💌 Herzensgrüße vom 14.07.2025 – Schneeflocke
Hallo ihr Lieben,
manchmal frage ich mich leise – und heute ein wenig lauter: Wohin führt das alles?
Wenn selbst ein „Bitte nicht schießen!“ kein Leben mehr retten kann?
✊ Kein Erbarmen
Wieder begann der Tag mit einer traurigen Nachricht: Bitwanted wurde in der Militärbasis von Tisy erschossen. Leider Alltag in Chernarus und eigentlich würde ich darüber nicht viel Worte verlieren. Aber es geschah nicht im Eifer eines Gefechts, nicht in einem spontanen Moment aus Angst oder Versehen. Er wurde mehrfach bewusstlos geschossen, flehte um Gnade, bot an, alles abzugeben. Doch der Täter hatte kein Erbarmen. Am Ende wurde Bitwanted erschossen und sein Glaube an das Gute erlitt große Brüche. Ich verstand ihn. Ich kannte dieses Vorgehen. Wusste wie schmerzhaft es war, immer wieder aufzuwachen und gleich wieder niergerschossen zu werden. Wer es war? Wir wissen es nicht.
🏕️ Aufbau ohne Namen
Aber wo das Böse grassiert, ist das Gutes nicht weit: In Solnichniy wurden neue Unterstände errichtet und befüllt. Von einem Helfer, der namenlos bleiben will. Ich danke dir – auch im Namen derer, die diese Unterstände bald brauchen werden. Du hast Hoffnung gestiftet. Und das zählt.
Sobald ich in Prigorodki angekommen war, begann ich auch wieder damit Gemüse anzubauen. Ich hatte vor, es janinesta (Selina) und NiggoB gleich zu tun und etwas Gartenarbeit zu betreibten. Das Camp hatte es bitter nötig und es dauerte nicht lange, da konnte ich die ersten Kürbisse ins Essenszelt einlagern. Die nächsten hungrigen Bambis würden bestimmt kommen.
Gartenarbeit in Prigorodki
✝️ Auf dem Weg nach Berezino
Wie der Körper fällt, fällt auch das Vertrauen. Auf meinem Weg nach Berezino holte ich Pinky ab. Ich nahm meine neue weiße Olga, glücklich über den fahrbaren Untersatz. Und mitten im Fahren gab Pinky ihr einen Namen. Ausgerechnet Pinky, der mir geraten hatte, nicht zu sehr an diesem Auto zu hängen. "Schneeflocke" sagte er und ich nickte anerkennend. Ich war froh, dass er ihr einen Namen gegeben hatte, denn ich hätte sie vermutlich "Wut", "Enttäuschung" oder "Frust" getauft. Mit "Schneeflocke" konnte ich jedoch gut leben.
Irgendwann später fanden wir beim Fahren in Kamyshovo ein totes Bambi mitten auf der Straße. Ich wollte gerade Bitwanted die DRM von Jannik zurückgeben. Er hatte sie bei einem Unfall verloren und wir hatten sie gesichert. Doch als ich da das Bambi sah, so stumm, einsam, da fragte mich wieder: Wer war sie? Was ist passiert? Ich stieg aus und beerdigte sie. Wir fuhren keine paar Meter weiter, da lag auch schon die nächste Leiche. Auch diese bestatete ich, doch wir hatten ein seltsames Gefühl. Irgendwo musste wieder ein Kampf stattfinden, dessen war ich mir sicher. Mein verdacht bestärkte sich, als wir noch eine dritte Leiche in Kamyshovo fanden. Nun wurde es uns doch unheimlich und wir fuhren schnell aus dem Ort weiter in Richtung Berezino.
🔒 Gemeinschafts-Garage in Berezino geraided?
Ruhig und andächtig fuhren wir weiter, mit einer Spur von Vorsicht. Aber nichts passierte. Zum Glück. Aufgrund der Anspannung steuerte ich mein Auto mehr schlecht als recht durch die Küstenstraße, meine Hände zitterten noch immer von dem Anblick der drei Bambis. Außerdem, so pflegte ich immer zu sagen, fuhr sich die Olga wie eine Badewanne auf einer Eisbahn.
