugendliche Cypress erschossen haben. Seine Leute griffen sie auf, fesselten sie und stülpten ihnen Säcke über die Köpfe. Mir wurde schon beim Zuhören schlecht… harte Verhörmethoden und sie machten unmissverständlich klar, dass man sich mit ihnen besser nicht anlegen sollte. Und @Assault? Der hatte die Sache offenbar sichtlich genossen. Immerhin ließ man sie danach mit ihrer Olga weiterziehen, wenn auch um Waffen und einen Teil ihrer Ausrüstung erleichtert. Auch Sascha, ein Neuer namens bigdaddysc2 "Big Daddy" oder "Big D", meldete sich über Funk: Man hatte ihn nahe des Airfields überwältigt und gefesselt, dann aber laufen lassen. Er solle sich im großen Umkreis vorsichtig bewegen. Ich glaube, das Banditenleben gefällt @Assaults Bande zunehmend. Bonnie und Clyde. Ich sag es ja…

    Wenigstens hält er uns mit seinen Berichten auf dem Laufenden. Ich lese sie aufmerksam. Nur würde ich bei manchem „Ergebnis“ gern hören, wie derselbe Tag aus dem Mund des Menschen klingt, der mit gefesselten Händen auf der anderen Seite stand.

    Inzwischen hatte es @Assault dann aber auch selbst erwischt. Sein schwarzer Gunter geriet in eine Mine; nach dem Aussteigen kam es zu einem längeren Kampf, er wurde erschossen und der Wagen gestohlen. Davus sei es keinesfalls gewesen, dafür habe der andere viel zu schlecht geschossen. @Assault und Davus… ja die beiden scheinen auch noch einige Rechnungen offen zu haben, aber respektieren sich im Kampf und man muss auch erst einmal auf die Idee kommen, erschossen zu werden und im gleichen Satz dann Davus zu loben. Für Besitzer schwarzer Gunter wurde es danach jedenfalls ungemütlich: Die Gruppe versprach Vergeltung. Ihr Bericht nannte außerdem zwei ausgeschaltete Gegner mit weißen Armbinden an einer Militärbasis, zwei wenig ertragreiche Raids und einen Neuzugang. Ein offizieller Gruppenname soll noch folgen.

    Recht eigentümlich reagierte dafür Blacklist auf den Wagen. Stell dir vor: Er habe früher ihnen gehört, bevor er aus einer Scheune im Westen zu @Assault gelangte. Das war eine Interessante Wendung. Man habe ihm das jedoch nicht übel genommen und ihn in guten Händen gewusst. Eigenartig und irgendwie… merkwürdig zu lesen. Nicht das, was man von einer Gruppe erwarten würde, die sich zuvor noch zu einem Racheakt bekannt hatte. Nun sei der Verlust bedauerlich; solche Fahrzeuge trügen schließlich Erinnerungen. Es klang beinahe wie ein Nachruf. Unter anderen Umständen hätte mich das vielleicht gerührt. Nur stellte sich heraus, dass der Verstorbene noch ausgezeichnet fahren konnte.

    Heraus kam nämlich, dass I.K.E.A. den Hinterhalt gelegt hatte. WhiskeyMixer erklärte unmissverständlich, der Angriff sei beabsichtigt gewesen und der Gunter nun in ihrem Besitz. Nach all den Vermutungen war diese Klarheit beinahe ungewohnt. Ich dachte an seinen Besuch und daran, wie sehr ich mich gefreut hatte. Das hatte ich immer noch. Trotzdem saß ich nun vor seiner Erklärung und hatte Fragen. Es wäre manchmal leichter, wenn Menschen nur eine Seite hätten. Aber dann würden mir vermutlich auch einige fehlen, die ich keineswegs missen möchte.

