💌 Herzensgrüße vom 10.04.2025 – Zwischen Abschied und Wandel

Hallo ihr Lieben,
so laut der vergangene Abend und die Nacht waren, so ruhig und friedlich war der Morgen.
Ich verbrachte meine Zeit wieder am Rasthof, baute weiter an der Eckkneipe – „Zur rostigen Axt“. Ein Ort für müde Seelen, für Gespräche, für Geschichten. Doch je mehr ich baute, desto deutlicher wurde die Gewissheit, dass das alles keinen Sinn hatte. Oh ja, ich glaube noch es sein ein gewöhnlicher Tag. Aber etwas lag in der Luft.
Mein Blick schweifte wie so oft in Richtung der Basis der Chicks. Doch dort war es merkwürdig ruhig. Kein Funk, kein Schritt, kein Lachen.
War das gestern kein Traum gewesen? Hatte der Raid wirklich stattgefunden? Ich folgte meinem Gefühl und lief die Basis ab – und fand ein Tor offen.
Ein Tor aufgesprengt, mehrere Wände wie ein Durchgang abgebaut.
Daneben in einer Kiste: ein totes Huhn. Noch frisch. Ein Gruß der Aktivisten? Oder… etwas anderes?
Vor der Base
Zögernd trat ich ein.
Alles stand offen.
Die Zäune beschädigt, Zelte fort, Vorräte verschwunden.
Dort, wo sonst Leben war – war nun Leere.
Einige Zelte standen noch. Ich kroch in eines herein und entdeckte darin ein paar Lederreperatursets. Ich wandte mich um und wollte das Zelt verlassen, da erstarrte ich.
Eine Mine. Direkt vor dem Eingang platziert. Wie konnte ich sie übersehen und warum hatte sie mich nicht erwischt?
Vielleicht war es Glück. Vielleicht Fügung, aber ich war mit knapper Not davongekommen. Aber was tun?
Ich wich zurück, entleerte das Zelt und baute es umständlich von innen ab. So kam ich sicher an der Mine vorbei und atmete tief durch.
Ich inspizierte die Basis weiter und stellte fest, dass die meisten Sachen der Chicks verschwunden schienen. Was war hier geschehen? Wirklich ein Raid?
Achtung Mine!
Plötzlich hörte ich Schritte und ein Rufen: „Herz? Herz, bist du das?“
Bert!
Er hatte mich im Lager ziellos umherlaufen sehen erzählte mir nun, was geschehen war.
Die Chicks… sie hatten beschlossen, zu gehen. Nicht aus Schwäche, nicht aus Feigheit. Sondern aus dem Wunsch, sich treu zu bleiben – auch wenn das bedeutete, neue Wege zu gehen.
Zu viel war zwischen den Zeilen passiert. Zu vieles, was ich hier nicht ausführen möchte. Und so hieß es am Ende für uns alle: Abschied nehmen.
Ich schluckte, denn viele von ihnenen waren mir regelrecht ans Herz gewachsen, aber ich verstand dass sie nicht einfach so weitermachen konnten.
Das gestern war ein Abschied gewesen und Bert hatte inzwischen auch andere eingeladen, sich hier an den Überresten zu bedienen.
Wo sie jetzt wohl sein mochten? Ich wünschte ihnen jedenfalls still alles Gute und hoffte, dass sie irgendwo das finden würden, was sie hier vermissten.
Bert packte seine letzten Habseligkeiten zusammen, und ich bot ihm an, das Auto zu nehmen, das Jay mir über Olga am Vortag hatte bringen lassen.
Er bedankte sich und gemeinsam durchquerten wir das Lager auf der Suche nach einer Spitzhacke.
Plötzlich – ein Knall.
Bert trat auf eine Mine.
Ich rannte zu ihm, mein Herz raste.
Er lebte.
Ich konnte ihn retten. Gerade so. Schnell bastelte ich eine Schiene, half beim Beladen – und verabschiedete mich von ihm mit einem Kloß im Hals.
Leb wohl, Bert.
Vielleicht sehen wir uns tatsächlich mal beim Angeln wieder. Wer weiß das schon? Für den Moment wünsche ich dir alles Gute und danke dir, dass du mich ins Bild gesetzt hast.
Die Explosion
Später am Abend saßen wir Samariter, Pinky, s-tlk und ich mit ein paar anderen Freunden in der rostigen Axt und sprachen über die neuen Ereignisse. Meine Jungs hatten von all dem kaum etwas mitbekommen, da sie im Osten unterwegs gewesen waren, aber auch sie waren gleichermaßen überrascht.