Zwischenzeitlich setzte die Olga sogar auf einem Gleis auf, aber sie fuhr unbeirrt weiter.
Dann endlich war das Ziel in Reichweite.
Aber die Ankunft in Berezino lief anders als geplant: Ich fuhr gegen ein Straßenschild, der Motor litt. Doch Bitwanted am Camp hatten einen Brenner – und half sofort. Gemeinsam reparierten wir die Olga. Doch dann fiel uns etwas auf: Die Gemeinschafts-Garage neben dem Camp war zwar verschlossen, aber ein neues Zahlenschloss war angebracht worden. Dreistellig. Jemand hatte das Tor allem Anschein nach aufgebrochen und ein neues Schloss angebracht. Ein Überfall? Ein Einzug? Oder ein Scherz? Wer weiß das hier schon… aber es würde wieder einige Minuten des Schlossknackens bedeuten. Zeit, die ich gerade nicht bereit war auszugeben.
Und so übergab ich die DMR @Bitwante, der sie auch gleich dankend verstaute. Am Camp trat danna cuh ein vollausgestatteter Überlebender grüßen auf mich zu. Ich atmete erleichtert aus. Es war einer der Daniels von „Honor and Courage“, der Gruppe von The_GraveDigger . Er hatte zuvor wohl Schüsse gehört, eine Explosion vielleicht. Kam vorsichtig näher, stellte Fragen, zeigte Respekt. Vergessen der Vorfall von einst.
So kann es also auch gehen – Ich kann nur hoffen, dass diese Art des Umgangs nicht ausstirbt.
Ich fuhr los und setzte Pinky südlich von Solnichniy ab. Anschließend setzte ich den Weg weiter nach Prigorodki fort.
🎯Mordanschlag in Berezino
Und während ich noch unterwegs war und bei der Autofahr meinen Gedanken nachging, meldete Bitwanted Beschuss vor seiner Basis. Mehrere Schüsse auf ihn.
Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 war sofort zur Stelle und preschte übers Feld in Richtung des Angreifers. Aus einer Tanne konnte sie den Fremden beobachten. Sueda war es wichtig, dass ich erwähne, dass sie keinen einzigen Schuss abgegeben hat. Sie hatte den Fremden "gespottet", wie sie so schön sagte und Bitwalker hatte sich dann seiner angenommen. "So geht Teamwork", grinste sie stolz. Sie hatte allem Anschein nach wohl Glück, dass er nicht besonders verdeckt vorgegangen war. Es kam zu einem Schusswechsel zwischen dem Berezino-Boy und dem Fremden, aber am Ende siegte Bitwanted. Der Gegner lag tot vor ihm. Es versetzte mir einen Stich, als ich die Bilder sah. Er hatte getötet. Ja, es hatte sein müssen. Er war angegriffen worden und alles Reden hatte wohl nichts genutzt. Aber trotzdem fragte ich mich, wie oft wir noch solche Momente stillschweigend hinnehmen mussten. War das noch Gerechtigkeit? Wer entschied das überhaupt? Jeder für sich oder alle zusammen?
Toter in Berezino
🚚 Erneute Verteidigung der Enklave
Nicht lange danach stellte ich mein Auto ab und die nächste Katastrophe zeichnete sich ab. Bitwanted meldete Schüsse aus dem Westen, die er deutlich hörte. Raidschüsse.
Uns war klar, was das bedeutete. Wer auch immer gestern die Enklave der Kirche von Morthana angegriffen und geplündert hatte, er war höchstwahrscheinlich zurück.