    An den Machtverhältnissen dürfe sich niemand zu sicher fühlen, schrieb I.K.E.A. Macht verleihe keine Immunität; wer wachse, neue Leute aufnehme und andere Basen angreife, müsse mit Widerstand rechnen. Sie wollten verhindern, dass eine Gruppe über alle anderen verfüge. Den Verlust des Gunters bedauerten sie ausdrücklich nicht. Ich verstehe, weshalb jemand Stärke begrenzen möchte. Trotzdem macht mich unruhig, wie viele inzwischen für ein ruhigeres Chernarus zu den Waffen greifen. Vielleicht könntest du mir helfen, meine Gedanken dazu zu ordnen. Im Moment höre ich von allen Seiten gute Gründe und dazwischen immer wieder Schüsse. In meinen Kopf dreht sich alles…

    Letzten Endes erklärte ich öffentlich die Verwechslung mit Sophies Ada und dankte dafür, dass man sie zurückgeholt hatte. Auch bat ich darum, neuen Leuten das unbeaufsichtigte Abstellen fahrbereiter Autos abzugewöhnen. Cypress und Supdude hatten ihre Olga bei ihrem „geschäftlichen“ Campbesuch vorbildlich gesichert. Nein, auch diesmal keine Bündnisverhandlungen. Beim Gunter wünschte ich mir ebenfalls einen genauen Blick, bevor wieder ein Unbeteiligter getroffen würde. Blacklist erinnerte ich an unsere offene Frage. Vertrauen wächst schließlich nicht dadurch nach, dass man seine Klärung einfriert. Aber wir sind weiterhin offen für ein Gespräch.

    Trotz aller großen Erklärungen bestehen manche Probleme weiterhin aus so geringen Dingen wie Autotüren. Ja, wirklich. @Assault räumt offenbar immer häufiger Heckklappen und anderes Blech von den Straßen ihrer Gegend. Keine Baumstämme. Autotteile. Uns beschäftigen daneben Geisternägel: Plötzlich glaubt man, Unmengen zu besitzen, plant innerlich schon den nächsten Turm, und wenig später sind sie verschwunden. Echte Nägel bleiben momentan Mangelware, wie du dir denken kannst.

    Ein neues Gruppenfoto der Samariter habe ich dir angehängt. Es tut gut, uns einmal zusammen zu sehen, statt jeden nur zwischen Materialsuche und Hilferuf zu erwischen. Pinky lieferte unterdessen einen weiteren Beleg für seine Behauptung, Motorräder seien Todesfallen: Er stürzte sich mit einem davon in einem Stunt vom Rohbau und überlebte es nicht. Ich hätte ihm die Warnung auch ohne Vorführung geglaubt. Sobald jemand hier sagt, er wolle „nur kurz etwas ausprobieren“, hole ich schon Zündkerze und Batterie für unser Küstentaxt PISSI hervor.

    Nun, da wir von "PISSI" reden... nebenbei fand Jannnik in Zelenogorsk einen gelben Sarka, "PISSI"s Zwillingsbruder. Name unbekannt. Erst wollte ich ihm Teile bringen und den Wagen später als Unfallfahrzeug an die Leitstelle stellen. Dann brauchte er selbst ein Auto. Also bekam er zwei Reifen, Batterie, Zündkerze und Wasser; dazu tauschten wir ein paar Nägel gegen eine Refuge-Fahne, und er gab mir ein Kopfband fürs Nachtsichtgerät. Solche Geschäfte mag ich. Jeder bekommt etwas Nützliches, niemand wird gefesselt, und hinterher besteht kein Anlass für einen Vergeltungsbericht.

    Das "Green Rooster Camp" wächst derweil weiter, und @Der_Bert geht in seiner Aufgabe richtig auf. Er baut aus, hält Kontakt zu den Gruppen und wird als neutraler Ansprechpartner geschätzt. Ich wünsche ihm sehr, dass er sich das bewahren kann. Du weißt, wie schnell schon ein freundliches Gespräch als Parteinahme gilt. Konkurrenz sehe ich in ihm überhaupt nicht. Wenn jemand in Solnichniy Essen und Hilfe findet, muss er dafür nicht bis zu uns laufen. Es wäre doch traurig, wenn wir ausgerechnet beim Helfen anfangen würden, einander die Menschen streitig zu machen.

    Als ich auch @Der_Bert fotografierte, verunglückte er leider ebenfalls tödlich mit dem Motorrad. Er kam immerhin wieder an der Küste bei Solnichniy zu sich, und ich sicherte seine Sachen. Allmählich hätte ich gern ein paar Aufnahmen, nach denen die Beteiligten einfach zu Fuß weitergehen. Dass Motorräder auf Bildern gut aussehen, ist inzwischen ausreichend belegt.

