💌 Herzensgrüße vom 30.04.2025 – Minen, Missverständnisse und Misstrauen
Hallo ihr Lieben,
manchmal frage ich mich, ob wir in einer Welt voller Lücken leben. Lücken im Vertrauen, in der Wahrheit – oder einfach in der Zeit, die uns bleibt, bevor es wieder knallt.
🪵 Vandalismus und Verluste
Am frühen Morgen stellte Greeny fest, dass unser Camp in Prigorodki erneut von Vandalen heimgesucht worden war. Dinge lagen verstreut auf dem Boden – kein großer Schaden, aber der Schmerz sitzt trotzdem tief, weil es eine Geste war. Eine Geste der Respektlosigkeit gegenüber dem, wofür unsere Lager stehen sollen. Wir schwiegen, seufzten und machten weiter. Was sonst?
Nicht jeder nahm den Tag so ruhig: In der Nähe von Zelenogorsk wurden Moon und Fabian (nein, nicht der von der Atze-Gruppe) in der Nacht erschossen. Glück im Unglück: Ihre Ausrüstung wurde gesichert und konnte zurückgeführt werden. Wenigstens das.
In Berezino übergab ich MrFerry98 (Michael) die schwarze Olga, die ich gefunden hatte – ein kleiner Trost nach dem Ende seiner Zweck-WG mit AceBlackWolf. Die beiden gingen von nun an getrennte Wege. Manchmal passiert das. Nicht immer im Streit, manchmal ist es auch einfach nur Veränderung.
Übergabe der Olga
🏹Eine Erlösung – mit Widerstand im Finger
In Berezino traf ich auch auf Janis – einen der neuen Schweizer. Er bat mich um eine sanfte Erlösung. Er wolle nicht mehr. Ich rang mit mir. Lange. Bot ihm Hilfe an, ein Taxi, aber er lehnte ab.
Die Armbrust lag schwer in meinen Händen, die Entscheidung wog auf meinen Schulden noch schwerer. Aber ich erkannte denselben Blick wie bei anderen, denen ich schon begegnet war. Dies war kein Akt der Provokation. Es war eine Bitte. Also erfüllte ich sie. Schnell. Ohne Worte. Und doch hallte das Echo des Schusses lange in mir nach. Vielleicht war es richtig. Vielleicht auch nicht. Ich werde es nie wissen und am Ende blieb mir nichts anderes übrig, als zumindest seine sterblichen Überreste zur letzten Ruhe zu betten. Die Zeiten ändern dich.
Janis am Camp
💣 Granaten, Gerüchte und eine rote Olga
Die Gerüchte um das Granatwerfer-Duo verdichteten sich: Die Berezino Boys ( Bitwanted und sein Dad) wurden von zwei Unbekannten brutal überfallen und dabei getötet. Kein Gespräch, kein Austausch. Einfach kalte, blind abgefeuerte Schüsse. Wenig später fiel auch Tabasko bei Khelm vermutlich denselben Tätern zum Opfer. Ich erinnerte mich: Genau so ein Duo hatte Sueda kürzlich am Camp in Prigorodki unter Beschuss genommen und auch in war in Solnichniy einem Angriff durch einen Granatwerfer zum Opfer gefallen. Und Alni hatte am Vortag eine dunkelrote Olga mit Motorschaden entdeckt – unweit des Camps. Dieselbe, die wohl unserer Straßensperre entkommen war. Alles fügte sich zusammen wie ein dunkles Puzzle.
Ich informierte Rob, den Anführer von MISA, denn er war über Details zu den Angreifern ebenfalls interessiert. Er versprach, zwei Männer nach Berezino zu schicken, um nach dem Rechten zu sehen. Ich selbst brach ebenfalls auf – diesmal als Bambi wieder mit meiner vertrauten Blutgruppe: 0 negativ. Ein schwacher Trost.
Sicherung der Bambileichen
👣 Hinterrücks erschossen
Als ich das Camp in Berezino erreichte, sichtete ich zwei Überlebende am Hang – gut ausgestattet. Ich hielt sie für die Verstärkung von Rob und entledigte mich der Sporter auf meinem Rücken, denn ich wollte keine Bedrohung darstellen. Ich war gerade dabei, einen Unterstand aufzuräumen, da traf mich ein Schuss. Von hinten. Vom Sniperhügel aus. Kein Wort. Kein Ruf. Nur Dunkelheit.
