„Du weißt schon welches Buch gemeint ist ?“. auffordernd blickte Smokey Bob an. „Tja, soviele Bücher gibt es ja nun nicht, die in diesem Dorf eine Rolle spielen und verboten sind.“, und Bob kraulte sich nachdenklich den Bart. „Weißt du noch wie wir damals eine Ausgabe in unserer ersten Basis in Chernogorsk gefunden haben ? Der OTL ist beinahe ausgeflippt. Wie hieß der Schinken noch ?“.
„Die Stimme der Erlösung“, antwortete Smokey langgezogen und mit einem nachdenklichen Unterton. „Ja richtig. `N echt deprimierender Schmöker. Von… wie hieß er noch…? Kaiser, Kieser, Käser… wie auch immer man diesen Namen ausspricht.“ und der Bob wirkte sichtlich stolz, dass er diese Infos seinem Hirn entwinden konnte. „Aber wurde der nicht von der UNOC geschnappt und weggesperrt ?“.
„So sollte es eigentlich sein.“ entgegnete Smokey und schürzte nachdenklich die Lippen. „Und das auch mit gutem Grund. Man erzählt sich, der hätte nen Haufen kranken Scheiß abgezogen.“. Bob nickte knapp. „Einer dieser Irren, die glauben, dass sie ihre Wahrheit verbreiten müssen. Man, Smokey, ich kann Dir gar nicht sagen wie mir solche Totalitäre auf den Zeiger gehen“. Smokey nickte bekräftigend. „Und genau deshalb müssen wir das Spiel mitspielen.“. Selbst in der Dunkelheit konnte sie sehen, wie dem Bob sämtliche Gesichtszüge entgleisten. „Ich finde eher wir sollten dem OTL den Shit übergeben. Ich glaub’ die Floyds haben gesungen „Begib dich auf das Spielfeld eines Narren und er schlägt dich an Erfahrung“, oder so.“
„Und dann was ? Dann durchkämmen ein Haufen Blauhelme den Wald ?“, und Smokey lachte leise auf, „Bis dahin ist doch, wer auch immer dahintersteckt, über alle Berge.“. Smokey schüttelte den Kopf. „Nein Bob, wenn wir dem ein Ende machen wollen, dann müssen wir das wohl selbst erledigen.“
„Hab mir schon gedacht, dass ich dich nicht davon abbringen kann. Ich bin dabei, aber nur unter Protest, man“. Smokey lächelte. „Ist vermerkt, Bob. Und nun lass uns zurückgehen.“
Der nächste Morgen begann wolkenverhangen und grau. Anstatt des vielstimmigen Vogelgesanges hörte man nur das Rauschen des seichten Windes in den Bäumen. Smokey und Bob hatten nur wenige Stunden geschlafen und waren gerade auf dem Weg zum Frühstück. Schon auf dem Weg zur Versorgungshütte sahen sie wie sich einige Tishinesen in aufgebrachter Unterhaltung vor dem Zelt versammelt hatten. „Das ist unerhört“, konnte Smokey hören, und: „Wer würde sich so einen geschmacklosen Scherz erlauben ?“. Als Smokey und Bob näher kamen, sahen sie, was Grund für den Aufruhr war. Auf dem hölzernen Tisch vor der Versorgungshütten, wo die Tishinesen so viele Mahlzeiten gemeinsam eingenommen hatten, lagen mehrere Ausgaben eines schwarzen Buches. Ein kurzer Blick auf den Einband offenbarte ihnen, was sie bereits befürchtet hatten: Es war die „Stimme der Erlösung“. Jenes Werk, auf welches die Hinweise gestern deuteten. Smokey warf Bob einen vielsagenden Blick zu. Der wirkte mal wieder so, als ob ihn das alles nichts anginge und beteiligte sich direkt an den wilden Spekulationen, welche die Tishinesen so äußerten…Die Meinungen darüber gingen weit auseinander. Manche hielten es für einen dummen Kinderstreich. Andere für eine dreiste Provokation. Smokey beäugte jeden einzelnen der Anwesenden genau. Den Prediger Murphy, Dagiweh, Zm4ster, der wie üblich seine Kommentare von der Tischtennisplatte kund tat, oder auch Criosdan. Sie alle wirkten aufrichtig empört. Währenddessen bemerkte Smokey, wie Bob, von den anderen unbemerkt, eine der Ausgaben unter seinem abgenutzten Kunstfellmantel verbarg. Er wusste also auch, dass es das richtige Buch war. Bei Bob konnte man nie genau wissen, welche Informationen in seinem Kopf erhalten blieben und wie sie sich wandelten.