Zumindest klang es nach der Aussage des Berezino-Boys wieder nach Raidschüssen und wo sollte der Überfall auch sonst stattfinden? Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 war wieder sofort zur Stelle, allerdings sehr verhalten. Aber sie versprach, nach dem Rechten zu sehen. Auch Bitwanted spurtete sofort los. "Freunden muss man helfen!", so sein beherztes Motto. Ihm ging es nicht um den Spaß am Töten - im Gegenteil. Aber er hatte das Herz auf dem rechten Fleck und auch wenn ich Gewalt verabscheute, so verstand ich dass man manchmal zur Waffe greifen musste, um die zu schützen die einem wichtig waren. Zwar verstand ich das Verhältnis zwischen den Bewohnern von Berezino und der Kirche noch nicht und ich hoffte ich innerlich noch immer, dass dieser Überfall ohne Blutvergießen ablaufen würde. Aber dazu müssten sie erst einmal Kontakt zu den Angreifern aufnehmen. Gemeinsam erkundeten sie die Umgebung, aber die Nacht hüllte bald alles in Dunkelheit. Das Kuriose: Während sich beide im Dunkeln – blind wie Maulwürfe - in Richtung der Enklave vorbarbeiteten, kam es zu keinem einzigen Schusswechsel. Es war, als ob meine stillen Gebete erhört worden wären. Das Tor war zwar in der Tat aufgebrochen worden und wurde nun notdürftig geflickt. Aber es schien, als haben die Angreifer ihren Raubzug unterbrochen. Wie und warum? Das wissen nur sie selbst. Ebenso ist unklar, wer es denn nun gewesen ist. Die gleichen vom Vortag oder eine ganz andere Gruppe, die nun auf der Welle mitreiten wollten? Viel gab es nun ja nicht mehr zu holen...
Ein LKW, der am Vortag angeschossen worden war, wurde von den beiden Verteidigern wieder flottgemacht und weggefahren. Sie wollten ihn dem Erzbischof Nickolus – Nickel – später übergeben, der inzwischen etwas weiter im LAndesinneren Asyl gefunden hatte. Es war mehr als nur eine Rückgabe. Es war ein Zeichen der Verbundenheit, trotz aller Verluste. Die Berezino-Boys wussten so gut wie niemand sonst, wie sich Verlust anfühlte. Seit dem zweiten Tag nach dem großen Wipe waren sie immer wieder Opfer von Angriffen und Überfällen geworden. Vielleicht konnten sie sich daher so gut mit Erzbischof Nickolus ( Nickel) identifizieren. Die Kirche hatte nun ebenfalls viel durchgemacht. Doch vielleicht war gerade diese kleine Geste ein Schritt zur Heilung – oder zumindest ein Versuch, die Brücke zwischen den beiden nicht vollständig abbrechen zu lassen. Vergessen war die Zeit, als ein abtrünniger des Ordens, Bruder Eraskus, auf das Bambicamp in Berezino geschossen, Stev von den Silberwölfen erschossen hatte und anschließend durch ein ziemlich saures Ersetzbares Crewmitglied Nr. 371 zur Rechenschaft gezogen worden war. Es erfüllte mich mit Freude, dass sich die beiden nun annäherten. Auch wenn ich noch immer nicht wusste, wie das mit dem Menschenfleisch nun wirklich war. Vielleicht wurde es langsam Zeit, sich mal eingehender mit diesem Orden zu befassen. Aber was die Berezino-Boys anging, sie hatten einen Eid abgelegt, dass sie kein Menschenfleisch im Camp dulden würden. Und darin vertraute ich ihnen.
LKW Sicherung
🌅 Zum Schluss…
Selbst am Ende des Tages blieb vieles offen. Wer war der Schütze in Tisy? Wer der Angreifer in Berezino? Wer hatte die Enklave der Kirche von Morthana erneut überfallen? Wo verlaufen die Linien in diesem endlosen Konflikt? Ich kenne die Antwort nicht. Vielleicht kennt sie niemand mehr. Vielleicht… hat sie sich längst in Rauch aufgelöst.
Doch zwischen all dem Schmerz gab es auch das: Kleine Taten der Güte. Eine reparierte Olga. Ein neuer Unterstand in Solnichniy. Ein zurückgegebener Gegenstand. Und Menschen, die sich gegenseitig schützen. Nicht alles war verloren.
Wenn ihr glaubt, es geht nicht mehr – erinnert euch daran: Es ist manchmal die kleinste Geste, die Licht bringt.
Passt auf euch auf.
Und wenn ihr könnt – bleibt am Leben.
gez.
Herz-Aus-Gold 💛