Es war bereits Abend, als meine Reise in der Nähe von Dahana begann, was ich damals am Launchtag noch nicht wusste, denn iZurvive kannte die Nasdara Map noch nicht. Eine neue Erfahrung, in der Unbekannten zu laufen. Die Survival-Skillz aus Chernarus - hier in der Wüste nichts wert. Die Sonne stand bereits tief am Horizont. Es war Abend doch die Gegend war alles andere als friedlich. Überall Schüsse, mal einzelne, dann ganze Salven wo jeder wusste, hier haben sich mindestens zwei bekämpft. Der Server war in den ersten Tagen der neuen Season mit 60 Spielern randvoll, und das hörte man.
Ich hatte wenig Interesse, mich direkt in erste Schießerei mit primitiven, ladehemmenden Waffen zu stürzen. Um eine Dose Bohnen? Um am Ende mit den blanken Fäusten aufeinander einzuschlagen? Wie barbarisch. Mein Plan war ein anderer: Ich wollte weg. Raus aus den überfüllten Spawngebieten möglichst weit hinein in die Einöde, wo niemand hinläuft. Alle rannten ins Tal in die Dörfer, mich reizten die hohen Berge in der entgegengesetzen Richtung. Was lag dahinter?
Noch bevor ich Dahana endgültig hinter mir lassen konnte, lief mir auf halber Höhe, überraschend ein anderer Spieler über den Weg. Einer der nicht gleich schoß sondern zu kommunizieren versuchte. Und siehe da, es war kein Unbekannter: Es war Whiskey. Ausgerechnet Whiskey, der mir bereits in der letzten Season an meiner Base geholfen hatte. Wir erkannten uns, wechselten ein paar Worte und freuten uns über das unerwartete Wiedersehen in dieser gnadenlosen Welt und unbekannten Karte. Doch unsere Begegnung war nur kurz. Whiskey hatte offenbar andere Pläne und ich rang mit mir, vorzuschlagen, gemeinsam zu laufen und so trennten sich unsere Wege wieder.
Während ich weiterlief, ging mir diese Begegnung noch eine Weile durch den Kopf. Gerade am Anfang einer Season konnte ein verlässlicher Begleiter Gold wert sein. Andererseits war ich schon immer lieber als einsamer Fuchs unterwegs auch auf Charnarus.
Inzwischen verschwand die Sonne langsam hinter dem Horizont, ich begann mit dem Aufstieg und die Dörfer hinter mir wurdne zu dunklen Silhouetten. Die verbleibende Helligkeit reichte zur Orientierung. Die Nächte auf Nasdara sind defintiv heller und ideal für Fernreisen.
Mein Plan war denkbar einfach: Ich würde eine Richtung einschlagen und so lange laufen, bis die Sonne wieder aufging. 50:50 Chance. Entweder Sterben oder als erster in einer HighTier-Lootzone enden. Ich elender Optimist, ich hätte auch zu 99% in der Wüste elendig verrecken können.
Nach einem mühsamen Aufstieg erreichte ich den Bergkamm. Dort wurde mir schnell klar, dass ich mich am nördlichen Rand der Karte befand. Rechts war das Nichts, also noch weniger als Nichts. Ich lief und lief. Die Schüsse wurden immer leiser, bis schließlich auch der letzte Schuss hinter mir verstummte.
Plötzlich war sie da, die Stille der Wüste. Nur das Rauschen des Windes, die Geräusche der Natur und meine eigenen, vertrauten Schritte begleiteten mich. Zwischendurch gönnte ich mir etwas von meiner orangefarbenen Nahrung aus einem Einmachglas. Keine Ahnung was das ist, aber es erfüllte seinen Zweck. Dazu gab es hin und wieder einen vorsichtigen Schluck aus der Wasserflasche. Ich versuchte, meine Vorräte möglichst lange einzuteilen, denn noch immer hatte ich keine Ahnung, wie weit die Reise wird.
Mit fortschreitender Nacht wurde es empfindlich kalt. Ich fror, während ich mich am nördlochen Rand der Berge bewegte. Mehr als einmal fragte ich mich, ob meine Entscheidung wirklich so clever gewesen war. Umkehren war aber keine Option mehr, meine Nahrung reichte nicht mehr aus und meine Gesundheit waren bereits runter auf gelb. Ich war inzwischen viel zu weit gelaufen.