„Was ist denn hier los ?“, verlangte die Stimme von OTL Wüstenfuchs, der wohl von dem Aufruhr angelockt wurde, zu erfahren. Schon drängte er sich durch die Versammelten und ergriff eines der Bücher. Ohne das Buch eines weiteren Blickes zu würdigen, hielt er es hoch. „Ihr wisst, dass wir dieses Buch in diesem Dorf nicht dulden ?“, und mit einem lauten Schlag ließ er das Buch auf seine belederhandschuhte Hand fahren. Prüfend glitt sein Blick über die Anwesenden. Als von diesen keine Reaktion kam, gab er dem ebenfalls hinzugekommenen Antestor einen Wink. „Oberleutnant, entfernen, sie diesen Dreck.“, und dabei reichte er ihm das Buch. Oberleutnant Antestor nickte nur knapp und sammelte die übrigen Ausgaben ein.
Es dauerte noch ein Weilchen bis sich der Auflauf wieder zerstreute und die übliche Tagesroutine wieder einkehren konnte. Nachdem sich alles wieder ein wenig beruhigt hatte, und Smokey und Bob wieder unter sich waren, begaben sie sich zurück zu ihrer Hütte. Geistesabwesend nickten sie Dendi und ein paar anderen Dotlern zu, welche dort in einer Gruppe standen und die Ereignisse des Tages besprachen. Als diese außer Hörweite waren, sagte Smokey: „Da scheint jemand wirklich sicher stellen zu wollen, dass wir den Hinweisen folgen können.“. „Der Urheber macht es uns in der Tat nicht sonderlich schwer.“, stimmte Bob ihr nickend zu und ging auf ihre Eingangstür zu. „Ehrlich, Bob, sobald ich dahinter komme wer da solche Spielchen mit uns treibt, werde ich der Person gerne mal mittels meines Lieblingsbaseballschlägers vermitteln, was...“, doch weiter kam sie nicht. Bob, welcher sich gerade daran gemacht hatte, das Schloss ihrer Unterkunft zu öffnen, drehte sich um und hielt ihr ein weiteres Stück Papier vor die Nase. Es war auf dem gleichen dunklen Papier geschrieben, wie die übrigen Nachrichten, die sie bisher erhalten hatten. Smokey Eyes schaute sich über die Schulter um, doch nur vertraute Gesichter. Sie bedeutete Bob stumm hineinzugehen.
Noch eine rätselhafte Nachricht
Tishina-Katze ebenfalls ratlos
„Da ist die Rede von schmutzig-gelben Licht, aber auch von einer Lampe.“, mutmaßte Bob nachdenklich und tippte auf den entsprechenden Abschnitt in dem verboten Buch, welches er beiseite geschafft hatte. Sie hatten die Gardinen ihrer Hütte zugezogen und studierten das Buch. „Weißt Du, was mich an der Geschichte am meisten stört, Bob ?“, der Angesprochene schaute Smokey fragend an. „Wer auch immer dahintersteckt, er versucht Misstrauen zu streuen.“, nachdenklich strich sie eine der langen widerspenstigen Zöpfe hinter die Ohren. „Wir sollen nun argwöhnisch auf jeden einzelnen achten, der von schmutziggelben Licht oder einer Lampe spricht ?“.
