Lange Zeit war es still um uns.
Zu still.
Die Welt drehte sich weiter, nur eben ohne uns – und als wir wieder auftauchten, war nichts mehr so, wie wir es kannten. Keine Spur mehr von den blauen Armbinden. Eine Fraktion, die einst meinte, sie gehöre hierher, vom Erdboden verschluckt wie ein schlechter Gedanke nach dem Aufwachen.
Und dann diese Kälte.
Sie kam zurück. Unerbittlich. Kriechend. Als hätte sie nur darauf gewartet, dass wir unaufmerksam werden.
Auch in unseren eigenen Reihen blieb nichts verschont.
Unser Schweizer – ohnehin nie ein Freund der deutschen Sprache – verschwand spurlos. Keine Abschiedsworte, kein Zettel, nicht einmal ein halb verständlicher Fluch. Einfach weg. Vielleicht hat ihn die Kälte geholt. Vielleicht die deutsche Grammatik.
Unseren Senioren hingegen fanden wir wieder.
Leicht verwirrt, etwas zerzaust, am Straßenrand stehend, als hätten er dort schon immer hingehört. Wir luden ihn ein, stellten keine Fragen und nahmen auf dem Rückweg direkt noch eine fremde Dame mit, deren Herkunft ebenso unklar war wie ihre Absichten. Aber in dieser Welt fragt man nicht zu viel – man nimmt mit, was läuft.
Und so sind wir wieder da.
Gezeichnet, aber nicht gebrochen.
Mit weniger Leuten, mehr Geschichten und dem alten Hunger im Bauch.
Wir ziehen erneut los.
Auf der Suche nach allem, was glänzt, knallt oder im Zweifel einfach nur den nächsten Tag sichert. Wertvolle Gegenstände, alte Schätze, neue Probleme.
Denn eines ist sicher:
Überleben ist kein Zustand.
Es ist eine tägliche Entscheidung.