    Solche Sorgen wurden kurz darauf von einer weißen Olga unterbrochen. Cypress (Tommy) folgte ihr an der Küste, weil es @Der_Berts gestohlener Wagen sein könnte. Wir bauten deshalb in Prigorodki eine Straßensperre – aus Teddybären. Wer Böses im Schilde führe, würde wohl darüberfahren; ein gutherziger Mensch bliebe bestimmt stehen. Ob das als Sicherheitskonzept taugt, darfst du gern beurteilen. Die Olga hielt jedenfalls an. Darin saß die Addams Family, und das Auto gehörte ihnen, schon von Tag eins an. Ich war ausgesprochen froh, dass diese Verfolgung zwischen Stofftieren und mit einem Gespräch endete.

    Für @Der_Bert sind @Assault und Nelli_3011 ohnehin eine Belastungsprobe. Die beiden rauben ihm nach eigener Aussage den letzten Nerv. Weshalb, soll er dir irgendwann selbst erzählen, möglichst mit den entsprechenden Gesichtsausdrücken. Ich musste jedenfalls lachen. Sie schaffen erstaunlich viel Unruhe, selbst wenn sie gerade niemanden überfallen. Vielleicht ist es genau das, worin sich Bonnie und Clyde gefunden haben.

    Eine Fahrt mit Jannnik und Jinny nach „Last Hope“ war dagegen erfreulich unspektakulär. Jinny wollte sich einfach umsehen, und ich freute mich, einmal jemanden zu fahren, der mal nicht in Schwierigkeiten steckte. Chris von der Addams Family kam ebenfalls vorbei und bekam zwei Olga-Reifen. Solche Kleinigkeiten gehen zwischen den großen Vorfällen leicht verloren. Ich möchte sie dir trotzdem erzählen. Sonst klingt es irgendwann, als bestünde unser Alltag nur aus Schüssen und beschädigten Fahrzeugen.

    Unter den Neuankömmlingen waren auch zwei Briten, Mark und Rob. Ihre Herkunft hörte man deutlich. Mark kämpfte zunächst mit seinem Mikrofon, danach verstanden wir einander noch nicht sofort. Also erklärte ich geduldig, wie das Camp funktioniert und wo sie sich bedienen dürfen. Sie bedankten sich, nahmen Ausrüstung und Essen und wollten weiterziehen. Crippsy77 kannten sie nicht. Für mich war es eine dieser Begegnungen, nach denen man jemandem einen guten Weg wünscht und hofft, ihn später wohlbehalten wiederzusehen.

    Etwas später fand ich beide tot im Moor. Die Körper lagen so, dass ich an einen Angriff des einen auf den anderen und einen anschließenden Suizid denken musste. Aber gesehen hatte ich nichts. Vielleicht fehlte dazwischen eine Begegnung, von der ich nichts wusste. Ich verstand nur nicht, weshalb zwei Menschen sich erst versorgen, freundlich verabschieden und dann wenige Schritte weiter so enden. Ich stand dort und fand keine Erklärung.

    Rätselhafter wurde es, als Nelli_3011 sagte, die beiden erinnerten sie an zwei Briten aus ihren ersten Tagen der vergangenen Season. Sie hätten Hilfe angeboten und ihr anschließend in den Rücken geschossen. Bei Assaults Leuten wurde daraus schnell ein Wunsch nach Rache. Ob es wirklich Mark und Rob waren, weiß ich nicht. Nach den Verwechslungen dieser Woche möchte ich mit solchen Ähnlichkeiten vorsichtig bleiben. Vielleicht hören wir noch von ihnen. Vielleicht bleiben mir auch nur diese beiden Körper im Moor und die Frage, was dazwischen geschehen ist.

