03.07.2023 – Nachtrag I
Um auf andere Gedanken zu kommen, wechseln Blue und ich den Funkkanal zu Dani und Shizo, die sich angeregt unterhalten. Dani berichtet, dass er die Russen in der Nähe von Elektrozavodsk mit einem LKW gesehen haben will. Die Frage steht im Raum, ob das der LKW von Max und Kevin gewesen sein könnte. Shizo bezweifelt das. Vielleicht war es auch nur Durog mit seinem Lastwagen? Aber Dani hat bereits Kontakt zu ihm aufgenommen, und weiß daher, dass der Einzelgänger noch keinen Besuch von den Balzbubis hatte. In Bezug auf das Attentat gestern Abend haben weder Shizo noch Dani einen Verdacht. Das macht also zwei Rätsel und ich behalte meine Befürchtung für mich.
Shizo bietet Dani ein Auto an und lädt ihn zu sich in den Norden in seine Basis ein. Das könnte die künftige Banditen-WG sein, scherze ich. Shizo stellt empört klar: „Ich bin kein Bandit. Ich klaue nichts.“ So bietet er lieber Dani seinen Gunter an, denn von seiner Olga möchte er sich nicht trennen.
Während die beiden verhandeln, entfache ich ein kleines Feuer in Solnichniy und brate etwas Hühnchen über dem Feuer, um es dann später ins Zelt des Auffanglagers zu legen. Außerdem durchsuche ich die Umgebung des Lagers nach weiteren Fallen, aber alles scheint unauffällig zu sein. Für einen Moment genieße ich die Stille, dann beschließe ich die beiden auch zur Vorsicht zu ermahnen und erwähne meine Begegnung mit der Stolperdrahtfalle. „Wie…?“, beginnt Shizo, „Hast aber nichts abbekommen oder was? Schwein gehabt! Ja, eine Granate braucht halt 3 Sekunden, um zu explodieren.“ Dani stimmt zu. „Ja, drum ist es gut, die taktisch zu platzieren, wie Henrik in Elektro im Hochhaus.“ Da kann man geteilter Meinung sein, aber in Bezug auf das Glück stimme ich Shizo zu. „Tja aber komisch. Wer bringt da sowas an? Das ist jetzt nicht die typische Gegend für Leute, die Handgranaten besitzen…“, murmelt Shizo nachdenklich. Ich stutze für einen Moment. Aber das kann nicht sein...! In meinem Verstand rattert es, aber vermutlich sehe ich Gespenster. Ich kann mir aber einen Kommentar nicht verkneifen und missmutig entgegne ich: „Tja, das ist eben die typische Gegend für Leute, die die Samariter mal wieder ein bisschen ärgern wollen.“ Ich vermute jemand hat meine Samariter-WG im Bau gesehen und gedacht, er stifte mal etwas Unruhe.
Shizo erwähnt noch, dass es der Schatten gewesen sein könnte, aber das glaube ich nicht. Früher war er zwar an allem irgendwie Schuld, aber seit Henrik ihn erwischt hat, hat der Unbekannte seinen Schrecken verloren. Vielleicht waren es ja die Russen? Eine Handgranate der Liebe? Ich scherze etwas und Blue lacht. Nein, wenn man es genau nimmt, halte ich die Balzbubis nicht für hinterhältig genug. Allerdings gibt Dani zu bedenken, dass sie schon ordentlich zulegen in letzter Zeit. Jüngst hat er in Gvozdno an der Kirche eine Basis entdeckt, die brutal aufgesprengt worden ist. „Ich denk mal, dass die Russen Nomaden sind“, stellt er fest. „Ja“, bekräftige ich seine Theorie, „sie nehmen ja nichts mit, sondern räumen alles aus und lassen es nur liegen. So wie sie es bei Kevin und Max gemacht haben…“ „Ach, die wurden auch geraided?“, ist Dani erstaunt. „Ja, ja. Ihre erste Basis in Chernogorsk. Da haben sie auch alles ausgeräumt und überall verteilt. Richtig gemein...“, erkläre ich geknickt. Blue und ich haben gestern Abend noch alles aufgeräumt und das Loch, wo die Fremden eingedrungen sind, notdürftig geflickt. Ich hoffe nur, dass Max und Kevin rechtzeitig zurückkommen, um ihre beiden LKW zu sichern. Das ist schon eine fiese Bande, diese Russen… Wobei ich der Fairness halber sagen muss, dass ich nicht mit Sicherheit sagen kann, dass sie es auch tatsächlich gewesen sind. Aber sie haben Tabasko und der Gruppe mit den lilafarbenen Armbändern auf jeden Fall den Krieg erklärt. Sagen wir es diplomatisch: Der Verdacht liegt nahe. Während ich an der Samariter-WG weiterbaue, gehe ich meinen Gedanken nach.
Es ist schon so, wie ich immer sage: Eine Basis muss gepflegt und verteidigt werden. Tja und am Ende hat man nur Arbeit damit. Möchte ich das wirklich riskieren? Komischerweise ist meine Antwort ein klares „Ja“. Momentan macht mir die körperliche Betätigung Spaß und sie bringt mich auf andere Gedanken. Die Anstrengung entspannt meinen aufgewühlten Geist etwas, auch wenn ich nach dem Zwischenfall vorhin nun doppelt vorsichtig bin.
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