Der Bob nickte zustimmend. „Da hat jemand Spaß an Spielchen und zwar auf solche von der unlustigen Sorte. Ich habe es Dir schon damals gesagt: Hier in Tishina laufen zum Teil echt seltsame Sachen. Ein Angriff auf die vielzitierte Gemeinschaft.“ Der Bob fuhr sich nachdenklich durch den Bart. „Irgendwie scheint dass die ständige, verdammte Tragödie der Menschheit zu sein: Sobald irgendwo etwas Gutes entsteht, gibt es irgendwo einen Verrückten der es brennen sehen will.“
Smokeys Blick verfinsterte sich. „Und genau deswegen, werden wir der Sache weiter nachgehen. Entweder dieses ganze Tishina ist nichts weiter als eine Farce…“, Bob unterbrach sie: „Ein verdammtes Spinnennest !“. Smokey nickte, in Erinnerung an Bobs letzten Song, „Oder Einzelne treiben hier ein falsches Spiel.“. Während sie sprach band sie sich die langen Dreads zu einem Zopf zusammen. „Was sagst Du immer über Spinnen, Bob ?“. Bob musste kurz nachdenken, aber dann hellte sich sein Gesicht auf: „Nur eine tote Spinne ist ´ne gute Spinne.“, und er ließ kurz seinen typischen dreckigen Bob-Lacher erklingen. „Genau“, stimmte Smokey ihm zu. „Wir halten Augen und Ohren offen. Warten auf die Schlüsselwörter und dann nehmen wir die entsprechenden Leute in die Zange.“. Bob klatschte einmal bekräftigend in die Hände und erhob sich schwungvoll aus seinem Stuhl. „Dann mischen wir uns mal unter’s Volk“, sprach er und machte sich direkt zu den nächststehenden Tishinesen auf, so das Smokey Mühe hatte, ihm zu folgen.
„Nicht den kleinsten Hauch einer Spur, Smokey. Unsere verdammten Hinweise laufen ins Leere, man.“. frustriert fuhr sich der Bob durch das schulterlange graue Haar. Sie hatten tatsächlich mit jedem Tishina-Bewohner gesprochen. Unverfängliche Gespräche, über das Wetter, Infizierte und die Versorgungslage. Die entscheidenden Wörter waren gefallen und sobald dies geschah, bohrten Bob und Smokey genauer nach. Aber alles was sie zur Antwort erhielten war „Ich habe keine Ahnung, wovon ihr redet“ oder „Ich sage nichts ohne meinen Anwalt.“. Das Gefühl, dass manche Bewohner des Dorfes mehr wussten, als sie bereit waren zu sagen, beschlich Smokey fortwährend, wie ein dunkler Schatten. Der Gedanke, dass Tishina von einer geheimen Verschwörung oder gar einem Verräter befallen war, gefiel ihr überhaupt nicht. Sie konnte Bobs Frustration durchaus nachvollziehen. Die Sonne neigte sich bereits zum Horizont und tauchte alles in ein orange glühendes Licht. Die Wipfel der Tannen wirkten, als würden sie in Flammen stehen und die Vögel konzertierten dieses Inferno in ihrer abendlichen Instrumentierung. „Man kommt sich irgendwie vor, wie in einer dieser Soaps - Zeit der Sehnsucht oder Game of Thrones, oder so.“ gab der Bob von sich.
„Dinge die man nach der Apokalypse nicht vermisst, was ?“, warf Smokey mit einem Lächeln ein. „Du sagst es. Warum kommt da irgendein oder irgendeine Dahergelaufene daher und gibt uns Rätsel auf ? Soll das irgendwie eine Art Test, oder so, sein ?“. Smokey wiegte knapp den Kopf. „Die Frage habe ich mir auch schon gestellt. Letztlich soll es uns egal sein.“. Sie legte nachdenklich die Stirn in Falten. „ Heute Abend hat der Prediger zur Andacht gerufen. Ich weiß, was Du von sowas hältst, aber vielleicht sollten wir heute Abend mal teilnehmen. Danach können wir uns nochmal das Buch vornehmen. Vielleicht haben wir etwas übersehen ?“. Der Bob nickte zustimmend. „Aber Du weißt, dass ich bei Predigten immer einschlafe, erwarte also nicht von mir, dass ich da irgendwas zu Tage fördere.“ „Kein Problem, Bob. Ich werde die Augen für uns beide offenhalten. Versuch nur halbwegs meinen Rücken freizuhalten.“ Bob grinste: „Same procedure as ev’ry year, Miss Sophie“.