    Abends machte ich bei @Assault s Gruppe Fotos. Nelli_3011 , Cypress und Supdude waren da; Timo Theus fehlte, weshalb @Der_Bert als Stuntdouble einsprang. Wir hatten viel Spaß, keiner starb erfreulicherweise und die Gruppe wollte zeigen, dass sie zusammensteht. Für den Fuhrpark hatten @Assault und seine Banditenbande reichlich Motorräder gestohlen und geraidet. Kein Zweirad scheint sicher vor ihnen. Bei der Unfallhäufigkeit sollten sie ihre Sammelleidenschaft vielleicht auf Ersatzteile ausweiten…

    Mit den Stockenten, die auch wieder zurückgekehrt waren, hatte es ebenfalls ein Gefecht gegeben. Supdude überwältigte nahe dem Airfield zwei Angreifer mit weißen Armbinden: CapLep und Straussi . Sie seien kurz unachtsam gewesen; das werde ihnen nicht noch einmal passieren. Was sie vorhatten, weiß ich nicht. Angesichts der Munition waren sie vermutlich nicht zum Fischen dort. Wobei ich ohnehin gern wüsste, wer am Airfield einen gemütlichen Angelausflug plant. Hinter weiteren Angriffen werden I.K.E.A. und womöglich CHAOS vermutet. Übersichtlich wird es hier jedenfalls nicht.

    Leider verunglückte auch Davus tödlich mit dem Motorrad. Pinkys Warnung begleitet inzwischen jede solche Nachricht. Dabei erinnere ich mich noch so gern an meine erste Fahrt, an den Wind und die Freude, endlich voranzukommen. Jetzt lachen wir miteinander, machen Fotos, fahren los, und wenig später sammelt wieder jemand die Sachen eines Freundes von der Straße. Ich will mir die Freude nicht nehmen lassen. Aber manchmal hätte ich gern einen Abend, an dem einfach alle heil ankommen.

    Eines Abends hörte man Schüsse bei der Kirche in Elektro. Cypress, @Der_Bert und die anderen gingen hinein und fanden ein seltsames Ritual mit Hühnern, einem Teddybären und einer blauen Armbinde. Wer beteiligt war und was geschah, darüber schweigen die Anwesenden. Bert wusste nicht einmal sicher, ob das Blau für die Samariter stand. Genau das traf mich. Selbst jemand, der uns kennt, kann unsere Farbe nicht mehr einordnen. Ich fürchte, den Leuten, die unseren Namen benutzt haben, ist gar nicht klar, wie weit das reicht. Oder aber sie möchten es nicht wissen oder nehmen es billigend in Kauf.

    Bei uns im Essenszelt lagen schließlich zwei Hühner, zwei Hähne, ein Knochenmesser, ein Wecker und eine aus Knochen gelegte 666. Ich hoffe auf einen Trittbrettfahrer mit dem Bedürfnis, unheimlich zu wirken. Für einen ernsthaften Hühnerkult fehlen mir noch die Belege. Einen Hahn im Korb haben wir schließlich schon, und der heißt Bert. Ganz kalt ließ mich die Anordnung trotzdem nicht. Gelacht habe ich darüber. Später habe ich noch einmal hingesehen.

    Erinnerungen tun da wohl ihren Teil. Ich dachte an den Kult von @Bruder Tommy, an die Kinder des Heiner, an Sueda und die Kirche von Morthana ( Nickel), vonBausch), daran, wohin Menschen geraten, wenn sie ihre Überzeugungen nicht mehr hinterfragen. Noch einmal brauche ich das wirklich nicht. Vielleicht ist es bloß ein schlechter Scherz mit Geflügel. Aber ich merke, wie schnell ich Verbindungen suche, sobald Knochen oder fremde Armbinden auftauchen. Früher hätte ich manches leichter abgetan. Ich weiß nicht, ob ich vorsichtiger geworden bin oder einfach…müder.

    Noch vor Kurzem hätte ich bei einer blauen Armbinde zuerst an einen von uns gedacht. Jetzt prüfe ich Stimme, Gesicht und Geschichte. Ein bisschen Vorsicht ist vernünftig, das weiß ich. Nur möchte ich einem Fremden nicht schon mit Misstrauen begegnen, bevor er überhaupt seinen Namen gesagt hat. Wie soll ich einem Fremden glaubhaft sagen, dass er willkommen ist, wenn ich innerlich bereits überlege, wie er uns schaden könnte? Genau dort hat diese ganze Sache inzwischen etwas in mir verändert.