Zurück an der Küste kontaktierte ich Rob und berichtete von dem Vorfall. Er fragte bei seinen Leuten nach und sie waren tatsächlich in Berezino, gaben aber an keinen Schuss gehört zu haben. Kunststück, vermutlich hatte der Täter schallgedämpft geschossen. Wobei... das gab mir zu denken. Der Täter hatte einfach zu gut geschossen. Zu gut, für das Granatwerfer-Duo. Vielleicht war es ein Versehen gewesen, vielleicht hatten Robs Leute mich im roten Jumpsuit als Bambi nicht erkannt und geschossen? Vielleicht war es in der Tat ein unglücklicher Unfall, ein Missverständnis. Dafür sprach auch, dass meine Leiche zerschnitten worden war. Das gab Tabasko an, als er etwas später den Tatort inspizierte. Auch Sueda sah nach dem Rechten, konnte aber weder von Robs Leuten noch von dem Granatwerfer-Duo eine Spur finden.
Dafür war meine Ausrüstung aber fein säuberlich verstaut worden – fast fürsorglich. Das passte nicht zum Muster des Granatwerfer-Duos, genau wie die Tatsache, dass jemand weiter südlich zwischen Solnichniy und Kamyshovo Spuren des Duos entdeckt hatte. So versuchte ich mir, aus den Indizien mein Bild zurecht zu legen, als ich weiter nach Berezino wanderte. Dort endlich angekommen, wagte ich mich wenig später erneut zum Krankenhaus, aber dann passierte es: Eine Mine. Direkt vor mir. Alles wurde wieder schwarz. Zum zweiten Mal an diesem Tag.
Während ich mich sammelte, kontaktierte ich Rob ein zweites Mal, dieses Mal mit meinem Verdacht. Ich sagte ihm, dass ich keine Beweise hatte, aber viele Hinweise. Dass ich nicht glaubte, dass es Absicht gewesen war. Er forderte vehement Beweise und drohte, die Leute aus seinem Team zu werfen, falls sich mein Verdacht bestätigen sollte. Doch wie sollte ich das bewerkstelligen? Die Spur war kalt geworden. Wem er denn jetzt trauen könne? Mir oder seinen eigenen Leuten.
Ich konterte bitter mit dem bekannten Spruch: "Es ist Chernarus. Jeder lügt." Aber wenn er diesen Leuten vertrauen wollte, sollte er gut auf seinen Rücken achten. So etwas konnte gefährlich enden – vor allem für ihn, der ohnehin immer wieder damit beschäftigt war, den Sturm zu bändigen oder in bestimmte Bahnen zu lenken. Gut möglich, dass einige seiner Leute das Warten auf Spannung satt hatten und so die Gelegenheit beim Schopf gepackt hatten oder es eben ein Versehen war. Entweder das, oder sie waren so ziemlich die schlechtesten Bodyguards fürs Camp, die er hatte losschicken können. Egal wie ich es drehte, ich würde von nun an sehr vorsichtig sein müssen in und um meine Camps.
Wenigstens etwas Gutes hatte die Sache: Am Ende hatte ich die seltene Blutgruppe zurück und konnte gleich wieder Blut spenden.
🎇 Zwischen Hoffnung und Behaglichkeit
Und noch etwas Gutes war passiert: Greeny baute in Prigorodki mit Ace einen Steinofen. Und in Prigorodki ist ein Ofen manchmal mehr als ein Ofen. Er ist ein Symbol, ein Ort der Wärme und der Zuflucht.
🔚 Letzte Gedanken
Am Abend saß ich dort, wo alles begann: am Lagerfeuer in Berezino: Inmitten verstreuter Pläne, verlorener Pfade und unbeantworteter Fragen.
Wie viele Minen und Angriffe muss man überleben, bis einem alles egal wird?
Ich weiß es nicht. Aber morgen ist ein neuer Tag.
Und ich werde wieder aufstehen.
In diesem Sinne: Bleibt am Leben und passt auf euch auf.
gez.
Herz-aus-Gold 💛