Eine vielsagende Predigt
Prasselnd loderte das Feuer in der Mitte Tishinas und belegte die Gesichter der Umstehenden Tishinesen mit tanzenden Schatten. Der Prediger war wie immer voller Enthusiasmus und wortgewandt sprach er seine Predigt. Diese rauschte aber am Bob ziemlich vorbei. Schon vor der Apokalypse hatte der Bob nur wenig mit den Religionen seiner Mitmenschen anfangen können und seither hatte sich nicht viel daran geändert. Er schätzte den Prediger als Menschen, aber das hieß nicht, dass er seinen Glauben teilte. Wobei der Glauben an den Gurkenschäler, an den heiligen Gurkenschäler, sich von den meisten Religionen unterschied, die dem Bob bisher in seinem Leben begegnet waren. Trotzdem würde er wohl nie ein Jünger werden. Wie so oft waren diese Worte kryptisch. Sie handelten von Vergebung, von Licht und Schatten und von wegen die unterschiedliche Abzweigungen nahmen. Die Religion des heiligen Gurkenschälers distanzierte sich zwar sichtbar von den „alten“ Religionen, jedoch kam es dem Bob vor, als wenn die verschiedenen Vertreter ihrer Glaubensrichtungen sich alle aus dem gleichen Vokabeltopf bedienten. Völlig in diesen Gedankengang vertieft, rissen ihn die Worte des Predigers aus seinen Gedanken. „Bob ! Ich freue mich, dass auch du bei der Predigt dabei warst. Wie hat sie dir Gefallen ?“ Der Bob fühle sich ein wenig überrumpelt und rang nach Worten: „Tja Murphy… das was du gesagt hast, hatte echte Tiefe, man. Hat den Bob richtig bewegt und so. Über Teile muss ich sicher noch ein Weilchen sinnieren. Echt deeper Shit und so.“. Murphy lächelte milde. „Freut mich, dass es Dir gefallen hat. Noch mehr erfreut es mich, dass ihr nun immer öfter hier in Tishina anzutreffen seid.“ Der Bob grunzte nur zustimmend. „Wie stehst denn du zur Vergebung, Bob ?“ Bob erwiderte seinen Blick. „Wie meinen ?“. Murphy hakte noch einmal nach: „Vergebung, Bob. Glaubst Du selbst an Vergebung ?“ Der Bob fuhr sich einmal nachdenklich durch den Bart. „Also, ich seh’ das so: Jeder kann mal Mist bauen, dann muss man drüber reden. Wichtig ist, dass man zu seiner Scheiße steht, man.“ Der Prediger lächelte freundlich und reichte Bob die Hand. „Ich dachte mir schon, dass Du so denkst. Auf noch eine lange gemeinsame Zeit in Tishina.“ Bob ergriff die Hand. „Und Bob,... folge dem Licht wo immer du es erblickst.“. Nachdenklich erwiderte Bob das Schütteln der Hand. „Ich werde es mir merken, Prediger.“
Später am Abend trafen Bob und Smokey wieder zusammen. „Glaubst du der Prediger steckt mit drin ?“, fragte Smokey, „Immerhin hat er das Signalwort benutzt.“. „Echt `ne harte Nuss.“, murmelte der Bob. „Andererseits war er nicht der Einzige heute.“, gab Smokey zu bedenken. „Bisher hat er sich auch immer als Freund erwiesen. Warum sollte sich das plötzlich ändern ?“ Smokey nickte zustimmend und ihr Blick glitt durch das Dorf. Das Feuer an dem die Predigt statt gefunden hatte war zum größten Teil heruntergebrannt und die Dunkelheit hatte wieder weite Teile des Dorfes ergriffen. Der Platz lag nun relativ leer da und die Tishinesen kümmerten sich alle um ihre jeweiligen Angelegenheiten. Ihre Hinweise schienen alle in Sackgassen zu führen. Genervt pustete Smokey sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, als sich ihre Augen plötzlich verengten. „Siehst du das ? Da drüben bei Z’s Platte ?“.