    Plötzlich merkte ich das an ein paar Steinen. Vinaheal (Sophie) erzählte beiläufig, sie habe welche von unserer Feuerstelle ausgeborgt. Dafür war das Lagerfeuer abgebaut worden. Ich war sehr enttäuscht, und das hörte sie wohl auch. Aus unseren Zelten darf man sich bedienen. Aber unsere Feuerstelle einfach auseinanderzunehmen, ohne zu fragen, ist für mich etwas anderes. Noch während sie erklärte, was geschehen war, dachte ich schon: Wieder hat jemand etwas genommen, ohne zu überlegen, was es uns bedeutet.

    Ausgerechnet unser Feuer, mein Freund. Weißt du noch, wie froh wir über die eingefasste Feuerstelle waren? Endlich etwas Beständiges. Ein Ort für Geschichten, erschöpfte Neuankömmlinge und vielleicht auch Friedensgespräche. Als Sophie meinte, es sei doch nur ein Lagerfeuer und dort sitze ohnehin kaum jemand, tat das weh. Vielleicht sieht sie wirklich nur die Steine und die leeren Plätze. Ich höre dort noch Menschen reden, die längst weitergezogen sind. Dich hätte ich in diesem Moment gern neben mir gehabt.

    Sie hatte die Steine allerdings zurückgelegt, erzählte selbst davon und baute das Feuer am Ende wieder auf. Das rechne ich ihr an. Unsere gemeinsamen Abende kann sie schließlich nicht kennen, wenn sie nicht dabei war. Ich musste ihr erklären, weshalb mir das wichtig ist. Trotzdem möchte ich, dass man fragt, bevor man etwas abbaut. Dass wir teilen, heißt doch nicht, dass niemand mehr auf die Arbeit der anderen achten muss.

    Seitdem frage ich mich, wie viel meiner Reaktion wirklich den Steinen galt. Ein Teil bestimmt. Den Rest brachten wohl all die offenen Fragen, Schüsse und übermüdeten Fahrten gleich mit. Dafür kann Sophie nichts. Ich möchte meinen angesammelten Ärger nicht an jemandem auslassen, der vor mir steht und ehrlich erzählt, was er getan hat. Aber ich muss Grenzen früher aussprechen dürfen, bevor mir die Geduld ausgeht. Ruhiger wäre mir selbst lieber. Im Moment gelingt mir das nicht immer.

    Tatsächlich brach mir dann auch noch buchstäblich ein Teil des Camps auseinander. Ich arbeitete an unserem Turm, als plötzlich Wände zugrunde gingen, als hätte mitten in der Baustelle eine gewaltige Explosion stattgefunden. Eben hatte ich mich noch darauf gefreut, endlich weiterzukommen, nun musste ich Fertiges wieder aufbauen. Nach allem, was ich erkennen konnte, war es eine dieser Eigenarten unserer Welt. Dafür kann man nicht einmal jemanden ordentlich zur Rede stellen. Man steht nur da und braucht wieder Nägel und Bretter.

    An den Spenden und den Menschen, die mit anpackten, hielt ich mich danach fest. Material kam, Lücken schlossen sich. Rio gehört zu denen, die einfach vorbeischauen und still ihren Teil beitragen. Oft merke ich erst hinterher, wie viel er wieder geholfen hat. Bei all den wortreichen Ankündigungen tut mir das gut: jemand, auf den ich mich verlassen kann, ohne zuerst herausfinden zu müssen, was diesmal zwischen seinen Sätzen steht.

    Und @Der_Bert gab seinem ersten Bambi einen Einführungskurs. Philip heißt er. Mit wie viel Hingabe @Der_Bert sich Zeit nahm, machte mich richtig stolz. Unsere Arbeit geht anderswo weiter, unter anderem Namen und anderer Fahne. Auch Cable98 , unser Tom, hält an Tishina fest. Ein Fremder erschoss ihn hinterrücks; Sueda erwischte den Angreifer auf der Flucht. Befragen ließ er sich danach nicht mehr, ihre DMR hatte zu überzeugend getroffen. Cala-j und sie sicherten Toms Ausrüstung. Gegen Ende der Woche kam auch @Der_Bert zum Anpacken nach Tishina. Nach allem, was dort geschehen ist, bauen sie weiter. Das bedeutet mir viel. Ich wünsche ihnen nur, dass sie zwischendurch am Feuer sitzen können, ohne gleich wieder jemanden oder dessen Sachen retten zu müssen.

