02.07.2023 – Sturm auf die Gefängnisinsel!
In den dunklen Tagen nach dem Ausbruch der Zombie-Apokalypse war das Gefängnis von Chernarus ein Ort des Chaos und der Verzweiflung. Lange Zeit galt die Gefängnisinsel Storozh noch als sicherer Ort, doch als einige Überlebende vor lauter Panik übersetzten, brachte einige von ihnen das Virus mit auf die Insel. Bei den hygienischen Zuständen dort dauerte es nicht lange und die Pandemie grassierte ebenfalls auf der kleinen Insel. Es kam, wie es kommen musste: Während draußen die Welt zusammenbrach, kämpften auch die Insassen und das Wachpersonal ums nackte Überleben. Unter den Insassen waren einige, die ihre Chance ergriffen, als das Gefängnispersonal von den Untoten überrannt wurde. Sie erlangten ihre Freiheit, allerdings in einer Welt, die von Gefahren und Unsicherheit geprägt war.
Die ehemaligen Häftlinge bildeten eine Gemeinschaft und nannten sich selbst die ‚Verlorenen Seelen‘. Sie waren gezeichnet von ihrer Zeit im Gefängnis und den Spuren ihrer Vergangenheit, aber sie hatten sich zweckmäßig zusammengeschlossen, um in dieser feindseligen Umgebung zu überleben. Sie hatten keine andere Wahl und sicherten die Gefängnisinsel für sich.
Einige Zeit verging und eine Polizeieinheit von Chernarus, die aus den wenigen überlebenden Polizisten bestand, bekam die Aufgabe Ordnung und Sicherheit aufrechtzuerhalten und die Gefangenen entweder zu eliminieren oder festzusetzen, doch die Situation war überwältigend. Die Polizisten waren in der Unterzahl und ihre Ressourcen begrenzt.
Einige Mitglieder der Verlorenen Seelen hatten in Erfahrung gebracht, dass die Polizeieinheit Pläne schmiedete, um das ehemalige Gefängnis zurückzuerobern. Sie sahen dies natürlich als eine direkte Bedrohung an und beschlossen, sich zu verteidigen. Sie wussten zwar, dass die Polizei besser ausgerüstet war und dass der Kampf hart werden würde, aber sie waren bereit, bis zum Ende zu kämpfen. Viel zu verlieren hatten sie ohnehin nicht.
Die Polizeieinheit hatte ihren Auftrag, die Insel zurückzuerobern. Allerdings war den leitenden Wachmännern klar, dass sie allein keine Chance haben würden. Darum sollte eine Einheit die Insel stürmen und als Signal für das Festland eine Fahne im Gefängnishof hissen, um zu signalisieren, dass der Aufstand unter Kontrolle war.
Die Spannungen zwischen den Verlorenen Seelen und der Polizeieinheit erreichten ihren Höhepunkt, als die Pläne beider Seiten enthüllt wurden. Die Verlorenen Seelen würden das Gefängnis verteidigen, während die Polizei versuchen würde, die Fahne zu hissen.
Tja, und da kommen wir ins "Spiel". Ich benutze das Wort "Spiel" bewusst, denn tatsächlich hat Tabasko sich dieses Event ausgedacht, um unseren oft tristen Alltag ein wenig aufzulockern. Solche kleinen Gelegenheiten gibt es immer wieder bei uns, und wir nennen sie liebevoll "Events". Dieses spezielle Event sollte nicht nur ein Kampf um das Gefängnis sein, sondern auch eine Gelegenheit für beide Seiten bieten, ihre Stärke und ihren Überlebenswillen zu beweisen sowie als Gruppe enger zusammenzuwachsen. Schon seit Wochen hat Tabasko auf der Insel im Stillen gewerkelt, Waffen, Ausrüstung und Munition besorgt, um uns dieses Spektakel zu ermöglichen und heute war es endlich soweit.
Nachfolgend werde ich kurz schildern, was sich während unseres Events auf der Gefängnisinsel ereignet hat. Alles begann damit, dass wir uns am Bambi-Auffanglager in Prigorodki verabredeten. Dies war ziemlich riskant, da wir damit rechneten, dass Schaulustige und vielleicht auch Leute, die ihr eigenes kleines Event planten, indem sie auf uns schossen, in der Nähe sein könnten. Trotz einiger neckischer Kommentare am Brunnen und ein paar Verletzter (die jedoch sofort professionell versorgt wurden), machten wir uns auf den Weg in mehreren Fahrzeugen.
Unser "Wettergott" Murphy war persönlich zum Event erschienen, und wir fuhren voller Vorfreude auf das bevorstehende Spektakel die Küstenstraße entlang. Unsere Gruppe bestand aus Alexej von den Chernarussen, Bex, Blue, Charly, Henrik, Kanu, Murphy, Proxxo, Shizo, Tabasko, einem Freund von Alexej (der nur Russisch sprach) und meiner Wenigkeit.