Licht unter der Platte
Der Bob blickte in die Richtung, die Smokey beschrieb und traute seinen Augen nicht. „`Ne verdammte Kerze !“ und er schaute Smokey auffordernd an. „Na dann folgen wir mal dem Licht.“, antwortete sie. Vorsichtig, darauf achtend, dass sie niemand beobachtet, gingen die beiden zu der Tischtennisplatte hinüber. „Hast Du gesehen, wer die Kerze dahin gestellt hat ?“ fragte Smokey. „Kein Plan, man. Ich habe sie auch erst gesehen, als Du mich darauf hingewiesen hast.“ Flink neigte sich Smokey zu der Kerze, blies das Licht aus und betrachtete sie von allen Seiten – Eine weitere Nachricht.
Wieder eine sehr rätselhafte Nachricht
Schnaubend schüttelte Smokey den Kopf. „Da hat jemand echt Spaß dran.“ stellte sie fest. „Tja,“, ließ der Bob sich vernehmen. „Dann lass uns mal ganz unauffällig die Fundamente umpflügen. Ich hol’ mal den Klappspaten.“. Smokey nickte zustimmend. „Wird Zeit, dass wir der Sache ein Ende bereiten.“
Sie verabredeten, dass sie sich in T -10 Minuten, hinter den Hütten wiedertreffen wollten. Smokey nutzte die Zeit, um noch eine kurze Runde durch Tishina zu drehen und die Ereignisse der letzten Tage noch einmal Revue passieren zu lassen. Wenn der Urheber oder die Urheberin Splitter in die Gemeinschaft treiben will, dann ist in das mit dieser Aktion gelungen. Wo man vorher nur freundliche Gesichter sah, suchte man nun nach Anzeichen des Verrats. Jedes gewöhnliche Wort konnte ein Zeichen sein. Jedes harmlose Gespräch ein Prüfung. Was die Sache am Schwierigsten machte war, dass sie eigentlich jedem Tishinesen vertraute. Tatsache war aber auch, dass irgendwer hier im Namen Keysers, oder vielleicht auch er selbst, sein Unwesen trieb. Smokey war sich sicher, dass sich im Wirken Keysers keine tiefere Wahrheit oder Philosophie verbarg. Nach allem was sie von dieser Person gehört hatte, waren alle seine Rechtfertigungen fragwürdig und seine Taten höchst verurteilenswert. Dass hinter all dem eine tiefere Erkenntnis steckte, welche Menschen zu Monstern und Monster zu bedauernswerten Opfern machte, bezweifelte sie.
Sie passierte das große Lagerfeuer. Wie so oft gab es hier mal wieder eine Diskussion zwischen einigen Dotlern und einem Vertreter von NWAC. Smokey musste schmunzeln. Alles wirkte so wie immer und doch gab es einen Wurm im Apfel. Sie entschied sich kurzerhand zu einem anderen Weg und begab sich zurück zur VCU Hütte. Während sie sich in das Innere begab, sorgte sie dafür, dass ein paar Tishinesen mitbekamen, dass sie sich in die Hütte begab. „Hab noch ein paar Unterkünfte in Chernogorsk zu planen“, sagte sie denen, den sie begegnete und wünschte Ihnen eine Gute Nacht. In der Hütte angekommen, öffnete sie leise das hintere Fenster und glitt in die Nacht hinaus. Bob war bereits vor Ort, gerade dabei den Klappspaten zusammenzuschrauben ohne zu bemerken wie Smokey hinter ihm erschienen war. „Dafür, dass wir hier on a Mission sind, bist du echt unvorsichtig.“ Bob fuhr zusammen und ließ beinahe den Spaten in den Kies fallen. „Gott verdammt, Smokey. Wenn Du Die Sache schnell hinter mich bringen willst, dann solltest Du so etwas öfter machen.“ und er griff sich dramatisch an die Brust. „Das hältst du schon aus. Aber diese ganze Heimlichtuerei geht mir gegen den Strich.“ Bob nickte. „Ich weiß genau, was du meinst.“, raunte er, „aber ich denke auch, dass du absolut recht hast. Wie schon der alte Lenin sagte: Finde heraus wer davon profitiert, und so.“ Smokey nickte knapp. „Die andere Möglichkeit ist die, dass die Person uns genau da hat, wo sie uns haben will.“. Smokey schaut sich auf dem Kiesboden um, der sich hinter den Hütten erstreckte. Dann deutete sie auf einige aufgewühlte Kiesel. „Dort sieht es so aus, als wäre der Kies kürzlich bewegt worden.“. Bob ging zu besagter Stelle und stieß mit einem knirschenden Geräusch den Spaten in den Kies.