Ein Blick zurück
Wir blickten hinüber auf das, was dort einmal beeindruckendes Gestanden hatte. Wir stießen auf die alten Zeiten an und ich hob meine Dose in Gedanken an Jay.
Wir wussten, dass sich die Dinge nun ändern würden.
Auf die eine oder andere Art.
Und es begann schon.
🔶 MISA auf dem Vormarsch
In der Ferne bewegten sich Gestalten durch die verlassene Basis. Gelbe Armbinden – MISA.
Sie suchten nach Überbleibseln. Hier und da fielen Schüsse und ich glaube ich habe auch eine Explosion gehört. Jedenfalls war die Situation von entspannt auf angespannt umgeschlagen und wir beobachteten schweigend, was sich drüben abspielte.
Und am hinten im Garten meldete Pinky plötzlich ein Bambi. Gut ausgerüstet.
Als er sein Gegenüber freundlich begrüßte, zog der Fremde seine Waffe – und erschoss sich augenblicklich selbst.
Warum?
Wir wissen es nicht. Pinkys Kommunikationsstrategie hatte nichts damit zu tun, denn an einem "Hi" kann nicht so viel verkehrt sein. Der Fremde ließ uns ratlos zurück und wir konnten nur noch seine Sachen sichern und ihn würdevoll bestatten. Möge er in Frieden Ruhen.
Das Beweisfoto zeigt eindeutig. Wir haben nicht geschossen.
Später sprach ich mit Rob von der MISA.
Er wirkte freundlich, aber unter der Oberfläche? Etwas war anders.
Er sicherte mir Schutz zu, solange ich an der Küste bleibe.
Aber im Landesinneren? Eine andere Geschichte.
Er sagte: „Dafür garantiere ich nicht.“
Fair enough, so ist das Leben und ich bin es nicht anders gewohnt. Aber die offene Ansage hatte schon etwas von einer Warnung oder gar Drohung,
Ich weiß nicht, ob er noch sauer ist wegen damals – wegen des Transports während des Gefechts und dass ich alle mitgenommen habe, egal ob es seine Feinde waren oder nicht.
Oder ob spürt einfach, wie die Welt sich ändert und möchte nun kräftig mitmischen. Immerhin sind sie nun eine der stärksten Gruppierungen in Chernarus und mit einer solchen Selbstverständlichkeit agierten sie auch in der ehemaligen Basis der Chicks.
Alles, was ich tun kann, ist es still zu beobachten.
Und irgendwo dazwischen… fehlt sie mir. Jay.
Wir waren oft nicht einer Meinung, aber wir wussten wie man sich streitet und wieder verträgt. Aber wir haben auch viel gelacht, geräumt, gebaut und für unsere Überzeugungen gekämpft.
Jeder auf seine Weise, aber beide mit vollem Einsatz. Keine halben Sachen. Ganz oder gar nicht. So waren wir und so ist es noch immer.
Und obwohl unsere Wege sich zuletzt immer öfter gekreuzt haben, ohne sich wirklich zu treffen – sie war ein Teil von mir. Ein Teil von meinem Weg; ein Teil von meinem Chernarus und dafür danke ich ihr.
Ich weiß nicht, wohin sie nun geht, aber ich hoffe, dass sie dort findet, wonach sie sucht.
Und ich hoffe, sie weiß, dass ich sie schätze – mit all ihrem Feuer, mit all ihrem Eifer.
Ich blicke noch einmal auf die leere Basis.
Die Zäune stehen noch, aber etwas Kostbares ist gegangen.
Ich werde die Chicks in Action vermissen – jede Differenz, jedes Lachen, jede gemeinsame Stunde.
Was sie hier hinterlassen haben, wird bleiben.
In unseren Erinnerungen, in Geschichten – und in dem Willen, Gutes weiterzutragen und das zu schützen, was einem wichtig ist.
---
Ich lasse meine Augen durch den Gastraum der Eckkneipe wandern.
Vielleicht ist es Zeit, hier still innezuhalten und einen neuen Anfang zu wagen.
Nicht aus Resignation, sondern um Raum zu schaffen.
Raum für Neues und für Erinnerungen. Für Hoffnung.
Eine neutrale Zone hat hier nun keine Daseinsberechtigung mehr. Aber wir werden sehen.
Ich werde eine Nacht darüber schlafen und dann entscheiden.
Passt auf euch auf.
Achtet auf eure Freunde.
Und bleibt am Leben.
gez.
Herz-aus-Gold 💛