„Richturteil in Novo – Die Flikflak-Affäre“
Es war ein grauer Vormittag in Novo, der Platz vor dem Rathaus noch feucht vom Regen der Nacht. Rannulf saß auf seinem provisorischen Richterstuhl – eigentlich nur ein umgedrehter Munitionskasten – und nippte an einem Becher Rum-Kaffee.

Vor ihm standen zwei Überlebende, beide erhitzt, beide aufgebracht.
„Also, nochmal zum Mitschreiben“, begann Rannulf. „Sie,“ er zeigte auf den ersten, „behaupten, die Uhr sei gestohlen. Und Sie,“ er nickte dem zweiten zu, „haben einen Zettel, der angeblich ein Kaufvertrag sein soll.“

Der zweite hob stolz das zerknitterte Papier in die Höhe. „Hier, das ist der Beweis! Sieht man doch!“
Sarafiya_Nici, die als Schreiberin diente, schielte auf den Zettel und verzog das Gesicht. „Das sieht eher aus wie ein Einkaufszettel… und selbst der ist halb verwischt.“
„Da steht doch Uhr!“ rief der Besitzer des Papiers empört.
„Da steht ‚Zucker‘“, entgegnete Nici trocken.
Die Menge lachte. Rannulf hob die Hand. „Ruhe im Gericht! Auch wenn’s kein richtiges Gericht ist. Sondern ein Militärgericht. Und auch wenn wir eigentlich gar keine Lust auf sowas haben.“
Während der Anhörung flogen nicht nur Worte. Die beiden Streithähne beschimpften sich lauthals als Dieb, Lügner und Schmutzfink, bis es schließlich zu Rangeleien kam. Sie packten sich gegenseitig am Kragen, rangen kurz auf dem Rathausboden von Novo und mussten von unserem Sicherheitspersonal auseinandergezogen werden.
Schließlich stand Aussage gegen Aussage – keine Zeugen, keine brauchbaren Beweise.

„Dann bleibt uns nur eine Lösung,“ brummte Rannulf und sah zu The Mighty Quin, der neben ihm stand und gelangweilt an einem Bolzen herumschabte.
Duell,“ sagte Quin und grinste schief. „Klingt fair. Zumindest spart’s uns Papierkram.“
Ein Raunen ging durch die Menge.
„Mit Fäusten?“, fragte einer hoffnungsvoll.
„Leider nein,“ murmelte Rannulf, „die Streithähne haben Pistolen gewählt.“
„War ja klar,“ knurrte Quin. „Immer wenn’s interessant werden könnte, entscheiden die sich für die laute Variante.“
Zwei alte .45er wurden herbeigeschafft, ohne Magazine, dafür mit je 25 Schuss. Rannulf seufzte. „Das hätte auch einfacher laufen können.“
Das Urteil wurde auf dem Rathausplatz vollstreckt. Die beiden griffen nach ihren Waffen, das Krachen der Schüsse hallte zwischen den Häusern wider. Nach wenigen Minuten ging einer der beiden getroffen zu Boden – tödlich verwundet.

Der andere taumelte, starrte auf seine Hände und murmelte: „Das… das wollte ich nicht… ich wollte sie nur verletzen, damit endlich Ruhe ist…“ Bevor das Sicherheitspersonal reagieren konnte, setzte er die Waffe an und drückte ab.
Stille. Nur das Tropfen des Regens von den Dächern war zu hören.
Rannulf rieb sich müde über den Bart. „Na wunderbar. Streit geschlichtet.“
Quin schnaubte, steckte sein Messer weg und meinte trocken: „Und ich dachte schon, ich müsste selbst noch eingreifen.“
Nici blätterte in ihren Unterlagen. „Und was machen wir jetzt mit der Uhr?“
„Lagerbestand,“ entschied Rannulf. „Eine Flikflak mehr im Inventar. Wenigstens irgendwas.“
Er stand auf, streckte sich und nahm einen letzten Schluck Rum-Kaffee. „Wenn ich eins gelernt habe: Streitigkeiten um Tand enden selten friedlich. Aber immerhin wissen wir jetzt – eine Flikflak hält länger als zwei Sturköpfe.“
Quin nickte trocken: „Und kostet uns weniger Muni.“
Und für’s Protokoll: Das ganze Schauspiel wurde auf Bodycam aufgezeichnet – Beweismaterial für die Nachwelt, oder zumindest für den nächsten Gelangweilten, der Akten wälzen muss.