Nächtliche Grabearbeiten
Sie mussten nicht allzutief graben, bis der Spaten mit einem dumpfen Schlag auf einen Widerstand stieß. Beim weiteren Graben stellte sich der Widerstand als Kiste heraus. Bob wischte sich mit seinem Ärmel den Schweiß von der Stirn und beugte sich dann schnaufend vornüber. „Ich bin eindeutig zu alt für solchen Scheiß“, schnaufte er. Smokey öffnete währenddessen die Kiste und förderte eine weitere Nachricht zutage. Sie zog eine Taschenlampe aus der Tasche, zog sich ihre Jacke über den Kopf und las in diesem provisorischen Lichtschutz die Nachricht. Abermals war sie in bleichen Lettern auf schwarzem Papier geschrieben.
Eine letzte, zutiefst rätselhafte Nachricht
Sie hatten sich ohne weitere Umschweife auf den Weg gemacht. Gerne hätte Smokey noch eine M4 mitgenommen, irgendetwas, das größer war, als ihre Handfeuerwaffe, aber sie hatte den Eindruck als würde die Zeit drängen. Wenn sie den Urheber des Ganzen enttarnen wollten, dann mussten sie jetzt handeln. Sie versuchten in aller Eile keine Aufmerksamkeit zu erregen und machten sich, so unauffällig wie möglich, auf den Weg zu dem benannten Treffpunkt. Sie durchschritten das Tor mit den Lettern „Tishina“ und wanderten wieder unter den Bäumen, welche die kurze Zufahrt zum Dorf säumten. Das Laubdach war so dicht, dass man nichts als Schwärze wahrnahm. Es war kühl geworden und die Luft fühlte sich klamm an. Als sie das Ende der Zufahrt erreichten wurde das Laub etwas lichter und gab die Sicht auf eine tief lapislazulifarbenen Himmel frei. Die Wolken reflektierten das letzte Licht der untergegangenen Sonne und ließ sie in einem magentafarbenen Ton erleuchten, was sie klar von dem dunklen Himmel abhob. Nebelschwaden zogen sich wie Dampf in einer Waschküche über die anliegenden Felder. Das Rauschen und Knacken des nächtlichen Waldes war so präsent, dass es beinahe in den Ohren dröhnte und mehr als einmal hatten Smokey und Bob das Gefühl, dass sie beobachtet wurden. Bei jedem lauteren Geräusch hielten sie inne und prüften die Umgebung, doch nichts außer dem Wald schien um sie herum zu sein. Als sie bereits den halben Weg zur Landstraße zurückgelegt hatten, sahen sie eine schemenhafte Gestalt am Wegesrand sitzen. Smokey blickte zu Bob, welcher bereits seine Waffe zog. Smokey tat es ihm gleich. Als sie näher herankamen erhob sich die Person. Bob erkannte in ihm einen der Mannschaftsdienstgrade der UNOC. Zudem einen, der immer wieder durch disziplinarische Probleme auffiel. Wie war noch gleich sein Name... ?
Smokey kam direkt zur Sache „Du, steckst hinter all dem hier ?“. Der UNOC Mann schüttelte nur knapp den Kopf. „Ich bin nicht die Person, die ihr sucht.“, sagte er in einem Tonfall, der vermuten ließ, dass er ebenso über dieses Zusammentreffen überrascht war, wie Smokey und Bob. „Mir wurde gesagt, dass ich mich zu dieser Zeit auf diesen Weg begeben soll. Mir würden dort zwei Personen begegnen. Diesen beiden Personen soll ich sagen, dass sie sich weiter zur Landstraße begeben sollen.“ Der UNOCler zuckte bedauernd mit den Schultern. „Mehr weiß ich auch nicht.“
„Okay, man“ und der Bob ließ seine Hand schwer auf der Schulter des Hauptgefreiten landen, „ und das nächste Mal hockst Dich nicht so in den dunklen Wald. Jemand der nicht so eiserne Nerven hat wie der Bob, hätte dich aus Versehen erschießen können.“, und dann schaute er zu Smokey.