    Für das Wochenende kündigt Blacklist neue Unternehmungen an. Bestimmte Personen und Einrichtungen würden sie genauer ansehen; manches werde man erst hinterher bemerken. Tomis Weggang habe ihre Logistik geschwächt, nun ordne man sich neu. Zwei mögliche Kontakte bleiben geheim. Dazu planen sie einen Schwarzmarkt und eine Kopfgeldliste, Einzelheiten würden später folgen. Verschwunden seien sie keinesfalls. Für Menschen, die im Schatten bleiben möchten, teilen sie uns erstaunlich regelmäßig mit, wo wir nach ihnen Ausschau halten sollen.

    Einrichtungen, deren Sicherheit überprüft werden soll – daran blieb ich natürlich hängen. Unsere Camps wurden nicht genannt. Trotzdem frage ich mich, ob auch wir gemeint sein könnten. Wer ein offenes Lager betreibt, weiß, wie wenig ein Unterstand gegen jemanden schützt, der ihm schaden will. Die Menschen sollen uns finden und Zugang haben. Dafür arbeiten wir. Manchmal macht es mich müde, wie leicht sich genau das ausnutzen lässt.

    Unsere Lager bleiben trotzdem offen. Wer die Regeln achtet, soll essen, Hilfe finden und sich ausruhen können. Wir tragen unsere eigenen Armbinden und sprechen mit unserer eigenen Stimme. Bei allem, was geschieht, möchte ich daran festhalten. Ebenso daran, dass wir uns und unsere Arbeit schützen dürfen. Ich wünsche mir Frieden am Feuer. Dafür müssen auch die Menschen, die kommen, unsere Grenzen respektieren. Helfen können wir auf Dauer nur, wenn man auch mit uns anständig umgeht.

    Chernarus lässt mich gerade öfter fragen, warum andere mit solchen Dingen davonkommen und am Ende wir erklären müssen, weshalb uns das trifft. Unser Name wird missbraucht, wir bitten um Klärung, und plötzlich stehen wir implizit als diejenigen da, die Unfrieden stiften. Vielleicht empfinde ich das besonders scharf, weil ich erschöpft bin. Aber ganz abwegig sind meine Eindrückte nicht, wie Gespräche mit anderen zeigen. Meinen eigenen Anteil möchte ich ansehen können. Aber ich will nicht auch noch für Entscheidungen geradestehen, die andere ohne uns getroffen haben.

    Hier arbeiten so viele an diesem Vertrauen mit: Menschen, die Material bringen, Hilferufe beantworten oder einem Fremden geduldig einen Verband erklären. Auch diejenigen, die sich versorgen, Bescheid sagen und wiederkommen, weil sie sich bei uns gut behandelt fühlen. Ich hoffe, dass uns davon etwas zurückgegeben wird. Dass eine fremde blaue Armbinde unsere gemeinsame Geschichte nicht auslöscht. Und dass ich selbst noch unterscheiden kann, wer einen Fehler macht und wer uns bewusst schaden will. Ich möchte mir das nicht nehmen lassen.

    Ach, mein alter Freund, ich hätte dich gerade gern hier. Zur Stimme der Vernunft will ich dich gar nicht ernennen; ich sehe deinen Blick schon vor mir. Aber du könntest neben mir sitzen und zuhören. Ich weiß, dass du Gründe hast, nicht erreichbar zu sein. Trotzdem wünsche ich mir manchmal, du würdest einfach auftauchen und eine Weile bleiben. Schweigend, wie immer.

    Und vielleicht erreicht dich dieser Brief ja auf einem Umweg, in einem Rucksack oder durch jemanden, der weiß, wo du steckst. Ich hoffe, es geht dir gut. Dass du einen sicheren Schlafplatz hast und Menschen um dich, bei denen du nicht jedes Wort prüfen musst.

    Falls du wieder nach Prigorodki kommst, steht hoffentlich der Turm, die Wände sind geflickt, und am Feuer ist Platz für dich. Vielleicht bin ich dann auch wieder geduldiger mit den Menschen um mich herum. Du fehlst mir. Aber hier sind auch Menschen, mit denen ich diesen Ort gern teile und für die ich weiterbaue. Pass gut auf dich auf. Und gib uns ein Lebenszeichen, wenn du kannst.


    Von Herzen
    gez. Herz-Aus-Gold/Cor Auri 💛


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