17. Mai 2025, Solnichniy-Steinbruch
Ich schreibe wieder... Zum ersten Mal seit... ich weiß nicht mehr genau, wie viele Tage es waren. Meine Uhr hab ich beim Sturz verloren.
Ein falscher Schritt auf dem nassen Hang im Steinbruch – und mein rechtes Bein knickte unter mir ein wie morsches Holz. Ich rollte den Berg herab. Der Schmerz kam sofort, das Schreien später. Ich robbte zurück in eine alte Baracke, zog mich mit letzter Kraft über die Türschwelle. Dann nichts als Fieber, Dunkelheit und die Angst, nicht mehr aufzuwachen. Nun saß ich da, wimmernd, schwitzend und zitternd. Die Streuner scheinen mich zum Glück nicht zu bemerken.
Ich dachte, es sei vorbei. Das wars mit mir und der Suppenküche, die Felder, die Idee und die Wärme... Einen Zettel, eine letzte Notiz wollte ich hinterlassen, aber meinen Stift hab ich wohl auch beim Sturz verloren.
Wieso war ich eigentlich hier? Ah es fällt mir wieder ein - verunfallt auf der Suche nach weiteren Samen. Wie erbärmlich...
18. Mai 2025, Solnichniy-Steinbruch
Ich komme langsam wieder auf die Beine. Ich muss wieder zurück. Ich kann hier nicht bleiben. Vielleicht... - wenn ich dieses Shirt jetzt zerreiße und mir mit Stöcken eine Schiene baue, vielleicht komme ich dann wieder hoch. Sportler werde ich wohl nicht werden, aber in Bewegung bleiben!
Zum Glück hab ich mir zwei Thunfischdosen mitgenommen. Ohne die wäre ich arm dran. Wir sehen uns in Prigorodki... liebes Tagebuch!