„Wir sollten weiter“, sagte diese und nach einer kurzen Verabschiedung, setzen Smokey und Bob ihren Weg fort.
Nach einiger Zeit sahen sie die Landstraße. Zumindest das was mal eine Landstraße war. Der Asphalt war an vielen Stellen, durch Jahre der Witterung und Vernachlässigung brüchig geworden und eine Vielzahl von Schlaglöchern durchzog die Oberfläche. Die Ränder waren weit mit Pflanzen überwuchert und an einigen Stellen hatten Baumwurzeln den brüchigen Asphalt durchbrochen. Der besagte Schotterplatz war nicht weit. Es war der Ort an dem Smokey und Bob eines der VCU-Fahrzeuge geparkt hatten. Eine ehemals rote, nun mit zusätzlichen Rostsprecklern verzierte Limousine aus den 70ern des letzten Jahrhunderts, die sich als erstaunlich robust erwiesen hatte. Ein kurzer Blick im Vorbeigehen offenbarte, dass das Fahrezug unberührt schien. Vorsichtshalber warf Smokey einen Blick in den Kofferraum, fand dort aber nichts, was dort nicht schon vorher gewesen war.
Ahnungslos, aber dafür mir Stil - VCU
Sie warf einen Blick auf die Uhr. „Wir sind pünktlich.“ Bob nickte. „Was mal echt ungewöhnlich ist.“ Dann schaute er sich auf dem Platz um. Niemand war zu sehen. Smokey versuchten die nah stehenden Bäume zu durchdringen. Nichts. Die Minuten verrinnen und ihre anfängliche Wachsamkeit ließ langsam nach. Nach etwa 10 Minuten steckte Smokey ihre Pistole zurück in den Holster. „Vielleicht doch ein Scherz“, verlieh sie einer Hoffnung Ausdruck. Bob nickte zustimmend „Das wäre mir ohnehin das Liebste.“, er begann ungeduldig auf und ab zu gehen. Nach weiteren zehn Minuten schien es sicher, dass niemand mehr erscheinen würde. Bob hatte inzwischen einen kleinen Graben in den Kies gezogen, den er immer wieder auf und abschritt und Smokey blies ungeduldig die Wangen auf. „Wir warten noch zehn Minuten und dann haken wir die Sache ab.“. „Soll mir absolut Recht sein.“, sagte der Bob, immer noch auf und ab gehend. „Vielleicht hat, wer auch immer, kalte Füße bekommen. Vielleicht war es auch die reine Verwirrungstaktik. Da müssen sie beim Bob allerdings schon früher aufstehen. Wie du ja weißt Smokey, hat der Bob seinen Drogenkonsum ganz gut im Griff und deshalb habe ich da echt den Durch…,“ in dem Moment hörte Bob hinter sich, aus der Richtung in der Smokey stand, ein dumpfes Geräusch, wie wenn ein Gegenstand auf dem Kiesboden aufgeschlagen wäre. „Smokey… ?“, fragte Bob noch im Umdrehen, und schon sah er Smokey leblos am Boden liegen. Im gleichen Moment spürte der Bob einen stechenden Schmerz im Hinterkopf und Dunkelheit umfing ihn.