Auf Höhe der Tankstelle östlich von Chernogorsk war es dann soweit: Schüsse zerrissen die Luft, und der Fahrer vor uns wurde getroffen. Auch Blue hatte es erwischt. Sofort hielten wir an und suchten Deckung. Die Kugeln flogen knapp über unsere Köpfe hinweg. Eindeutig ein Scharfschütze, der es auf uns abgesehen hatte! Es entbrannte ein wildes Gemetzel, bei dem auch ich einige Treffer abbekam. Wir boten ohnehin wenig Gegenwehr, denn wir waren alle praktisch als Bambis mitgekommen, ohne nennenswerte Ausrüstung, da unsere Eventbekleidung erst auf der Gefängnisinsel auf uns wartete. Glücklicherweise hatte jemand – ich glaube, es waren Murphy und zwei der Jungs – doch einige Waffen dabei. Sie teilten mit uns ihre Habe und gingen auf die Jagd, um den Angreifer zu stellen. Es kam zu einem Schusswechsel in der Nähe der Kirche, aber glücklicherweise konnten Murphy und Tabasko den Schützen auf dem Hügel unterhalb des Kriegerdenkmals stellen und außer Gefecht setzen.
Mit einiger Verzögerung erreichten wir schließlich doch die Gefängnisinsel. Dort musste erst einmal der größte Hunger gestellt werden und anschließend teilten wir uns in zwei Teams auf: die Wärter und die Gefangenen, und wir übernahmen unsere Rollen.
Die Sonne senkte sich langsam am Horizont, als die ersten Schüsse durch die Luft peitschten. Murphys Aufzeichnungen, die wir liebevoll "Logfile" nannten, erzählen diese Geschichte besser, als ich es je könnte. Meine Hände zittern immer noch von dieser intensiven Erfahrung.
Um 21:18 Uhr erlitt Bex Verletzungen durch Wachmann Murphy, der offensichtlich nicht gewillt war, Bex einfach so ziehen zu lassen. Wenig später, um 21:20 Uhr, stand Wachmann Shizo Charly gegenüber, dessen Schüsse ihr Ziel präzise trafen. Shizo verstarb, und die Stille danach sprach Bände.
Es dauerte nicht lange, bis der Schlagabtausch weiterging, als Wachmann Alexej und Henrik in das Geschehen eingriffen. Henrik, von Murphy schwer verwundet, hielt jedoch tapfer stand und setzte den Kampf von seiner erhöhten Position aus fort. Efim, ein Freund von Alexej, beteiligte sich ebenfalls und verwickelte Kanu in einen unerfreulichen Schusswechsel, bei dem Kanu leider den Kürzeren zog.
Der Kampf erreichte einen weiteren Höhepunkt, als Proxxo und Wachmann Tabasko sich in ein hitziges Gefecht verwickelten. Tabasko gelang es, Proxxo zu besiegen, doch er selbst erlag den Schüssen von Murphy.
Das Blatt wendete sich erneut, als ich versuchte, aus meiner Deckung heraus Murphy das Leben schwer zu machen. Leider traf ich nur teilweise und fiel so kurzerhand selbst Murphys M16 zum Opfer.
Es schien, als gäbe es kein Ende in Sicht, denn Henrik und Bex erlagen ebenfalls den Angriffen von Murphy. Doch die Geschichte nahm eine überraschende Wendung, als Efim erschossen wurde und Blue den Chernarussen Alexej zunächst ins rechte Bein und dann in den Bauch traf, woraufhin dieser leblos auf dem Gefängnishof zusammenbrach. Gekonnt schnappte sich Blue die Fahne aus Alexejs Inventar und war bereit, sie mit seinem Leben zu verteidigen.
Die Wachmänner waren nun etwas ins Hintertreffen geraten, aber noch gab der letzte Überlebende, Murphy, nicht auf. Es kam, wie es kommen musste: Blue stand nun Murphy gegenüber – oder vielmehr versteckte er sich im Gefängnishof und wartete darauf, einen Treffer zu landen. Leider knurrte Blues Magen sehr laut, sodass Murphy versuchte, seinen Gegner mental zur Aufgabe zu überreden: „Na Kollege? Hast du Hunger? Hab was zu Essen, das tausch ich gegen die Fahne!“ Aber da hatte er nicht mit Blues Siegeswillen gerechnet! Blue verharrte trotz knurrendem Magen ruhig und blieb im Gefängnishof auf der Lauer. Unterdessen humpelte der sichtlich mitgenommene Murphy mit seiner Waffe im Anschlag vor dem Eingang zum Hof hin und her. „Also, wir haben jetzt zwei Möglichkeiten…“, begann er erneut vor dem Hof wieder eindringlich auf Blue einzureden, „entweder du gibst auf, oder du gibst auf.“ Viel konnte er nicht machen, denn sein gebrochenes Bein hinderte ihn daran, schnell in den Hof zu sprinten oder über die Mauer zu klettern. So wartete er ruhig ab, bis er an der Mauer dann einen Teil von Blues Kopf bemerkte. Sofort schoss er mehrfach, bis sein Gegner endlich umfiel. Schwer verwundet humpelte Murphy zu Blues Leiche, schnappte sich die Fahne und hisste sie stolz im Gefängnishof. Der Aufstand war niedergeschlagen worden.
Blue zog seine Maschinenpistole und schoss damit Murphy direkt in den Kopf. Er legte nach und bezwang so einen letzten Widersacher.
Die Sonne sank weiter dem Horizont entgegen, als der Rauch der Schusswechsel langsam verzog. Die Spuren dieses Tages bleiben in unseren Herzen und in diesen Logeinträgen festgehalten. Wer weiß, was der morgige Tag bringen wird? In dieser Welt ist nichts sicher, außer der Tatsache, dass der Kampf ums Überleben niemals endet. Aber für heute war es doch mal eine willkommene Abwechslung, wenn man von dem Fremden Scharfschützen einmal absieht.