Mit der Morgendämmerung begann sich der Magen zu melden. Die Vorräte waren aufgebraucht und die Wasserflasche endgültig leer. Ich musste runter vom Berg und das tat ich und mit den ersten Sonnenstrahlen sah ich die ganze gewaltige Pracht des Tales vor mir. Ein riesiger ausgetrockneter See, der hier einmal gelegen haben musste. Zu diesem Anblick fehlte nur noch das gewaltige Lawrance-of-Arabia Theme, so baff war ich. Gerade die Sonnenuntergänge und Aufgänge sind in Dayz immer wieder sagenhaft.
Irgendetwas an diesem Ort hatte eine seltsame, fast unwirkliche Atmosphäre. Später sollte ich erfahren wo ich war, Sard Sahad. Doch im Augenblick war ich geflasht von den Schattenspielen der aufgehenden Sonne an den Bergen, den im Schatten stehenden Tälern und dem Military vor mir. Das Ganze sah aus wie ein Grenzübergang mit einer Strasse, die in einem Tunnel verschwand, voller verlassener Autos.
Im Vergleich zu den chaotischen Verhältnissen zu Beginn der Reise wirkte dieser Ort geradezu friedlich. Keine Schüsse, keine hektischen Bewegungen, keine Anzeichen dafür, dass hier überhaupt ein Speler unterwegs war. Ich muss der erste sein und der Loot zeigte es mir. Nur ein Depp kommt auf die idee, eine ganze Nacht lang durch auf einer unbekannten Map ohne iZurvive in einer lebensfeindlichen Berglandschaft zu marschieren.
Entsprechend entspannt betrat ich das Military und den Bunkerkomplex im Tunnel und war in kürzester Zeit geared und equipped. Nur die Plattenweste fehlte. Und auch mein Hunger und Durst Problem waren mit TacBacon und halbgefüllten Feldflaschen gelöst. Das Schicksal schien es gut mit mir zu meinen. Ein dahrbereites Auto, lediglich das Kühlwasser fehlte noch. Mit etwas Glück würde ich hier nicht nur gut ausgerüstet wieder verschwinden, sondern sogar motorisiert. Nach all den Stunden zu Fuß durch die Berge war diese Aussicht natürlich sehr verlockend.
Ich fühlte mich wie der König der Einöde. Doch DayZ wäre nicht DayZ, wenn solche Momente lange anhalten würden.
Plötzlich 100 Meter vor mir eine Bewegung. Meine Reflexe schlugen an und ich hob die VSS an. Ein Schatten huschte zwischen den Garagen hindurch. Hab ich mich getäsucht? Beginne ich Geister hier in der Einöde zu sehen? Dann sah ich ihn erneut, ein Spieler.
Ich konnte es kaum glauben. Hier? Ausgerechnet hier, am anderen Ende der Karte? An einem Ort, den ich nach einer ganzen Nacht voller Strapazen gerade erst erreicht hatte und an dem ich mich für vollkommen allein hielt? Auf diese Entfernung hätte ich durchaus versuchen können, ihn auszuschalten. Aber irgendetwas hielt mich davon ab. Nach diesen Entbehrungen und der Belohnung des eingegangen Risikos wollen wir uns wirklich hier anfangen gegenseitig abknallen?
Ich musste kurz an meine letzte Begegnung mit Whiskey denken. Und nun stand ich hier, nach einer ganzen Nacht in den Bergen, und traf auf einen anderen Spieler, der es offenbar ebenfalls bis in diese abgelegene Gegend geschafft hatte. Vielleicht hatte er einen ähnlichen Weg hinter sich wie ich. Vielleicht war auch er vor den Kämpfen in den Spawngebieten geflohen, hatte die Nacht in der Wildnis verbracht und hoffte nun, hier endlich etwas Ruhe zu finden.
Ich senkte meine Waffe und rief aus "Hey! Friendly! Nicht schießen!"
Vorsichtig kamen wir beide näher, ich schulterte meine VSS auf und versuchte durch die leeren Hände Vertrauen aufzubauen...
...Fortsetzung folgt...