Als er erwachte, hatte der Bob das Gefühl als wenn tausend kleine Kobolde mit silbernen Vorschlaghämmern auf die Innenseite seines Schädels die Odyssee 2001 eintrommelten. Seine Augenlider wollten ihm noch nicht ganz gehorchen und es war als würden blendende Lichter über seine Augen huschen. Seine Ohren gaben nur einen hohen Pfeifton wieder, welcher sich mit wachsendem Bewusstsein immer mehr veränderte. Als nächstes bemerkte er einen brennenden Schmerz auf der Brust. „Verdammt,“, schoss es ihm durch den Kopf, „der erste Herzinfarkt.“. Er zwang sich seine Augen zu öffnen, doch das änderte nichts an den blendenden Lichtern die vor seinen Augen tanzten. Zu den Lichtern gesellten sich nun auch Töne. Rufe und Schreie von Menschen, die anscheinend aufgebracht waren, schwere Stiefel, die durch den Wald rannten, vereinzelt ein Schuss. Dann sackte er wieder in sich zusammen und verlor abermals das Bewusstsein.
Das haben sie nun davon
„Und so fanden wir euch dann.“, endete der Bericht des OTL Wüstenfuchs. „Abgesehen von den Malen und euren Blessuren am Kopf, relativ unverletzt. Wer weiß, was passiert wäre, wenn wir euch nicht rechtzeitig gefunden hätten.“. Ein zustimmendes Raunen ging durch die Anwesenden Tishinesen. „Da habt ihr aber Glück gehabt“, ließ sich einer der DOTler vernehmen. Smokey war sich nicht sicher ob es Glück gewesen war. Rückblickend hatte sie den Eindruck, dass alles so gelaufen war, wie der Strippenzieher, sei es nun Keyser oder irgendein Nachahmer, es gewollte hatte. Bob und sie trugen nun sein Mal. Eine Tätowierung mit der Sensenhand, welche das Zeichen Keysers war. Nachdenklich rieb sie sich die Stelle an ihrem linken Oberarm. Bei Bob fand sich das gleiche Mal auf der Brust. Direkt über dem Herzen. „Und ihr habt nichts gefunden ?“, fragte sie an Wüstenfuchs gewandt. Dieser schüttelte nur bedauernd den Kopf. Wir haben direkt die Umgebung durchkämmt. Wir fanden Spuren, die möglicherweise zu dem oder den Tätern gehören, aber diese verloren sich im Unterholz.“. Smokey deutete dann auf ihre Hütte, die mit einem „K“ versehen war. „Und das da ?“. Wüstenfuchs druckste etwas herum, bevor er antwortete. „Das muss geschehen sein, als wir die Gegend durchsucht haben.“
Smokey wirkte nachdenklich. Sie waren, wie blutige Anfänger, in die Falle getappt. Es stimmte was gesagt wurde, wer weiß was geschehen wäre, wenn die UNOC nicht rechtzeitig aufgetaucht wäre. Was blieb, war die Tatsache, dass wer auch immer hinter dem Anschlag steckte Helfer in Tishina gehabt haben musste. Das warf deutlich mehr Fragen auf, als Smokey lieb war. Wem würde man künftig noch vertrauen können ? War Keyser wirklich sicher irgendwo außerhalb von Chernarus in Verwahrung ? Was war überhaupt der Zweck dieser ganzen Sache ?
Sie würden nun noch aufmerksamer sein. Ein Auge auf die Gemeinschaft haben. Und ganz sicher nicht dem Nagen nachgeben, was sich drohte in ihr auszubreiten. Irgendetwas sagte ihr, dass genau solche Gefühle es waren, die Menschen wie Keyser zum Erfolg verhalfen. Den Gefallen würde sie ihm nicht tun. Sie blickte zu Bob herüber und dieser wirkte so, als wenn gar nichts vorgefallen wäre. Die gewohnte Tüte in der Hand, blickte er lächelnd in die aufgehende Morgensonne, als hätten die nächtlichen Ereignisse ohne ihn statt gefunden.
„Rauchst Du alleine ? Gib mal her das Teil.“. Während sie den Rauch wieder ausatmete wurde ihr klar, warum jemand wie Keyser sie für sein Spielchen ausgewählt hatte. Sie und Bob und somit VCU standen für bedingungslose Gemeinschaft. Der natürliche Feind für Menschen wie ihn. Smokey lächelte finster. Wer auch immer, würde schon bald feststellen, dass er oder sie sich die falschen Überlebenden für das Spiel ausgesucht hat.
Gezeichnete
Ende.... Vorerst.