Skandalös! – Man erzählt sich ja so einiges…
Eine Kolumne von Rita Kimmekorn
Prigorodki ist bekanntlich ein ruhiger Ort.
Ein Brunnen, ein paar Unterstände, ein Turm, der aussah, als hätte er sich irgendwann entschieden, der Schwerkraft nur noch optional zu folgen und natürlich die Samariter, die dort mehr oder weniger regelmäßig versuchen, Ordnung in eine Welt zu bringen, die sich bekanntlich nur sehr ungern ordnen lässt.
Bis heute.
Denn da verschwand der schiefe Turm. Und zwar nicht etwa durch einen Sturm, ein Missverständnis mit Sprengstoff oder durch eine jener architektonischen Selbstkorrekturen, für die Chernarus berüchtigt ist.
Nein. Er verschwand durch eine Kombination aus Entführung, Funkmeldungen, Kürbiskernen und eines überraschend gut gelaunten Abrisstrupps.
Skandalös!
Man muss es sich einmal vorstellen:
Während sich zwei Samariterinnen – @Herz-Aus-Gold und die Dame in Blau, Lina ( janinesta) – in den Händen eines ominösen Bündnisses namens A.B.R.I.S.S. befanden, begann man in Prigorodki ernsthaft darüber zu diskutieren, ob der Turm nun fallen müsse oder ob er inzwischen vielleicht sogar Kulturgut sei.
Am Ende fiel er trotzdem. Unter tatkräftiger Anleitung eines gewissen Crippsy, wie mir mehrere Augenzeugen versicherten.
Ein Brite übrigens.
Man hört es schon am Akzent, sagen sie.
Nun ist das an sich nichts Ungewöhnliches.
Briten bauen gern. Besonders Dinge mit Aussicht.
Und genau da wird es interessant!
Denn nachdem man in Prigorodki das ganze Gebilde Stück für Stück abgebaut hatte, äußerte ausgerechnet @Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 (von einigen neuerdings liebevoll "Affe" genannt...) einen bemerkenswerten Gedanken. Ganz vorsichtig natürlich. Nur so eine Idee. Ein kleiner Verdacht. Im Kreis der Bauenden...
Man müsse sich doch einmal fragen, sagte sie sinngemäß, wer eigentlich am meisten vom Abriss profitiert und warum Crippsy gerade so laut jubelte über den Fall des Turms. Es kam ihr so vor, als seien Herz und Lina gar nicht Grund seines Euphorischen Freudenrufs gewesen.
Nun.
Der Turm ist weg.
Und wer hat jetzt plötzlich die höchste Konstruktion in der Umgebung und ließ keine Gelegenheit aus, das auch zu betonen?
Richtig.
Der Brite.
Crippsy.
Natürlich wäre es völlig abwegig zu behaupten, dass jemand ein ganzes Aktionsbündnis namens
"Aktionsbündnis zur Beseitigung riskanter Infrastrukturen und Schief-Strukturen" organisiert, nur um die eigene Aussicht zu verbessern.
Wer würde denn so etwas denken?
Wer würde einen freundlichen Mann mit britischem Akzent, der zufällig auch noch beim Abbau des Turms am engagiertesten mit anpackt, ernsthaft verdächtigen?
Ich jedenfalls nicht.
Ich stelle nur Fragen.
Zum Beispiel diese: Wer wusste eigentlich als Erstes, dass der Turm wirklich fallen würde?
Wer hatte die Werkzeuge bereits bereit und stand mit Helm und einer für die Entführer typischen Warnweste und Abrisswerkzeug bereits schon früh am Nachmittag bereit? Wer ließ keine Gelegenheit aus, die Arbeitenden durch Zurufe und eingespielte Musik bei Laune zu halten?
Und wer steht jetzt auf dem höchsten Punkt weit und breit, schaut über die Küste und kann mit ruhiger Stimme sagen: „Ich habe doch nur geholfen.“
Skandalös!
Doch es gibt noch eine andere Merkwürdigkeit in dieser Geschichte.
Ein Fremder ( Der_Fremde), der vor einigen Tagen am Camp auftauchte, äußerte einen Gedanken, der mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht.
Er fragte – ganz unschuldig natürlich – wo denn A.B.R.I.S.S. eine Basis hätte und wer dazu gehörte. Natürlich wusste man weder das eine, noch das andere. Und dann kam seine Idee: Was wenn es einen Maulwurf gibt? Was, wenn A.B.R.I.S.S. aus Leuten aus dem Umfeld von Prigorodki besteht?
Auch andere Stimmen im Camp wurden laut.
Einerseits der Hinweis wie "HLP" von Herz-Aus-Gold mit Kürbiskernen. Dann 11 Kerne und ein Helm.
Alles Dinge, die am Ende schließlich nach Khelm führten.
Während sie gleichzeitig im Funk immer wieder darauf bestand, dass niemand ihr folgen solle, dass keine Waffen gebraucht würden, dass nichts eskalieren dürfe.
Eine interessante Kombination, finden Sie nicht?
Spuren legen und gleichzeitig davor warnen, ihnen zu folgen.
Fast so, als wüsste jemand, dass die Situation gar nicht so gefährlich ist, wie sie von außen wirkte.
Oder – und das wäre natürlich eine noch gewagtere Theorie – als wüsste jemand etwas über die Entführer, das der Rest von uns nicht weiß.
Was wäre, wenn Herz-Aus-Gold zumindest ahnte, dass die Menschen hinter A.B.R.I.S.S. gar keine Fremden waren?
Was, wenn sie vermutete, dass sie aus unserer Mitte stammen?
Eine unbequeme Idee.
Und vermutlich völlig falsch.
Denn wer würde schon auf die Idee kommen, dass eine Entführung in Chernarus von Menschen organisiert wird, die man vielleicht sogar kennt?
Ich jedenfalls nicht.
Ich frage nur.
Und manchmal ist eine Frage spannender als jede Antwort.
Skandalös.
Aber Sie wissen ja: Veröffentlicht ist nicht gleich wahr. Und man erzählt sich ja so einiges…
Ihre
Rita Kimmekorn